Grosses Strafverfahren gegen Ex-UBP-Banker

Vermögensverwalter sitzt seit Februar in U-Haft, er soll gegen 100 Mio. veruntreut haben. Genfer Privatbank sieht sich als Opfer.

Die UBP gehört der reichen, verschwiegenen Familie de Picciotto. Zu ihren wichtigsten Führungskräften zählt Marcel Rohner, gescheiterter UBS-Steuermann.

Die Besitzer-Familie und ihr Rohner sind jetzt gefordert. Ein Ex-Vermögensberater der Genfer Privatbank sitzt seit einem halben Jahr im Gefängnis. Vorwurf: Millionenbetrug mit anvertrauten Kundengeldern.

„Wir können bestätigen, dass die Zürcher Staatsanwaltschaft als Folge verschiedener Strafanzeigen ein Verfahren eröffnet hat gegen E. und eine weitere Person“, sagt ein Sprecher der Zürcher Justiz.

„Dieses Strafverfahren ist noch am Laufen, weshalb wir keine weiteren Informationen bekanntgeben können. E. befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Wie immer gilt bis zu einer rechtskräftigen Beurteilung des Vorgefallenen die Unschuldsvermutung.“

Für die UBP ist der Fall brisant. Der Inhaftierte hat zwar die Privatbank schon 2007 verlassen. Doch er blieb mit ihr als externer Vermögensverwalter verbunden.

Nun wird dem Berater massiver Betrug vorgeworfen. Er soll Kundengelder im Umfang von gegen 100 Millionen veruntreut haben. Die Gelder lagen bei der UBP, der UBS, der CS. Auch die Bank Vontobel taucht in der Untersuchung auf.

Rohner zwischen zwei di Picciottos (UBP)

Die UBP versucht sich, als Opfer darzustellen. Sie tritt im Straf-Verfahren als Privatklägerin auf, hat selber auch Strafanzeige eingereicht.

Den Fall ins Rollen gebracht haben Kunden, die E. Gelder anvertraut hatten und ihrem verlorenen Vermögen nun hinterherrennen müssen. Sie sehen eine Mitverantwortung der UBP.

Deren Zürcher Chef für die Externen Vermögensverwalter war der Ansprechpartner des inhaftierten E. Der Kadermann der UBP Zürich wurde von der Polizei befragt.

Die Bank liess eine Anfrage zur Rolle des Kadermanns und sich selbst von vorgestern unbeantwortet, nachdem sie zunächst sagte, sie würde sich rasch melden.

„Die UBP-Bank selbst ist aktuell nicht Teil der Ermittlungen der Zürcher Staatsanwaltschaft“, sagt der Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft von Zürich.

Der Finanzkrimi mit U-Haft, verschwundenen Millionen und umfangreichen Ermittlungen dreht sich um eine Privatbank, die in letzten Jahren unter dem Radar geflogen ist.

Während Julius Bär, CS oder aktuell Mirabaud mit ihrem Ex-Promi-Kunden Juan Carlos für grelle Schlagzeilen sorgten, blieb es rund um die UBP still.

Der Eindruck, dass man frei von Skandalen bleibe, erlaubte der Familie de Picciotto und ihrem wichtigsten Mann von aussen Marcel Rohner, immer weiter zu wachsen.

Nach mehreren Übernahmen wies die UBP per Mitte 2020 knapp 140 Milliarden verwaltete Kundengelder aus, auf ihrer Payroll hat sie gegen 1’800 Mitarbeiter. Damit gehören die Genfer zu den führenden Privatinstituten auf dem Schweizer Finanzplatz.

Kundenberater E. war nach seinem Abgang bei der UPB zunächst der Zürcher Statthalter einer externen Vermögensverwalterin mit Sitz in Genf. Ihr Name: TG Investment.

Die Gründer und Partner dieser TG Investment stehen selber im Fokus eines anderen Grossfalls. Dabei geht es um reiche Türken-Kunden, die via TG Investment Vermögen bei der Credit Suisse hatten – und dieses verloren.

Laut Medienberichten kam es vor 2 Jahren zu ersten Anklagen. Bei den Strippenziehern der TG Investment handelt es sich um ehemalige CS-Kundenberater aus der Türkei. Die Rede ist von 300 Millionen, die verschwunden seien.

E., der vor seiner UBP-Zeit bei der UBS gearbeitet hatte, wo Marcel Rohner sein oberster Chef gewesen war, verliess die TG Investment und machte sich mit einer eigenen Vermögensverwaltung an teurer Adresse im Zürcher Seefeld selbstständig.

