Boris „The Wolf“ Collardi: Hat er recht?

Schweiz, Arabien, Asien, überall drückt neuer Pictet-Kapitän auf Tube – Drehbuch wie damals bei Bär – Top oder crazy?

Boris Collardi ziert die Financial Times. Das schaffen nicht so viele Schweizer Banker. Grund für den Auftritt im Wirtschafts-Weltblatt ist Collardis gestriger Asien-Schachzug.

Für Pictet, die führende Genfer Privatbank, holte Collardi mehrere bekannte Asien-Banker an Bord, darunter einen von der CS, der mit seinem ganzen Team von gegen 20 Leuten zu Collardi wechselt.

Das CS-Team beginnt im November. Schon jetzt an Bord ist die Truppe rund um Daniel Savary. Die hat Operationsbasis Middle East und wechselte schon vor Wochen von der Julius Bär zur Pictet.

Es ist also eingetreten, was viele prophezeit hatten. Collardi holt links und rechts – und vornehmlich bei seinen Ex-Banken CS und Bär – Stars und Teams zu seiner neuen Bank, der Pictet.

Bei dieser ist Collardi nicht einfach Manager, sondern einer von 8 Partnern. Als solcher verdient Collardi nicht „nur“ einen einstelligen Millionenbetrag im Jahr, sondern geschätzte 20 bis 30 Kisten.

Weltbühne im Weltblatt: Wolf of Bahnhofstrasse (FT)

Die grosse Frage für den Bankenplatz ist, ob Collardis Fischzug bei den einstigen Kollegen zum Erfolg führen wird. Die Pictet – das zeigt sich immer deutlicher – setzt jedenfalls voll auf die Karte Boris.

Bei der Julius Bär hinterliess Collardi Altlasten. Sein forscher Drang in Märkte wie Venezuela, Brasilien, Argentinien, Panama, aber auch rund um die Russen-Klientel in London und Middle East, hatte der Zürcher Bank die Aufsicht in die Hütte beschert.

Bevor die Finma ihre Untersuchung bewältigte, war Collardi längst über alle Berge. Wer ihm heute die Altlasten und den Scherbenhaufen bei Bär vorwirft, der wird auf seine Nachfolger verwiesen, insbesondere Bernhard Hodler. Der trage als oberster Risikoverantwortlicher die Verantwortung, heisst es dann.

Damit macht man es sich zu einfach. Doch weil die Bank Pictet in Collardi den grossen Heilsbringer sieht, spielt das in deren Augen keine Rolle. Was kümmern mich meine Taten von gestern, sagt sich der Mann mit dem Lebenslauf eines Lebemanns.

Die Berater, die ihm folgen, sind begeistert vom vielsprachigen Pictet-Taktgeber. „Collardi sieht immer Chancen“, sagt ein Zürcher Private Banker, „die anderen fürchten stets Gefahren.“

Collardi ist ein Phänomen. Er nippt am Tee, lächelt treuherzig in die Kamera, umarmt abgeschobene Chefs – man sieht sich immer mehrmals im Leben.

Kaum denkt man, der Banker sei lieb und nett, schon sticht er zu. So wie vor ein paar Monaten mit dem Team Savary, so wie jetzt mit den Asien-Bankern.

Ob die Neuverpflichteten für die Pictet-Bank mehr Segen oder Fluch sein werden, weiss niemand. Sicher aber hat es Collardi einmal mehr allen gezeigt. Der Auftritt in der FT ist unumstösslicher Beleg dafür.

Nicht einmal seine Assistentinnen-Stories können dem Wolf der Bahnhofstrasse etwas anhaben. Ganz Gentleman, bleibt er auch da mit allen freundschaftlich verbunden.

Bald steht der Einzug ins neue Pictet-Headquarter ins Haus. Weil Collardi bei seiner Bank sicher im Sattel sitzt, könnte die Einweihung der Zentrale zum Triumph für den „Imperator“ des Zwingli-Finanzplatzes werden.

Kommentare

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  1. Wie loyal können Leute zu Pictet und ihren Kunden sein, die zu ihrem ehemaligen Arbeit- und Brötchengebern illoyal sind?

    Die Frage beantwortet sich glaube ich von selbst.

    Schade um die traditionsreiche Bank.
    Aber es wäre nicht die erste Bank, die nach langer Ägide verschwindet.
    Wegelin oder die Gontard & Metallbank lassen grüßen. Um nur 2 Beispiele zu nennen, die beide nicht mal mehr einen Schatten, nichtmal mehr einen Abglanz ihrer ehemaligen Selbsts darstellen:
    https://www.wegelin.ch
    http://www.gontard-metallbank.de

    Wenn Pictet eine Aktie wäre, die gehandelt würde, so wären allenfalls Verkaufsoptionen oder Aktien-Leerverkäufe die Wahl.

