Sunrise: Jetzt wird’s schmutzig

US-Stimmenberater empfiehlt UPC-Deal zur Ablehnung – Sunrise-Präsident Kurer und UBS wollen Plan retten – Stimmenkauf?

Als die für das Stimmverhalten bei der Sunrise-GV völlig unerhebliche Ethos Stiftung bekannt gab, dass sie für den Deal sei, UPC Cablecom für über 6 Milliarden Franken zu kaufen, liess das der VR-Präsident Peter Kurer mit Fanfarenstössen in die Medien tragen.

Sein CEO hatte noch Anfang dieser Woche in einem Gefälligkeitsinterview behaupten dürfen, dass sicherlich 75 Prozent aller Sunrise-Aktionäre für diesen Wahnsinnskauf seien. Damit soll Stimmung gegen den mit Abstand grössten Aktionär von Sunrise gemacht werden.

Die deutsche Telco-Firma Freenet hatte schon sehr früh den Kaufpreis für ein Kabelnetz als viel zu hoch kritisiert.

Gestern gab nun einer der weltweit bedeutenden Stimmrechtsberater, die US-Analysten von ISS, sein Verdikt bekannt. Und das lautet: ein klares Nein. ISS empfiehlt allen Aktionären, den Antrag auf Kapitalerhöhung und somit den Deal abzulehnen.

ISS bezeichnet sich nicht zu Unrecht als den globalen Leader bei Corporate Governance. ISS ist Richtschnur für Investoren aus dem angelsächsischen Raum bei Sunrise. Man geht davon aus, dass ungefähr zehn Prozent des Aktionariats seinem Ratschlag folgen.

Das ist eine gewaltige Ohrfeige für Kurer, der diesen Deal unbedingt durchstieren will. Entsprechend verkniffen reagierte Sunrise auf die Veröffentlichung: nämlich überhaupt nicht.

ISS sagt nicht nur nein zu diesem Deal, die US-Berater wiederholen fast wörtlich die Kritik, die Freenet schon seit Monaten geäussert hat. Der Kaufpreis sei viel zu hoch („excessive“), sowohl in absoluten Zahlen wie in Relation zu ähnlichen Deals in jüngster Zeit.

Zudem wolle die Sunrise-Führung zu viel für Assets zahlen, wobei es fraglich sei, „ob dieser Kauf langfristig von strategischer Bedeutung ist“.

ISS teilt also auch die Bedenken all der Aktionäre, die nicht verstehen, wieso sich Sunrise bis über beide Ohren verschulden soll, um in den Betreiber eines Kabelnetzes zu investieren, der konstant Kunden verliert und dessen Technologie von 5G und Glasfaser ins Eck gestellt wird.

Damit erweisen sich alle Behauptungen von Sunrise-Präsident Kurer und seiner Crew, dass man sehr optimistisch für die Ausserordentliche GV sei, es gelungen sei, fast allen Aktienbesitzern die Vorteile dieses Kaufs schmackhaft zu machen, als Pfeifen im Wald.

Selbst die Kehrtwende, dass plötzlich nicht mehr mit einer Kapitalerhöhung von 4,1 Milliarden die bestehenden Aktien verwässert würden, sondern „nur“ noch mit 2,8 Milliarden, und der unermüdliche Hinweis, dass es dann auch in Zukunft tolle Dividenden gäbe, haben offensichtlich nicht gezogen.

Inzwischen sieht alles danach aus, dass mindestens 40 Prozent gegen diesen Deal stimmen werden. Und da an einer Sunrise-GV kaum mehr als maximal 70 Prozent des Aktienkapitals vertreten ist, sieht es ganz danach aus, dass sich Kurer ein weiteres Mal mit einer krachenden Niederlage verabschieden wird.

Aber auch wenn er die Swissair bei deren Aufkäufen von Schrott-Airlines in Europa bis fast zum Grounding beriet, auch wenn er zuerst als Chefjurist und dann sogar noch als VR-Präsident bei der UBS an Bord war, bis die nur durch eine gewaltige Staatshilfe vor dem Abgrund gerettet werden konnte: Aufgeben tut Kurer nicht so schnell.

