25-Mio-Betrugskrimi erschüttert Züri-City

Firma, die CS den Namen Kreditanstalt abluchste, soll betrogen worden sein – Razzien, 5 Festnahmen – Swiss PKs geschädigt?

Die Little Big City erlebt ihren kleinen Madoff. Letzte Woche stürmten Polizisten Büros im Finanzdistrikt von Zürich und ein Privathaus an der Goldküste. 5 Leute wurden abgeführt.

Grund: Strafuntersuchung wegen Betrugs. Die mögliche Deliktsumme ist kein Kinkerlitzchen: 25 Millionen Franken sollen von Finanzbetrügern abgestaubt worden sein.

Die Staatsanwaltschaft Zürich bestätigt, dass sie „Zwangsmassnahmen gegen mehrere beschuldigte Personen“ erlassen habe, „wobei keiner der Beschuldigten in Untersuchungshaft versetzt“ worden sei.

Sprich: Nach den Mitnahmen und Befragungen durften alle fünf Verdächtigten nach Hause. Laut dem Sprecher der Ermittler dürfte die „Deliktsumme … im Bereich von mehreren Millionen Franken liegen“.

Im Zentrum steht eine Firma, die letztes Jahr von sich reden machte: die Schweizer Kredit AG. Diese wollte sich in „Schweizer Kreditanstalt“ umbenennen und liess den Namen registrieren.

Die Credit Suisse als Nachfolgerin der alten Schweizerischen Kreditanstalt war Not amused.

Nun schreibt die Schweizer Kredit AG, die mit Kleinkrediten Geld verdienen will, Schlagzeilen anderer Natur. Sie soll Opfer eines gross angelegten Betrugs geworden sein.

Ihre Investoren aus der Schweiz und aus Österreich könnten um Millionen erleichtert worden sein. Diese schalteten vor ein paar Monaten die Polizei ein.

Einer der Betroffenen nahm sich einen bekannten Anwalt, der früher rund um die Fifa aktiv war. Der Investor, der eine lange Bankenkarriere hinter sich hat, befürchtet, dass er Betrügern auf den Leim gegangen ist.

Er will namentlich keine Aussagen machen, da er keine öffentliche Person sei. Auch einer der kurzzeitig Verhafteten lässt sich mit Namen nicht zitieren.

Sein Sprecher betont, dass weder dessen Firma noch dessen Name genannt werden dürfe. Sein Mandant sei Opfer und nicht Täter, das Strafverfahren sei ausgelöst worden durch „den Mehrheitsaktionär einer (…)Firma, um von seinen eigenen Verfehlungen abzulenken, die er sich als früherer Verwaltungsratspräsident hatte zu Schulden kommen lassen“, sagt der Beauftragte.

Besonders viel verloren haben könnten eine österreichische Traditionsfirma und Schweizer Pensionskassen. Laut einer Quelle habe auch die Credit Suisse Geld investiert und könnte dieses verlieren.

Bei den Österreichern geht es um die Familienfirma Riedel. Diese hat eine lange Geschichte in der Glasindustrie. Laut einer Quelle hat Riedel eine grosse Summe in die Schweizer Kredit AG investiert.

Die Österreicher glaubten, dass es sich um ein gutes Investment handeln würde und mit Kreditvergaben eine schöne Rendite zu erzielen wären.

Nun könnten sie Opfer eines Betrugs geworden sein. Dann nämlich, wenn Hintermänner das Geld der Österreicher nicht zum Investieren ins Business gebraucht haben sollten, sondern für andere – eigene – Zwecke.

Laut einer anonymen Quelle stehe im Zentrum der Ermittlungen ein enger Kern von Vertrauten, die ihre Finger in mehreren Firmen im Spiel hätten. Es würde sich demnach um ein ganzes Geflecht von Verantwortlichen handeln, die mit einem Plan gehandelt hätten.

Die Strafermittler der Staatsanwaltschaft III, welche Wirtschaftsdelikte aufspürt, lassen sich nicht in die Karten schauen. Die Razzien vor wenigen Tagen an mehrere Orten und gegen mehrere Beschuldigte zeigen aber, dass es sich um einen grösseren Fall handelt.

Kommentare

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  1. Schon sehr interessant, die Anzahl der Firmen wo der M involviert ist. Immobilien (welch wunder), Handel mit co2, Glücksspiel, etc, etc…

    Und ja, es stimmt, bei überdurchschnittlich vielen Betrügereien sind Leute aus dem Norden involviert!