    Und Kunden sollten sich in meinen Augen allenfalls gut überlegen, ob sie Beratern vertrauen wollen, die so vertrauenswürdig im Verhalten sind wie oben beschrieben bzw. so loyal gegenüber ihren Arbeitgebern bzw. ehemaligen Arbeitgebern.

    Wie soll es dann erst mit der Loyalität gegenüber Kunden bestellt sein?

    Ach, übrigens, der Collardi von Gontard & Metallbank hatte eine ähnlich glänzend daherkommende Karriere-Geschichte bevor er nach hunderten Jahren Jahren Geschichte (Gontard: 1726, Metallbank 1906) die Bank bzw. die beiden fusionierten Banken in den Abgrund führte:
    https://www.capital.de/wirtschaft-politik/wie-die-gontard%E2%80%86%E2%80%86metallbank-den-neuen-markt-eroberte

  2. Wie ist es möglich, dass dieser Mensch, der für so viele Probleme bei der Julius Bär Bank verantwortlich ist, immer noch frei läuft und sogar neue „Geschäfte“ an sich zieht.Ist er Justiz-immun?

  3. Nach Erich Fromm geht es dem Menschen entweder um Haben oder um Sein. Worum geht es wohl einem IT Suppoter der sich nach oben geheuchelt hat (um es freundlich zu formulieren)?

  4. Der „Just-in-Time-Escaper“ Collardi hat offensichtlich wieder eine Plattform ergattert, wo er weiter machen kann wie bisher. Als ausgewiesener Blender scheint er – so muss man annehmen – von allem ein wenig zu wissen, vom sachverständigen Meister scheint er jedoch in allen Belangen unendlich weit entfernt zu sein. Und so wurstelt er munter weiter, bis er wieder den Überblick über seinen erschaffenen Durcheinander verloren hat und sich wundert, dass da plötzlich so viele Verluste eingefahren werden. Zumindest weiss er, wann er das Weite suchen muss. Weit kommt er mit dieser Tour nicht, aber eine Menge weiteren Schaden kann er schon anrichten.

    Es wundert nur, dass die angeblichen Fachleute in der Branche immer wieder auf solche faulen Typen reinfallen, selbst dann, wenn ein solcher bereits mehr als deutlich veranschaulicht hat, dass er von seinem angeblichen Metier reichlich wenig versteht. Da sollte man doch mal klipp und klar feststellen: Ein raffinierter Strippenzieher ist noch lange kein sachkundiger Fachmann, das gleiche gilt für Frauen.

    Angebliche Fachpersonen lassen sich nur dann von solchen Blendern wie Collardi blenden, wenn mit ihnen selbst etwas gar nicht in Ordnung ist. In der Bank-Branche stinkt es zum Himmel, vor allem in den Führungsetagen. Das ist himmeltraurig! Es gibt gute Führungspersonen hier in der Schweiz, aber die will man offensichtlich gar nicht haben. Die sind nicht manipulierbar und vom „Tiefenregiment“ deshalb nicht gut zu beeinflussen. Also: Untauglich! Auf dass das Kollektiv nachplappert: „Wir haben einfach nicht die richtig ausgebildeten Führungspersonen“.

    Wird allerhöchste Zeit, dass sich die Schweizer auf die eigenen Stärken besinnen, auch wenn mal eine Zeitlang kleinere Brötchen gebacken werden. Immer noch besser, als Schuldenberge anhäufen.

  5. Es scheint mir keine besonders grosse Kunst zu sein, Volumen-/Ertragswachstum mit dem Geld anderer Leute einzukaufen. Das kann eigentlich jeder / jede. Worin da die Rechtfertigung für eine Teilhaberschaft in einer der renommiertesten Privatbanken liegt, entzieht sich meinem Verständnis. Offensichtlich ist man bei Pictet nicht (mehr) sehr anspruchsvoll. Ansonsten hätte man etwas genauer die Fertigkeiten des Herrn Collardi beäugt, ob und wie er dieses Ertragswachstum denn jeweils auch in risiko-adjustiertes Profitabilitätswachstum umgemünzt hat. Ganz abgesehen davon kontrastiert er ziemlich stark mit der Noblesse und dem Renommée, welche von Familien wie Pictet, Demole und de Saussure ausgeht. Persönlich fühle ich mich etwas entfremdet. Ce n’est pas très classe, Messieurs.

