Vermeintliche Kommunikationskrisen

Die Lösung ist nicht, PR-Manager zuoberst einzupflanzen – Sondern CEOs, die nicht nur ihr massloses Ego pflegen.

Bei den regelmässig auftretenden beziehungsweise beklagten Kommunikationskrisen, letztmals bei der Credit Suisse und nun wohl auch bei Sunrise, wird selten über die Hauptsache geschrieben respektive gesprochen.

Die Ursachen liegen immer beim Spitzenpersonal. Bei der fehlerhaften Substanz. Beim Fehlen von vorbildlichem Verhalten. Bei der Differenz zwischen dem Anspruch und der Realität.

Wenn Mass und Mitte keinen Stellenwert mehr haben. Das Unvermögen beziehungsweise die Unmöglichkeit, ein vorteilhaftes Image zu schaffen, ist in aller Regel die Folge davon.

Sogenannte „Kommunikationskrisen“ sind so betrachtet nichts Neues, sondern schon eher Standard. Für etwas ältere Semester ist die eigentliche „Mutter aller Kommunikationskrisen“ in jüngerer Zeit jene der Kreditanstalt bei der Texon-Krise von 1977.

Bei der Aufarbeitung und Bereinigung hat, was zu Unrecht schon weitgehend in Vergangenheit geraten ist, die Equipe um den vertrauenswürdigen Robert Jecker grossartige Arbeit geleistet. Auch bei der Kommunikation.

Diese Leistung blieb jedoch die Ausnahme. Weil danach wieder Masslose das Steuer übernahmen.

Wie andernorts. Standard.

In einer etwas gar einfach gestrickten Analyse der jüngsten CS-„Kommunikation“ in einem Finanz-Portal wird suggeriert, die Einbindung des oder der obersten Kommunikationsverantwortlichen in die Konzernleitung könnte bessere Resultate zeitigen.

Daran darf gezweifelt werden. Denn damit werden die Leute noch „dienlicher“, unterwürfig und noch weniger kritisch hinterfragend.

Man behilft sich dann oft noch mit der Unterstützung durch externe Kommunikationsexperten. Deren Gummihälse sind allerdings noch weicher.

Die „Steigerung“ dazu bilden die einschlägigen, ersten Adressen der Rechtsanwaltsbüros (sorry: Law firms). Es ist höchst verdienstvoll, dass das bei den Etablierten verhasste Inside Paradeplatz nicht aufhört, auf diese Weichspüler immer wieder hinzuweisen.

Kommentare

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  1. Der PR-Dreiklang in schwachen Führungsetagen heute:
    Schönwetter-Kommunikation: darf die PR-Abteilung, geht doch.
    Gewitter-Kommunikation: hier vertraut die GL auf „Freunde“.
    Orkan-Kommunikation: jetzt übernehmen scharfe Juristen!
    Die Wiederherstellungs-Kommunikation dann im Kampagnen-Stil.
    NB: all die hervorragenden echten Kommunikations-Designer, die Tops wie KJS, verzweifeln am Spielfeldrand an der oberfahrlässigen Beratungsresistenz der C-Level Mannschaft geprägt mit dem verantwortungsvollen (!) „rette-meine-Haut“-Reflex. Natürlich ausgestattet mit dem „feuerfesten“
    Versicherungspapier wie aktuell PV der Ex-Chef der R in SG.
    FAZIT: PR & Heinis brauchts keinis.

  2. Lieber Herr Heini,

    als PR-Berater, der als Agenturvertreter schon im erfolgreichen Texon-Team war, habe ich seither viele der grossen Konzernkrisen „live“ miterlebt. Sie haben recht: Arbeiten kluge Konzernchefs mit klugen Beratern zusammen, wird es ein gutes Ergebnis geben. Bestes Beispiel: Helmut Maucher,Nestlé.
    Jedoch ist es heute so, dass bei einem immer rascheren Wechsel im obersten Management diese Topleute einfach keine Ahnung von Kommunikation haben. Sie bedienen sich ehemaliger Chefredaktoren und anderer Journalisten in der Hoffnung, ein gutes Medienecho zu erzeugen. Gute Kommunikation ist aber eine viel grössere Kunst, als Journalisten sie je beherrscht haben. Daher kommen die beiden Grossbanken nicht auf Touren und viele andere Konzerne, von ABB bis Sunrise, sind auf Schleuderkurs.
    Dieses kollektive Versagen gefährdet den Standort Schweiz.

    • Geschätzter Klaus J. Stoelker

      Haben Sie wirklich das Gefühl, bei den grossen Firmen läge es nur an der Kommunikation?

  3. Die „Professionalisierung der Unternehmenskommunikation“ hat zu einem Meer an Fake-News geführt. Jede Silbe ist abermals gedrechselt, die Empfänger werden systematisch getäuscht, Heerscharen von „PR-Profis“ seifen intern und extern alle ein. Viel Gelaber von Werten, Kultur, Langfristigkeit und anderen Tugenden. Die CS wollte mal zur „most admired bank“ werden – was für Nullen hecken so einen Quatsch aus. Aber niemand kommt auf die Idee, mal einfach einen anständigen Job zu machen. Solche Unternehmen schaufeln ihr eigenes Grab. Finger weg!

  4. Kommunikationsberater, die etwas von Sprache und Rhetorik verstehen, braucht es. Weniger empfehlenswert sind Kommunikationsberater, die a) zur Eskalierung-Skandalisierung raten b) zum Abstreiten-Verleugnen raten. Das kommt nicht gut, aber warten wir ab, was noch kommt. Der Markt reguliert sich ja meistens selbst.