Vontobel-Spitzenmann mit Russen-Vergangenheit

Georg Schubiger, Chef Private Banking, war bei dänischer Danske Bank für Baltikum zuständig – Dort Riesen-Geldwäscherei.

Georg Schubiger hatte zuletzt viel Rückenwind. Mit dem Kauf der Notenstein La Roche von der Raiffeisen für 700 Millionen wird Schubigers Vontobel Private Banking endlich ernst genommen.

Nun gerät Schubiger in einen Strudel, den seine Ex-Arbeitgeberin mit voller Kraft gepackt hat. Es geht um die dänische Grossbank Danske und deren Baltikum- und Russland-Offensive.

Dabei ist die Rede von Geldwäscherei in Milliarden-Höhe, wie die Financial Times kürzlich berichtete.

Schubiger war vor seinem Wechsel im Sommer 2012 Teil der obersten Führung der Danske Bank. Wichtig hier ist, dass Schubiger nicht einfach nur ein einfaches Mitglied der Danske-Topetage war, sondern dass er von einer Drittbank dazugestossen war.

Schubigers Ursprungs-Firma war nämlich die Sampo Bank, Finnlands drittgrösstes Geldhaus, das von der dänischen Danske im 2007 übernommen wurde, wie auch aus Schubigers Lebenslauf hervorgeht.

Für Schubiger, einen Ex-McKinsey-Berater, war der Danske-Sampo-Deal ein Glücksfall. Denn nun erfuhr Schubigers Karriere einen kräftigen Schub.

„Georg Schubiger, 38, has been appointed managing director of the Baltic banking activities“, meldete die Danske Bank in einem Communiqué von Anfang 2007, als sie die Integration der erworbenen Sampo dem Publikum mitteilte. „He will also join the Executive Committee of the Danske Bank Group.“

Wie der Lebenslauf von Schubiger auf der Internetseite der Bank Vontobel zeigt, war der Manager bis zu diesem Zeitpunkt ein hoher Kadermann bei der Sampo Bank und danach bei der Danske Bank.

Was im CV aber nicht steht ist, dass Schubiger im 2007 zum „managing director of the Baltic banking activities“ der vergrösserten Dänen-Grossbank gekürt worden war.

Das ist entscheidend für den weiteren Verlauf der Geschichte. Im 2013 machte eine dänische Zeitung erstmals publik, dass die Danske in einen riesigen Russen-Geldwäschereifall verwickelt sein könnte – und dass es um den für Schubiger heiklen Zeitraum von 2007 bis 2015 geht.

„Lax controls in its Estonian operations from about 2007 until 2015“: FT beruft sich auf Berlingske Newspaper

Dabei sollen die Dänen-Geldmanager Milliarden für russische und andere Ost-Geschäftsleute verschoben haben, ohne die geltenden Richtlinien und Vorschriften eingehalten zu haben.

Wie gefährlich der Fall für die Danske Bank werden könnte, zeigten weitere Berichte in der Financial Times. Der Aktienkurs der Dänen-Bank ist eingebrochen.

In der globalen Finanzzeitung war in den letzten Wochen wiederholt die Rede von einer gigantischen Dimension und immer grösseren Untersuchungen durch die Behörden.

Die Danske Bank ist somit mitten in einen Russen-Sturm geraten. Und zwar wegen ihrer Geschäfte via die Region Baltikum – also jene Zone, für die Vontobel-Spitzenmann Georg Schubiger in der „heissen“ Phase ab 2007 direkt verantwortlich war.

Ein Vontobel-Sprecher wollte gestern Abend nichts von einer Verwicklung von Schubiger wissen. “ Wir sehen kein Problem“, meinte er.

