Monopolversicherer: Gala-Dinner im Edel-Palais

Achtzehn Kantonale Gebäudeversicherungen mit hoheitlicher Macht leisten sich rauschende Partys – Offiziell-Teil nur Kulisse.

Am Donnerstag, 27. Juni, gehts los. Die Chefs und Delegierten der Mitglieder des Verbands der Kantonalen Gebäudeversicherungen(VKG) treffen im Hotel La Couronne in Solothurn ein.

Offiziell zur jährlich stattfindenden Delegiertenversammlung des VKG. Wichtiger scheint Anderes: Party feiern.

Funktionäre im Salon : Man gönnt sich sonst nichts (La Couronne)

Das zeigt das Programm des diesjährigen Anlasses der 18 Mitglieder des Verbands, darunter Zürich, Basel, St.Gallen, Aargau, Luzern – aussen vor sind mit Ausnahme von Genf und Bern nur Kleinkantone.

Die Delegierten kommen nie allein an die Jahrestreffen, sondern stets in Begleitung.

Das hat Vorteile. Während die rund 100 Gewählten nach einem Mittagessen im Palais Besenval zur Delegiertenversammlung gehen, besammeln sich die Anvertrauten draussen vor dem Hoteleingang – zur Stadtführung.

„Gäste, Delegierte und Begleitpersonen“: Lets Party (IP)

Gleich drei Optionen gibt es, für alle etwas. Um 4 Uhr 30 ist man zurück im teuren Hotel, dann gibts „Erfrischungen“.

Mit dabei sind nun auch wieder alle Delegierten. Die haben nämlich ihren offiziellen Job schon erledigt. Expressmässig, von 13.45 Uhr bis 16.30 Uhr, in weniger als 3 Stunden: alle Wahlen und Abstimmungen abgehalten.

Es beginnt: La grande Fête. Halb sieben am Donnerstag Abend, „Apéro im Landhaus (Säulenhalle) oder bei schönem Wetter im Barockgarten“; so steht es auf der Einladung.

3 Stunden Pflicht, 2 Tage Sause: Monopol machts möglich (IP)

Nach einer Stunde Smalltalk mit Weinglas und Cüpli schreiten die 100 Delegierten, honorigen Gäste und geladenen Partner edlen Schrittes zum Höhepunkt.

„Dresscode elegant“, steht in der Einladung. Noblesse oblige – gilt auch für Beamte bei einer Organisation, die den wenigsten geläufig sein dürfte.

„Galadinner mit Unterhaltung“, 4 Stunden lang. Wer noch will, macht weiter mit „Schlummertrunk im Cantinetta Bindella“.

Nach einer Nacht im Federbett: Kommt nun der zähe Teil des jährlichen Anlasses, finanziert mit Zwangs-Gebühren der Bürger in den 18 Mitgliedskantonen?

Nicht wirklich. Nach Frühstück und Check-Out treffen sich alle – Delegierte und Partner – zum nächsten Highlight. Im Bus zum „gemeinsamen Ausflug“.

Auch hier, wie am Vortag, gibts nicht nur eine Möglichkeit.

Man kann wählen zwischen „Feuerwehr-Ausbildungszentrum“ und einem Museum namens „Haarundkamm“ in Mümliswil – wo immer das ist -; jedenfalls gibts Führungen auch „in französischer Sprache“.

Das wärs gewesen. Fast. Um 12 Uhr am Freitag, also dem zweiten Jahrestag, folgt letztmals Verpflegung. Kein Butterbrot, sondern ein „Mittagessen im Cantinetta Bindella“.

Erinnerungen an die jährlichen Extra-Events der kantonalen Steuerchefs werden wach. Und so fragt sich:

Warum diese Partys? Wer zahlt?

Der Gebäudeversicherer-Verband scheint dank seinen Monopoleinnahmen in Geld zu schwimmen. Er haust an teuerster Adresse, einen Steinwurf vom Berner Hauptbahnhof entfernt und in unmittelbarer Nähe des Bernerhofs, dem Sitz des Eidgenössischen Finanzdepartements.

