Die Leiden der Bank Bär mit ihrem Saudi-Kunden

Privatbank hat arabischen Businessmann der Familie Bin Laden bei sich – In Heimat verhaftet – Nach Zaudern meldet Bär Kunde.

Der erschreckende Fall rund um den verschwundenen Saudi-Kritiker und Journalisten Khashoggi erreicht die Julius Bär.

Indirekt. Denn die Bär-Bank betreut seit langem einen der bekanntesten und reichsten Saudi-Geschäftsleute als Kunden.

Die Rede ist von Bakr Bin Laden. Sein Halbbruder Osama stürzte mit den 2001-Terroranschlägen die ganze Bin Laden-Sippe weltweit ins Verderben.

Rufmässig. In Saudi Arabien ging das Leben ungestört weiter. Bakr Bin Laden ist Geschäftsmann und Mitglied jener Familie, die als die Kennedys Arabiens gelten.

Bakr ist besonders aktiv, er baut mit seinem Firmenimperium halb Saudi Arabien: Paläste für die Herrscher, Moscheen für die Gläubigen, Strassen für die Bürger.

Bakr Bin Laden und die Julius Bär sind ein enges Gespann. Man kennt sich seit langem, man vertraut sich, man weiss ums Geschäft.

Das fast freundschaftliche Vertrauen wurde letzten Herbst über Nacht auf die Probe gestellt. Der neue starke Mann der Saudis, der junge zukünftige Herrscher, zündete eine Anti-Korruptions-Granate.

Er liess Bakr Bin Laden und weitere Businessleute verhaften. Statt in eine Zelle steckte er sie ins Nobelhotel Ritz, wo sie die Wahl hatten zu zahlen oder zu schmoren.

Einige zahlten und kamen frei. Bakr Bin Laden zahlte offenbar nicht. Jedenfalls kam er nicht frei.

Für die Bank Bär wurde die Lage ungemütlich. Eigentlich war klar, dass sie ihren berühmten, exponierten Kunden hätte der Geldwäschereistelle MROS melden müssen.

Schliesslich galt Bakr Bin Laden nach der Verhaftung als möglicherweise korrupt, was es für die Bär-Bank zur Pflicht gemacht hätte, ihn in Bern anzuzeigen.

Umgekehrt war die Aktion des jungen Saudi-Herrschers weltweit höchst umstritten. Und im Lichte der jüngsten Vorwürfe, wonach das Saudi-Regime den kritischen Journalisten ermordet haben könnte, gehen einflussreiche Kreise auf Distanz.

Ist das Saudi-Regime überhaupt eine legale Macht? So die Fragestellung für die Bären. Wenn nicht, dann müssten Kämpfer gegen diese Regierung nicht gemeldet werden.

Die Logik mag man nachvollziehen. Doch die Frage blieb schwierig. Wer will sich offen gegen das Saudi-Regime stellen?

Und wie kann man einen politisch exponierten Grosskunden, der verhaftet und festgehalten wird, den Behörden in Bern nicht melden?

Der Fall Bakr Bin Laden wurde zur Chefsache.

Die Bär-Chefetage, unter der jahrelang die Compliance der Privatbank umstritten war und die nun alle Geldwäscherei-Problemfälle aus der Vergangenheit bewältigen muss, wusste weder ein noch aus.

Dann tat sie, was sie in solchen Fällen meistens tut: nichts.

Sie wartete. Und wartete. Und wartete.

Bis es einfach nicht mehr ging. Dann meldete Bär Bakr Bin Laden den Geldwäscherei-Behörden, wie zu erfahren ist.

Kaum getan, schon explodiert der Saudi-Fall. Mit dem Verschwinden von Kritiker Jamal Khashoggi im türkischen Konsulat steht das Regime von Saudi-Arabien weltweit am Pranger.

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25 Kommentare zu “Die Leiden der Bank Bär mit ihrem Saudi-Kunden

  1. Die Menscheit lernt eben nicht dazu – Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen (W.Ulbricht) – Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort (R.Barschel) – ich habe nie gedopt (L.Armstrong) – es gibt keine Schummelsoftware in unseren Autos (VW, Mercedes, Opel).
    Warum sollte denn dann in einer Bank alles blitzsauber sein ? Und sollte es tatsächlich so sein – worüber würde man denn dann noch so gehaltvoll bloggen ??

