Überfüllte UBS-Kantine, Leere in Golden CEO-Spa

Bekanntes „Culi Elite“ der Grossbank bietet neuerdings den CS-Bankern Asyl – Warteschlangen, Tischmangel.

Ihr Ruf geht zurück auf die Zeit der UBS-Vorgängerbank SBG. Damals hiess es noch Culinarium. Weniger prosaisch: Kantine.

Nun nennt sich der Ort noch edler. „Culi Elite“, so der neue Begriff für das Personalrestaurant der UBS-Angestellten und -Manager am Hauptsitz der Grossbank, zwischen Zürcher Bahnhofstrasse und Nüschelerstrasse.

Überfüllter Banker-Tempel (Culi Elite)

Dort herrscht seit neuestem Platznot. Die Banker in ihren schwarzen Anzügen und grossen Schuhen müssen sich an der Kasse gedulden, bis sie ihr Tages-Menü für 10 Franken 30 von ihrer Personalkarte abbuchen lassen können.

Grund: Seit kurzem strömen um 12 Uhr mittags auch die „Kollegen“ von Erzrivalin Credit Suisse ins Culi. Sie haben Gastrecht von der UBS erhalten.

Respektive von der Betreiberin der Banker-Kantine, dem SV Service. Zuvor hatte ein anderes Personalrestaurant für die Zürcher Finanz-Angestellten dichtgemacht, jenes beim Sankt-Peter, unweit des Paradeplatzes.

Dort entsteht ein Hotel. Betongold bringt mehr als Banker-Gastronomie. Wohin mit den gestrandeten CS-Bankern?

Sie hatten ihre eigene Verpflegungsstätte schon vor ein paar Jahren verloren. Der Ort lag an der Schanze, das ist am Kanal beim Bleicherweg, ebenfalls nur ein Steinwurf vom Epizentrum des Finanzplatzes entfernt.

Das Haus mit der CS-Kantine wurde in teure Mietobjekte verwandelt. Also das gleiche Lied wie beim Sankt-Peter: Immo-Rendite hoch und höher.

Nach den Schliessungen standen die CS-Banker da ohne Günstig-Menü. Was nun? Die UBS bot Hand: Ihr seid herzlich willkommen.

Doch jetzt wird es eng. Die Banker finden um die Mittagszeit kaum mehr einen freien Tisch. Zusammenrücken hilft nicht weiter.

Immer mehr UBS-Leute, die bisher regelmässig ihr subventioniertes Essen in der bankeigenen Kantine eingenommen haben, suchen sich heute ihre Hauptverpflegung sonst wo in der City.

Weiterhin hungrig? (UBS)

Nicht weiter schlimm. Doch der Kontrast mit der Elite des Finanzmultis sticht ins Auge. Für sie hat die Bank am herausgeputzten Hauptsitz einen Luxus-Spa mit Fitness eingerichtet.

Members only. Das Dutzend Konzernleitungs-Mitglieder und die 100 Group Managing Directors, die für gleiche Arbeit 1 Million mehr als ihre „Peers“ einstrichen, haben Zutritt; der Rest bleibt draussen vor der Tür.

Und kriegt nun schwere Beine in der Schlange im geliebten Culi. Nie wurde „unten“ und „oben“ fassbarer – wobei der Graben nicht mehr in der Mitte der Futterkette liegt, sondern weit oben.

Kommentare

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  1. „Culi Elite“?!
    Non è vero: I migliori culi di Zurigo?
    E un nome molto volgare per una mensa, no?
    Porca miseria.

    • No, anzi, il nome è perfetto e descrive esattamente la tipologia di clientela che si reca li a conviviare!

    • Ein angenehmer Treffpunkt, wo auch „Ehemalige“, Pensionäre gut abmachen und essen konnten. Schade.

