Raiffeisen lanciert Strafzins in AGBs

Im Kleingedruckten hält Raiffeisen Winterthur fest, dass sie „Negativzinsen einseitig“ einführen könne. Kein Entrinnen mehr.

Der Frosch wird langsam weichgekocht. Im Fall der Minuszinsen für Kleinsparer in 5 Jahren. Heute jähren sich Aufhebung von Euro-Anbindung und 0,75 Prozent Minuszinsen zum 5. Mal.

Nun ist der Frosch soweit. Das Wasser ist kochend heiss, aber er springt nicht mehr aus dem Kessel. Genau das, was man wollte. Nur ja keinen Bank-run, wenn dann die Negativzinsen für den Kleinen kommen.

Und sie kommen. Die Raiffeisenbank Winterthur zeigt wie. Soeben hat sie die Ziffer 7 ihrer Allgemeinen Geschäftsbedigungen (AGBs), eine Art Grundvereinbarung zwischen Bank und Kunde, einseitig angepasst.

Dazu erläutert die Bank: „Die Ziffer wird um die Möglichkeit ergänzt, dass Raiffeisen, insbesondere wenn es die Marktverhältnisse notwendig machen, auch Negativzinsen einseitig auf Kundeneinlagen einführen könnte.“

Sprich: Wir lassen Dich, lieber Kunde, zur Ader, sobald es uns passt. Die Negativzinsen der SNB bleiben ja, und wir wollen weiter dick verdienen – also musst Du uns Zins auf Dein Erspartes zahlen.

So die Botschaft. Sie steht in scharfem Kontrast zu Aussagen von Raiffeisen-Schweiz-Präsident Guy Lachappelle im letzten November.

„Ich kann mir Strafzinsen nicht vorstellen“, meinte Lachappelle damals noch im Tages-Anzeiger.

Die Begründung schien einleuchtend. „Wenn bei Sparkonti Negativzinsen eingeführt werden, ist die Gefahr gross, dass es zu einem Bank Run kommt – also dass die Sparer ihr Geld von den Banken holen.“

2 Monate später sieht Lachappelle die Sache mit Negativzinsen für Kleine, die bei seiner Bank nie kommen sollen, nicht mehr so eng.

Dies jedenfalls zeigt das Beispiel der Raiffeisen Winterthur, die sich von den Kunden explizit einen Freipass für die schnelle, unkomplizierte Einführung von Negativzinsen geben liess.

Eine Sprecherin der Raiffeisen Schweiz, das ist die Zentrale der noch rund 200 Raiffeisenbanken im Land, meinte gestern auf die Frage, warum sich die Einstellung der 3. Kraft im Land zu Minuszinsen so rasch und grundlegend verändert habe:

„An der Haltung von Raiffeisen Schweiz hat sich nichts geändert: Raiffeisen Schweiz empfiehlt den Raiffeisenbanken und den Niederlassungen von Raiffeisen Schweiz nach wie vor, ihren Privatkunden keine Negativzinsen zu verrechnen.

„Raiffeisen beobachtet die Entwicklungen am Geld- und Kapitalmarkt und auch das Verhalten der Marktteilnehmer jedoch sehr genau und behält sich vor, die Situation bei Bedarf neu zu beurteilen. Dementsprechend wurden die AGB konkretisiert.

„Die Raiffeisenbanken und Niederlassungen von Raiffeisen Schweiz sind autonom und frei in der Umsetzung und Ausgestaltung der Empfehlung von Raiffeisen Schweiz.“

Wir wollen keine Minuszinsen für unsere Sparer – aber im Notfall müssen wir solche halt verrechnen, sind ja keine Pestalozzis.

Die Aussagen machen klar, wo wir stehen. Die Banken verdienen zwar immer noch ein Heidengeld mit dem Zinsgeschäft. Sie geben Kredite à gogo für Häuser, Firmen und Konsum und erhalten dafür Zinsen. Tiefe, aber immerhin.

Umgekehrt liegt der Zins für die Kunden, die den Banken ihr Erspartes für ebendieses Zinsgeschäft zur Verfügung stellen, indem sie es ihnen anvertrauen, bei null.

Einzelne Kunden, die grossen, zahlen sogar schon lange Negativzinsen. Sprich, sie müssen die Banken dafür entschädigen, dass sie diesen ihr eigenes Vermögen anvertrauen dürfen.

