Digitale Börse der Six in Schieflage

Nach dem CEO haben weitere Chefs den Bettel hingeschmissen. Chaos und wilde Zukäufe bei der grossen Börsenfirma.

Eigentlich will die Six in Spanien das Geschäft ihres Lebens machen. Sie hat 3 Milliarden Cash für die dortige Börse geboten.

Was das bringen soll, wissen die Götter. Die Zukunft ist digital, das weiss auch die Six-Führung. Und doch verpulvert sie eine Giga-Summe in der Old Economy.

Im Schatten von Madrid wachsen Chaos und Unstimmigkeiten in der modernen Six-Welt. Da geht es um den Aufbau einer digitalen Börse, kurz SDX.

Diese hätte bereits letzten Sommer an den Start gehen sollen – zumindest in Teilen. Doch dann trennte sich die Six vom CEO der SDX.

Und nun werden weitere Spitzen-Personalien bekannt, welche die Frage aufwerfen, wie gut es der Six in ihrem Vorzeigeprojekt „Digital-Börse“ geht.

Gekündigt haben soeben zwei Spitzenleute. Es sind dies Sven Roth, der den Titel eines „Chief Digital Officers“ gehalten hat. Und Ivo Sauter, der „Chief Client Officer“.

Die beiden Top-Abgänge zusammen mit jenem des früheren CEOs, Martin Halblaub, vom letzten August weisen auf eine ernsthafte Krise hin. Niemand mehr da?

Doch, einer. Thomas Kindler heisst er, und er agiert als Interims-CEO der Digitalbörse SDX. Doch der hat intern klargemacht: Für eine definitive Berufung stehe ich nicht zur Verfügung.

Also wird auch Kindler früher oder später abspringen. Gefordert ist ein Mann, der die SDX in letzten Konsequenz zu verantworten hat und der die personellen Löcher stopfen muss.

Thomas Zeeb. Sein offizieller Titel als Six-Spitzenkraft: Head Securities & Exchanges.

Sprich Herr über alle Börsen, die alten wie jene in Zürich und vielleicht bald einmal in Madrid, und die neuen wie die Digitalbörse namens SDX.

Zeeb ist ein Schlachtross der Börsenindustrie. Bei der Six gehört er seit 15 Jahren zu den Führungsleuten. Er kennt das Geschäft mit den Börsen und der Abwicklung aus dem Effeff.

Doch nun will ihm der Sprung in die Neuzeit nicht so recht gelingen. Er braucht gute Leute, die ihm die SDX schnell und erfolgreich auf die Beine stellen.

Doch die springen ab. Bei der Trennung von SDX-CEO Halblaub im August hiess es, es gebe „strategische“ Differenzen.

Vermutlich ging es wie meist, wenn diese Formulierung zum Zug kommt, um Menschliches. Die beiden obersten Köpfe, also Zeeb und Halblaub, hatten das Heu nicht auf der gleichen Bühne.

Herr der Börsen: Thomas Zeeb (Six)

Zeit für den Kleineren der beiden, sich nach etwas Neuem umzuschauen. Der Grosse, hier also Six-Boss Zeeb, obsiegte. Doch gewonnen hat er damit vorerst wenig.

Zeeb versuche, einen Mann als CEO für seine Digitalbörse zu gewinnen, der ein eigenes Unternehmen besitzt, das mit Digitalisierung und Finanzdaten gross geworden ist, sagt ein Insider.

Die Rede ist von DrumG und dessen Chef, einem Unternehmer namens Tim Grant. Doch Grant stelle eine Bedingung: Die Six müsse sich an seiner Firma beteiligen.

In seiner wachsenden Verzweiflung versuche Thomas Zeeb, seine Kollegen in der Geschäftsleitung der Six davon zu überzeugen, dass ein Anteil an der DrumG eine lohnende Sache sei.

Ein Sprecher der Six wollte sich nicht zu einer möglichen Beteiligung äussern. „Wir schauen verschiedenes an und prüfen, ob es für SDX Sinn macht.“

Ein Anteil an einer Firma erwerben, nur damit deren Chef bei sich selber ein Vakanz ausfüllt – eine spezielle Beteiliungspolitik.