  2. Die UBS-Kantine ist seit geraumer Zeit offen für alle – die Drehkreuze am Eingang wurden schon vor Jahren entfernt und es gibt interne Preise (UBS-Personal) und externe Preise (Besucher)…
    Von daher betrachte ich es als Irrtum, hier von „Gastrecht“ zu sprechen. Otto Normalo kann sich dort auch verpflegen, wenn er denn möchte… Genauso gut wie Sergio Ermotti und Tidjane Thiam…
    Ein „nicht UBS’ler“

  3. Mein Coiffure akzeptiert twint. Eine geniale Sache!

    Das erspart ihm das bargeld-risiko, die teure six-bezahlstation und mir das lästige bargeld.
    Jede einfache gesellschaft kann mit einer handy nummer den cash-flow digitalisieren.

    Und ich als bezahlender Kunde bin auch froh. Peer-2-peer ist toll!

  4. Da ja andauernd beim Mittagessen über geschäftliche Dinge gesprochen wird ist es doch ein riesiges Problem, dass jetzt die Konkurrenz ununterbrochen mithört. An das hat wohl niemand gedacht. Geht’s eigentlich noch?

    • Wieso? Ist doch super. Da kann man dann das Netzwerk erweitern und neue Mitarbeiter anwerben 🙂 Tiptop für die Jobsuche!

  5. „Elite“ heisst das Culi schon seit vielen Jahren, weil es im Gebäude des ehemaligen Hotels Elite ist. Man sollte sich schon ein wenig auskennen in Zürich, wenn man über diese Themen schreibt („Inside“ Paradeplatz).

  6. Ui, viele zartbeseidete UBSler werden Hautausschläge bekommen. Friede, Freude vor dem Futternapf! Und der Heiratsmarkt wird gratis vergrössert.

  7. Ist das ein erster Testlauf um die beiden Grossbanken zu fusionieren?
    Solche Pläne werden immer zuerst auf belanglosen Nebenschauplätzen durchgespielt. Es ist jetzt gut darauf zu achten, wo inskünftig auch noch zusammengearbeitet werden soll.

    • Nach unbestätigten Berichten im Luxus Spa!? TT und UR sollen dort zusammen mit Ermotti und Weber auf der Suche nach dem Osterhasen gesehen worden sein.

  8. Grüezi,

    es ist keiner gezwungen bei diesen Unternehmen zu arbeiten, resp. das Mittagessen in deren Kantinen einzunehmen. In der Stadt wird es noch andere, günstige Alternativen geben.

    Fraglich ist zweifelos was diese „Story“ auf einem Finanzblog, der sich für Insider-Informationen rühmt, zu suchen hat. Dies kann der Autor sicher erläutern.

    • Hat es – aus meiner bescheidenen Sicht – sehr wohl. Zeigt nämlich die (ziemlich beschämende) Entwicklung der diesbezüglichen Unternehmenskultur ziemlich schlagend auf! Wenn nämlich das „Fussvolk“ nicht mehr mit einem Mindestmass an Würde versehen wird, wird es wohl auch kein Yota an Loyalität mehr aufbringen (können).

  9. Nun ja, irgendwie muss die Elite ihre Mitarbeiter an die Suppenküche der Schweizer Tafeln heranführen, dann wir die Umstellung nach dem Jobverlust nicht allzu gross.

  10. Hopfen und Malz verloren – bei Lukas bleibt ein nüchterner Fitnessraum mit einer Handvoll Fitnessgeräten ein Luxus Spa.

  11. […] Überfüllte UBS-Kantine, Leere in Golden CEO-Spa  Inside Paradeplatz […]

  12. LH macht hier einen punkt. unerträglich die situation im culi. ein vertrauliches gespräch gar nicht mehr möglich, die konkurrenz hört spitz mit.

  13. Gemeinsame Kantine, ist doch gut, da können sich die mittelmässigen Banker auf die Fusion von UBS und CS vorbereiten.