Immer mehr Kunden müssen solche Zinsen zahlen auf ihr Vermögen. Umgekehrt profitieren die Banken von Freigrenzen. Erst ab dem 25fachen des mindestens geforderten Betrags bei der SNB werden sie von dieser mit 0,75 Prozent Minuszins bestraft.

Das heisst: Die Banken kommen sehr lange über die Runden, ohne dass sie der Notenbank Negativzinsen zahlen müssen. Selber aber wollen sie nun so bald wie möglich alle oder fast alle Kunden zwingen, ihnen Minuszinsen zu berappen.

Sie haben die Macht dazu, passen einfach einseitig die AGBs an. Die Kunden schlucken es. Dummes Volk. Sie blenden den sozialen Zündstoff aus, der entsteht, wenn die Bürger um ihr Erspartes und um ihre Rente gebracht werden.

Kommentare

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  1. Die Banken schaden sich nur selbst. Jeder Kontakt zur Bank wird bestraft, ob man etwas gibt oder nimmt, immer wird dies illegitim bezinst zzgl Gebühren. Dann stell man den Kontakt doch lieber auf: Null.

  2. Ich verstehe die Aufregung nicht. Bankdienstleistungen kosten, ob das mittels (negativem) Zins oder administrativen Gebühren anfällt, ist irrelevant. Ist der Gesamtpreis zu hoch, zieht man weiter. Da muss jede Bank selber die Preiselastizität abschätzen.
    Und wo liegt in diesem System das Risiko eines Bank Runs? Wer kaum noch Liquidität hat, sollte sie ja von anderen Teilnehmern locker erhalten, da diese somit ihre eigenen Negativzinszahlungen reduzieren können. Nur Kapital sollte das Institut genug haben.

  3. Man kann den geldgierigen Banken ein Schnippchen schlagen, indem man Verwandten und Bekannten Darlehen gewährt, womit diese ihre Hypotheken abtragen.

  4. Das mit Winterthur könnte doch die alte bewährte Masche sein.
    Einen Versuchsballon starten, einmal schauen wie das „dumme“ Volk (nicht) reagiert und dann die Negativzinsen auf ganzer Line einführen.

  5. Die Negativzinsen werden von der Nationalbank gemacht. Da kann Raiffeisen oder jede andere Bank nichts dafür. Aus diesem Grund ist dieser Teil der Beitrages vollkommen richtig:

    „An der Haltung von Raiffeisen Schweiz hat sich nichts geändert: Raiffeisen Schweiz empfiehlt den Raiffeisenbanken und den Niederlassungen von Raiffeisen Schweiz nach wie vor, ihren Privatkunden keine Negativzinsen zu verrechnen.

    „Raiffeisen beobachtet die Entwicklungen am Geld- und Kapitalmarkt und auch das Verhalten der Marktteilnehmer jedoch sehr genau und behält sich vor, die Situation bei Bedarf neu zu beurteilen. Dementsprechend wurden die AGB konkretisiert.

    „Die Raiffeisenbanken und Niederlassungen von Raiffeisen Schweiz sind autonom und frei in der Umsetzung und Ausgestaltung der Empfehlung von Raiffeisen Schweiz.“

  6. Als ü50 findet man keine Jobs mehr, die Politiker setzem Abstimmungen nicht um, die Banken verlangen Negativzinsen, die Zuwanderung ist ungebrochen, die Welt gerät aus den Fugen.
    Wer stoppt den Wahnsinn?

  7. Könnte ist nicht müssen … und was darf denn die PostFinance was Raiffeisen nicht darf ???

    Zudem sind Negativzinsen, Strafzinsen & Gebühren jeweils verschiedene Paar Schuhe !!!

  8. Per Definition gibt es Negativzinsen gar nicht, weder ökonomisch noch juristisch. – Ich möchte wissen, was das Bundesgericht dazu sagt.
    Auch möchte ich einmal einen Kontoauszug (einer PK?) sehen, wo „Negativzinsen“ belastet und so benamst werden.

    • 36, 4 Milliarden Gewinn aufgrund welcher Geschäfte. Reine spekulative Geschäfte? Sicher nicht mit Vergabe von Krediten und Hypotheken. Bei der nächsten Finanzkrise, die schon seit Jahren vor der Türe steht, aber durch eine künstliche Finanzpolitik verhindert wurde, werde wir es wissen.

      Und alle unsere Oekonomen und Politiker sagen dann wieder, dass man dieses Ereignis nicht voraussehen konnte. Dann kann ich nur lachen; oder soll ich weinen?

