Knall bei Franzosenbank: Zürich-Chefs raus

Leiter Wealth Management der CA Indosuez wurde letzte Woche auf die Strasse gestellt, zusammen mit weiteren. Sparübung.

Die CA Indosuez hat ihren Ursprung in der Crédit Agricole. Dabei handelt es sich um die Raiffeisen von Frankreich: eine genossenschaftliche Bankengruppe mit einer Pariser Zentrale.

CA Indosuez hatte für die Schweiz grosse Ambitionen. Nun zeigt sich, dass die Reise in eine andere Richtung geht. Nach unten.

Sparen, Gürtel enger schnallen, lautet das Gebot der Stunde. Letzte Woche zeigte sich dies in aller Deutlichkeit.

Mit sofortiger Wirkung stellten die Chefs der CA Indosuez mit Schweizer Sitz in Genf ihren Mann für Zürich auf die Strasse.

Der heisst Frédéric Wüthrich und ist ein gestandener Private Banker mit langer Karriere bei der Julius Bär im Schweizer Markt.

Vor ein paar Jahren übernahm Wüthrich das Kommando der CA Indosuez in Zürich. Sein Auftrag: Mach uns in der Limmatstadt zu einer Adresse für die reiche Klientel.

Wüthrich legte sich ins Zeug, doch kam er nirgends hin. Die Kunden standen nicht Schlange vor dem Ableger der CA Indosuez.

Vielmehr suchten sie das Weite. So setzte eine Abwärtsspirale ein. Die grossen Vorgesetzten in Paris und Genf beschwerten sich über die Abflüsse, die Zürcher Führung unter Wüthrich drehte den Spiess um.

Kein Wunder, wenn Ihr uns nur Steine in den Weg legt. Es geht um Compliance und die Einstellung zum Geschäft. Sehen wir in Neukunden Chancen oder Risiken?

Bei der CA Indosuez und ihren grossen Bossen aus Frankreich überwog offenbar die Angst vor Schwierigkeiten. Statt Why not fragten sie Pourquoi nous?

Die Folgen dieser Einstellung zum Banking zeigen sich heute. Die CA Indosuez befindet sich in einer grossen Abbauübung.

Ständig landen Leute draussen vor der Tür. Die Entlassungen werden proportioniert, was dazu führt, dass die Franzosen keinen Sozialplan finanzieren müssen.

Neben Zürich-Chef Wüthrich hat es letzte Woche auch noch einen zweiten in der Branche bekannten Private Banker erwischt.

Er heisst Daniel Furtwängler, ein Banker mit langen Jahren bei der einstigen Coutts und später bei der EFG Privatbank in Zürich.

Furtwänglers Verpflichtung vor 2 Jahren wurde medial gross in Szene gesetzt. Sein Abgang, zusammen mit jenem von Zürich-Leiter Wüthrich, erfolgte nun still und leise.

Eine Sprecherin von CA Indosuez wollte sich zu konkreten Fragen nicht äussern. Stattdessen hielt sie in einer Stellungnahme das Folgende fest:

„Our group has 3’150 employees worldwide and has some turnovers every month, like any company of this size. We do not comment in details on the movements of our employees.

„Indosuez has been present in Zurich since 1983 and in Geneva since 1876, as strategic platforms from which the main non-European locations are steered.

„We continue to develop our wealth management activities capitalizing on the specificities of both clusters and on synergies with other Crédit Agricole group entities present in Switzerland.“

Kommentare

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  1. Was mir ja bei den französischen Banken seit jeher auffällt, ist diese stetig steigende Vielzahl von VIE Stellenausschreibungen (VIE = Volontariat International en Entreprise). Das sind Internships in der Schweiz mit einer Laufzeit von 6-24 Monaten (typischerweise 12-24 Monate), die nur Franzosen und EU-Bürgern im Alter von 18-28 zugänglich sind. Die meisten Ausschreibungen sind offensichtlich nicht Praktikumsplätze.

    Natürlich zahlt man für solche ausländischen Arbeitnehmer weniger als für einen gleichwertigen Schweizer, weshalb diese französischen Arbeitgeber einen Anreiz haben, keine normalen Stellen mehr zu schaffen. Schweizer werden also systematisch vom Wettbewerb für Stellen ausgeschlossen.

    Gleichzeitig bieten diese Stellen den ausländischen Stelleninhabern ein wunderbares Sprungbrett, sich am Einsatzort (dem neuen Lebensort) optimal für die Zukunft zu vernetzen und dann am Ende des Vertrages in eine Festanstellung zu wechseln (bei demselben Arbeitgeber, oder einem anderen). Weil die Zahl der Franzosen, die lieber einen Landsmann oder eine Landesfrau anstellen, hier in Genf stetig steigt, werden wir systematisch vom Arbeitsmarkt abgeschnitten.

