Justiz prüft „Vorgehen“ gegen Uni-Herzchirurg

Zürcher Staatsanwaltschaft macht Medien-Monitoring rund um Francesco Maisano. Der hat ein lukratives Imperium aufgebaut.

Das Unispital Zürich (USZ) sieht keine strafrechtlichen Vergehen ihres Herzklinik-Chefs Francesco Maisano. Ob dem so ist, bleibt abzuwarten.

Die Staatsanwaltschaft Zürich, also die Anklagebehörde des Kantons, hält sich jedenfalls alle Optionen offen, wie es gestern auf Anfrage hiess.

„Im Zusammenhang mit dem von Ihnen geschilderten Sachverhalt analysieren wir derzeit die aktuelle Medienberichterstattung und prüfen das weitere Vorgehen“, meinte ein Sprecher.

Maisano hat seit 2014, als er von Mailand ans USZ berufen worden war und dort die Führung der Herzklinik übernahm, ein eigenes Imperium aufgebaut – mit seinen Vertrauten, Geld des Bürgers und Macht für sich.

Hi, it’s me, how can I help? (Maisano, USZ)

In Maisanos Reich sind die Grenzen zwischen dessen Privat-Interessen und jenen seiner Arbeitgeberin fliessend. Maisano und seine Gehilfen wurden damit reich, ihre Chefs am USZ lassen sie gewähren.

Für die Justiz muss eine Frage im Zentrum stehen: Brachten Privatinteressen an Maisanos Herzklinik Patienten in Gefahr?

Ein Whistleblower, der den Fall ans Tageslicht befördert hatte, sagt genau das. Trotzdem würde Maisano von oben gedeckt.

Die Chefs des USZ, angeführt von Präsident Martin Waser, einem Sozialdemokraten, seinem Vize im Spitalrat, FDP-Mann Urs Lauffer, und CEO Gregor Zünd, einem Herzmediziner, stellten diesen auf die Strasse.

Herz am rechten Fleck? (Zünd, USZ)

Maisano hatte eine eigene Firma, die Valtech. Diese entwickelte ein neues Herzklappen-Verfahren mit einem sogenannten Cardioband.

Anfang 2017 machte Maisano einen Deal mit einem US-Medtech-Multi. Dieser zahlte insgesamt fast 700 Millionen Dollar für Valtech.

Ein Gutachten der Zürcher Wirtschaftskanzlei Walder Wyss hält fest, Maisano sei beim Deal nicht aktiv involviert gewesen. Zudem habe er „nur“ Optionen gehalten.

Maisano machte mit dem Verkauf mehrere Millionen Gewinn. Er kümmerte sich um neue Firmen. Dort landeten seine Verbündeten, die zuvor mit ihm aus Italien nach Zürich gekommen waren.

Eine Firma, die Simulands, stellt Simulatoren fürs Training von Herzchirurgen her. Diese erhielt Unterstützung durch die ETH.

Eine weitere Firma auf „Planet Maisano“, die Occlufit, kriegte Gelder des „Life Sciences Fund“ der Universität Zürich.

Everything goes? (Waser, USZ)

An der Zürcher Rämistrasse, wo die Uni, das Spital und die ETH ihre Hauptgebäude haben, haben Maisanos Leute fix Räume gemietet. Dort führen sie sogenannte CAS-Kurse durch.

Wer arbeitet für diese, wer zahlt, wohin fliessen die Kursgelder?

Mehrere Firmen, alle durch Maisano und dessen Weggefährten personell miteinander verbunden, viele eng verlinkt mit dem Unispital Zürich, mit Räumen an teurer Lage:

Für die Spital-Chefs alles kein Problem.

Sie stellen sich auf den Standpunkt, dass ihre Chefärzte die Chance haben sollen, an eigenen Entwicklungen viel Geld zu verdienen. Sonst kämen sie nicht ans USZ, sondern würden in Privatkliniken operieren.

FDP, Lobbyist, Strippenzieher (Lauffer, USZ)

Mit dieser Einstellung sind Interessenkonflikte vorprogrammiert. Die Spitzenleute Waser, Lauffer und Zünd sehen offensichtlich nicht das Wohl des Patienten über allem, denken aber stets ans Wohl der Ärzte.

