Reyl-Intesa-Deal: Blutbad in Lugano

Mit 70%-Verkauf an Italiener übernehmen Genfer Reyl-Partner das Kommando bei Intesa Schweiz. 100 Jobs weg, Avaloq verliert.

In Genf und Lugano stürzten sich gestern die Banker auf die Nachricht, welche Finews als Erste verbreitete. Die Turiner Grossbank Intesa Sanpaolo würde die Genfer Bank Reyl kaufen.

Für die 300 Leute der Schweizer Intesa ist dies eine Horrornachricht. Denn sie sind die grossen Verlierer, nicht die Reyl. Auf dem Spiel stehen 100 Jobs.

Es handelt sich um einen Reverse-Takeover. Das Intesa-Blutbad findet laut einem Insider statt in Lugano, zu einem kleineren Teil auch in Genf, wo Intesa ihren Schweizer Sitz hat.

Orchestriert wurde der Deal offenbar von McKinsey. Ebenfalls verlieren soll laut der Quelle die Avaloq.

Die Zürcher IT-Firma hat vor 2 Jahren die Intesa Sanpaolo Schweiz für ihr Banken-Insourcing gewonnen. Seither liefen die Intesa-Abläufe über Avaloq.

Avaloq verdiente laut dem Insider 10 Millionen Franken im Jahr mit Intesa Sanpaolo Schweiz. Die neue Intesa, die mit Reyl zusammen ist, habe sich für Finnova entschieden. Kosten: noch 3 Millionen.

Laut Le Temps übernehmen die Italiener knapp 70 Prozent von den Reyl-Partnern. Diese würden an Bord bleiben, sie hätten das Kommando beim verschmolzenen Private Banking-Gebilde.

Laut Finews ist das Ziel der Italiener, welche mit der Aktienmehrheit das Sagen haben, in der Schweiz zu wachsen. Mit Reyl mchen sie einen Sprung in Genf, in Lugano setzen sie den Rotstift an.

Erschütterung am Monte Brè (Maps)

Neu kommt Zürich hinzu, wo Reyl schon präsent ist. Die verschmolzene Intesa-Reyl wird laut Finews nach dem Abbau über 400 Mitarbeiter und 20 Milliarden Kundenassets haben.

Der Chef der Intesa Sanpaolo Schweiz, ein Manager namens Marco Longo, muss über die Klinge springen, sagt die Auskunftsperson.

Die Genfer Partner von Reyl bestimmen das operative Geschehen der neuen Einheit. Als Erstes schliessen sie laut der Quelle Intesa-Steuer-Häfen: Cayman Islands in der Karibik und Monaco.

Der Schulterschluss von Reyl und Intesa sagt einiges über die Zukunft von Swiss Banking aus. Grosse Ausländer transformieren sich, kleine Schweizer verkaufen sich.

Ob Reyl- Intesa mit 20 Milliarden Kundengeldern schon die kritische Masse auf die Waagschale bringt, muss sich weisen. Die neue Italo-Schweiz-Privatbank könnte weitere Zukäufe tätigen.

Hinweis an Redaktion

Anonymous Box

  • Senden Sie Ihren Hinweis hier oder an +41 79 605 39 52. Lieber per Post?

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. In diesem Bereinigungsprozess in der CH-Bankenlandschaft geht fast ein wenig unter, dass Avaloq ein grosser aber teurer Player ist. Kosten in der IT sind ein grosses Thema nebst dem Personalaufwand. Hier sind neue Anbieter im Vorteil die wie die Hypothekenbank-Lenzburg in der Lage sind End -to- End Anbindungen anzubieten. Das wäre eigentlich eine Chance für die CS mit dem CSX-Projekt. Es kommt meines Erachtens Bewegung in die IT-Bankenwelt.

    • Vor mehr als 10 Jahren, als die Banken noch richtig Reserven hatten, haben wir schon technologische Ansätze propagiert. CSX bedeutet, dass nach einer gefühlten Ewigkeit konservative Banker unter Konsolidierungsdruck und erodierten Margen sich endlich bewegen. In einem Land mit Over-Banking (knapp 250 Banken), vier Sprachen und einer nicht funktionierenden Value Chain für die Trx-Abwicklung ist das kein Lichtblick, sondern eine überfällige Reaktion.
      Ob diese noch rechtzeitig kommt und ob die CS die kritische Grösse für ein mittel- bis langfristiges Überleben hat, das muss eher bezweifelt werden.
      Wie konsequent dieser Weg nun gegangen wird ist noch zu beweisen. Gebühren als Gewinnquelle zu verwenden funktionierte in einem invers funktionierenden Mikrokosmos, jedoch nicht in einer globalisierten Welt. Da wirken andere Kräfte und vermeintliche Giganten sind fallendes Laub im Sturm.

    • Private Baking ist etwas mehr als eine Bank auf Basis einer App, Prepaid Karte und einem Konto von der Hypy geführt.

  2. Avaloq versus FINNOVA – 10 MIO versus 3 MIO. Aber: werden da nicht Äpfel mit Birnen verglichen? Im Avaloq-Paket dürften die BPO-Kosten mit srin sein. Im FINNOVA-Pakat wird die bisherige Reyl-Crew in Genf das BPO übernehmen und dafür dann vermutlich noch ein paar Nasen brauchen. Aber selbst wenn dann noch 10 Personen eingestellt werden müssen (mit Gesamtkosten von geschätzt 1.5 MIO CHF) wäre das FINNOVA-Paket erst bei der Hälfte der Kosten. Für FINNOVA ist das im umkämpften PB endlich mal wieder ein kleiner Silberstreif am Horizont…

  3. Dass die neue Bank Avaloq als Sourcing-Partner rausschmeisst ist nichts anderes als konsequentes betriebswirtschaftliches Denken. Avaloq Sourcing ist schlichtweg nicht kompetitiv mit ihrem Angebot. Und die Avaloq Software war von Beginn an sehr teuer im Betrieb, was zahlreiche Banken auf die harte Tour lernen mussten.

  4. Die Angestellten bei Intesa Schweiz sind mehrheitlich Italiener/innen.
    Diese können, falls in der Schweiz überflüssig, in Italien weiter bei Intesa
    arbeiten.
    Intesa Sanpaolo mit Hauptsitz in Turin und Filialen in ganz Italien hat
    89’200 Angestellte.

  5. Diese Geschichte wird in Italien durch die Fusion der „Intesa Sanpaolo Bank“ mit der „UBI Banca“ in den Schatten gestellt und bis dato nirgendwo in der Presse erwähnt. Das Projekt der „Digitalen Alpina Bank“ der Reyl dürfe damit wohl auch nach Italien gehen.

    Nun immerhin die „Intesa Sanpaolo Bank“ gilt zumindest als eine der sichersten Banken in Europa. Auch wenn deren Entstehung im Grunde auf dem Zusammenbruch der Banca Ambrosiona 1982 basiert, die mehrheitlich der Vatikanbank (Istituto per le Opere die Religione) gehörte und deren Präsident, Roberto Calvi, in Geldwäsche und dubiose Geld Transaktionen des Vatikans der Mafia und Geheimlogen verwickelt war. Interessant wie schnell eine Geschichte vor 38 Jahre in der heutigen Zeit offensichtlich schnell weggewischt wird.

    Gruss aus der Lombardei