Für den 70-Jährigen ist das die letzte Chance, als grosser Dealmaker – und nicht als grosser Versager – in die Wirtschaftsgeschichte einzugehen.

Da trifft es sich gut für ihn, dass seine ehemalige Bank, die UBS, bei Sunrise gleich in verschiedenen Funktionen präsent ist. Zunächst ist der Finanzmulti mit 5,85 Prozent der zweitgrösste Aktionär – nach Freenet mit knapp 25 Prozent.

Dann berät die UBS als Konsortialbank Sunrise bei der gewaltigen Finanzierung des Deals und träumt schon von riesigen Fees und Kommissionen bei diesem Multimilliardenbetrag. Dritterseits ist UBS auch Custodian, das heisst, sie übt das Stimmrecht für die ihr anvertrauten Aktien aus.

Normalerweise richtet sich die UBS, als neutrale Schweizer Bank, nach den Ratschlägen von ISS, was ihre anvertraute Aktiendepots betrifft. Aber wird sie das auch in diesem Fall tun?

Wird der Deal abgelehnt, entgehen der UBS viele Millionen an Gebühren. Schon hier stellt sich ein kitzliges Problem bezüglich Interessenskonflikt.

Das Problem wird noch kitzliger, weil voneinander unabhängige und vertrauenswürdige Quellen von einem ungeheuerlichen Vorgang berichten.

Sie seien von der UBS angegangen worden, ob sie nicht bereit wären, ihre Sunrise-Aktien abzutreten, gerne auch mit Aufpreis. Es handelt sich dabei auch um Aktionäre, die schon öffentlich gegen den Deal Position bezogen haben.

Treffen diese Aussagen zu, versucht die UBS schlichtweg einen Stimmenkauf. Sie will damit potenzielle Nein-Stimmen wegkaufen und durch Ja-Stimmen ersetzen.

Tut sie das, wenn sie das tut, auf eigene Rechnung? Als nötige Ausgabe, um den Deal und die damit verbundenen Millioneneinnahmen zu retten?

„Falsch“, sagt die UBS auf Anfrage, sie würde keinerlei Kaufangebote für Sunrise-Aktien machen. Das Stimmverhalten für die ihr anvertrauten Aktien würde das Asset Management niemals vor einer Abstimmung publik machen, zudem sei dieses Management völlig unabhängig und stimme nur „im besten Interesse der Kunden ab“. Damit sei jeglicher Interessenskonflikt ausgeschlossen.

Kommentare

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  1. Bei Kurer denke ich unweigerlich an das Peterprinzip. Viel weiss ich nicht über ihn aber jedesmal wenn ich etwas von ihm vernehme ist es ein „hä?!“ Erlebnis. Er scheint ein starkes Reality Distortion Field um sich zu haben, oder ist es eher eines von Dunning-Kruger?

  2. Der Sunrise UPC Deal ist absolut zu empfehlen.
    Die Hauptaussagen der Gegner sind; 5G ersetzt physische Lösungen, und investition in alte UPC Technic.

    Wer sich mit Technologien, dem schweizer Markt und in der Business Welt auskennt, weiss dass diese Aussagen völlig falsch sind.

    Ein Zusammenschluss bringt den Aktionären, Endkunden und dem Standort Schweiz deutliche Vorteile.

  3. Was mich wundert: Sunrise hat den Markenbotschafter Federer nie eingesetzt. Das wäre ein Weg zu den kleinen Anlegern, die diese Transaktion noch total verunmöglichen werden.

  4. @Veritas – Dass kann nur die Aussage eines aussenstehenden Kunden oder eines Swisscom Lobbyisten sein. Erstens ist das Alpha-Tier bei der Swisscom H-U Loosli. Als Swisscom CEO weiss man das. Schliesslich gibt es Erfahrungswerte. Die ich bezüglich H-U Loosli leider auch teile. Der Mann hat keine Fantasie, keine Innovation und keinen Weitblick. Dazu Null Kenntnis von IT. Schon altersbedingt. Fantasie und IT Kenntnisse sind aber absolut essentiell um die grösste und bekannteste IT Firma der Schweiz auf Kurs zu halten. Was er immer schon machte; kopieren und mit gnadenlos eiserner Hand durchziehen.

