Fürstenbank LGT: Pleite in Milano

Ziel war, reiche Italien-Kunden direkt vor Ort zu betreuen. Doch nach langer Prüfung zog die Führung dem Vorhaben den Stecker.

Die LGT gehört dem Fürst. Der Fürst ist einer der reichsten und erfolgreichsten Investoren. Wer mit ihm zusammen bei der LGT sein Geld verwalten lässt, dem winkt in der Regel Erfolg.

Neu hätten das auch besonders begüterte Italiener sein sollen. Und zwar solche, die ihre Schäfchen nicht mehr im einstigen Offshore-Paradies Helvetia im Trockenen haben.

Sondern die im Bel paese leben, dort ihre Kinder zur Schule bringen, Steuern zahlen, Geschäfte betreiben. Kurz: Onshore-Italiener.

Ihnen wollte die LGT Services vor Ort anbieten, von einem neu zu eröffnenden Ableger in Mailand aus. So der Plan, der von einem internen Team intensiv geprüft worden war.

Bis Ende letzten Jahres. Dann kam das Aus. Die Geschäftsleitung der LGT beschloss, das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen.

„Wir haben uns entschieden, die Idee eines eigenen Ablegers in Mailand zu begraben“, bestätigte auf Anfrage ein Sprecher der LGT. Man sei zum Schluss gekommen, dass sich die Sache nicht rechne.

Der Verzicht auf eine Onshore-Präsenz wirft ein Schlaglicht auf die reiche italienische Kundschaft der Schweizer Banken.

Die Klientel brachte während Jahrzehnten den Tessiner Finanzplatz zum Blühen. In Lugano reihte sich Bank an Bank, in Chiasso gabs Geschäftshäuser voll mit Backoffice-Bankern.

Tempi Passati. Die Banken sind auf dem Platz Tessin im Rückwärtsgang. Verwaiste Büros, entlassende Banker, verschwundene Banken.

Sinnbild der Krise im Südkanton ist die BSI. Einst das Vorzeigeinstitut, ist diese Tessiner Privatbank inzwischen Geschichte. Die Finma zog ihr rund um einen Skandal in Malaysia den Stecker, die BSI ging in der EFG auf.

Aber auch die UBS, die CS, die Kantonalbank und die vielen bekannteren und weniger bekannten Privatbanken sind nur noch ein müder Schatten einstigen Glanzes.

Die noble Italo-Kundschaft hat ihr Schwarzgeld längst dem heimischen Fiskus offengelegt und braucht keine Offshore-Privatebanker mehr an den Gestaden des Lugano- und Locarno-Sees.

Die LGT kam zum naheliegenden Schluss, den Italien-Kunden nach Mailand nachzureisen. Doch eine eigene Bankenlizenz fürs Onshore-Geschäft geht ins Geld.

Wenn nicht einmal die reiche Fürstenbank genug Einnahmen erkennt, um damit auf einen grünen Zweig zu kommen, dann dürfte dies für die meisten anderen Häuser erst recht kein Thema sein.

Der Fall zeigt, wie die neuen Regeln das alte Schweizer Banking aus den Angeln hebt.

Kommentare

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  1. Die BSI ist in diesem Beitrag erwähnt. Das Vorzeigeinstitut – wie sie es nennen – hätte nie verschwinden sollen. Oder besser gesagt, wäre sie eine Zürcher Bank gewesen, hätte sich die Finma nie getraut mit dem grossen Hammer diese Bank zu zerschlagen. Wie ich schon Mal in diesen Kolonnen geschrieben habe waren Goldman Sachs und andere Banken in der Schweiz dicker im 1MDB Skandal verwickelt als die BSI, aber ohne die Konsequenzen der BSI zu erleiden. Die Tessiner Regierung war entweder zu naiv oder zu schwach die Entscheide der FINMA zu trotzen…bei mir hätte es geheissen: f*** off Mark.

  2. Filialen in Italien kosten ein Haufen Geld, fuer CH Banken sind Geschaeftsregeln sind immer noch unklar (siehe absurd); ohne Verwaltungsvollmacht ist Rentabilitaet null.
    UBS und CS wissen etwas davon, beide sind in Mailand seit mehr als 20 Jahren, soviel ich weiss ist Nettogewinn immer noch ein unerreichbarer Traum.
    Beide hatten unrentable Schaltern in Padova, Genova, Reggio Emilia, usw eröffnet: Noblesse Oblige und Prestige sind jetzt aber weg, viele Bueros wurden (still) geschlossen. 20.% der Kundenberater halten 80.% der Kundschaft; die restlichen (eine Armee) versuchen mit 40-50 Mio Assets ueber die Runde zu kommen. Dazu ist Arbeitsmarkt ist ein Karussell!

  3. Weiss eigentlich jemand, was LGT ausgeschrieben heisst? Ich kann die Informationen auf deren Webseiten (www.lgt.li) nicht finden.

  4. die LTG ist leider nicht mehr was sie vor 3 Jahren war. Sie wird immer komplizierter und die Formularwut der Compliance in Liechtenstein hat sich auch längst auf die Schweizer übertragen (denn sie wissen nicht mehr was sie tun). Deshalb nützt buhlen und ringen nichts solange Kunden und solche die es werden könnten abgeschreckt/geschockt werden durch das Verhalten der Bank.

  5. Na ja ob die begüterten Italiener inzwischen
    ihr Geld in Italien anlegen und versteuern?
    Wers glaubt wird selig,Italien ist doch faktisch Pleite.
    Wie ist das denn mit Asien insbesondere China.
    Sind nicht dort riesige Mengen an Investitionskapital auch aus dem Europäischen Raum gelandet.
    In der Schweiz können Italienische Steuerbeamte alles mögliche anstell und erfahren.In China auch???
    Steuererklärung in Chinesischer Schrift, auf dem Tisch
    eines Italosteuerbeamten. Abbruch Bauchschmerzen vor lachen. Da haben wohl eher die Mafia und die Auslandchinesischen ,,Triaden,, beste Geschäftsbeziehungen.

    • Guter Punkt. AIA Daten wird es auch keine geben genau wie aus USA.
      China wird sich wahrscheinlich noch als save heaven herausstellen.

      Bemerkenswert die grosse chinesische Diaspora in Milano.
      Wer will wetten, dass die Bankfiliale an der VIA SANTA MARGHERITA 14/16-20121 MILANO ITALY profitabel ist?

  6. Es zeigt vor allem aber auch, dass der EU Marktzugang für CHer Finanzdienstleister kein Selbstläufer ist. Auch bei gleich langen gesetzlichen Spiessen hat niemand auf die Schweizer Anbieter gewartet…..

  7. Milano: „aus die Maus!“

    LGT ringt und buhlt auch in der Schweiz an mehreren Orten um Kunden. Oft erfolglos. Die Expansions-Lust vergeht immer schneller und „nachhaltiger“.

    Zuletzt musste die Leuchtenstadt Luzern dran glauben. Das Overbanking in der Schweiz fordert immer neue Opfer, mag der Name und die Reputation der Dienstleister noch so fromm und fürstlich sein.

    Nach jahrelangem Halleluja folgt nun das Amen.

  8. Guter Entscheid. Die LGT war auch damals eine der ersten Institute aus CH/FL, die in Deutschland den Onshore-Stecker gezogen hat, mangels kritischer Grösse (auch verhindert durch die BAFIN, welche die BHF-Übernahme verunmöglichte). CS, UBS, SGKB schreiben alle tiefrot in Deutschland seit Jahren und bleiben dennoch präsent. Wirtschaftlich unverständlich.