Unispital-Skandal: Was man schon sagen kann

Ärzte sollen sich an Erfindungen beteiligen können. Was aber beim Zürcher Herzchef vorliegt, ist wohl nur Spitze des Eisbergs.

Vor 35 Jahren habe ich im Tiefenauspital Bern einen Skandal aufgedeckt: Korruption, gefälschte wissenschaftliche Daten, Erschleichung von Krankenkassenzahlungen für nicht erbrachte Leistungen.

Auch damals wurden die Verantwortlichen von den übergeordneten Instanzen gedeckt. Die Details habe ich hier aufgeschrieben.

Seither habe ich einige solche Skandale verfolgt, natürlich jetzt auch den Fall an der Herzchirurgie Zürich. Noch sind Untersuchungen im Gang und vieles ist unklar, aber man kann schon einige Aussagen machen.

Zuerst einige allgemeine Feststellungen. Immer in solchen Fällen deckt sich die Führung reflexartig und gegenseitig. Whistleblower werden mundtot gemacht, gelegentlich sogar von Politikern, die sich damit brüsten, für die Schwächeren einzustehen (Fall Monika Stocker).

Ein Jurist, der für Korruptionsfälle in der Bundesverwaltung zuständig war, belehrte mich darüber, dass Korruption infektiös sei. Wenn man in einem Verwaltungszweig einen Fall nachweise, sei es wahrscheinlich, dass man weitere finde, das heisst, es gebe entweder gar keine oder vielfache Korruption.

Dasselbe gilt für wissenschaftliche Qualität in einem Labor. Wenn bei nur einem Ergebnis Mauschelei nachgewiesen werden kann, so ist das in der Regel die Spitze eines Eisberges und stellt die ganze Tätigkeit in Frage.

Wenn neue Techniken eingeführt werden, ist es unvermeidlich, dass Ärzte mit der Industrie zusammenarbeiten, mindestens als Berater, oft aber auch als Firmengründer und Risikokapitalgeber, weil die Finanzwelt am Anfang das Potential gar nicht sehen kann.

Einem Arzt, der mit einer neuen Technik frühe Erfolge sieht, kann man auch kaum verbieten, Aktien der betreffenden Firma zu kaufen.

Das imposanteste Beispiel ist die hierzulande erfundene Behandlung von Knochenbrüchen mit verschraubten Metallplatten (Osteosynthese). Diese verkürzt die Heilung von Wochen auf Tage und begründete eine Exportindustrie.

Professor Maurice Müller verdiente Hunderte von Millionen und stiftete das Paul Klee-Zentrum in Bern. Der asketisch lebende Hansjörg Wyss wurde Multimilliardär und stiftet Universitätsinstitute beidseits des Atlantiks.

Die Schweiz ist stolz auf diese Leistung, und der volkswirtschaftliche Nutzen für die Schweiz und die Welt rechtfertigt diese Einkünfte locker.

Nur darf darunter nie die kritische Überprüfung der Resultate leiden. Die Erfinder der Osteosynthese haben von Anfang an und aus eigenem Antrieb ein berühmtes Register über alle Resultate und Komplikationen geführt, um die Sicherheit und die Behandlungsergebnisse zu verbessern.

Diese kritische Dokumentation war ein wesentlicher Faktor, nicht nur für den medizinischen, sondern auch den finanziellen Erfolg.

Genaue Dokumentation wird heute schon von den Zulassungsbehörden gefordert, zum Beispiel bei der neuen nichtinvasiven Behandlung mit focussiertem Ultraschall, die zur Zeit unter anderem bei  Prostatacarcinom (EDAP), bei Schilddrüsentumoren oder bei Krampfadern (Theraclion) weltweit eingeführt wird.

Um jetzt speziell auf die Herzchirurgie des Universitäts-Spitals Zürich (USZ) zu kommen: Dass der Whistleblower geschasst wurde, entspricht dem normalen Lauf der Dinge. Aber er ist ein erfahrener Arzt. Er wusste, dass er mit seiner Meldung seine Zukunft im USZ aufs Spiel setzte.

Nur wegen Finanzbeteiligungen oder Bagatellen hätte er diesen Schritt niemals getan. Er muss in einem erheblichen Gewissenskonflikt gewesen sein.

Und jedenfalls scheint schon erstellt und unbestritten, dass Bewilligungen der Swissmedic mit falschen Angaben erschlichen wurden und dass schlechte Operationsresultate in Publikationen geschönt wurden.

Das sind absolute No-Gos. Selbst wenn keine Strafverfolgung oder Verurteilung resultierte, ist der verantwortliche Professor in der Wissenschaftswelt erledigt. Das USZ wird ihn nicht halten können, ohne sich lächerlich zu machen.

Überdies würde ich einmal vermuten, dass wir erst die Spitze des Eisbergs kennen. Ob sich die Spitalleitung, die den Fall herunterzuspielen versuchte, halten kann, ist unsicher.