  2. Für einmal nichts zu sagen….
    Aber es ist schon interessant, das der “ Bruder“ von grosse CIA – Agent und dann verrater könnte so lange sich ruhig bewegen…Frei bleiben und nicht gejagt…und jetźt Kashoggi…ein Journalist, täglich stirbt mindestens eine….die Dangerous Liasons ist jetzt offensichtlich oder? Noch nicht klar…
    Die CH – Banken müssten ein er Vesklerberger und anderen prompt – wegwerfen nach befehl von…. ohne richtige Gründen, aber eben nicht B. Laden, wieso nicht? Ist jetzt klar…. wer befehlt in der Schweiz ist auch klar oder ? Nicht FINMA, nicht Finanzdepartment…aber…. und dann wollen sie ein Selbstbestimmung für was bitte? Der Paradoxon könnte nicht grosser sein… lieber Schweizer….meine Ahnen, auch in USA…drehen sich in Grab….Danke, aber ein bisschen Stärke genau wo man braucht sollte die Helvetia schon zeigen, oder?🤣🤣😊

  3. Compliance ? Offensichtlich hat sich ihre Arbeit in der Praxis bestens bewährt, einmal mehr!

    Bis 2009:
    Monika Ribar, Chief Executive Officer der Panalpina Management AG, ist seit 2001 Mitglied des Verwaltungsrates von Julius Bär. In den neun Jahren bei Julius Bär, in denen sie auch dem Audit Committee angehörte, hat Monika Ribar gemäss Firmenangaben erheblich zur sehr guten finanziellen und operativen Aufsicht sowie Compliance der Gruppe beigetragen.

  4. Der Guardian UK schrieb bereits im Artikel 2008 nach der WikiLeaks-Veröffentlichung von Rudolf Elmer:

    „One of the more fascinating sets of records disclosed by Rudolf Elmer is, he says, the confidential investor list of an offshore fund run by the Carlyle Group with Bank Julius Baer, Cayman …….. According to the documents, investors included the Saudi prince Talal bin Abdul-Aziz ($1m); two companies advised by Prinz Michael von und zu Liechtenstein ($7m); the late Akram Ojjeh, who earned a fortune brokering arms deals in the Middle East ($2m); the Kuwaiti state’s sovereign wealth fund ($10m); and London-based Saudi companies linked to the Bin Laden family construction group ($2m).“

    https://www.theguardian.com/business/2009/feb/13/tax-gap-carlyle-group

    Weder Staatsanwaltschaft noch Bundesanwaltschaft trotz schriftlicher Anzeige von Rudolf Elmer sind auf die Sache eingetreten, sondern haben die Anzeige abgeschmettert.

    https://www.rudolfelmer.com/swiss-authorities-schweiz-behörden-protect-criminals-schützen-kriminelle/

    und ja, das System rächt sich mit Hilfe des Bundesgerichts an Rudolf Elmer in THE ECONOMIST von heute:

    https://www.economist.com/finance-and-economics/2018/10/16/a-court-ruling-knocks-another-hole-in-swiss-banking-secrecy

    Die Verleumdung ist schnell und die Wahrheit langsam. (Voltaire).

  5. und kein anderes Land dieser Welt baut hunderte von Moscheen im christlichen Abendland, während zuhause Andersgläubige als Abschaum betrachtet werden.

    Die Ungläubigen sind gerade gut genug um mit ihnen, den gierigen A….löchern, (Waffen-*) und Bank-Geschäfte (Bär, UBS), sowie modernde Beteiligungen (CS) zu unterhalten und zu betreiben.

    Wer mit solch Dekadenten Geld verdienen muss, handelt unverantwortlich und entgegen sämtlicher Gesetze.

    „Davos in der Wüste“: Wer will sich mit diesen ins Bett legen?

    *) Ruag u.A.
    zu betreiben.

    • der erste abschnitt reflektiert der Unterschied zwischen Demokratie und parlemanterische Monarchie oder absolute Monarchie

      Wir müssen uns genau deswegen nicht beschweren, man hat ja leichtes Spiel, wenn man in der Demokratie alles anfechten darf.

      3. Abschnitt: Viele Produkte, die Sie im Alltag benutzen ist von Arabien also deren Länder (Aluminiumaufbereitung ist VAE neben Australien Marktführer, Kunststoffgranulat (SABIC) in der CH sehr oft vertreten, das Öl, woraus unser Benzin, Diesel oder auch Kerosin kommt an der Tanksäule. Das heisst, Sie sind genauso involviert wie die Banken und viele dieser Familien sind nunmal reich, durch ihr Imperium. Darum darf man keine Geschäfte machen mit ihnen, weil sie araber sind?
      Unser Schmuck (Diamanten kommen viel aus Jordanien). Viele sind reiche Händler, nicht immer alles und jeder ist korrupt. Zudem könnte man dann fast die ganze Schweiz als korrupt sehen, wenn ich merke, wie viele Leute die Vetternwirtschaft und Beziehungen in der Baubranche ausnutzen, um möglichst den Auftrag zu bekommen oder sogar schwarz arbeiten lassen (DANKE geht an UNIA und die linken und Grünen Politiker)

      Sie sind damit genau so unvernünftig wie wir alle sind nunmal in einer heute global vernetzten Welt.