  9. Derzeit wird wirklich alles versucht, um noch die hinterst und letzten Konservativen Sparer in Anlagen und Investitionen zu drücken. Nur um ein Wachstum zeigen zu können. Sparer sind Menschen, die nicht über ihren Verhältnissen leben (ob verdient oder nicht), und gesellschaftspolitisch eigentlich gute Menschen (nicht Gutmenschen).

    • Volkswirtschaftlich wäre das Sparen wichtig! Die Schweiz ist so Jahrzehntelang gut gefahren!

  10. Das bedeutet ich habe 10T auf dem Konto und ich bezahle der Bank was, habe ich 10T Schulden bei der Bank bezahle ich auch.
    Denn Banken kan man es nie recht machen! Und machen die weiter so, so schaffen sie sich selbst ab!

  11. Ach je Negatievzinsen?
    Das ist Inflation= Geld in dem Fall Kapitalentwertung.
    Die ,,saubere,, Rechnung.
    1% Negatievzins pluss 1% klassisch etabliert errechnete
    Inflation, ergeben 2% Inflation= Geldentwertung.
    Noch Fragen?

  12. Schon wieder: den Esel meinen aber den Sack schlagen! Sollen Raiffeisen und die anderen Banken zu Komplizen der SNB werden und dem dummen, kleinen Bürger die heile Welt vorgaukeln? Sicher nicht! Negativzinsen ab dem ersten Franken sind angesagt (gewichtet nach dem Freibetrag). Nur so wird der breiten Masse die verfehlte SNB Politik bewusst. Bravo Raiffeisen, hoffentlich ziehen die anderen Banken demnächst nach.

  13. Die Faktenlage ist klar:

    Wer für die Einführung des Mindestkurses war und für die immer noch anhaltenden Devisenkäufe der SNB zwecks Schwächung des Frankens darf sich nicht beschweren:

    Sollten Euro und Dollar ihre Talfahrten wieder einmal aufnehmen, womit früher oder später zu rechnen ist, so wird es bei der SNB zu negativem Eigenkapital kommen. Die SNB kommt nicht mehr aus ihren Devisenanlagen heraus.

    In diesem Fall gibt es folgende Möglichkeit:

    Die SNB deponiert ihre Bilanz. Das will SNB-Jordan nicht.

    Konklusion:

    Die kreditgebenden Banken müssen ihre Guthaben bei der SNB wertberichtigen. Deren Wert fällt. Das kann zum Konkurs von Geschäftsbanken führen (u.a. Raiffeisen).

    Um negativem Eigenkapital vorzubeugen hat die SNB Negativzinsen eingeführt. Und die Banken geben diese an die Kunden weiter.

    Ob die Banken ihre Guthaben bei der SNB werterichtigen oder darauf Negativzinsen bezahlen kommt auf dasselbe heraus.

    Die Guthaben verlieren an Kaufkraft – das ist die neue Form von Inflation.

    Alles ganz logisch und einfach.

    Die Bankkunden bezahlen schon jetzt für die zu erwartenden kommenden Verluste der SNB über Kaufkraftverminderung ihres Buchgeldes.

    So ist es.

    Marc Meyer

    • “Die SNB deponiert ihre Bilanz” – was für ein hahnebüchener Schwachsinn. Jetzt habe ich diesen Meyer schon ein paar mal gelesen hier, aber das macht ihn nicht besser. Das sind völlig wirre Ueberlegungen. Fakt ist: die SNB kann sich immer am eigenen Schopf aus dem Tümpel ziehen, weil sie Geld “drucken“ kann à gogo, ohne dass dieses durch irgendwelche Sachwerte gedeckt sein muss. Dieser Zauber ist seit Aufhebung des Goldstandards passé. Heutige Währungen basieren nur auf dem Vertrauen, das man in sie bzw. in eine Volkswirtschaft steckt. Was Meyer korrekt schildert, ist die Entwertung des sFr, aber sicher nicht bei einer Talfahrt von € oder $, Menschenskinder! Das gilt daenk für den Fall einer Wertzunahme der Fremdwährungen! Dann wird der sFr relativ weniger wert = Inflation. Wenn € und $ sinnlos an Wert verlieren sollten, dann geht Jordan in den Keller und stampft sie ein. Und schreibt am Jahresende die Abschreiber in die “Bilanz”, für die Buchhaltungsneurotiker auf der Galerie. Ansonsten passiert da gar nichts. Mensch, schickt den guten Meyer mal in einen Abendkurs VWL!

  14. Wer macht mit hier seine Tipps zu publizieren, wie diese „Gebühren“ umgangen oder verhindert werden können?
    – Cash
    – Gold
    – Hyposchulden tilgen
    – ??