Sie passt ins Bild von Hüst und Hott, das die Six abgibt. Die Börsengruppe schwimmt im Geld und kauft wild zusammen, was ihr gerade in den Sinn kommt; so jedenfalls wirkt es von aussen.

Vor lautet Hektik droht im zentralen Projekt der Digitalbörse, der bereits von Mitte 2019 auf Ende dieses Jahres nach hinten verschobene Startschuss ein weiteres Mal nicht eingehalten werden zu können.

Die Live-Schaltung von SDX würde mit jeder Woche unwahrscheinlicher, sagt die Auskunftsperson. Der Six-Sprecher hält dagegen. „Wir sind im kommunizierten Zeitplan.“

Kommentare

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  1. SDX kostet die SIX grobe CHF 60m bis 2021 – der Ex-CEO wollte CHF80m. Mit leeren Händen, ohne annähernd vorzuweisen was der SIX CEO vollmundig angekündigt hatte.
    Guter Teil der 2.Reihe kommt von der Falcon Bank. Wenn Herr Roth nun geht, zieht die Truppe weiter? Der Rest: teure Berater von Accenture, McKinsey & Co. und Engineers von SIX. Wow..

  2. Ich hatte mich mal bei der Six IT beworben. Ich kann nur sagen, dass nur noch die SwssLife ein schlechtere HR wie Six hat. Bedenklich!

    • Ich weiss nicht, ob HR da schuld ist. Fakt ist: Die SIX berücksichtigt scheinbar nicht mal mehr Dossiers, die mit interner Empfehlung eingereicht werden. Bei mir war es offenbar Zeeb persönlich, der sich bei meiner short-listed Kandidatur für einen Job dort (nicht SDX) vor einiger Zeit auf den Standpunkt gestellt haben soll, dass das Dossier zwar interessant sei, man WEGEN (!?) des dynamischen Marktumfelds aber lieber weniger dynamische / innovative Personen bevorzuge (um die interne Stabilität sicherzustellen). Bei anderer Gelegenheit werde man aber gerne darauf zurückkommen. Gehört habe ich nie wieder etwas. Bei SDX habe ich mich nun in der Zwischenzeit zweimal beworben, weil ich noch immer zu einer zukunftsgerichteten und starken Schweizer Finanzinfrastruktur beitragen will (und kann). Einen Follow-up seitens SIX gab es nicht mehr. Vielleicht bin ich nicht gut genug. Ich bezweifle es Vielleicht liegt‘s aber auch einfach nur daran, dass ich mich vor ein paar Jahren in letzter Runde gegen eine Führungsfunktion bei SIX entschieden habe. Gewisse Arbeitgeber scheinen einem sowas nachzutragen. Ob das hier auch so ist, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall schade, weil ich (trotz schlechten Rufs) aufgrund unserer jahrelangen Zusammenarbeit stets grosse Stücke auf die SIX hielt…

  3. Es kommt mir vor als würde sich die Swissair Geschichte wiederholen. Die Einzigen die profitieren sind die Heerscharen an Beratern die sich gesund stossen.
    Viel Glück Tom Zeeb!

  4. Als JPMorganChase BankOne übernahm, ging es in erster Linie darum, Jamie Dimon zu gewinnen. Personal- und Beteiligungspolitik sind also nicht immer eine schlechte Idee…

  5. Wie man sieht, ist die Führung von Six überfordert. Schon andere Firmen haben wegen der Eitelkeiten oder sagen wir dem Grössenwahn alles Geld verpulvert. Das Engagement in Madrid wird der Anfang vom Ende sein. Ist in der heutigen Zeit ein Kauf einer Börse wie Madrid noch sinnvoll? Wie sehen die Börsen in fünf Jahren aus? Was will die SIX damit? Überholt uns die Digitalisierung? Gibt es in fünf Jahren ganz andere Player? Das Fazit:
    Kein Kauf von Madrid und ein Neuanfang mit der digitalen Börse aber nicht so!