  2. …und die nächste Pleite gibt’s dann bei der Allgemeinen Kreditanstalt Schweiz. Sieht man sich die ehemalige Adreese an, wird’s einem schnell klar, dass hier die gleichen Leute die Finger im Spiel haben…war der nicht auch schon bei der Cembra Jurist? Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!

  3. Die Schweizer Kredit AG hat 3 Bonds ausstehend im Umfang von total CHF 125Mio. Die ersten 25Mio wären nächsten Juli zur Rückzahlung fällig, weitere 75Mio Ende Oktober 2019…
    Bin mir also nicht ganz sicher, ob 25Mio als Deliktsumme reichen wird und die Obligationäre jemals einen Rappen sehen werden…

  4. Tja unter dem slogan „Private Debt“ lässt sich heutzutage jeder noch so erdenkliche Müll an den Mann bringen, insbesondere wenn man mit Negativzinsen zu kämpfen hat. Kann mir sehr gut vorstellen dass da noch haufenweise Betrügereien aufgedeckt werden.

  5. Ich habe nie im Leben Fonds gekauft, nur Aktien. Bei den Fonds und strukturierten Produkten kassieren die Banken unbemerkt Riesensummen.

  6. Kriminal-Tummelplatz Schweiz. Dieser Fall ist nur einer von jährlich Hunderten, wo halbseidene Ganoven unsere laschen
    Gesetze missbrauchen. Mit dubiosen Firmengründungen , oft oder meistens, durch Ausländer oder Aufenthalter mit Permit B , entstehen jährlich zig Millionen an Betrügereien und Totalverlusten. Die Schweiz gilt unter den Ganoven als reinster Honigtopf! hier lohnen sich Veruntreuung, Diebstahl, Verbrechen und Betrug weil diese kaum geahndet werden . Die Wirtschaftsverbrecher melden oft Konkurs an , stehen morgen darauf schon wieder vor ihrer nächsten Beute welche ausgenommen werden soll. Wenn die Zahlen stimmen, ist das Verhältnis Ausland/Schweiz 90:10 0/0! Die Handelsregister tragen eine nicht geringe Mitschuld an diesem Kriminaltourismus.

    • @Choucroute: Sehr guter Kommentar, auch was die zweifelhafte Rolle der Handelsregisterämter betrifft. Auch hinter der vorgeblichen „Schweizer“ Kredit AG stehen Deutsche, die bereits eine Spur an gecrashten Firmen hinterlassen haben (z.B. Angel Telecom in Zug). Man kann nur den Kopf schütteln über Investoren, welche bei solchen Hasardeuren einsteigen. Wer aber am Ende eines solchen Trauerspiels immer profitiert sind hiesige Wirtschaftsanwälte, die mit üppigen Honoraren den halbtoten Firmen noch den letzten Rest an Substanz aussaugen. Im Fall der Schweizer Kredit AG beispielsweise hat das Bezirksgericht Zürich mit Entscheid vom 2.2.2018 die folgende Stundenansätze für die sachwaltende Kanzlei festgesetzt:
      – Mandatsleiter sowie Partner: CHF 370.-
      – Angestellte Anwälte: CHF 300.-
      – Substituten: CHF 200.-

      Ein wahres Schlaraffenland, unser Wirtschaftsstandort.

    • Ja, ja, immer die Ausländer. Wussten Sie, dass unser Schweizer Anführer aller Nicht-Landesverräter, zwar ein Dr.iur. ist, aber trotzdem nicht wusste, dass man anvertraute fremde Aktien nicht verkaufen darf? Und dass er deshalb vom Zürcher Obergericht wegen entschuldigten (!) Verbotsirrtums freigesprochen wurde? Bei Wirtschaftsdelikten macht uns Schweizern kaum jemand etwas vor. Die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte hat fast nur mit Schweizern zu tun.

    • Auch die alte Adresse der Schweizer Kredit AG in Zürich verspricht nichts gutes – da sind auch die Deutschen (und im übrigen auch österreichischen) Herrschaften einer anderen Firma ein und ausgegangen – aber wie so immer, nach mir die Sinflut! Die Herren sind bereits wieder in Ihren Heimatländern oder machen weiter, gemäss Moneyhouse mit einer neuen Firma in der Zentralschweiz!

