Julius Bär, Schoss-Hündchen der US-Justiz

Privatbank kuscht vor Amis, die lassen Bär für Fifa-Sünden mit Ministrafe davonkommen. Dafür drangsaliert Bär Vekselberg.

Heute früh meldete Julius Bär eine bevorstehende Einigung mit dem Department of Justice (DOJ), dem mächtigen Justizamt von Uncle Sam.

Man rechne im Korruptions- und Geldwäschereifall Fifa mit einer zweistelligen Millionenstrafe, schreiben die Bär-Chefs.

Was nach einer Erfolgsmeldung klingt, ist in Tat und Wahrheit ein Armutszeugis. Die Bär-Verantwortlichen erkaufen sich die US-Verschonung zum Billigtarif mit weitreichender Helfersarbeit.

Das zeigt der Fall von Viktor Vekselberg. Der russische Oligarch landete im April vor 2 Jahren auf der Sanktionsliste der Amerikaner.

Sofort sperrten alle Banken die Konten und Depots des Geschäftsmanns, der zum Teil in der Schweiz lebt und mit Sulzer und Oerlikon grosse Industriebeteiligungen im Alpenland hält.

Vekselberg, derzeit mit der Postfinance vor Gericht um eine Kontoeröffnung, sass auf dem Trockenen.

Als die USA ihren Bann über ihn verhängten, weilte er mit seinen Verwaltungsräten in Rom.

Am Morgen beim Auschecken im Hotel hiess es, seine Kreditkarte sei gesperrt. Auch die zweite ging nicht, die dritte ebensowenig.

Vekselberg, Milliardär, schaute sich um. Anybody helping?

Die USA hatten gesprochen, die Banken gehorchten. Die UBS und die CS konnten nicht anders, sie sind in den USA exponiert.

Und doch zeigten sich beide Grosshäuser im Verlauf der folgenden Monate flexibel.

Nicht so die Julius Bär. Dort hatte Vekselberg einen Kredit von rund 160 Millionen Dollar offen, bei gleichzeitigen Sicherheiten in Form von Wertpapieren von über 450 Millionen.

Die Julius Bär-Chefs blockierten im Frühling 2018 nicht nur sämtliche Konten ihres zuvor umgarnten Grosskunden, sondern sie stellten rasch nach den US-Sanktionen gegen Vekselberg auch dessen Kredit fällig.

Vekselberg befürchtete, die besten Aktien zu verlieren. Dabei handelt es sich um Titel der Sberbank, welche für Vekselberg strategische Bedeutung haben.

Bär liess sich nicht vom Vorhaben der Zwangs-Liquidation abhalten. Für Vekselberg ein Drama. In höchster Not stoppte er mittels superprovisorischer Verfügung die Liquidation seiner Aktien und Obligationen, welche bei Bär als Sicherheit hinterlegt waren.

Das Handelsgericht Zürich gewährte ihm dies, verlangte aber eine sogenannte Prosequierung. Das heisst, Vekselberg und seine Anwälte mussten im ordentlichen, also nicht mehr superprovisorischen, Verfahren ihr Recht erstreiten.

Mit Klage vom 12. November 2018 taten sie das. In der 60seitigen Rechtsschrift legen sie dar, dass Vekselberg gar nicht direkt Konto-Inhaber bei der Julius Bär sei.

Vekselberg sei „bloss indirekt Begünstigter der Lamesa Foundation, Panama (…), ohne Eigentumsberechtigung“, lautet die Argumentation.

Nachdem die USA Vekselberg auf ihre schwarze Liste setzten, gab die Lamesa den Bär-Bankern den Auftrag, einige hinterlegte Wertpapiere zu veräussern mit dem Ziel „to initiate a set-off of our indebtedness in the amount of 160 million US dollars due under the Credit Agreement“.

Statt dass die Bär-Bank diesem Auftrag nachkam, forderte sie die Lamesa auf, der Bär zu erlauben, „bei den US-Behörden Bewilligungen zum Verkauf der Wertschriften einzuholen, und die (…) genannten Wertschriften den Behörden offenzulegen“.

Die Lamesa Holding kam dem nach, „(i)n der Hoffnung, dass dies die Rückzahlung ihrer Darlehensschuld beschleunigen würde“.

Erfolglos. „Dies genügte der (Bank) offenbar nicht. Trotz der erteilten Erlaubnis weigerte sich die (Bär) weiterhin, die Instruktion auszuführen.“

Die Klage ist seit bald zwei Jahren am Handelsgericht hängig. Die Zeit läuft für Bär. Die heute angekündigte Einigung mit den USA macht klar, dass die Bär-Verantwortlichen gegenüber Vekselberg hart bleiben wollen.

Eine Sprecherin lehnte gestern eine Stellungnahme ab. Die grösste Privatbank des Landes hat sich zur verlässlichen Helfershelferin des DOJ gemacht.

Kommentare

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  1. Keine andere europäische Demokratie wird derart mies von den Amerikanern behandelt. Die wissen genau, dass wir mit der jetzigen Neutralität, die
    unser angeblich unser Nationalheld und seine Apologeten, unsere Machtstellung im Konzert der europäischen Staaten in Trümmern liegt.
    Wir haben ein FATCA Abkommen den Amerikanern abgeschlossen, das nichts
    anderes ist als der Sklave Schweiz mit seinem US-Herrn. Die EU hat auch einen FATCA Vertrag mit den USA abgeschlossen, aber dies ist ein Vertrag auf Augenhöhe. Vekselberg wird es heute bereuen, dass er die Schweiz als
    Wohnsitz auserwählt hat, London wäre besser gewesen. Nun, mit dieser Unterwürfigkeit haben unsere Top-Anwälte bald kein Brot mehr, man merkt es an den Fällen, die sie heute entgegennehmen. Fälle, über die sie früher nur ein müdes Lächeln gehabt hätten. Also, liebe Schweizer, noch
    mehr EU-Bashing und diese EU werden wir verprügeln, dass sie keinen Hintern mehr hat. Schließlich haben uns die Amerikaner vor der kommunistischen Bedrohung gerettet und deshalb müssen wir länger als alle anderen Europäer ihnen ewig dankbar sein, mindesten noch 100 Jahre oder mehr.