  6. Nun ich weiss von sehr motivierten Leuten die sich bei der SDX beworben haben , dann zu einem Interview eingeladen wurden. Dort wurden sie aber schnell von inkompetenten Personen in Interviews befragt und gefordert, welche von modernen digitalen Technologien keine Ahnung haben. Die Präsentationen sind dann immer im sang verlaufen weil der SDX Interviewpartner keine Ahnung hatten. In der Zwischenzeit wurden diese Kandidaten alle durch Firmen in Zug oder Fernost angeheuert. Die SDX fliegt immer noch nicht und wird nie fliegen, weil die Leute viel Theorie aber weniger Realismus haben, was der Markt und Kunde braucht und wünscht. Somit eine hausgemachtes Problem Eine gute Idee stirbt den langsam Tod und scheitert einfach an Menschen die Schwätzersind, weil sie Schwätzer sind und keinen Ahnung von moderner Materie haben, oder einfach nicht bereits sind altes Verhalten mit neuen Ideen Radikal zu überdenken und zu ändern. Die Leute zu feuern ist somit keine schlechte Idee.

  7. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer ‚elektronischen Börse‘ und einer ‚digitalen‘ Börse?
    Die Schweizer Börse nennt sich seit Jahrzehnten ‚elektronische Börse‘!

    • @FTK: Genau diesen Gedanken hatte ich auch.

      Meine Vermutung: Unkenntnis der Sachlage bei den Entscheidungsträgern.

      Dasselbe gilt für ‚Digital Assets‘.
      Solange es Verbriefungen von irgendwas sind, reicht der bestehende Rahmen aus. Wenn es allerdings irgendwelche glatten Luftibus-Tokens wie bspw. Krytpowährungen sind, so braucht diese auch niemand.

      Dasselbe gilt dann konsequenterweise auch für Digitalbanken.

  8. Wie könnte es auch anders sein. Die SIX ist wieder mit sich selbst am kämpfen. Einerseits wird Geld aus den Fenster geworfen, anderseits wird Geld beim Fussvolk gespart wo es nur geht (1% Hypozins Vergütung gestrichen).
    Vor 10 Jahren unter Rüeggi und Borntobewild keine Vision. Nach 10 Jahren immer noch keine Vision.
    Etwas stimmt, sie schwimmen im Geld aber trotzdem wird überall gespart und geblockt.
    Leider sind die Manager bei der SIX eher die 3. Klassen Manager die bei der CS oder UBS nie was erreicht haben. Väterliwirtschaft a go go
    Traurig traurig!

  9. Wie wollen Sie einen Unternehmer – wie hier Tim Grant – in eine grössere Firma einbinden? Ein Unternehmer nimmt nur Aufträge von Kunden und Geschäftspartnern entgegen. Auch mit Beteiligung dan seinem Unternehmen wird er sich einem Angestellten, auch wenn er denn Titel CEO geniesst, nicht einfach so unterordnen. Er wird sein Ding weiterziehen und sich einen Deut um Prozesse und andere Bereiche scheren. Vielleicht klappt es einen Moment lang, früher oder später ist dann wieder „Stimmung“ im Saal und es gibt den berühmten „Chlapf“.

    Solche Beteiligungen enden dann in der Statistik in der grossen (bis zu 70 % aller Fälle) Kategorie der letztlich Wert vernichtenden Akquisitionen für die Aktionäre des Käufers.

  10. Alles kein Problem! Die SIX hat ja jetzt einen hervorragenden, ultra-fähigen und extrem sympatischen Verwaltungsratspräsidenten. Thomas Wellauer. Der wird das schon richten.

    Na dann: Prost!

  11. Was mir auffällt. Fast jeder auf dem Finanzbusiness hat einmal 1 bis 2 Jahre für SIX gearbeitet. Aber nie länger. Warum?

    • nur die Fähigen. Die Pfeifen bleiben länger. Die ekeln jeden raus, der was kann.

    • Und die, die was können, werden schon im Interview auf inkompetente Weise von inkompetenten und weniger qualifizierten Interviewern ferngehalten.

  12. Alles ein abgekartetes Spiel! Das Unsummen aus dem Verkauf des Payments hätten 1:1 an die Aktionäre gehen müssen. Nun wird dieses Geld sinnlos versenkt für die Selbstverwirklichung des Managements. Schaut euch nur den CFO an, der sich für Höheres berufen fühlt…