  14. Das Gastrecht der CS-Banker in der Zürcher UBS-Kantine ist bloss eine Vorwegnahme des Unabwendbaren. Schon bald werden sämtliche aktuellen CS-Mitarbeiter weltweit in UBS-Kantinen verpflegt werden: nämlich nachdem die SNB die UBS zur Zwangsrettung der maroden CS „überzeugt“ haben wird.

    • Ist denn schlussendlich die UBS (geschäfts- und nicht verpflegungsmässig) dermassen besser aufgestellt?

    • Warum sich aufregen? Bei soviel Anal–ysten die eine Grossbank beschäftigt, geht so manches am Arsch vorbei.

    • Und noch einen drauf: Je höher der Affe steigt, je mehr er seinen Hintern zeigt.

  15. Wenn eine (selbsternannte/selbsdefinierte) „Elite“ glaubt, den Kontakt zum Fussvolk verlieren zu können, ist 1789 nicht mehr weit.

    Was macht ein gedemütigter Prokurist oder Vizedirektor: Loyalität ade, Silberscheiben an Deutschland verkaufen.

    Eine intelligente „Elite“ alter Schule würde Mitarbeiter und Mittelmanagement besser behandeln.

    „Wir da oben, ihr da unten“: Hochmut kommt vor dem Fall.

    Früher hat man seine Generaldirektoren regelrecht verehrt, auch wenn das autoritäre Figuren waren. heute gibt’s nur noch Verachtung – oder Hass.

  16. Finde ich doch geil! Ist in etwa so, wie wenn die Leute von Rolex täglich in der Omega-Kantine verkehren würden, oder umgekehrt. Geht gar nicht, finden wohl die CEOs von Swatch und Rolex? Eben. – Wie doof ist eigentlich die UBS bzw. sind die Entscheidungsträger? – Es sei denn, es würde hier die Fusion beider Banken („Bank Schweiz“) bereits auf „originelle“ Art eingeläutet…

  17. Tatsächlich ist es schlimm geworden. Früher war das mal eine top Kantine für UBS. Jetzt herrschen mittags schlechte Verhältnisse. Miserable Luft, Gedränge, Wartezeiten, ELL-Bogen Kampf mit den tableaus. Schlimmer gehts nimmer.
    Schade, dass diese einst so tolle Kantine kaputt gemacht wird.

  18. Kantinen für Banker gehören generell abgeschafft. Diese Sorte Mensch verdient genug Geld, um sich in normalen Restaurants verköstigen zu können. Zudem stehen jedem Banker weitere grosszügige Fringe Benefits zu wie z.B. vergünstigte Personalhypotheken. Das sollte reichen, mit den mickrigen Jahressalären über die Runden zu kommen.

    Zeit, dass auch hier die Realität Einzug hält.

    • Danke vielmals für „Diese Sorte Mensch“; wenn du die Umstände auch nur ansatzweise kennen würdest (im Artikel sind sie wirklichkeitsgetreu umschrieben), hättest du zumindest den Anstand, auf solche Formulierungen zu verzichten.

    • Nicht vergessen, diese „Leute“ müssen jeden Tag mindestens 8h arbeiten und Mittagessen zählt als Freizeit (Im Gegensatz zum Businesslunch wo man locker 1-2h gemütlich im Restaurant sitzt.).

  19. Erinnere mich immer wieder gerne an das Culinarium – weiss gedeckt, nette Bedienung, gutes Essen und super günstig. Das waren noch Zeiten als die Mitarbeiter noch geschätzt wurden.

    • …“hätte Sie no gärn echli supplément?“ wurde einem beim Abräumen vom Servierpersonal freundlich gefragt?.. Gute alte Schule!

    • Es gab drei Menüs unter 10 Franken, inkl. Suppe, Salat und Dessert, alles mit Bedienung…..

  20. Wenn ihr gegessen und getrunken habt,
    seid ihr wie neu geboren;
    seid stärker, mutiger, geschickter
    zu eurem Geschäft.

    Johann Wolfgang von Goethe
    * 28. August 1749 † 22. März 1832