Der Whistleblower wird sicher an einem Privatspital mit offenen Armen empfangen werden, falls das USZ nicht das Einsehen hat, ihn wieder einzustellen.

Kommentare

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  1. Mal etwas Mathematik:
    Bedingung 1
    Lauber + Maudet + Pirenz + Waser + Maisano + Thiam + Infantino
    + Stocker = null Jahre Knast
    Bedingung 2
    Whistleblower = entlassen + gebrandmarkt + vor den Kadi gezerrt
    Bedingung 3
    Aufklärung + Medienberichterstattung = 0

    Gelten alle drei Bedingungen gleichzeitig, spricht vom
    Wilhelm-Tell-Paradoxon:
    Der Schweizer wähnt sich in einer Demokratie und wacht in
    einer Finanzdiktatur auf.

  2. Es ist schon sehr befremdlich, über etwas zu urteilen, worüber man gar keine Ahnung hat.
    Oder wissen Sie Frau Schneeberger, Herr Observer, Herr Stamm, etc. was da wirklich vorgeht???
    Wir kennen nur das, was die Medien schreiben aber entspricht das auch den Tatsachen???

  3. Sieht man die Besetzung des USZ-Rates an, graut einem. Die einzig halbwegs Kompetenten stecken voll unter eiber Decke bzw tief im Schlamassel. Ebenso zeigt sich, dass RR Rickli keine Führungsverantwortung übernehmen kann oder will.

  4. das ärzte mit der industrie kooperieren, kann sehr sinnvoll sein. extrem bedenklich wird es, wenn ein arzt gleichzeitig eigentümer einer firma und uniprofessor ist,und diese firma geschäfte mit der uni tätigt, bei der er professor ist. so geschieht es bei dem mann von ursula von der leyen.

  5. Das Unispital ist eine Jauchegrube voll mit Filz, Neid, Gier, Egoismus, Überheblichkeit. Gedeckt von der Direktion, Zünd ist verbandelt mit Fresenius, und dem Spitalrat in dem auch ehemalige Politiker hocken, Waser SP, Lauffer FDP. Die werden „entschädigt“, dabei richten sie Schaden an oder verhindern Schaden nicht, kommt auf das gleiche raus, und führen wahrscheinlich einen Teil der Entschädigungen an die Parteikassen ab. Die Linken und die Liberalen als Abzocker von KK Prämien und den Steuertöpfen!

    • Der erste Satz lässt sich fast ausnahmslos auf alle grösseren Schweizer Institute, Unternehmen und Organisationen anwenden.

  6. Spitalratspräsident M. Waser machte früher schöne Worte über Ehrlichkeit und Transparenz am UNI-Spital unter seiner Aufsicht. Davon sehen wir im Moment nichts. Prof. Maisano, der sich wissenschaftlich unredlich verhalten hat, muss als Dozent von der UNI abgesetzt werden und der Prof.-Titel muss ihm aberkannt werden. Die CE-Zertifizierungsstelle für das fragliche Klappenband des Professors muss die Zertifizierung neu auflegen oder widerrufen. Da muss jetzt aufgeräumt werden mit oder ohne M. Waser und den Spital-CEO G. Zünd. Wenn es nötig ist, muss die RRin N. Rickli durchgreifen. Das traue ich ihr zu.

  7. Naja…… die ärztliche Kultur am Unispital Zürich war vor 30 Jahren schon unter aller Sau.

    In den 90igern gabs ja schon Skandale.
    Damals verrechneten die Herren Professoren ihren eigenen Stundenansatz auch für die Arbeit welche ihre Assistenten für sie verrichtet hatten.

    Damit kamen die auf Saläre von leicht einmal 3-350ooo Franken pro Jahr.

    Und alle 10 Jahre gibt’s was neues…. so ein Skandälchen da eines dort…. UNZ-Kultur eben.

  8. …und weil man in der Zwischenzeit auch Ärzten nicht mehr vertrauen kann…darum zweifeln auch immer mehr daran, dass die Organspende korrekt durchgeführt wird und bei der Warteliste nicht zu Gunsten der Reichen gemauschelt und verkauft wird.

  9. Das Spital(un)wesen in der Bananen-Filz-Republik Schweiz ist nicht besser, als das gesamte Filz-System in der Bananen- Filz-Republik Schweiz! Das vom Ex-Politiker und FfaK (Förderverein für abverheite Akademikerkarrieren – ehemals SP Schweiz) – Mitglied Waser – geführte USZ ist hier keine Ausnahme – wieso solte es auch anders sein in der Bananen-Filz-Republik Schweiz?

  10. Tante Rickli könnte mal was unternehmen statt in jeder Presse zu erscheinen nur um sich zu zeigen ohne Grund. Das ist doch keine Politikerin.

  11. Herr Fierz, Ihre Meinung, dass der Whistleblower irgendwo oder irgendwann mit „offenen Armen“ empfangen wird ist naiv.
    Der Fall Rudolf Hafner/Bern ist der Klassiker!