Sie bauten damit ein System auf, in dem eine Art Schweigekartell herrscht. Viele Chefärzte und Klinikdirektoren machen mit, profitieren, schauen weg. Wenn sich dann doch einer dagegen auflehnt, fliegt er raus.

So wie der Whistleblower. Dieser wird im Gutachten von Walder Wyss als Troublemaker beschrieben.

Verkehrte Welt.

Jener Arzt, der seinen Schwur als Mediziner ernst nimmt und Gefahren für die Herz-Patienten abwenden will, wird stigmatisiert.

Jene Ärzte, die mit Eigeninteressen reich werden, erhalten die Absolution.

Im Fall von Professor Maisano wird die Justiz die Patientengefährdung prüfen müssen.

Denn: Mehrere Operationen verliefen schlecht, einmal war gar eine Wiederbelebung während laufender Operation nötig.

Der bekannte Berner Herzchirurg Thierry Carrel hat bei Nachbehandlungen von Patienten, denen Professor Maisano sein Cardioband eingepflanzt hatte, grosse Schäden entdeckt. Davon gibt es Bilder.

Trotzdem versprach Herzchirurg Maisano in seinen Berichten und Studien das Blaue vom Himmel herunter.

Als er selbst letzten Herbst einen Audit einleitete, weil er den Whistleblower im Nacken spürte, führte ein enger Kollege von ihm die Kontrolle durch.

Maisano und der Auditor hatten zusammen an mehreren Studien mitgewirkt. Sie kennen sich gut.

Das System Unispital Zürich und der Planet Maisano bilden die perfekte Symbiose.

Kommentare

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  1. Zu Ehren der Bauernschlauheit, welche sich wohl noch bei vielen genetisch eingeprägt hat, um bei allen möglichen Problemen (Crypto, BAG, …) im eigenen Land, eine Ausrede zu finden. Hier meine Top 3 als Template:

    1. Im Nachhinein ist man immer schlauer.

    2. Dann melde dich doch selber, wenn du es besser kannst.

    3. Wozu jetzt der Aufschrei; das war ja schon lange bekannt.

    Will damit nicht die Landwirte beleidigen, sondern jene plumpen Miteidgenossen, welche nie eigene Fehler eingestehen können, oder diese dann verharmlosen.

  2. Ich hoffe schon, dass diese unerfreuliche Sache und die Optionengeschichte richtig und mit dem notwendigen Willen und Fachwissen untersucht werden.

    PS für die Schreiberlinge der Kanzlei Walder Wyss: es gibt auch Schulungen zu Optionen und die Bedeutung des Aktienkurses, etc. ….

    • krass finde ich ja diesen werbefilm fürs produkt, bei dem das ende rausgeschnitten wurde, wo man sieht wie’s abverrekt. ich dachte betrug sei die vorspiegelung von tatsachen, damit der getäuschte sein geld hergibt??

  3. Jetzt ist Hässig nicht nur Finanzexperte, sondern auch Herzchirurg, der medizinische Fälle «beurteilt».

  4. Solche Sauereien kennt man in Italien zu genüge. Deshalb geht es dem Land und der Bevölkerung ja auch nicht besonders gut. Dass wir diese Sauereien jetzt am USZ in der Schweiz auch haben ist bedenklich. Von zuoberst bis zuunterst bis alles durchleuchtet werden von Unabhängigen. Bei Verfehlungen muss knallhart durchgegriffen werden allenfalls auch mit dem Strafrecht. Es ist klar, dass dabei Parteibücher (Waser und Lauffer) absolut nicht geschont werden dürfen. Ich bin wirklich gespannt wie es weitergeht und wünsche Frau Rickli viel Kraft und Durchstehvermögen in dieser Sache.

  5. Unfaßbar.

    War selbst einmal in diesem Spital.

    Eine CD mit Daten ist spurlos bis heute verschwunden und was ich sonst dort erlebt habe, würde die Kommentarspalte hier im Umfang sprengen.

    So etwas sollte es in einem zivilisierten Land wie der Schweiz nicht geben.

