Knall bei Zurich: Marketing-Chef weg

Spitzenmann beim Multi wurde an Weihnachtsparty vom Stuhl gestossen, zusammen mit Team. Frau von Lego hat Kommando.

In der Teppichetage des Zurich Versicherungskonzerns rollen die Köpfe. Soeben musste der oberste Marketingboss sein Büro räumen – am Tag der Christmas-Party am letzten Freitag.

Der Mann heisst Frédéric Tardy, er war nur kurz in seiner Position. 1 Jahr und 9 Monate genau. Zuvor stand Tardy 5 Jahre lang im Dienst von Axa, der grossen Konkurrentin der Zurich.

Tardy ist der achte (!) Chief Marketing Officer der Zurich in den letzten 10 Jahren. Es herrscht ein Kommen und Gehen der Extrasorte.

Au Revoir: Fred geht (LinkedIn)

Grund ist der fehlende Plan der Zurich-Chefs. CEO Mario Greco verkündete zwar grossspurig eine „New Strategy“. Doch tatsächlich senkt er einfach immer mehr die Kosten.

Leute raus, Ausgaben kürzen, Dividende rauf.

So einfach. Was das heisst, erfuhr ein ganzes Team im Bereich des geschassten Marketing-Chefs. Es handelt sich um Spezialisten fürs Branding, also die Pflege der Marke der Zurich.

Sie alle müssen von Bord. Sie folgen jenen, die bereits von dannen sind. Und sie gehen jenen anderen voraus, die es noch treffen wird.

Kahlschlag im Corporate Center, lautet der Befund. Mario Greco kennt darin kaum Grenzen. Er kürzt den vermeintlichen Wasserkopf; Hauptsache, seine eigene Rechnung geht auf.

Die heisst: gut dastehen bei den Zurich-Investoren. Das ist Greco bisher gelungen, die Zurich-Aktie ist unter ihm zum Highflyer an der Börse geworden.

Up in the Air: Grecos Zurich-Kurs (Swissquote)

Greco hat nun eine Frau vom dänischen Spielzeughersteller Lego mit dem zentralen Umbauprojekt namens „Make The Difference“ betraut.

Sie heisst Conny Kalcher und wurde diesen Sommer als Chefin eines neuen „Customer Office“ angekündigt.

Conny-Land (LinkedIn)

Wenige Wochen später fegt Chief Customer Officer Kalcher mit dem eisernen Besen. Kaum im Amt, zerriss Kalcher das Budget für „Make The Difference“, das intern von vielen „Make No Difference“ geschimpft wird.

30 Millionen Franken standen bereit für den Kultur-Umbau. Viel zu viel, befand Kalcher, und kürzte, wo’s ging.

Laut einem Insider wurden Zurich-Berater von überall auf dem Globus ins Hauptquartier am Zürcher Mythenquai eingeflogen.

Hunderte solcher Consultats würden jährlich in teuren Businessclass-Flügen in die Limmatstadt anreisen. Einer sei gar aus Australien drei Mal angedüst.

Die Trips seien luxuriös, sagt die Auskunftsperson. Die Leute logierten in einem 5-Stern-Ambiente im eigenen Zurich Development Center hoch oben über der Stadt.

Arbeitsbienen weg, Luxus pur für Change-Projektberater: Make The Difference auf Zurich-Art.

Bello Ciao: Greco (Zurich)

Die Zurich nahm wie folgt Stellung:

„Am Konzernhauptsitz der Zurich Gruppe gibt es kein Personalabbauprogramm. Den Austritt einzelner Mitarbeitenden kommentieren wir nicht.

„An unserem Investorentag in London im vergangenen Monat haben wir gesagt, dass wir uns in den nächsten drei Jahren darauf konzentrieren werden, das Kundenerlebnis kontinuierlich zu verbessern und einen intensiveren Dialog mit den Kunden zu führen, um ihre Bedürfnisse schnell und effizient zu erfüllen.

„Im Rahmen dieser Transformation verändern sich die Stellenprofile, und wir konzentrieren uns weiterhin darauf, die richtigen Personen für die richtigen Positionen zu identifizieren.“

Kommentare

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  1. Also, dass der MTD wirklich eine pseudo-Übung war bei der Hauptsächlich die Machtgeilen mitmachen und bei der Nichts und gar Nichts rauskam, stimmt. So gesehen, das auseinander zu nehmen ist sicher keine schlechte Idee. Warum das sehr kleine und wirklich gute Brand Team gehen muss ist wiederum nur Traurig. Insbesondere, wenn man weiss, dass es mindestens eine Ausnahme davon gibt, die über Jahre nix und gar nix gemacht hat ausser dem Mario Greco sich anschmeicheln, wirkliche Arbeit verweigern etc…. und FT ist ein guter Manager, der findet schon wieder was Anständiges.

  2. Wurde jahrelang mit überrissenen Autoversicherungsprämien von der Zürich über den Tisch gezogen, bis ich via Comparis einen transparenten Vergleich hatte. Da war dann die Zürich sehr schnell Weg. Dies mein einmaliges Kundenerlebnis mit dieser Gesellschaft.

  3. erinnert mich an mutti merkels und von der leyens beraterbeglückungsprogramm auf deutsche steuerzahlerkoste. nur das war mit 1,1 milliarden (bisher), davon 19 millionen an von der leyens sohn bei mckinsey, etwas teurer.