    • Die Schweiz will die EU verprügeln ?? Ernsthaft. Mal überlegt, warum die FATCA mit der EU einen Vertrag auf Augenhöhe geschlossen hat und mit der Schweiz nicht ? Allein das macht doch schon die klar, wie die Schweiz international gesehen wird.

  2. Das ist gut so, dass Bär nun compliant ist und spurt.

    Immer noch besser als zu den unsäglich „lockeren“ Zeiten mit Boris Collardi, gegen den im Kanton Zürich und bei der Finma ja gemäss diesem Blog ermittelt wird.

    Jetzt wird endlich der Finma und den internationalen Vorgaben gefolgt. Die Schweiz (auch die Postfinance) kann sich Ausnahmen bei den Sanktionen nicht erlauben. Zu klein.

  3. Der Baer war schon immer eine giergetriebene Ansammulg von Opertunisten. Sogar die eigenen Kunden in die Pfanne zu hauen passt zu diesen Mänetscher.

  4. Warum soll es Vekselberg, seines Zeichens Oligarch, besser ergehen als einem echten Auslandschweizer. Wir Auslandschweizer können auch nirgendswo ein Konto in der Schweiz halten als bei der teuren Postfinance und der Genfer Kantonalbank. Die CS verlangt ein Guthaben von Fr. 400’000 und die UBS sogar Fr. 500’000.- Da müssen wir Rentner noch viel „sparen“
    Die Schweiz hat ja Tradition Betrüger (sprich Oligarchen) aufzunehmen. Vielleicht fällt der (Ver)Vekselberg auf die Schnauze?

    • Vekselberg hat schon viele Schweizer Firmen an den Rand des Ruines getrieben. Der sollte abhauen das wäre seine erste gute Tat.

  5. Es war schon immer so, dass die entweder DOJ oder IRS der Julius Bär sagte, was zu tun sei. Die einzige Hoffnung für den Bären war, dass sich amerikanische und bärische Kunden d.h. Senatoren und Repräsentanten für den Bären ins Zeug legten. Das hat jedoch in den USA mittlerweilen einen schlechten Ruf! http://www.offshore-initiative.com der USA.

  6. War auch mal Kunde derJB. Ein junger Kundenberater rief mich mal an und wollte wissen in welcher Schule und welchem Ort ich die Ausbildung gemacht habe… ich fragte ihm ob sie dies auch machen bei Chinesischen oder Russischen Grosskunden… Antwort: bei Grosskunden kann man Infos per Google finden… praktisch alle Jahre musste ich zusaetzliche Infos geben… dies mit 300T Chf auf dem Konto… einige meiner Bekannten die auf Banken arbeiten schaemen sich heute dies zu sagen… sie koennen nicht mehr stolz sein wie frueher fuer eine Bank zu arbeiten. Und da wundern sich die Banken dass sie keinen Nachwuchs finden die dort arbeiten wollen… mit all den Skandalen und Bussen die sie bezahlen muessen… what a shame

    • Haben Sie was zu verbergen? Google weiss mehr über Sie als jede Bank auf dieser Welt. Das sind halt die neuen Standards in all unseren Banken in der CH; diese sind auch gut so und nötig.

    • Typische Schwarzmalerei – auch immer wunderbar angestiftet von IP. Vor jeder Leasingfirma lassen die lieben Kunden die Hosen runter, damit sie an die Ware kommen, aber die bösen Banken wollen ja alles wissen…. give me a break.

      Seid doch alle happy, bald verschwinden hier tausende von A’plätzen in die EU. auch die Einnahmen an Steuern….

  7. Swiss Private Banking – vom vermeintlich sicheren Hort zur Falle. Neutralität ade! Wenn irgend eine politische Strömung aus Eigeninteresse in einem Land zur Rechtshilfe greift ist heute kein Unternehmer u/o Sparer mehr geschützt, mag der Vorwurf haltlos sein wie er will. Das Recht wird vom Rechtsstaat ausgehebelt. Die Gerichte sind Spielball des Mob, der Politik und vor allem der abhängigen Presse.

  8. Bär und CS sind ein Dreamteam, die sollen sich zusammenschliessen und gemeinsam untergehen. Da kräht kein Hahn danach.

  9. hätte damals Rudolf Elmer keine internas verraten, würde julius bär heute nicht do schlecht dastehen. nein, herr Elmer, sie sind kein Pfeiffenblower sondern ein gewöhnlicher krimineller

  10. Oder ist eine ex CEO Persoenlichkeit in der Schweizer Finanzbranche untouchable bzw. „too big too fail“? Stimmt einem sehr nachdenklich. Aber nachdem Stoffel mit nachgewiesener 3-stelliger CHF Millionen hoher Urkundenfaelschung praktisch ungeschoren davongekommen ist und lediglich Steuern nachbezahlen musste, wundert einem das Rechtsverstaendnis in der Schweiz nicht mehr.