  6. Im Universum USZ menschelts… es bleibt ein Fall Maisano. Daneben ist es ein Fall der meist nur abgesannten Funktionäre, Waser (SP), Lauffer (FDP, vielleicht auf einer Hochzeit zu viel…) und v.a. Zünd.
    Maisano tat, was in solchen Situationen wohl mehrheitlich tut, die Situation ausnützen. Wer will da den ersten Stein werfen?
    Die anderen beiden sonnten sich in ihrem Status und vergassen darob ihre Pflichten. Höchst unprofessionell. Man sollte aufhören, Politikern solche Pöstchen zuzuschanzen…

  7. LH, Sie leisten eine unglaubliche Arbeit, ohne IP würde man nie davon erfahren, kann sich jemand vorstellen was da jahrzehntelang vorgegangen ist?
    Und nur Banker sollen Gangsters sein? Sie sind in guter Gesellschaft, auch ohne Sächsilüte…(dort sind dann beide Gattungen per Du).

  8. Unser Gesundheits- äh Krankenwesen (Dreifuss lässt grüssen), ist sowas von pervertiert. Normalos können kaum noch die KK-Prämien stemmen und diese Gesundheitsbosse füllen sich die Taschen nach bewährter Methode, gelernt ist halt gelernt. Und der Sozi Waser schaut permanent in die andere Richtung.

  9. Einfach nur skandalös, unseriös und korrumpierte verkehrte Welt.
    Die kritischen Menschen werden vom System stets stigmatisiert, bekämpft, behindert und als trouble-maker, od. Verschwörungstheoretiker abgetan.
    Auch WTC Nr. 7 ist implodiert, aber in der Praxis. Keine Untersuchung, kein Nachweis, alle glauben es, ausser die Verschwörungstheoretiker, welche die Schäden in der „Praxis“ gesehen und untersucht haben.

  10. Warum geht mir der Song von Juliane Werding nicht aus dem Sinn: „Wenn du denkst du denkst, dann denkst du nur du denkst“ – und wenn wir alle nur das denken, was wir hier alle denken, dann ist das nur gedacht und denknotwendig weder ehrverletzend noch diskriminierend – aber eben leider wahr!

  11. „Der bekannte Berner Herzchirurg Thierry Carrel hat bei Nachbehandlungen von Patienten, denen Professor Maisano sein Cardioband eingepflanzt hatte, grosse Schäden entdeckt. Davon gibt es Bilder.“
    Wenn das stimmt, werden bald mehrere Verantwortliche am USZ und im Spitalrat ihre Kündigung einreichen (müssen).

    • Die reichen ihre Kündigungen nicht ein, die kleben an den Honigtöpfen von den PrämienzahlerInnen und SteuerzahlerInnen. Ein Teil der „Entschädigungen von WasetxSP und Lauffer FDP fliesst ja auch in die Parteikassen. Die schweizerische Form von Korruption!

  12. Bedenkliche Geschichte, hoffe es wird aufgeräumt. Die Rickli macht wohl nicht viel, sie zeigt sich lieber im TV Club und plaudert ohne Unterbruch Nonsens.

    • Fehleinschätzung ! Wir hatten noch selten eine GD Leitung die pragmatisch und nicht dogmatisch handelt.

    • Was „traurigeskapitel“ schreibt, ist wahrlich ein Trauriges Kapitel für den Schreiberling. Reto Stoffel hat es zum Glück richtig gestellt.

    • „Rickly macht nicht viel.“

      Das ist Gegenteil von dem was alle sagen, über Parteigrenzen hinweg, die mit der pflichtbewussten, gescheiten und pragmatischen Regierungsrätin zu tun haben.

      Dass sie eine Frau ist, das ist und bleibt Ihr offensichtlich unbehandeltes Problem, Sie Schreiberling von der traurigen Gestalt!

    • SVP, Frau, fähig und von Freund und Feind gelobt.
      Ist wohl zu viel für den kapital depressiven Kommentator.

  13. An-& Zufrage: das USZ eine klaffende Eiterbeule im Gesundheits-Zirkus der Schweiz?

    – Die Seilschaften basieren auf gegenseitigen Begünstigungen!

    – Staat und Krankenkassen werden ausgehebelt und über den Tisch gezogen.

    – Fehlverhalten und gravierende Missstände werden, unter Beizug von Anwälten, Lobbyisten und Partei-Fuzzis, bestritten, abgewürgt und verniedlicht.