  4. Die Zeit von Mario Greco ist längst abgelaufen- dass dies bestimmende Aktionäre nicht schnallen…..
    Das gravirende Problem von ihm ist, er hat keine Strategie- und wenn jemand keine Strategie hat, kann er käumlich eine ZURICH erfolgreich in die Zukunft führen. Der ZUR Aktienkurs stieg nur, weil der Gesamtmarkt gestiegen ist. Und wenn der Wind dreht, was in Bälde komen wird, sackt ZUR N ab als gäbe es kein morgen….
    Was steckt sich Mario Greco jährlich schon wieder in die Taschen?!

  5. den selben Kommentar brauchte Zurich schon als sie bei der Schweiz viele Kollegen und Kolleginnen rausstellte. Und die Salamitaktik geht munter weiter.

  6. Kosten runter – das widerspiegelt sich dann auch bei der Bearbeitung der Schadenfälle. Minderwertiger Service, und oft kriegt man auf Fragen keine Antworten vom Personal, entweder weil sie überlastet sind oder die Antworten schlichtweg nicht wissen/kennen. Z – im Schadenfall eindeutig am Ende des Alphabets.

  7. Spitzen-Marketing-Manager werden nicht einfach vom Tron gestossen. Marketing-Manager müssen gehen, wenn sie keine kreativen Ideen entwickeln und das Top-Management mit den Leistungen nicht mehr zufrieden ist.

    Marketing-Manager gibts wie Sand am Meer. Nur in Konzernen werden solche Leute als Spitzen-Manager betiltelt, obwohl sie vielfach viel weniger gut sind als solche in KMUs.

    • Sie müssen ja richtig neidisch sein auf die, die in den Konzernen arbeiten… „Neid und Missgunst“ …. Gerade F. Tardi war nicht nur kreativ und anständig, sondern auch hat alles mögliche versucht den starken Brand von Zürich (den nicht einmal Mario Greco BIS ANHIN kaputt gemacht hat) weiter zu entwickeln. Es ist leider nicht möglich, wenn der Oberst bis jetzt keine Strategie für Zukunft festgelegt hat und jeden Tag eine andere Idee hat.

    • Neidisch, wohl kaum.

      Meine Aussage entspricht der Praxis. Ich kann aber verstehen, dass Sie ihren Freund schützen wollen. Viele Marketing-Manager, vor allem in Konzernen, halten sich für unersetzbar, handeln entsprechend und treten gerne entsprechend auf.

      Ich habe auch nicht geschrieben, dass er nicht anständig war, sondern nur, dass er offenbar nicht die Leistung erbracht hat, die von der Leitung erwünscht war.

      Ich stimme aber in dem Punkt zu, dass viele Chefs von Konzernen nichts von Marketing verstehen und aus Kosten- oder anderen -Gründen wenig bis nichts entscheiden. Sie stehen unter dem Druck der Aktionäre, Erfolge zu erzielen, sonst wackelt auch deren Stuhl.

      Erfolg bedeutet, den „Oberst“ von gewissen Massnahmen zu überzeugen, damit das Unternehmen oder auch nur der Brand sich weiter entwickeln kann.

  8. Was das heisst kann man zB an der Firma Finxess sehen, ein Ex Awdler mit einer Zürich Mailadresse wird beauftragt Aussendienstmitarbeiter für die Ostschweiz zu suchen, am Telefon werden einem grossartige Möglichkeiten versprochen sensationelle Portfeuilles am Gespräch stellt sich dann heraus, das es eigentlich darum geht Quereinsteiger zu rekrutieren welche Ihren Bekanntenkreis abklappern, AWD halt, von den grossartigen Möglichkeiten ist plötzlich nichts mehr da, am Schluss folgen dann win paar Floskeln….

    Outsourcing des HR an Ex Awdler um in bester Verkäufermanier bimlige Junge ahnungslose Verkäufer zu rekrutiern, das lohnt sich, so kommt man an Neukunden über den Bekanntenkreis und wenn es der Berater dann weiter nicht schafft so ist er bald woeder weg und hat wenig gekostet, ein sensationelles Kundenerlebnis ist GARANTIERT 😂

  9. Das Problem aller Versicherungen ist, dass sie notwendig sind, aber doch eher als mühsam angesehen werden.
    Passiert nichts, erhält man Rechnungen. Im besten Fall hat man ein kurzfristig gutes Gefühl dabei, sicher zu sein. Normalerweise aber einfach das Gefühl, abgezockt zu werden.
    Passiert etwas, ist man froh, wenn es etwas gibt. Leider auch nicht immer der Fall, Versicherungsbedingungen sind komplex.
    Aber es gibt garantiert nie ein „Kundenerlebnis“.

    • Wenn dann mal etwas passiert, zahlt sie nicht. Mehrmals erlebt, z. B. beim TCS ETI Schutzbrief und anderen Reiseversicherungen.

  10. Schade dass die Manager und Consultants unter „richtige“ Personen meistens Leute mit grossem Ego und noch grösserem Mundwerk suchen, keine Leute mit Wissen, Erfahrung in dem Bereich oder Verständnis von komplexen Zusammenhängen. Das bringt der Schweizer Wirtschaft nur Qualitätsverlust und Kosten.