Das war gemäss Handelsregister im 2013. Ein ebenfalls von der Zürcher Staatsanwaltschaft Beschuldigter, F., ist sein langjähriger Vertrauter mit ähnlichem Karriereweg.

Auch F. war in den Nullerjahren zunächst bei der UBS und dann kurz in der Zürcher Niederlassung der Genfer UBP, danach leitete er zusammen mit E. den Ableger der TG Investment in der Limmatstadt.

Von dort sprang er gemäss Handelsregister vor 4 Jahren zur CS, wo er als Kadermann die Unterschriftsberechtigung erhielt. Nach 2 Jahren verliess er die Grossbank und war im 2018 kurz für BIL in Zürich aktiv.

Auch wenn die CS und die UBS im grossen Betrugskrimi aufleuchten, ist es die Genfer UBP, für die am meisten auf dem Spiel steht.

Erstaunlicherweise reagiert die Bank nicht mit einem Ausbau der internen Überwacher auf den Fall. Sondern im Gegenteil mit einem Abbau.

In Zürich werden gestandene Risiko- und Compliance-Leute nicht ersetzt oder wenn, dann werden die neuen Kräfte rasch wieder abgebaut.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Herr Hässig
    Die Thematik ist interessant… Ihr Artikel leider aber flach. Null tiefe.
    Sie sollten sich wieder an Ihren Glanztagen zu Zeiten Reifeisen orientieren…
    Ihnen ist das recherchieren doch nicht etwa abhanden gekommen?

  2. Und immer wieder leuchtet die CS auf – sind wir einmal ehrlich, es wundert nicht. „Strippenzieher ehem. CS Kundenberater“… Diese Bank befindet sich im eisernen Griff von „rogue leadership“. Was aus diesem Laden nur geworden ist, einst waren sie ein nationales Aushängeschild… nur schon ihr E-Trading – wer kauft so einen Schmarren?!? Obskurer, dubioser Laden…

  3. Hat nicht der grosse, erfolgreiche Philipp Hildebrand, ex SNB, jetzt Blackrock, als CIO bei der UBP gewirkt? Er war bekannt für eine hohe Margé dank vielen Madoff-Funds. Seine ehemaligen Kunden haben ihn in Erinnerung behalten…

  4. …..ist da wirklich Jemand überrascht?

    In den 2000der Jahren, als noch dieser Dummschwätzer „Finanzfaust“ L.M. und der doch sehr merkwürdige US Dr. als Team bei der UBP rumwurstelten, verschwanden schon mehrmals u.a. durch Frau, nennen wir sie mal Italienerin Kundengelder. UBP, sie machte einmal mehr keine Strafanzeige…..

    Als dann der sehr vermögender Kleiderhersteller G.W. aus Deutschland, Kunde der UBP massiven Finanzschaden erlitt, mit dem angeblich ach so sicheren Trading System des Dummschwätzers „Finanzfaust“ L.M. geschah auch überhaupt nichts.

    Oder die Masche von Frau R.S. die bei Neukunden immer die Beine so breit machte, dass der Geneigte ihre Wäsche sehen musste….

    Übrigens, beide Versager Bänkler machten dann Ende 2008 mit ihrer externen VV Pleite….

    Und so weiter und so fort….

    • Oder bis 2008/2009 als die Bank durch Feederfunds Kundendepots mit Madoff abfüllten und massiv daran verdiente. Medienwirksam hat die Familie dann geprellte Kunden teilweise kompensiert, nur um gleichzeitig ihre eigenen Anteile mittels neuem FoHF den Kunden wieder in die Depots zu legen. Diese Verluste durften dann die Kunden verdauen – die Familie zog ihr Geld schnell raus.

  5. Wahnsinn da verschwinden immer öfters mal 100 oder „300“ Millionen Kundengelder. UBP, Ruvercap, an jeder Ecke überlegt man sich, wie man möglichst clever 300 Millionen Kundengelder ins eigene Portmonnaie umleiten kann. Ganz einfacher Trick ist natürlich der Kickback Trick- das heisst die Ruvercap Masche, dasss man vorsätzlich Schrottfabriken für zb 80 oder 100 Mio in Osteuropa kauft,die 100 Mio selber via Kickback einsteckt und dem Kunden dann sagt das „Investment sei schief gelaufen“. Immer dieselbe Gauner Masche. Die Reputation des Schweizer Bankplatzes ist bald komplett zerstört wenn das so weitergeht. Und die Gefängnisse voll mit Kundenberatern, die sich vom schnellen Geld haben leiten lassen.