Dicke Mauern, beste Lage: Sitz der Gebäudeversicherer (VKG)

„Schwerpunkt ist eindeutig das Geschäft“, meint der Sprecher des Verbands zum jährigem Stelldichein. Das „Rahmenprogramm“ sei nur Ergänzung.

„Wie jedes Unternehmen müssen auch die vier Gemeinschaftsorganisationen ihre jährlichen statutarischen Generalversammlungen abhalten. Dabei geht es um das Verabschieden der Jahresrechnungen und der Geschäftsberichte, Décharge zu erteilen und allenfalls Wahlen vorzunehmen.“

Viel Arbeit, meint der Mann.

„Aus Effizienzgründen werden die Versammlungen für alle vier Organisationen am gleichen Tag nacheinander von 10:30 bis circa 16:30 Uhr abgehalten.“

„Jedes Jahr finden die Generalversammlungen jeweils in einem anderen ‚Gebäudeversicherungskanton‘ statt.“

„Es ist dies der einzige Anlass, an welchem alle Delegierten der Gebäudeversicherungen, das heisst die Eigner der Gemeinschaftsorganisationen, zusammenkommen, das Geschäftsjahr Revue passieren und die Ausrichtung beeinflussen und natürlich den Austausch untereinander pflegen können.“

„Der Nutzen des Anlasses besteht auch im besser ‚Kennenlernen‘ der jeweiligen Gebäudeversicherung. Dieses Jahr ist eine Besichtigung des ‚Interkantonale Feuerwehrausbildungszentrums‘ in Balsthal geplant.“

Die Rechnung sei überschaubar, bezahlen würden die Mitglieder.

„Die Kosten werden untereinander aufgeteilt. Die Kantonalen Gebäudeversicherungen übernehmen die Kosten ihrer Delegierten. Die restlichen Kosten werden unter den vier Gemeinschaftsorganisationen und der organisierenden Gebäudeversicherung aufgeteilt.

„Es kann mit circa 250 Franken pro Teilnehmer gerechnet werden.“

Der Steuerzahler müsse keinen Rappen aufwerfen.

„Die Kantonalen Gebäudeversicherungen ihrerseits finanzieren sich ausschliesslich über Prämien der Gebäudeeigentümer für die Versicherung und Erträge aus den Finanzanlagen. Auch diesbezüglich fliessen keine direkten oder indirekten Steuergelder.“

Kommentare

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  1. Eindrücklicher Anlass – und nicht etwa eine Jubiläumsveranstaltung, nein, jedes Jahr findet dieser Alpaufzug statt. Die Monopolbetriebe haben alle Privilegien, sind steuerbefreit und unterstehen auch nicht der Finma. Unglaublich mit welcher Arroganz sie sich in ihrem geschützten Bereich aufführen und was sie sich herausnehmen. Verstärkte Kontrollen und Deregulierung wären wirklich angebracht.

  2. Es ist wie bei den Staatsangestellten der Steuerverwaltungen.
    Diese kontrollieren die Steuererklärungen der Steuerbürgen peinlichst genau, verlangen detailiert Belege und Beweise; und selbst schmeisen sie dann das Geld der Steuerzahler ganz locker zum Fenster raus, für teure Hotels, Essen, Festereien und Reisen auf Staatskosten.

    Es passt einfach nicht zusammen !
    Niemand muss sich wundern, wenn sich die Menschen vom Staate abwenden.

  3. Die Vögel der KGV sollten sich anstatt mit Fressen und Saufen mal mit dem Thema Erdbebenversicherung beschäftigen. Aber eben, das wäre ja dann Arbeit…

  4. Herr Hässig
    TOLLER Artikel… SUPER Stil: I love it. Nur so kommt man zum wahren Gesicht der Dinge!
    Herzlichen Dank und BITTE weiter so.

