Kurer, Rohner: Reine, weisse Westen

Nach dem CS-Präsidenten gibt sich auch Ex-UBS-Oberlotse als Elite-Mann mit reinem Gewissen. Und wütet gegen Mario Corti.

Urs Rohner geht in die Geschichte ein mit dem Spruch, er habe eine „weisse Weste“. Geäussert am Tag, an dem die CS gegen 3 Milliarden den USA zahlte.

Counterpart Peter Kurer, der bis 2009 die UBS lenkte und nichts sah von Steuervergehen seiner Bank, trat gestern in Rohners Fussspuren. Er sei mit sich „im Reinen“, meinte er im SonntagsBlick.

Zwei höchste Schweizer Banker, zwei Fiaskos der Extraklasse – und beide sehen sich als unschuldig und rein.

Wie ist das möglich? Sowohl Kurer als auch Rohner sind ehemalige Wirtschaftsanwälte. Rohner bei Lenz&Staehelin, Kurer bei Homburger.

Beide stellen sich auf den Standpunkt, dass ihnen persönlich nichts Illegales oder Grenzwertiges vorgeworfen werden könne.

Sie argumentieren legalistisch. Solange mir keiner das Gegenteil beweist, bin ich unschuldig.

Forsch bis zum Ende: Kurer (SonntagsBlick)

Soweit, so verständlich. Das Problem ist das Resultat. Beide haben bei ihren Firmen nicht überzeugt.

Das haben andere auch. Doch Rohner bleibt auf seinem Posten, obwohl die CS wankt. Und Kurer kehrte gar an die Spitze zurück, nachdem er tief gefallen war.

Als Kapitän der Sunrise setzte er nahtlos fort, was er zuvor begonnen hatte. Nämlich Krisen.

Die Sunrise muss mit neuer Führung neu beginnen, nachdem Kurer und sein CEO gescheitert sind.

Das hält Kurer nicht davon, in einem Interview sich als Held zu geben, der kaum viel falsch gemacht hat.

Er geht sogar noch weiter. Seinem Erzrivalen Mario Corti macht Kurer zum Abschied schwere Vorwürfe.

Der letzte Kapitän der untergegangenen Swissair habe ihn – Kurer – bewusst in schlechtes Licht rücken wollen.

Kurer war bis Frühling 2001 als Homburger-Anwalt für die Swissair zuständig. Ein halbes Jahr später und neu Chefjurist der Swissair-Hausbank UBS zog er der Airline-Gruppe den Stecker.

Das zumindest ist das Fazit des Films „Grounding“ zum Ende der Swissair. Auf eine entsprechende Frage des SonntagsBlicks meinte Kurer gestern:

„Der Film ‚Grounding‘ zum Beispiel wurde aus dem Familienumfeld von Mario Corti finanziert (Corti war der letzte CEO und Präsident der Swissair, Anm. d. Redaktion).

„Die hatten ein Interesse daran, den stinkenden Fisch uns in den Hosensack zu schieben. Wir waren naiv und haben lange nicht gemerkt, was da vor sich geht.“

Hat Corti „Grounding“ bestellt und finanziert? Nein. Corti hat eine Cousine, die ist mit dem Produzenten von „Grounding“ verheiratet. Corti hat kein Geld in den Film investiert.

Kurer müsste das wissen. Mit seiner Aussage erweckt er den gegenteiligen Eindruck.

Kommentare

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  1. Es ist einfach unglaublich wie das Netzwerk dieser Oldboys sich immer wieder lukrative Posten zuschanzt und dann dort richtige Sesselkleber werden bis es halt gar nicht mehr geht, ach ja nur 10 Millionen genommen Herr Kurer – eine Schande für alle die hart arbeiten für ihren Lohn.
    Wann werden diese Kurers, Rohners und Thiams dorthin geschickt wo der Pfeffer wächst? Aber ohne goldenen Fallschirm, sie müssten in die Verantwortung genommen werden und für ihre miserablen Leistungen bezahlen!

  2. „Zwei höchste Schweizer Banker, zwei Fiaskos der Extraklasse“

    Mit Verlaub, diese Figuren sind KEINE BANKER, sondern Juristen.