    Der Mann hat nämlich auch Null Sozialkompetenz. Das wäre beim Waro oder dem COOP wichtig gewesen. Es ist gigantisch, wie seine Entourage schützt, seine Fehler bügelt und ihm ein Image verpasst, dem er nie und nimmer entspricht. Ich habe ihn schon vor Jahrzehnten als Choleriker und Ergomanen kennen gelernt, der ehemaligem COOP Personal (Niedrigpreis Sektor) nicht einmal ihre vollen PK Gelder mitgeben kann. Obwohl es doch ihr Geld ist. Und 99,9% haben es bis heute nicht mitgekriegt und die 0,1% wussten das sie eh auf verlorenem Posten sind. Weil die 2. Säule ist eine (längst gescheiterte) Schandtat für sich.

    Der innere Wert der Swisscom Aktie entspricht meiner Meinung nach überhaupt nicht dem Aktienkurs. Wäre man nicht halbstaatlich, wäre H-U Loosli das alles schon längst um die Ohren geflogen. Trotz viel zu hohen Preisen bei der Swisscom, die der Kund aus welchen Gründen auch immer, akzeptiert, dass Swisscom Personal hat relativ wenig davon. Wo fliesst all das Geld eigentlich hin? Haben wir und damals beim COOP wie auch bei der COOP Pensionskasse auch schon gefragt. Für mich ist nämlich klar, dass das «abgezwackte» PK Geld, rechnete man es hoch kam man jährlich schon damals auf gigantische Summen, nie zum COOP zurückgeflossen ist.

  5. Falls Sunrise die UPC nicht kauft bin ich sicher, dass Liberty selbst zugreifen wird. Sie sitzen auf massenhaft Cash nach den Ver Käufen an Vodafone. Eine mobile-only Company macht null Sinn liebe Sunrise Aktionäre. Das ist strategischer Suizid. Aber das werdet ihr schon noch merken…

    Die synergien wenn UPC ihrerseits Sunrise kauft wären übrigens noch höher muss man fairerweise sagen. Man könnte sich den Kurer wegsparen.

    • Nein, Malones Liberty Global will sich aus diesem Bereich weltweit zurückziehen. Neue Pläne sind da….
      Das Büro von UPC-Europa-Chef Eric Tveter in Zürich wurde schon vor Wochen aufgelöst, sein Team arbeitet anderswo und Eric Tveter ist nicht mehr im Haus. Das sagt alles.

    • Herr Tveter war nie Europachef von Liberty Global. Er war zuständig für Central Europe. Wurde als ceo der Schweiz per 1.8.2018 von S. Pascu abgelöst und war danach noch für die CEE Länder zuständig. Nach Abschluss des Verkaufs der meisten CEE Länder an Vodafone (es sind nur noch Polen und die Slowakei Teil von Liberty) steht er auf beratender Basis noch zur Verfügung des Liberty Managements. Sprich sein Büro ist leer weil es ihn nicht mehr braucht.

  6. „Falsch“, sagt die UBS auf Anfrage, sie würde keinerlei Kaufangebote für Sunrise-Aktien machen. Das Stimmverhalten für die ihr anvertrauten Aktien würde das Asset Management niemals vor einer Abstimmung publik machen, zudem sei dieses Management völlig unabhängig und stimme nur „im besten Interesse der Kunden ab“.
    Fonds? Institutionelle Fonds (ohne TER??), PK, 3a-Stiftungen? Kapitalstiftungen? Depotstimmrecht? Securities Lending? VV-Vermögen?
    Fakenews, schön formuliert, einfach auf höherer Ebene. Im besten Interesse der Kunden?! Wenn die Bank direkt in den Deal involviert ist! Unglaublich. Es müsste einmal untersucht werden, ob in diesen Aussagen nicht einfach glatte Lügen stecken. Sofern man da rankommt….