  5. Es stimmt das keine Steuergelder benötigt werden. Es stimmt das Leute die man kennt eher angesprochen werden. Es stimmt das es Zwangs Gebühren sind. Es stimmt das es 250 SFr. pro Person kostet. Es stimmt wenn es etwas bringt das, dass Geld richtig eingesetzt wurde. Aber…

  6. Nach Kardiashan in ganze Welt, haben wir die Partyashan auch in der Schweiz: überall Parties und Feiern, aber die Problemen werden nicht kleiner und gar nicht gelöst!
    Mir stört schon, dass jetzt alle diese Burokraten nur Parties auf kosten von allen machen….die Kardiashan mindestens auf privat kosten um auch Werbung für sich zu machen: welche Werbung machen die GV oder Steuerverwaltung ist mir nicht klar….bei der reichste der reichste, Berkshire Hateway zum Beispiel, wo auch die Prominenten teilnehmen, wird nur sparlich gefeiert trotzt Miliarden Gewinne: peanuts und soft drink bedient!
    Die Reicher sind anders als wir, aber wir kopieren gar nicht, wenn sie “ Role Model“ sind.
    Dekadenz? Ja klar, während ich als Idiot immer intelligenter werde, werden die anderen noch verdummen…aber es ist nicht nur gutes für mich: ich sehe die Fehlern von anderen und mache Vorschläge, aber die wollen nichts ändern: wer will schon, wenn die Parties von anderen bezahlt sind? Und verdrängen mich noch in abseits….die Zeiten will zeigen, wie und anderen recht gehabt hatten…Tristesse!
    Dann der böse und der Dumme bin ich, wenn sie nicht merken in welche Ignoranz sie leben…
    Carpe diem und leben und lässt leben sei begrüsst!😭😭

  7. Party in Solothurn. Staatsbeamten-Absolutismus, völlig losgelöst von Kontrollen. Wie der Herr so das Gescherr. Was dem einen (Bundesrat: Reisen, Kohäsionsmilliarden, Auslandhilfe etc) recht ist, ist den Bürokraten-Fürsten billig.

  8. Es gibt auch Kantone ohne eigene Gebäudeversicherung – man versichert sich Privat.
    Welche sind günstiger – trotz der Spesen die Sie an der GV machen. Kommunikation ist auch in diesem Umfeld wichtig…

  9. Wann merken auch die, dass sowas vielleicht früher noch ging, heute aber nicht mehr aktzeptiert werden kann??? Ist ja nicht zum Glauben…

  10. Einige Gebäudeversicherungen, allen voran diejenige des Aargaus,
    haben noch Optimierungs-Potential bei der Verwaltung ihrer
    Wertschriften-Portfolios.
    Sie müssen mit ihren Hausbanken bessere Konditionen aushandeln.
    Nicht die hohen Börsencourtagen bezahlen, sondern einen viel
    tieferen Betrag pro Trade.

  11. Danke Herr Hässig. Der Beitrag war längst überfällig. 250 Franken für Dinner/ Lunch / Bus für die Rundfahrt und Hotelübernachtung? In Waldshut vielleicht, aber sicher nicht in der Schweiz.

    Durch die Monopol-/Zwangsversicherung kommt die Prämie eben doch einer Steuer gleich. Insofern haben die Kantonalen / der VKG hier klar ein Wahrnehmungsproblem. Dekadent und selbstgefällig könnte man sagen. Der Fisch stinkt wie immer vom Kopf….. dranbleiben, da sind sicher noch mehr Leichen im Keller!

  12. Ist die Gebäudeversicherung obligatorisch, handelt es sich um eine versteckte Steuer wie die SERAFE Gebühr und die obligatorische Krankenkassenprämie. Es werden also eindeutig versteckte Steuergelder „zweckentfremdet“.

    • Dann können sie aber wirklich nicht rechnen. Die GV Prämie ist derart günstig im Vergleich zu dem wenn ein kapitaler Schaden eintreten würde und basiert eben auf dem Solidaritätsprinzip der Versicherer. Dito KK Prämie.