  6. Kann diesen elenden Betrügern nicht endlich das Handwerk gelegt werden. Gut, es wären nicht mehr viele in der Branche. Aber es wird immer schlimmer und Genf arbeitet sich nach vorn, der sog. Collardi-Effekt.

  7. So viel zu den viel gelobten Externen Vermögensverwalter und Financial Intermediaries. Alles Gauner und Abzocker, die sich den „Bänkler“ überlegen fühlen…

    • Da gibt es, wie überall, solche und andere. Und ja, die gutem EAM sind selbst den besten (Privat-) Banken haushoch überlegen.

    • @Franz Blum, die wahren Gauner und Abzocker sitzen doch in den Banken! Haben Sie das nicht gewusst, oder sind Sie tatsächlich so naiv? Ich gehe davon aus, dass Sie selbst auch aktiver Banker sind. Die betreffende Person hat bei der UBP gearbeitet, bevor er sich selbständig gemacht hat.

  8. Die UBP schaut luschem Treiben gerne jahrelang zu. So lange der Rubel rollt scheint alles in Butter zu sein. Die Filiale in Zürich hatte noch eine weitere Türken-Bankerin, welche die Kundenkonti mit Trading leerte. Die Bank kassierte hohe Kommissionen, die gleiche Crew schaute weg, gratulierten der tollen Mitarbeiterin und kassierte ebenfalls. Der Verlust geht in die Millionen. Die Bank sah sich als Opfer… Die geprellten Kunden gingen vor Gericht leer aus, da sie den Schaden nicht im Detail belegen konnten. Die Bank, fein raus. In der Presse kaum ein Wort zum Skandal – fast wie gekauft.

  9. Adrian hat offenbar ein bisschen Pech mit seinen Stellenwechseln. Er ist ein super Typ, hoffe, dieser Schlamassel wird der UBP nicht zusetzen. Der ehemalige Mitarbeiter E. hat die UBP hineingezogen, aber woher hätte sie wissen können, dass er kriminell ist? Von so etwas geht niemand aus. Wünsche der UBP ein gutes Durchstehen des Prozesses.

    • Ja, der arme Adi. Er hatte sich ja so gefreut, dass er endlich Mal bei einer richtigen Privatbank unterkommt und nun das. Ein Rattennest, bei dem laufend Fussvolk aussortiert wird, nur um gleichzeitig wieder welches anzustellen. So entsteht auch eine der höchsten Fluktuationsraten in der Branche. Nur die mitwissenden Chefs bleiben sitzen, bzw. werden maximal bisschen abgesägt und auf ein anderes Pöstchen geschoben. Da ist man dann halt nicht mehr Niederlassungsleiter, sondern lediglich Team Head, da hat man die Russinnen nicht mehr unter sich, sondern bekommt ein neu kreiertes Jöbchen, von dem keiner weiss, für was es gut ist. Aber diese Herren kennen halt all die dirty Secrets und deshalb hält man sie noch lieber im Haus und bezahlt sie weiterhin fürstlich. Ja, da kann der Adi auch nichts – wenn Genf es so haben will, dann will das Genf so.

  10. Eine Quelle sagt auch, dass sowohl E. wie auch F. sowie ein weiterer in den Fall verstrickter G. regelmässige Leser des Finanzblogs Inside Paradeplatz gewesen seien. Ein möglicher Zusammenhang wurde von den Behörden laut Quellen noch nicht untersucht. Interessant erscheint in diesem Zusammenhang, dass der CV des IP Betreibers Lukas Hässig, in den Nullerjahren eine Lücke aufweist. In dieser Zeit hätten sich die hier involvierten Personen durchaus einmal zur selben Zeit im Stammcafé von LH am Zürcher Paradeplatz befinden können.

    *spekulationsboulevardmodusoff

  11. Eine etwas dünne Story:

    – Sind die Gelder tatsächlich verloren? Wie wurden diese investiert, was heute nichts oder nur noch bedeutend weniger wert ist?
    – Hat der Berater sich die Gelder privat angeeignet oder „nur“ entgegen vertraglicher Vereinbarungen fehlinvestiert?
    – Wieso kann man nicht feststellen, wo die Gelder verblieben sind? Wurden diese etwa abgehoben?
    – Die Schadensumme investiert ab 2013 in Nasdaq 100 – ETF ….

  12. Herr Hässig, sehr interessanter Fall. Geben Sie das doch mal dem Zeyer. Dann kann er zeigen ob er was kann .
    Bei seinem gestrigen Geschreibsel fragt man sich nämlich ob er etwas drauf hat .