    Wenn ein Mieter bei der Schlichtungsstelle gegen eine Verfügung des Vermieters vorgeht und Recht bekommt, gibt es automatisch drei Jahre Kündigungsschutz (Mietgesetz).
    Warum kann diese Logik nicht auch zum Schutz eines Whistleblowers im Arbeitsrecht aufgenommen werden?

  12. … ob der Professor in der Wissenschaftswelt erledigt ist, wäre dann noch zu sehen. – In den sog. „Klimawissenschaften“ gibt es Scharlatane mit Prof.-Titeln, die zu den Meinungsführern gehören (Rahmstorf, Mann, Knutti), die immer wieder mit Bullshit, Datenpfusch (GISS) und klar widerlegbaren, fabrizierten Scheinfakten schadlos davonkommen und die trotz allem grosse politische bzw. aktivistische und mediale Unterstützung geniessen (mehrheitlich wegen weitverbreiteter Dummheit (auch unter sog. Peer-Reviewern), Naivität und geistiger Faulheit der Akteure, Mitläufer und „Gläubigen“, Dinge seriös selbst zu überprüfen).

  13. Sehr geehrerter Herr Fierz, auch ich bin davon überzeugt, dass es sich hier um einen systemischen Fehler (systemische moralische Korruption) handelt, der aufgrund des Erfolges von Experten wie Aerzten etc. geduldet wurde bzw. sie selbst direkte bzw. indirekte Vorteile davon hatten. Schlimm ist, wie das in der Schweiz üblich ist, die potentiellen Täter werden nicht vor Gericht gestellt bzw. wenn sie vor Gericht gestellt werden, dann kommt es zu Freisprüchen, Verfahren wird eingestellt usw. Viele Richter haben eben auch die Schweiz zu schützen und dann geht es nicht um Gesetz oder Gewissen. Das ist leider eine Tatsache und bestraft wird nicht nur der Whistleblower, sondern auch die Gesellschaft. Ich habe dies in meinem Buch „Stalking auf dem Finanzplatz Schweiz“ umschrieben. Der einzige Trost ist, dass wie im Buch gezeigt, das auch in den USA, Deutschland, England etc. der Fall ist. Der Erfolg rechtfertigt Missbrauch und sogar kriminelle Handlungen. Siehe auch http://www.rudolfelmer.com oder https://www.smashwords.com/profile/view/RudolfElmer

    • Nein, ER ist keiner. Das wurde IHM auch richterlich bescheinigt. ER wäre nur gerne einer gewesen.

  14. Ist der Dr. Fierz der wissenschaftlichen Redlichkeit nachgekommen, in dem er die Fakten recherchiert hat? Hat er Insider-Wissen zum Unispitalfall? Oder schreibt er einfach etwas zusammen aus ein paar tendenziösen Zeitungsartikeln?
    Wenn man den Fall kennt, erscheint Zweiteres.

  15. Sehr guter Beitrag. Herzlichen Dank dafür. Ich erinnere mich noch gut an Ihre Artikel von damals. Sie haben nichts verlernt!
    Die grausigen Missstände im Medizincontroling und dessen Chef habe ich in meinem letzten Kommentar zum USZ bereits kurz dargelegt.

  16. Politik ist ein System gegenseitiger Abhängigkeiten und Gefälligkeiten. Das gilt auch im Verhältnis von Spitalleitung und Chefärzten. Teure Restaurants, Zünfte und Golfclubs bilden ein gutes Auffangnetz, die das halten gefallener Götter erleichtert.

    • Reaktor: Da bin ich einverstanden; Politiker machen schnell mit öffentlichen Aeusserungen, ob dahinter Substanz steckt oder nicht. Grund: Die Politiker wollen sich damit nur profilieren denn sie wollen ja wieder gewählt werden.

  17. Wie man nun feststellen kann, sind Whistleblowers wichtiger den je und zwar in jeder Branche! Das Whistleblowers nicht besser geschützt werden ist beschämend. (Fall Monika Stocker) Sozialdepartement, hätte eben eine PUK benötigt, was man bewusst verhinderte, danach wurstelte man weiter wie bisher, die Probleme wurden nie angeschaut bzw gelöst. Weder Martin Waser noch Raphael Golta hatten die Courage einmal richtig hinzuschauen, dies obwohl man erst kürzlich wieder aus den Medien vernehmen konnte, dass die meisten Fälle ( u.a auch schon im 2018), bei der Ombudsstelle der Stadt ZH aus dem Sozialdepartement stammen. Es braucht Whistleblowers – ansonsten schaut ja keiner hin!

  18. Lieber Herr Fierz – Einverstanden, das ist ein Skandal, der Konsequenzen haben muss. Pardon, aber ihr ‚Artikel‘ ist einfach für nichts: Ausser Vermutungen, Unterstellungen und Dinge, die man schon weiss – absolut rein gar nichts Neues. Publizieren um des Publizieren willens: Neuerdings inflationär hier auf IP. Schade.