  3. Ach je was stand da heute im Blick oder 20 Minuten?
    Egal beide Blätter sind des Papiers nicht wert.
    Ja was stand da, die breite Bevölkerung hat null ahnung
    von Geld. (Zusatzbemerkung damit auch Ökonomische Kompetenz.)
    Grins die in den Tepichetagen hmmm offenbar, und offensichtlich AUCH NICHT.
    Schönen Abend

  4. Kurer als Chefjurist der UBS zu Zeiten von Ospel hat todsicher gewusst was für Geschäfte die Bank zu den „goldenen Zeiten“ machte, als der Aktienkurs etwa 6mal höher war als jetzt. Geschäfte mit ausländischen Multimillionären und Milliardären unter dem Schutz des Bankgeheimnisses. Tempi passati, zum Glück. Jetzt müssten der CEO und der VR-Präsident der UBS zeigen, dass es auch ehrlich geht.

  5. Kurer und Rohner, beide Juristen die allen anderen die Schuld zuschieben können und es bestens verstehen sich in gutem „legalistischen“ Bild darzustellen, obwohl die Tatsache des SWISSAIR-Konkurses nicht ungeschehen gemacht werden kann, oder?
    Soviel Hirnlose -wie beschrieben- gibt es in einem so grossen Verwaltungsrat (gleich in welcher Firma) tatsächlich nicht, oder?
    Aus dem jeweiligen Desaster oder Konkurs sind beide immer -nach aussen- hervorragend raus-gestiegen, aber schämen für die Leistung müssen sie sich trotzdem, oder (doch) nicht???
    Wenn man vom Geschäft keine Ahnung hat oder „naiv“ ist, dürfte man solche Posten die „nur 10′ Millionen im Jahr“ einbringen NIE annehmen, oder was meint der ehemalige Aktionär der zum Teil einen grossen Teil seines Vermögens beim SWISSAIR-Konkurs (inkl. der Pensionskassen, also Volksvermögen!) verloren hat obwohl es Jahre zuvor die fliegende 4-Milliarden-Cash-Firma war und zu allem der National-Stolz aller Schweizer?

  6. Entweder haben Blinde, Hirn-/ und Gehörlose diese Typen wirken lassen, oder sie haben handfeste Gründe diese Möchtegernmanager als Marionettenpuppen an ihre Fäden zu hängen. Ersteres fällt weg – soviel Hirnlose gibt es nicht.

  7. Kurer hat sich das Wissen für seinen nächsten
    Management-Ratgeber hart erarbeitet.
    Arbeitstitel: „Wie kommt der gewiefte Manager
    rein aus Desastern raus?“
    Ob die Zeit für die erste Auflage reicht, dass
    auch Rohner davon profitieren kann?

  8. Kurer ist ein weiteres schlagendes Beispiel dafür, dass Anwälte an der Spitze von Firmen in aller Regel eine Fehlbesetzung darstellen und zum Scheitern verurteilt sind. Eine der wenigen Ausnahmen, die die Regel bestätigt, ist Dr. Fritz Gerber, seinerzeit Chef von Roche und Zürich Versicherung. Ansonsten: Nur Wertvernichtung und Chaos durch Anwälte als Firmenlenker.

  9. Im Interview sagt Kurer: „Das gesamte Management und der gesamte Verwaltungsrat haben das (gemeint ist die Übernahme von UPC) vorangetrieben.“

    Diese Aussage muss man doch sehr bezweifeln, im Sunrise Verwaltungsrat sitzen zwei Vertreter von Freenet und Freenet war bekanntlich gegen die Übernahme.

  10. He die sind sicher nie Schuldig. Die tragen viel und grosse Verantwortung, sich da wegen Grounding, 3Mrd.reinwasche an die USA, Verpatzten deal. Die habe wirklich anderes zu tun als sich mit so Kleinigkeiten abgeben wo man sich erst noch die Finger verbrennen kann. Mitarbeiter weiter unten die kann man feuern und es noch als Kostensparen verkaufen. Der Sicherheitschef der CS wurde gleich zweimal gefeuert, das wirkt doch?