„Vontobel ist über den Sachverhalt umfassend informiert. Darüber hinaus gibt es keinen Zweifel, weil Georg Schubiger ab Frühjahr 2008 keinerlei Zuständigkeit oder Verantwortung für das Geschäft der Bank im Baltikum hatte.“

Grund für die Entlastung durch die Vontobel ist somit, dass Schubiger in den Augen der Zürcher Familienbank ab 2008 keine Rolle für das Russen-Geschäft via Baltikum gespielt habe.

Das steht zunächst in Kontrast zur Information der Danske Bank von Anfang 2007. Im dortigen Communiqué hiess es, Schubiger wäre der oberste Mann für die Baltikum-Zone.

Kein Widerspruch, betonte heute früh nach Publikation der Story der Sprecher der Vontobel. Er bitte um Korrektur, denn Schubiger habe wie gesagt ab 2008 keine Baltikum-Verantwortung mehr gehabt.

Als Beleg dafür wird eine Pressemitteilung der Danske Bank von Frühling 2008 angeführt. Demnach wurde Schubiger neuer Leiter für Business Development der Danske-Gruppe. Die Führung fürs Baltikum übernahm per 1. April 2008 ein langjähriger Danske-Banker.

In seiner Funktion als hoher Danske-Manager wurde Schubiger 2010 in den VR der übrig gebliebenen Sampo Bank gewählt, wie aus deren Geschäftsbericht hervorgeht. Die Danske-Tochter war damals nicht mehr fürs Baltikum zuständig.

Kein Baltikum in Schubiger ab 2008 also. Und doch wirft die scharfe Intervention der Pressestelle der Vontobel Fragen auf.

Als nämlich die Zürcher Bank Schubiger im Frühling 2012 als neuen Private-Banking-Chef ankündigte, strich sie dessen Russland-Knowhow noch explizit als grossen Vorteil heraus.

„(Schubiger) bringt neben einer ausgewiesenen Strategie- und Management-Kompetenz auch direkte Geschäftserfahrung aus Osteuropa und Russland, und damit aus erklärten Fokusmärkten der Vontobel-Gruppe, mit“, teilte die Vontobel-Bank damals mit.

Heute hängt sie Schubigers Russland-Background möglichst tief. Kommt hinzu, dass Schubiger zumindest bis Frühling 2008 die Verantwortung fürs Baltikum-Geschäft der Danske respektive zuvor der Sampo trug. Das ist unbestritten – und problematisch.

Wie sehr das von der Sampo Bank beackerte Baltikum im Zentrum der Russen-Geldwäscherei steht – und zwar explizit ab 2007, als Schubiger dort aufleuchtete -, geht aus einem Artikel der Financial Times von Juli dieses Jahres hervor.

„The bank’s problems centre on its Estonian branch where billions of dollars of suspicious transactions are alleged to have taken place between 2007 and 2015 involving money mostly from former Soviet states such as Russia, Azerbaijan, and Moldova“, steht dort.

Estland mit seiner Hauptstadt Tallinn ist einer von drei Staaten, die zur riesigen Sowjetunion gehörten und nach der Unabhängigkeit von Anfang der 1990er Jahre das freie Baltikum bildeten.

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

21 Kommentare zu “Vontobel-Spitzenmann mit Russen-Vergangenheit

  1. Wieder so ein unsäglicher HSG Typ – wann wird dieser HSG endlich der Lehrauftrag entzogen? Ein Sammelsurium von Feudalherrensöhnchen und Extremisten. Vermutlich noch finanziert mit Steuergeldern.

  2. Herr Hässig- in der Regel sind Ihre Beiträge aufschlussreich, am Puls der Zeit und mit Fakten belegt. Dies Beitrag scheint mir jedoch etwas schwammig zu sein. Wo bleibt die Würze, die Daten und vor allem: der Zusammenhang?
    Freue mich auf weitere (spannende) Beiträge Ihrerseits!