  15. Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht. Die ganzen vergangenen Episoden mit Don Pierin sollten eigentlich zur Vorsicht mahnen.
    Es scheint aber dass man die Kunden wirklich für dumm hält.
    Trotz allem es gibt für einen Wechsel immer noch einige wenige „Vertrauensbanken“

  16. „Leider können wir Ihnen kein Schliessfach anbieten.“ Die Banken werden auch beim Bargeldverbot brav mitschwimmen, wenn nicht gar an der Spitze.

  17. Schade die Entwicklung der
    Genossenschaftsbanken früher traf man
    sich an der Generalversammlung
    das war immer ein
    Volksfest mit Unterhaltungen

  18. Die Sparer werden so oder so ihr erspartes Geld schwinden sehen. Entweder nehmen es die Banken mit Negativzinsen oder die Teuerung sorgt dafür. Wer Geld auf die hohe Kante (Sparkonto) legt, wird vom Fiskus und von den Banken gemolken. Eigentlich dumm, wer noch Geld zur Bank bringt. . .

  19. Jeder verteidigt sein Geschäftsmodell. Die Banken tun dies. Die Anleger tun dies. Die Exportwirtschaft freut sich. Die Nationalbank sieht keinen Handlungsbedarf. Die Politik fühlt sich sauwohl. Die Sozialdemokratie beschäftigt sich mit sich selbst (d.h. Selbstverwirklichung). Wo sollen denn da die Verlierer sein?

    Einen Bank-Run wird es ebenfalls nicht geben. Die Zentralbanken werden bei Bedarf jede nur erdenkliche Menge an Bargeld zur Verfügung stellen. In jedem Fall freue ich mich schon heute auf die bevorstehende ‚sagenhafte’ Zeit, wenn ich auf meiner Hypothek eine Zinsgutschrift von meiner Bank erhalten werde. Das Paradies dürfte nicht schöner sein.

  20. Immer häufiger zu lesen, Negativzinsen führen zu schrumpfenden Margen im Zinsdifferenzgeschäft. Die Aussagen sind nicht falsch, inhaltlich jedoch unvollständig.

    Sinkenden Zinsen sind ein globales Phänomen, das seit Jahrzehnten anhält. SNB-Jordan sagte u.a.: Es gibt weniger Technologien, in denen grosse Investitionen eine hohe Rendite abwerfen. Weitere Gründe für rückläufige Realzinsen sind: Demografischen Alterung, schwaches Produktivitätswachstum und somit geringe Investitionsnachfrage.

    Der Markt verändert sich, zahlreiche Banken verschliessen jedoch die Augen vor dem Wandel. So überrascht es nicht: Negativzinsen sind für mittelgrosse Regional- und Kantonalbanken Mittel zum Zweck, Margenausfälle «günstig» zu kompensieren.

    https://www.digitalmedia.ch/bank/negativzinsen-sparkonto-schweiz/

    • Sie wissen schon, daß die großen amerikanischen Digitalkonzerne, Software- und Medizintechnikhersteller sowie Biotechnologieunternehmen Umsatzrenditen von größer als 20% aufweisen?

    • @tenbagger: genau, wohl darum setzen die Banken hoffnungsvoll auf Twint um Renditen zu generieren wie Google und Co.

      Techkonzerne in den USA brauchen keine Banken.

  21. Das ist nur ein logischer Schritt. Die AGB’s (die übrigens immer Einseitig angepasst werden, da sie von der Bank bestimmt werden) sind jetzt für eine Zukunft vorbereitet, wenn vielleicht mal 2 oder 3% Negativzinsen vorgegeben werden. Aktuell ist es bei Raiffeisen kein Thema, aber man muss sich ja trotzdem auch auf Extremszenarien vorbereiten. Sonst könnte der Kunde sich in diesem Extremfall auf die AGB’s berufen und die Negativzinsen anfechten.

    • Japan hat aus den späten 80 iger Jahren
      eine Immobilien-Kapitalblase geerbt.
      Damit das wenigstens in Buchwert nicht
      aus den Fugen läuft, bleiben faktisch nur
      noch NULL Zinsen.
      Wer Rote Zahlen Schreibt oder MUSS der
      der MUSS von Rechts wegen Pleite anmelden,
      oder mit einem Kredit ,,aufpepen,,.
      Übrigens auch die Schweiz hat eine sehr
      wahrscheinlich noch grössere Imobilien-Kapitalblase.