  6. Den Boris finde ich irgendwie geil! Wie hat doch der Secondo die dicken, dummen, eingebildeten, reichen Geldsäcke/Bankers/VR’s/Zünfter (you name it…) eingeseift! Und die lassen sich weiter einseifen (Pictet)… Einfach nur köstlich…

  7. Liebe Leute und Kritiker von BC !!

    was ist denn schon daran wenn jemand wie BC seine Seilschaften mitnimmt ?? das macht jeder im Bereich Privatbanking und Wealth Management. Da sind die anderen Players, ob hier oder sonstwo auf der Welt nicht anders.

    Die Frage stellt sich doch ganz anders; warum machen die Kunden das mit ? Es liegt ja schlussendlich an diesen, ob sie einen Wechsel von einer zur nächsten Bank mitmachen wollen oder nicht. Wenn die Kunden njet sagen würden wäre das Spiel mit sofortiger Wirkung aus.

    Offensichtlich ist aber die Bindung zum Berater höher und wichtiger als zur Bank bei der dieser sein Salär bezieht. Das ist das Business Model und jeder weiss das und spielt es mit (Banken, Kunden und deren Kundenberater). Kommentare wie „Fliegen am Misthaufen“ kann ich beim besten willen nicht nachvollziehen; muss ich aber wohl auch nicht.

    • Derjenige Privatbanker, der nie frägt, aber alles möglich macht und „Goodies“ verteilt, ist beliebt.

    • Die Frage ist nicht was dabei ist seine Seilschaften mitzunehmen. Sondern warum jemand, der bei Bär einen derart grossen Trümmerhaufen hinterlassen hat, ungehindert an einem anderen Ort weitermachen kann.

  8. BC war als Praktikant bei UBS, dann als Business Manager bei CS, nichts anderes als ein Blender. Wir haben zuerst die Secundos und dann all die Ausländer wie Birkenfeld und Kollegen reingelassen. Dümmer geht es nicht mehr. Ich sass vor Jahren bei RB im Office und habe die Jobofferte ohne Zweifel abgelehnt. Für mich war klar, dass ich nicht bei Pictet arbeiten will. Danach kam BC dazu. Alles richtig gemacht.

    • Secondos konnte man gar nicht reinlassen, die wurden in der Schweiz geboren…

      Und betreffend „Dümmer gehts es nicht mehr …“ Ich stimme ich Ihnen zu 100% zu…

      PS: sind Sie Ragnar Lodbrok?

    • @Rico. Hier geboren…. und nur zwei Kinder sprechen Deutsch bei der Einschulung? Genaus soll stelle ich mit Integration vor.

  9. Bei Julius Bär liegen die Teams auf dem Silbertablett. Boris, rette uns. Wir möchten auch wieder bei den Winners sein.

  10. Schmeiss!

    Mir kommt das Ganze vor wie die Fliegen am Misthaufen. Diese fliegen immer dorthin wo es am meisten stinkt. Und entsprechend hohe „Entschädigung“ verheisst.

  11. Für Pictet ist das „Risiko Collardi“ überschaubar, solange Leute wie Ueli Maurer, Mark Branson, Michael Lauber et al. in der Schweiz ihr „Unwesen“ treiben.

  12. Zitat: „Kaum denkt man, der Banker sei lieb und nett, schon sticht er zu“.

    Mit dieser Taktik hat (wird) er sich grosse Feinde (ge)schaffen.

    Brandgefährliches Leben eines giergetriebenen Imperators. Ein Sabbatical zur Selbstfindung (beispielsweise in einem buddhistischen Kloster von Ladakh) zeigt sich bei ihm an.

    • Eines giergetriebenen Imperators. Nicht nur er, sondern alle die ihm nachäffen und ihm folgen sind geldgeile Leute welche voraussichtlich null Ethik und eine Sozialkompetenz wie eine Ghüderschaufel haben.

    • Die Klöster in den Tälern von Ladakh in über 3000m Höhe gelten für dortige Verhältnisse eher als wohlhabend. Die Klöster selber sind oftmals auch Großgrundbesitzer. Erhalten Spenden vor allem aus dem Ausland sowie von Touristen. Etliche Klöster haben gar Strom.

      Bestimmt würde Boris C. diesen spirituellen Mönchen seinen Businessplan aufschwatzen wollen.

  13. „Bevor die Finma ihren Bericht ablieferte, war Collardi längst weg.“
    Ich sehe ihn in ca 3 Jahren mit einem dreistelligen net worth als Privatier in London und Villetta auf dem Vesuv, damit der Kick bleibt. Problem damit?