    Eigentlich ist das Lohndumping und Diskriminierung der Schweizerischen Arbeitskräfte im Quadrat. Das SECO schaut aber einfach weg, sobald es sich um ein Nicht-KMU handelt.

    Der neueste Gag der Franzosen war ja nun noch der Vorstoss auf politischer Ebene, wonach in der Schweiz arbeitslos gewordene ausländische Arbeitskräfte zukünftig durch die Schweizerischen Arbeitslosenkassen alimentiert werden sollen, weil sie ja zuvor hier ALV-Beiträge geleistet haben. Es würde mich nicht (mehr) wundern, wenn die Politik dieses Begehren auch noch durchwinken würde.

    Was für ein Irrsinn!

    • Auweia….. Wenn man in der Schweiz nun eine „Generation Praktikum“ aufbauen will, bitte weiter so.
      Was das aber für die Qualität und Motivation der jungen Mitarbeiter bedeutet ist wohl auch klar: bei der „work-life balance“ ist die Betonung dann sehr rasch auf „life“. Sie werden nämlich nicht ausgebildet, sonder ausgenutzt und das realisieren die auch, sie sind ja nicht grundsätzlich blöd. Blöd ist nur, dass diese das grotten tiefe Niveau von Frankreich vor Augen haben und meinen etwas Besonderes zu sein.
      Der nächste Schritt ist dann die Verwunderung, dass die Kunden die Qualität der Dienstleistung bemängeln und ausbleiben, resp. die Kunden gehen verloren. Danach geht die Spirale in die nächste Runde, da man nur noch über den Preis verkaufen kann. Es werden mehr Fachkräfte durch Arbeits-„VIEcher“ (bétail) ersetzt…

  2. When foreign firms do business in Switzerland, it is a problem. When foreigners lay off top management in Switzerland, it is a problem. When bank management lay off anybody in Switzerland, it is a problem. When bank management pay banking employees too well in Switzerland , it is a problem. How lucky is the publisher to have all these problems to write about.

  3. Waren es nicht die Berater von CAPCO, die hier mal ein sogenanntes Effizienzprogramm durchführten?

    In meinem Bereich in Genf waren nur Granaten und gebracht hat es null.

    • Gab es die Bank nicht mal auch anderswo in der Schweiz, wo war das nochmal? Vermutlich war das auch so eine heimliche Schliessungsaktion der Pariser CA-Barone.

      Wieviel Personal wurde denn bei denen seit der Fusion mit der ehemaligen CL wegrationalisiert und durch Pariser MatrixBanker ersetzt? (MatrixBanker=willenlos,jung,günstig und megaschnell austauschbar). Hat mal jemand versucht da ein Konto zu eröffnen? Wachstum durch Fusionen rächt sich irgendwann. Wer nicht auf eigenem Know-How aufbaut, nicht auf die Altgedienten hört und meint Napoleon beherrsche immer noch Europa ist einfach selberschuld.

      Die fetten Jahre wo man sich auf dem Schwarzgeld ausruhen konnte und nicht mehr wusste wohin mit dem vielen Geld sind vorbei! Nur auf den Zahltag zu warten und nichts zu tun dafür ausser ständig die Gebühren zu erhöhen geht irgendwann mal schief.

      Wachstum heisst eben nicht, Leute abzubauen und sich auf den Lorbeeren der Entlassenen auszuruhen und zu denken es passiert nie was! Die Reise nach Paris mit dem TGV dauert zum Glück nicht so lange (gerade für Euro 49.- im Angebot) und die armen CA Banker sollten lieber ihr Bank-Monopoly dort weiterspielen, da funktioniert es vielleicht noch.

      bon voyage

    • Erstens: CAPCO Genf vs Granaten – finde den Fehler. Den Partner vor Ort mussten die sogar aus der Schusslinie nehmen, weil sich Kunden über ihn beschwert haben. Niemand will mit dem arbeiten; er war aber lange geschützt von derjenigen, welche CAPCO in der Schweiz aufgebaut hat. Die ist aber schon lange über alle Berge, nachdem sie die grossen Accounts verloren hatte.

      Zweitens: Jetzt ist die CapGemini dran. Aber: Die Beratungstruppe in der Schweiz ist unter jedem Standard. Damit wird das nichts…

  4. Feigheit, die Mutter aller Grausamkeit.

    Michel de Montaigne (1533 – 1592), eigentlich Michel Eyquem, Seigneur de Montaigne, französischer Philosoph und Essayist

    • Wurde endlich mal Zeit dass bei Schroders aufgeräumt wird. Dort befinden sich viele unfähige und überbezahlte Mitarbeiter. Karma, baby.