  6. Saudi ist ein Land, wie jedes andere auch mit Vor- und Nachteilen.
    Hierzu kommt ein Land, wo der Grossteil der Bevölkerung jünger als 35 Jahre ist. Das Land braucht Reformen, aber hat zugleich ein riesiges Wachstumspotenzial in der Wirtschaft. Saudi-Arabien ist ein spezielles Land und daher finde ich nicht darüber zu urteilen, was gerade passiert.
    Es wird sich noch herausstellen, ob gut oder schlecht… Zugleich müssen wir beachten das Saudi-Arabien den Kontakt zu den Palästinensern massiv abgebaut hat und sogar Kontakt mit Israel pflegt: eine Lösung des ganzen Konflikts?

    Zum Bericht:
    2 verschiedene Paar Schuhe und mit dem Finger wird auf die Politik Saudi-Arabiens gezeigt…. Wir können auch gerne auf die Politik der Schweiz zeigen, wo in verschiedenen Bereiche einfach nur Mist entsteht.
    Diese Anti-Korruptions-Granate von Mohammed bin Salman war rein ein inländisches Vorgehen zum den Leuten diese enorme Reformbereitschaft zu zeigen. Ob diese Leute wirklich korrupt sind, lässt sich schwer einschätzen, da dieses Land viele grosse Firmenimperien haben, die in allerlei Industrie tätig sind für meist Region Mittlerer Osten, Afrika und aber auch Europa.
    Die grossen Geschäftsleute sind sehr vernetzt mit der westlichen Welt und man will sie sicherlich zurückdrängen oder auch für Reformen überzeugen im eigenen Land, da das Land wirklich einen riesigen Wachstumsbedarf hat durch die junge Bevölkerung, wovon sehr viel gut studiert sind. Da gibt es auch keinen Zusammenhang mit dem Verschwinden eines Saudischen Journalisten.
    Ich sehe auch keinen Grund die Bank Bär in Mitleidenschaft zu ziehen, das sind meist interne Risikoüberlegungen, die zu einer Entscheidung führen. Daher wird man die Lage sicher genau geprüft haben. Zudem hat die Bank Bär im Mittleren Osten sehr gutes ansehen, da man seit 2004 (Erhalt der Banklizenz) in Dubai vertreten ist.

    Alles hier nur jommeris und nörgeler!!
    Banken haben es schon schwer genug!!!

    Last but not least konnte man mit diversen Saudis sprechen in Bad Ragaz SG, als die Nationalmannschaft sich für die WM vorbereitet hat…
    Sehr angenehme Leute auch wenn etwas arrogant für manch GCC-Staaten… da sind die anderen Länder weit besser dran (inklusive Katar)

    • ich muss jetzt viel Taschentücher hervorkramen, weil ich bitterlich weine über so viel „Ungerechtigkeit“ welche wir diesen armen Leuten in SA antun.

      Keine Silbe über die schändliche Kriegsführung in Yemen, die Iran – Agressivität mit beinahe täglichen Anschlägen im „Feindesland“ . Die obskuren Animositäten vis-a-vis Kanada, Quatar und anderen Staaten.

      Salman, der pubertierender Wüstenprinz, verdient es keine Sekunde den vermutlichen Mord an Jamal Khasoggi ungeschehen zu machen. Wer mit solchen Staaten Geschäfte macht verdient es ausgegrenzt zu werden.

      Basta!

    • @der Nichtwissende: und wo zeigt LH mit dem Finger auf die Saudis? Bitte Text besser lesen!

    • @ Robert Weingart

      ich habe mich im Vorfeld auf die reagierende Kommentare bereits bezogen.

