Lachappelle kickt Pierins Crazy-Fussball-Deal

Vincenz wollte Super League um jeden Preis, zahlte Ringier 8 Millionen, hinzu kamen 5 Mio. für Events. Für CS Peanuts.

Pierin Vincenz, der bei der Raiffeisen freie Bahn hatte, kannte auch beim Fussball kaum Grenzen. Als die Stromfirma Axpo den Klubfussball nicht mehr finanzieren wollte, schlug Vincenz zu.

8 Millionen bot der damalige Spitzenbanker Marc Walder und dessen Ringier, die zu jenem Zeitpunkt mit der Sportvermarkterin Infront zusammen spannte.

Pro Saison. Hinzu kamen laut einer Quelle 5 oder mehr Millionen im Jahr für die Verköstigung und Unterhaltung der Promi-Gäste an den Matches.

Das Ganze summierte sich für die Nummer 3 im Land auf jährlich 13 Millionen – im Minimum.

Ein Wahnsinnsbetrag. Die Axpo hatte noch 4 Millionen fürs Titelsponsoring der Schweizer Klubfussball-Meisterschaft bezahlt.

Nun war es ein Mehrfaches, das die Raiffeisen ab 2012 auf den Tisch blätterte. Insgesamt dürfte das Engagement die Genossenschafter über 100 Millionen gekostet haben.

Etwas fürs Album

Für Ringier-Chef Marc Walder war die Spendierlaune von Vincenz ein Glücksfall. Mit seiner Infront Ringier lief Walder Gefahr abzustürzen.

Der Deal mit dem Raiffeisen-Chef, vorbei an allen internen Marketing-Zuständigen der Bank, abgeschlossen am Handy, war damals der mit Abstand grösste für die Sportvermarkterin.

Jetzt sollte die Super League mit Raiffeisen durchstarten. Dass das Engagement nicht zur Retail-Bank passte, spielte keine Rolle. Diese war in den Regionen längst mehr als präsent.

Im Zentrum stand Anderes. Vincenz konnte Tout Switzerland in die Fussball-Tempel einladen und die Wichtigen und Prominenten des Landes mit Spiel&Wein umgarnen.

Dass die Stadien ausser in Basel und Bern leer blieben und die Arena in St.Gallen nur langsam voller wurde – who cares?

Der Deal mit den Schweizer Fussball-Klubs ging auch nach Vincenz‘ Abschied im 2015 weiter. Nachfolger Patrik Gisel änderte nichts daran, sondern verlängerte das Engagement um weitere 4 Jahre.

Erst jetzt kommts zum Bruch. Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle begrub das Fussball-Sponsoring, wie gestern bekannt wurde.

Für den Basler ist offenbar alles toxisch, was Vincenz auf die Beine gestellt hat.

Die Credit Suisse freut’s. Zum jährlichen Sponsoring-Betrag wollte ein CS-Sprecher nichts sagen.

Laut einem Insider läuft der Deal zwischen dem Finanzmulti und Ringier Sports, wie die Vermarkterin heute heisst, wertmässig aufs Gleiche hinaus.

Der Vierjahresvertrag sei einfach „anders strukturiert“, sagt er. Und: CS-Chef Thomas Gottstein und sein Schweiz-Manager André Helfenstein würden mit dem Engagement ein Zeichen für die Regionen setzen.

Klubfussball von Basel bis Lugano, St.Gallen bis Genf, Sion bis Vaduz – ermöglich durch „Ihre“ Schweizer Grossbank.

Diese tritt in Konkurrenz mit Kantonalbanken, deren Logos auf den Leibchen mancher Klubs prangen.

Kein Problem, meint ein Marketing-Kenner: CS und Kantonalbanken kämen gut aneinander vorbei. Nicht aber Raiffeisen. Allein das habe damals gegen Vincenz’ Big Deal gesprochen.

Kommentare

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  1. Marketingtechnisch ein Super-GAU auch wenn es dieses Jahr wegen Corona nicht viel gebracht hat. Bessere Werbung kann man kaum machen, jetzt kommt halt wieder das Hinterwäldler-Image auf. Lachapelle kann es einfach nicht.

  2. Das ist der beste Brand den Raiffeisen je hatte und den Kunden jeder Art sehr viel brachte. So ein Brand aufzugeben ist völlig unverständlich. Es scheint tatsächlich so das Herr Lachapelle einfach alles gute was von Pierin Vincenz kam zerstören will. die CS wollte dieses Engagement schon lange und lacht sich nun ins Fäustchen. Mister Lachapelle hat keine Ahnung von Marketing und Kundenzufriedenheit!

    • Ihre Meinung.

      Marketingspezialist sind Sie jedenfalls keiner (Brand..).

      Sie scheinen den Unterschied zwischen der Raiffeisenbanken und der Bank CS auch nicht zu kennen.