  3. Eine Geldwäsche Masche lief so, dass GUS Kundschaft im Baltikum € oder $ Kredite für Scheinleistungen an GUS Firmen aufgenommen haben. Der Kredit wurde ohne Gegenleistung zum Verschleiern in die Schweiz transferiert und wurde dann weiter zum Lebensmittelpunkt der GUS Kundschaft in die USA, GB oder Frankreich transferiert. Vermutlich dürften Danske und andere Banken jetzt mit den neuen US Sanktionen Probleme haben, wo die Kreditvergabe nach Russland auch für Firmen und Privatkunden verboten wurde. Viele Kredite dürften sicher wegen der Russischen Wirtschaftskrise monatlich umgeschuldet werden, was Formal ein neuer verbotener Kredit sein wird.

  4. Schubiger ist vermutlich auch ein Ex-HSG-ler, just wie alle schlafenden Lame-Ducks der RAIFF-Führungs-Crew.
    Selber vermutlich kaum einen Kunden beraten oder eingeholt, aber im CV überall Führer und Leiter. Ob er wohl weiss, welche Länder es alle im Osten gibt, wie jene Crossborder- und GwG-Bestimmungen dort jeweils genau lauten?
    Macht mal ein tailor-made Asessment mit dem, im Compliance, falls ihr das checkt! Ware verwundert, wenn er besteht.
    Vermutlich ein Grund, warum im WM von Schubiger, der RM-Bekannte rund 40 Länder pro Abteilung betreuen kann.

  5. Mich wundert es schon sehr lange dass Zeno immer noch an ihm festhält. Bei uns im PB heisst das Motto: nie den Schubi zu einem Kundentermin mitnehmen. Hat keine Ahnung vom Geschäft und während dem Gespräch verwirrt er den Kunden mehr als er eigentlich aufklären sollte… Darum verwundert es mich auch nicht dass er anscheinend in seiner früheren Funktion genau das gleiche gemacht hat wie bei uns bei VT, nämlich nichts und viel mehr abbricht als aufgebaut.

    • Bei der bevorstehenden Aufdeckung ist Ihre Kündigung gewiss! Ihr Charakter spricht Bände; ihre Anstellung geschah aus Versehen oder durch einen Faux-Pas eines Verantwortlichen des Personals. Judas-Typähnliche Mitarbeiter will nämlich keine seriöse Bank wie Vontobel eine ist. Mit deren Arbeitszeugnis wünsche ich ihnen bei ihrem nächsten Job viel Glück, sofern sie noch einen finden.

    • Fordern nicht Führungskräfte immer wieder offenes und direktes, möglichst auch kritisches Feedback ein?
      Jetzt hat das „VT“ gegeben und schon gibt es wilde Drohungen.
      Ich denke, „VT“ wird sehr ruhig schlafen. Oder glauben Sie ernsthaft, dass Vontobel Legal von Hässig eine IP-Adresse erhalten wird oder auch nur so blöd ist, da etwas einzuverlangen? Man weiss ja, wie Hässig auf Druck reagiert…

  6. Sehr aufschlussreicher Bericht, sauber hergeleitet! Laut seinem Lebenslauf war ja G. Schubiger schon zu Sampo-Zeiten verantwortlich für das Osteuropa-Geschäft (2004-2008). Nach der Übernahme durch Danske wurden die drei baltischen Sampo-Töchter im Juni 2008 zu Danske Bank A/S Niederlassungen umfirmiert:

    In June 2008, the Group rebranded its three Baltic subsidiaries and converted them into branches of Danske Bank A/S.

    The Group’s bank in Estonia has kept the name Sampo Pank, which is a strong and well-established local brand. In Lithuania, Sampo Bankas changed its name to Danske Bankas. The Group’s smallest unit in the Baltic countries, Sampo
    Banka in Latvia, was renamed Danske Banka. All of the three Baltic banks adopted the Danske Bank Group’s blue and white corporate identity.