      Solche Voten sind immer von denen die dann das Geld anderweitig für Konsum ausgeben würden und dann jammern wenn sie ein Schadenfall oder eine grössere Operation zu bezahlen hätten.

    • @GdG
      Er kann eben doch rechnen. Günstige Prämien bedeutet nicht, dass man die Mittel zweckentfremdet und verschwendet. Wenn ein Überschuss da ist kommt er in die Reserve oder wird für Verbilligungen genutzt. Damit kommt das Geld dann letztlich den Prämienzahlern wieder zugute. Dafür muss man nicht weit über den Tellerrand hinausschauen können. Diese „Kaffeefahrten“ nützen letztlich niemandem.

  13. und wir zahlen alle brav die obligatorischen Prämien, dann werden uns wieder unsinnige neue Vorschriften untergejubelt, die dann einen haufen Investition bedeuten, zum Teil sehr unsinnig sind und last but not least unseren Produktionsstandort Schweiz massiv „mitverteuern“.
    Hauptsache die Gebäudeversicherungen müssen kein Risiko mehr tragen, die Prämien sinken trotzdem nicht, wie auch?

  14. Versicherungsgewinn = Prämieneinnahmen ./. Schadenaufwendungen

    Wenn es einmal wieder geklappt hat …

    • Falsch, lieber Séraphin.

      Im Hinblick auf die Gebäudeversicherungen haben Sie den wohl wichtigsten Posten vergessen:

      Versicherungsgewinn = Prämieneinnahmen ./. Schadenaufwendungen % INTERNE & Externe KOSTEN

  15. Cantinetta Bindella heisst der Wallfahrts-Ort 2019.

    Gebäudeversicherungs-Vereins-Heinis: Ein sicherer Kunde und ein optimaler Gast für den Gastro-Konzern, welcher bekannt ist für adequate Rundum-Dienstleistungen wenn es um Extra-Vaganzen geht.

    Die Gebäude-Versicherer gehen auf Nummer „Sicher“ und lassen auch hier nichts anbrennen.

    Frohes Geniessen beim Prämien-Beschliessen !

  16. Schön und gut zu wissen, dass auch staatliche versicherer einen solchen anlass haben – bei privaten versicherern ist das ja normal, sodass man die besten der besten der besten mitarbeiter halten kann. Interessant wäre jedoch der gesamtkontext, also ob die versicherten in den monopolkantonen höhere prämien bezahlen müssen resp. ob die prämien in genf und bern wirklich tiefer sind aufgrund der nichtteilnahme an diesem anlass. Sollten die privaten dennoch teurer sein, müssten sie doch zuerst dort die unnötigen kosten anprangern…

  17. Na, bloss ein bünzliger Nonevent in der Provinz. Mir würde es die Zehennägel kräuseln, wenn ich da mittun müsste. – Etwas viel „Tinte“ verschwendet für diese flache Story, LH.

  18. Und wenn es keine Party gäbe, wäre doch das eingesparte Geld noch in der Kasse der Gebäudeversicherung.
    Da könnte gespart werden wo es niemandem weh tut!

  19. Lieber Lukas Hässig also seien sie doch nicht immer so missgünstig. Auch die biederen Gebäudeversicherer möchten doch mal die Welt des Luxus spüren. Wie im Privatleben will
    ja langsam jeder Füdlibürger einen auf dicke Hosen machen. Die „Elite“ lebt uns das heute vor und das billige Geld trägt seines dazu bei. Aber nur solange bis dann mal kracht
    und das Kartenhaus des Scheins zusammenfällt.

    • Das hat nichts mit Missgunst zu tun sondern mit Urdenken, dass die Staatsmacht
      heilig ist und man ja nichts dagegen sagen darf – auch nicht gegen den Monopolisten der Gebäudeversicherungen gegen welche die Konkurrenz nicht erlaubt ist