      Der Marketingaufwand unter Vincenz war quasi ein Fass ohne Boden – weil der Aufwand die Jahresrechnung von Raiffeisen Schweiz (für welche er zustänidig war) nicht belastete. Der Marketingaufwand u.a. zu Gunsten von „Gutverdienern“ wurde proportional an die kleinen Banken weiter belastet.

    • Es war eine reine Preissache. Durch die Aufhebung der Geschäftsstellen, konnte die CS gut ein paar Millionen mehr drauflegen und spart trotzdem noch.

  3. Die Raiffeisenbanken haben die Notbremse gezogen, weil eine Verlängerung der Verträge zu teuer wurde. Im Hoblick auf das kommende Geschäftsergebnis sind Einsparungen dringend nötig.

    • Da haben Sie fast recht, Raiffeisen wird ein rekordverdächtiges Jahresergebnis präsentieren. Allenfalls künstlich etwas tiefer gehalten, damit es während Corona nicht zu gut ausfällt.

    • Prima. Wir sind schon sehr gespannt. Aus Gründen der Transparenz werden wir hier die bekannten und vor allem die bisher nicht so bekannten Sondereffekte aus dem publizierten Ergebnis rausrechnen. Sie stehen dann sicher für weitere Fragen zur Verfügung. Buna saira!

  4. Ich suche noch die Berührungspunkte von geständiger Grossbank und nationalem Fussball mit viel ehrenamtlicher Arbeit in den Vereinen…

    • ehrenamtliche Arbeit der Vereinen? Mein lieber Herr Stirnimann, in diesem Bericht geht es um die Super Leaugue, die höchste Spielklasse in der Schweiz. Nicht um ehrenamtliche 5. Liga Trainers 😉 Grossbanken und Fussball passt mittlerweile sehr gut zusammen. Geld regiert bei beiden.

  5. Glauben diese Banken auch nut eine Sekunde dass die Leute ein Konto eröffnen oder Banking tätigen wenn diese solch blödsinnige Beträge für 2t Klassigen Fussbal ausgeben. Ha HA

  6. Ob die Bauernbank Raiffeisen oder die überheblichen und arrogante CS spielt doch keine Rolle, es ist und bleibt eine Gurkenliga.

  7. Vincenz hat mehrmals verlauten lassen

    „er habe die Medien im Griff“

    nun haben wir konkretere Vorstellungen, wie er vorgegangen ist…

  8. In St. Gallen ist man in weiten Kreisen froh, dass der Fussball nicht noch weiter gestützt wird. Beispielsweise hat sich der FC-St. Gallen mit den gespielt bedeutungsschwangeren, etwas arrogant wirkenden Auftritten von Matthias Hüppi und seinen Adlaten auch bereits zahlreiche Feinde geschaffen.

    • Fussball ist eh nur noch ein Schmierentheater und Abzockerverein. Und nach den Matches Schlägereien ohne Maske
      und alles zerstören.

    • Das täuschen Sie sich. Hüppi ist in St. Gallen in massgebenden Kreisen nicht gern gesehen!

  9. Den Deal hat nicht Lachapelle abgesagt, sondern die einzelnen Genossenschafter als Eigentümer von Raiffeisen Schweiz. Jedoch nicht, weil das Engagement nicht zu Raiffeisen passte, im Gegenteil. Die CS bot einfach X-Millionen mehr, was nicht mehr im Verhältnis steht. Raiffeisen unterstützt weiterhin die lokalen Fussballvereine, was zusätzlich zum grossen Engagement hinzu kam.

    • @ Besserwisser: Also ich kenne kein „Genossenschafter“ welche den Deal gestoppt hat. Da scheinen Sie mehr „vorherzusagen“… defiinitiv auch nicht die Genossenschaften..

    • @Kopfschüttler: Es gab eine Umfrage unter den einzelnen Genossenschaften. Dabei war der grössere Teil dafür, zu sparen. Danach war es für die CS ein leichtes Spiel die Raiffeisen zu überbieten.
      Es lebe die Demokratie!!

  10. Für 13 Millionen pro Jahr an Ringier kann man schon eine sehr „freundliche“ Berichterstattung erwarten.
    Wetten, dass auch TaMedia irgendwie abkassiert hat?
    Gedanke: Hatte nicht die Tamedia eine Beteiligung an der für einen Mondpreis gekauften Moneypark?

  11. Nationaler Fussball passt doch ausgezeichnet zu Raiffeisen! Besser als zu CS. AXPO und Fußball war natürlich die Schnapsidee schlechthin, und eine Idee von Heinz Karrer, einem der schlechtestes Manager aller Zeiten, der wohl ohne FDP in einer Hinterstube den Posteingang stempeln würde.

  12. Und nochmal: der RAICH-VR hat das alles abgesegnet. Hauptsache der Pierin fühlt sich sauwohl und zeigt das bei jeder Gelegenheit. Die Provinz-VR-Leute hatten wohl immer die Idee, das dann auch einmal etwas für sie abfällt.