    – der Kanton und der Steuerzahler schauen offenen Auges in die Röhre, erlebend wie er abgezockt und in die Skalpelle der Spital-Mafia läuft.

    @Inside Ospidale : dran bleiben und aufdecken!

  14. Ohne Signore Maisano und dessen Wirken – als Operateur wie als Erfinder – sähen heute mehr Herzpatienten die Radieschen von unten wachsen als ohne ihn.

    Es ist überwiegend so, daß das Leben der mit den minimalinvasiven Techniken behandelte Patienten verlängert wird, bei denen aus gesundheitlichen Gründen keine konventionelle OP möglich ist.

    Das TAVI-Implantat (kathetergestützer perkutaner Aortenklappenersatz) ist momentan noch sehr teuer, zukünftig und bei vermehrter Anwendung ist mit sinkenden Preisen zu rechnen:

    „Künstliche Herzklappe: Kosten und Risiken

    Der Einsatz eines TAVI-Implantats kostet rund 32.000 Euro, davon kassieren die Hersteller 8.000 Euro bis 12.000 Euro. Der Einsatz einer herkömmlichen Herzklappenprothese kostet rund 19.000 Euro, das Implantat nur ein paar Hundert Euro.“

    https://tinyurl.com/yb38px98

    https://tinyurl.com/yczvaona

    https://tinyurl.com/ychpdtww

    https://tinyurl.com/y85kuukf

    Ansonsten sei daran erinnert, wie vor gerade zwei bis drei Dekaden ganze Kliniken Auslastung durch nutzlose Therapien der Komplementärmedizin fanden:

    https://tinyurl.com/yaakw8lr

    https://tinyurl.com/ybexn79w

    • „Ohne Signore Maisano und dessen Wirken – als Operateur wie als Erfinder – sähen heute mehr Herzpatienten die Radieschen von unten wachsen als ohne ihn.“
      Reine Behauptung. Ohne Belege glaube ich dass Gegenteil von dem was sie schreiben.

  15. Höchste Zeit, dass die Ermittler die Arbeit aufnehmen. Es geht um Menschen. Das ist nichts für Reinwaschaktionen von renommierten Anwaltskanzleien, die dafür noch Unsummen von Steuergeldern einsacken. CEO Zünd und Präsident Stalder sollten ebenfalls unter die Lupe genommen werden. RR Rickli sollte ein Buch zum Thema Führung in der Krise kaufen … und schnell lesen.

    • Bei der Rickli wird auch ein Buch lesen nicht viel helfen – kann die Frau denn wirklich lesen? Bei den Exponenten der SVP (Schweizerische Volksverdummungs Partei) ist doch Dummheit eine Voraussetzung für Mitglieder der Exekutive! Auch die Bundesrattee Chueli-Filz-Ueli kann doch nicht rechnen!

    • Das ist der Preis wenn man RR-Kandidaten nach dem Merkmal Aussehen aufstellt und erst noch wählt.

    • @Watchdog

      Sie müssen ein zutiefst, verängstigter und unglücklicher Mensch sein.

      Ohne ernsthaftes, persönliches Problem, präsentiert man sich nicht in solch elender Verfassung.

      Ist Ihnen der Stoff ausgegangen, dass Sie so wutentbrannt und sich selbst verletzend um sich schlagen, am Thema vorbei?

      Suchen Sie bitte Hilfe, um in die Lage zu kommen, halbwegs respektvolle Kommentare beizutragen.

      Tun Sie es sich selbst zuliebe.

    • Und wieder unterschätzen ein paar Präpotente eine Frau, in der Bedeutungsrangfolge sind das folgende Gründe:

      1.Kompetent

      2.Frau

      3.SVP

  16. Das ist jetzt nur ein einziger Aspekt unseres überteuren Gesundheitswesens.Der Prämienzahler, denn da läuft es hin, muss wissen wo die Abzocker hocken.Vermögen einziehen wenn schuldig gesprochen.

    • Wenn man abgerichteten Hunden (Watchdog) ein Reizwort sagt, dann bellen sie. Die Kommentare zeigen, dass es bei Menschen auch geschieht, wenn sie gewisse Namen oder Bezeichnungen hören oder lesen: Hirn schaltet sich aus, ebenso der Anstand