  11. @Kurer: Eine kleine historische Reminiszenz: Wer war denn alles im VR der Swissair die ganze Zeit lang und hat u.a. die unsägliche Hunter-Strategie wie von ex CEO Bruggisser gutgeheissen? – Ja, richtig, die UBS und die CS. Ebendiese UBS hat dann den Stecker gezogen und das Grounding verursacht. Das Desaster Mario Corti anzuhängen ist schlichtweg falsch: Corti gab seinen sicheren CFO-Posten bei Nestlé auf und versuchte, die Swissair wieder flott zu kriegen indem unrentable Beteiligungen hätten verkauft werden sollen. Nach 9/11 wollte aber kein Airline Player einen vernünftigen Preis zahlen. Kurer sollte es eigentlich wissen, er hatte ja Einsicht in all die VR-Protokolle. Seine Aussagen bezüglich Corti sind schlichtweg falsch und zeigen seinen wahren Charakter – einmal mehr. Für die Schweizer Wirtschaft hoffe ich gerne dass er nie mehr in GL oder VR Gremien gewählt wird und dann noch mehr Schaden anrichtet.

  12. Advokaten taugen als Unternehmensleiter nichts. Sie können gar nicht unternehmerisch denken und handeln, denn sie haben Angst und machen Angst. Deshalb sind sie auch Weltmeister im Ignorieren. Ignorieren steht in ihrem Vademecum.

    • Ja genau … und getopt werden sie nur von den Banker und Finanzlern, die ihre Unternehmen (sprich: Arbeitgeber) und v.a.Kunden unverfroren abzocken !

  13. Als Falco „Das Herz so rein und weiß und jede Nacht hat ihren Preis“ sang, sprach er zwar von einer Professionellen, aber irgendwie erinnert mich das doch sehr an die beiden Herren Kurer und Rohner, bei denen man ebenfalls nicht so genau weiss, was an ihnen eigentlich professionell sein soll.
    Das moralische Verhalten ist es in jedenfalls nicht.

  14. Weisse Weste – ja klar, die Typen haben keine Ahnung von Banking, spez. des „Alten“ Private Banking. Sieht heute im Management bei CS und UBS nicht besser aus. Quereinsteiger, Berater, Anwälte usw. Mal abwarten was Iqbal Morgen im Town Hall bekannt gibt!

  15. Kurer ist ein lebendes Beispiel für Misserfolge. Erstaunlich, dass er immer wieder Ämtlis bekommt.

    Muss an den schlechten VRs im Land liegen, die mit Kurer grosse Risiken eingehen.

  16. Als Kurer zum Oberjehu der UBS aufstieg, machte er auf Bescheidenheit. Zu seinem Lohn befragt, sagte er „Ich nehme nur 10 Millionen“. Nahm sie und scheiterte.

  17. Bei den CS-Boys kommt mir immer ein Spruch aus der Ausbildung in den Sinn:

    „Arbeit kann man delegieren, Verantwortung nicht!“

  18. Das Ziel dieser Herren ist die Selbstoptimierung und das haben sie erreicht.Allfällige daraus resultierende Probleme sind die Schuld von anderen. Das funktioniert so in jedem Multi.

  19. Als Chefjurist war Kurer in der Konzernleitung UBS
    und mitverantwortlich für die arge Misswirtschaft:

    – Subprime-Verluste von rund 70 Milliarden
    – Abfluss Kundengelder über 100 Milliarden
    – Absturz Aktienkurs von 75 auf 9 Franken
    – Börsenwert minus 180 Milliarden
    – zudem spielte er eine blamable Rolle im Steuerstreit
    und beim Untergang des Bankgeheimnisses.

    Der Bundesrat veranlasste dann seine Absetzung
    als VR-Präsident UBS.

    • Falsch: Als ‚Oberchief legal‘ war er für die konzernweite Beschaffung von Veloständern sowie für die Gehaltspakete der Putzequipen zuständig.

  20. Passt doch zu Kurer, er weiss nicht einmal wer den Film finanziert hat. Nichtwissen ist ein Markenzeichen von ihm, bewiesen hat er das hoffentlich zum letzten Mal mit dem Flopp bei Sunrise! Rohner weiss wenigstens dass die arabischen Aktionäre noch vorerst zur CS halten, trotz grottenschlechtem Aktienkurs, und seine Unfähigkeit akzeptieren!