  7. Hinter diesen Geschäftsabsichten stehen komplexe internationale Konzernverhältnisse. Der Autor hat den beabsichtigten Deal recht übersichtlich und nachvollziehbar dargestellt. Um diese Angelegenheit als Leser aber bewerten zu können, braucht es doch einiges Insider-Wissen, das zu recherchieren ist. Keine einfache Sache! Klar hervorgeht aus dem Text, dass mal wieder – wie soll es auch anders sein – die Amerikaner in diesem Deal die Zügel über das Aktionariat in der Hand haben und folglich nach ihren Vorstellungen die Entwicklungen lenken. Erschreckend, wie wir Europäer – egal welches Land – wirtschaftlich von Amerika gesteuert werden. Kurer als ehemaliger UBS-Oberst und auch die UBS – die im Übrigen sehr us-orientiert handelt und daher keineswegs neutral ist – mussten das doch wissen. Wurden die beiden vom Grössenwahn gepackt? Wenn das nur nicht wieder einige Straf-Bussen zur Folge hat.

  8. Jetzt geht es Kurer nur noch um sein Prestige und Ego.
    Daher bietet er bis zum Umfallen in abgehobene Höhen.

    Hoffentlich überlegen hier die Grossaktionäre jenseits dieser Abgehobenheit, sonst wird es teuer für sie. Denn Geld verlieren tun sie und nicht der Leithammel. Der braucht bloss genügend Manövriermasse von Dritten; alles andere ist für ihn zweitrangig. Dann lässt er sich feiern.

  9. Der VR und das Management der Sunrise sollen bitte endlich aufhören, das Geld der Aktionäre in diesen aussichtslosen Übernahmekampf zu stecken. Die Schlacht ist verloren, der Deal zum Glück gestorben.

    • Ich bin weder Investor noch Kunde von Sunrise, also verstehe ich nichts und mische mich nicht in dieses rein finanzielle und vielleicht persönliche Gespräch ein…….
      Aber als Bürger und immer noch zufriedener Kunde von Swisscom kann ich nur sagen, dass es für die Schweiz gut wäre, einen starken Konkurrenten des Staatsunternehmens zu haben und das nicht nur bei den Preisen. Auch wenn die nationale Netzabdeckung von Swisscom beispiellos ist. Die Einführung einer überhöhten Gebühr für die papierbasierte Abrechnung von CHF 2.90 pro Monat ist jedoch nicht nur übertrieben, sondern auch illegal. Vor allem für ein staatliches Unternehmen, in dem ältere Menschen, weniger wohlhabend als noch nicht einmal eine Verbindung zu E-Mail und Internet haben, oder vielleicht für „alte“ Gewohnheiten, und diese hohen Kosten tragen müssen, wenn die tatsächlichen Kosten für das Unternehmen nur vielleicht 0,50 Franken pro Monat betragen, ist ein nationaler und politischer Skandal. Außerdem ist die Abdeckung des Netzes gut, aber wenn man in diesem Sommer bei 2000 msm ist und das Telefon braucht, stellt man fest, dass an einem Ort, der mindestens 100 km von der Grenze entfernt ist, die Verbindung über Swisscom nicht möglich ist, während das Roaming zu sehr hohen Kosten funktioniert hat, dann finde ich es skandalös. Auch wenn die Zeiten, in denen Sie Ihr Handy in diesen Höhen benutzen, selten sind…. in diesem Sinne begrüßen „volens o nolens“ einen qualitativen Wettbewerb……

    • Mag ja sein dass die Swisscom die beste Firma ist. Gleichzeitig ist sie aber auch die weitaus teuerste.

    • ohje… swisscom, dieses komische staatsunternehmen, das den doppelten preis verlangt was andere genau so gut können und flops und weitere peinlichkeiten am laufenden band liefert seit schloter leider nicht mehr am ruder ist.
      der kundenservice ist ebenso mies geworden, insbesondere für firmenkunden. „tut mir leid, ich kann ihnen keine auskunft geben wo ihr paket ist, wir wissen es nicht“ „ich erreiche momentan die interne stelle nicht, da sie dauernd besetzt ist“ nach 30min wartezeit.

      wenn swisscom die beste firma ist, dann ist aber die CS oder die UBS die beste bank der schweiz….

      begeistert über diesen deal bin ich auch nicht wirklich.