    • Seppli: zur entschuldigung unserer kaste, „der“ war ursprünglich ennet vom rhy.

  7. Schweizer Kredit AG, in Zürich, CHE-402.140.588, Aktiengesellschaft (SHAB Nr. 218 vom 09.11.2017, Publ. 3859017). Mit Entscheid vom 02.02.2018 hat das Bezirksgericht Zürich eine provisorische Nachlassstundung bis zum 03.04.2018 gewährt.

  8. Warum kaufen die Leute keine Indexfonds und bewirtschaften diese mit einer Trendfolgestrategie (200-Tage-Linien-Strategie)?

    Notfalls eben Staatsanleihen, z. B. US-Treasuries?

    Wer ist heute noch so unüberlegt, irgendwelchen windigen Gaunern aufgrund von blumigen Versprechungen größere Summen anzuvertrauen?

    • Wer? Jeder Gierhals der auf das schnelle Geld aus ist und sich von zweistelligen Renditeversprechungen blenden lässt. Und davon gibt es immer noch genügend.

    • Wenn Sie ein erfolgreicher Betrüger sein wollen, müssen Sie vertrauenswürdig sein. Ein offener, ehrlicher Blick ist Grundvoraussetzung, kein Protz, aber Qualität. Dann brauchen Sie noch einen anständigen Lebenslauf. Und als Drittes müssen Sie eine leicht verständliche Geschichte = Businessplan haben. Dann können sie ponzen oder madöfflen. Aber auf windige Gauner mit blumigen Versprechungen fällt kaum jemand herein.

    • @Mike; die Renditeversprechung war 4% und nicht im 2-Stelligen Bereich. Das Produkt wäre gut, und funktioniert auch, nur haben diese Ganoven betrogen. Um das geht es hier – und nicht um doofe investoren die gierig waren.

    • @Falsch
      Jo. Aber Futuras Frage war sehr allgemein gehalten finde ich, also habe ich sehr allgemein geantwortet. Und viele Leute fallen eben immer noch blauäugig auf hohe Renditeversprechen rein.

  9. @ Lukas: Gibt es denn eine Definition für „öffentliche Person“? Ich denke nicht. Offenbar ist der nicht genannt werden wollende über Nacht in diese Liga der „öffentlichen Personen“ aufgestiegen 🙂

    • Es gibt keine öffentlichen Personen, aber Personen des öffentlichen Lebens. Es gibt keine gesetztliche Definition, auch wenn diese Formulierung u.a. im DSG verwendet. Die allg. Definition ist in etwa „eine bekannte Person, die regelmässig im öffentlichen Leben wahrgenommen wird“. Wobei auch das sehr viel Interpretationsspielraum gibt.

      Gilt das für einen Politiker? Definitv. Für Künstler? Ja, wohl schon. Auch für den CEO einer grossen Privatbank? Ich denke ja, wenn man bedenkt, wie häufig bei uns Namen und Bilder gewisser Damen und Herren durch die Presse gehen. Für den Lebensretter einer Katze, dessen Name einmal in 20 Minuten stand? Wohl kaum.

    • Ich und meine Investoren wären im Jahr 2016 auch fast reingelegt worden, aber eben nur fast. Die Verantwortlichen sind professionell und gerissen vorgegangen; wenn man allerdings die richtigen Fragen gestellt hat, kam nichts. Hier eine typische Antwort (copy paste) des CEO auf eine meiner vielen Emails und Fragen:
      Hallo F.
      Danke für Deine Nachricht.
      Wir sind zur Zeit nicht in der Lage einer Deiner vorgebrachten Punkte bei der SKAG zu berücksichtigen, da wir uns nun voll auf den erfolgreichen Aufbau unseres Geschäftes fokussieren muessen.
      Vielen Dank für Dein Verständnis und weiterhin viel Erfolg.
      Beste Gruesse

  10. Die Bezeichnung im Artikel „Kinkerlitzchen“ (vom französischen la quincaillerie) geht definitiv wie Balsam den Hals runter.

    IP-Poesie im Fahrwasser von Betrug und Ganoventum.

    • Like it! – Die Ganoven alter Schule (aka „Panzerknacker“) holten sich oft noch ihre Arbeitsausrüstung in einer gut assortierten Quincaillerie.