      @ yours truly

      Das ist sehr nett, dass Sie weinen. Ich fühle mit Ihnen, denn es geht um die Betrachtung wo wir dank den Medien hier in Europa haben. Würden wir in diesem Land leben und aufgewachsen sein, hätten wir ein ganz anderes empfinden für diese schöne Land!
      Zum Thema Katar oder Engl. Qatar: ist es wirklich obskur, wie Sie es behaupten? Sehr viele Indizen zeigen nach Katar, da sie auch die Muslimbruderschaft unterstützen, welche sogar von Europa nicht akzeptiert wird. Es gibt widerum manch Sachen, die nicht rund laufen, deshalb bin ich auch gegen die Blockade für den Golfstaat, Katar.
      Die Familie Salman möchte sich festigen auf dem Thron und deshalb sind solche Machtspiele an der Tagesordnung. Denn wie Sie ja auch wissen war vorher das Geschehen durch die Familie Al Saud geleitet worden. Das sind Machtkämpfe und man möchte die Familienimperien an der Leine halten. Andere Rechtsgrundlage = andere Regeln = andere Sitten. Wegen dem darf man nicht mehr mit denen Geschäfte machen, sehr blauäugig wenn es Demokratien gibt, die für Ihre macht genauso brutal vorgehen und wir es nur nicht wissen (Osteuropa, USA etc.)
      Wir leben leider in einer Welt, wo nur der Stärkere gewinnt, hat definitiv auch mit der Gesinnung des Menschen zu tun. Also müssen wir drüber stehen und trotzdem so friedlich mit unseren Mitmenschen umgehen wie möglich.
      Wenn wir (Firmen in Europa) Geschäfte machen wollen, dann ist das legitim und haben uns auch nach den Gesetzen in diesem Land anzupassen wie auch sie bei uns. Nur das bei uns alles dank der Demokratie angefochten werden darf. Wir sind selber Schuld.

    • @ der Nichtwissende (oriental Dreams)
      @ Yours Truly

      endlich hat sich der Niveau erhöht und sie scheinen mir auch relativ gut informiert zu sein….eben relativ…
      Ich bin mit der Schlussfolgerung von „der Nichtwissende (oriental Dreams)“ einverstanden natürlich, aber eben wir wissen nichts, überhaupt nichts…. aber die Banken Daten sprechen ziemlich laut… haben sie schon gehört?

      „There are known unknowns“
      Donald Rumsfeld, the then US Secretary of State for Defence 2002

  7. Da wird nicht viel passieren. Saudi Arabien ist viel zu wichtig um sich das Geschäft und die Profite von popligen Menschenrechten kaputtmachen zu lassen. Es fragte ja auch nie jemand über die Herkunft des Geldes der Saudis, es wird automatisch als legitim betrachtet. Jeder Bürger der mal ein wenig mehr einzahlen möchte, wird da schon deutlich mehr geprüft und muss die Herkunft des Geldes belegen. Die Saudis nie.
    Kashoggi wird in 3 Wochen vergessen sein und das business geht weiter.

  8. Herr Hässig, eine grundsätzliche Bemerkung: Diese Woche laufen Sie ja wieder mal zur Höchstform auf.
    – EY-Fall
    – SIX-Fall
    – Cler-Anzeige
    – Investnet Case
    – Lachappelle Performance
    – Fall hier
    Alles mit Eigentecherche, alles Primeurs. Alles Themen, die andere Medien auch gerne bringen würden (den Fall EY-G. wohl nicht, aber der Fall EY-S. hätten die gerne gebracht).
    Super Arbeit!

    • Die Journis der NZZ erholen sich noch vom ZFF, und Dirks Leute sind mit der Planung neuer Podiums-Gespräche voll beschäftigt.

      Und LH bringt die Primeurs aus dem Feriendomizil …..
      Was passiert wohl, wenn er erst zurück ist?

    • Wir wollen mal nicht übertreiben von wegen Eigenrecherche. LH wird von verschiedenen Spin-Doktoren oder PR-Bütel gespiesen, die allesamt eine eigene mehr oder weniger ehrenvolle Agenda haben.

    • @F.Alken-Strasse:
      Nicht zu vergessen, dass die Journis sozusagen als Nebenbeschäftigung permanent drauf achten müssen, nicht mit des CR-Gujer’s Partnerin ins Gehege zu kommen. Wie will man da noch fundiert recherchieren…?! 🙂

    • @Realist
      Also ich seh jetzt nicht, welcher PR-Heini am EY-, SIX-, Lachappelle- oder Investnet-Fall ein Interesse haben könnte. Das sind ganz klar Insider, die Missstände anprangern wollen.
      Und diese Insider scheinen nun praktisch alle IP zu nutzen. Was mich nicht wundert. LH kann Schreiben, hat Reichweite und ist vor allem unabhängig. Haben Sie mal den VR von Ringier angeschaut? Ein Insider, der sich da mit einem Fall zB zur UBS meldet, kann sich auch gleich die Kugel geben. Und warum den Umweg über die Finma machen? Die Finma liest ja IP und nachdem ein Fall auf IP gelandet ist, kann man ihn viel schlechter Vertuschen.