    [aus Danske Bank Annual Report 2008, S. 34]

    Dabei fällt auf, dass die Bank in Estland explizit unter der Marke „Sampo“ weiterarbeitete. Offenbar hat man dort unter Osteuropa-Chef Schubiger sehr gute Aufbauarbeit geleistet.

    • Übrigens: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Estonia case auf die Schweiz überschwappt. Von den 30 Mrd. dürfte ein wesentlicher Teil auf hiesigen Bankkonten gelandet sein. Kleiner Gratistipp an die Finma: Verdächtig waren/sind z.B. alle grösseren und regelmässigen Eingänge, die von einer a) XY Trading Ltd in UK stammen und b) der Absender-IBAN mit EE, LV oder LT beginnt und c) als Grund für die Zahlungen z.B. „Electronics Goods“, „Computer Parts“ oder sonst was angegeben wurde (beigelegte Verträge oder Lieferscheine sind in aller Regel reiner fake). Die baltischen Banken haben eine wahre Meisterschaft in dieser „Dienstleistung“ für RU- und GUS-Kunden entwickelt.

    • So ist es Sandra, das ist auch meine Erfahrung im Russischen Geschäft. Mit der Zeit haben die Bankbeamte Kontakte mit fähigen Juristen vor Ort in der ehemaligen SU und mit willigen in unseren Städten entwickelt. Diese haben dann die Geldflüsse der Kunden mit original Fake-Dokumenten ausgestattet, dies zu Handen der hiesigen Compliance, die mit den Papieren zufriedengestellt wurden. Mit solcher Auspolsterung von Geldflüssen wurden …. Millionarden auch in die CH geschleust. Die derart operativen und produktiven Kundenberater haben dann triumphiert als net new Money Boliden, abkassiert als Stars und sind im Luxus noch steiler geworden. Wehe den anderen, braven kleinen Beratern, die keine solchen Juristenkontakte in Ost und West pflegten. Sie kamen im Kampf mit den Kollegen und mit der Compliance immer mehr ins Hintertreffen und wurden nach und nach aus dem bin Business aussortiert. Grosse Pakete mit Sprengkraft aus dem Russengeschäft hängen sicher bei etlichen Banken immer noch im Geschäft oder in den Archiven. Mehr oder weniger entschärft oder gesichert unter dem Schleier des Vergessens vielleicht, aber etliche Leute schon müssen beten, dass da nichts in den Bewusstseinshorizont von Behörden und Öffentlichkeit aufsteigt.

    • Da wird einem klar, dass das Kernproblem nicht ‚die Russen‘ sind, sondern dieses bei den westlichen Banken, Finanzzentren und deren gierigen Manager verortet werden muss. Diese ermöglichen die Geldwäsche und Korruption erst.

  7. Fuer die Danske Bank waere es natuerlich auch schoen sagen zu koennen dass es nicht ein Daene war sondern ein Auslaender der Mist gebaut hat.

  8. Eine weitere Schauergeschichte von Hässig gegenüber der Vontobel Bank und deren Management. Alles aus den Fingern gezogen, keine Beweise; eine reine Verschwörungstheorie des ätzenden Hässig. Es muss in der Vergangenheit etwas zwischen Hässig und Vontobel vorgefallen sein, das zu diesem Hass des Herausgebers von IP auf die vermutlich beste Privatbank Zürichs geführt hat. Vielleicht kann der indisponierte Hässig dies einmal den Lesern erläutern!

  9. Bei Russen wird immer gleich aufgeheult, gleichzeitig laufen hunderte von Wallstreet- und Canary Wharf-Gangstern unbehelligt herum und machen weiter ihre Betrugsgeschäfte, und die Firmen, welche sie beschäftigen und mit Boni überschütten, tun scheinheilig.

  10. Und wieder mal einen McKinsey Hintergrund. Warum wundert mich das nicht?
    Und der Schubiger soll doch einfach mal mit dem Glugzeug nach Dänemark reisen und da ein paar Wochen Ferien machen. Mal sehen, wie er zurückkommt.