Orell-Füssli-Debakel trifft SNB

Der Banknoten-Diebstahl fällt auf die Notenbank zurück, sagt Hans Geiger. Als alleinige Hüterin des Schweizer Frankens hat sie den Schaden.

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  1. Ganz wichtig: Es wurden keine Banknoten gestohlen, es wurden (fast fertige) Geldscheine gestohlen.
    Banknoten würden so aussehen:
    http://s7.directupload.net/images/130929/6w2y8fza.png

    Die Diebe können von der SNB keine Geldzahlung fordern, sie halten jetzt vielmehr widerrechtlich erlangtes Geld in ihrer Aktiva-Kasse. Beabsichtigt war, dieses Geld bei der SNB mit dem Buchungssatz
    Kasse an Emission
    bilanzneutral einzubuchen.

    Wegen des Diebstahls konnte das nicht geschehen.

    Es ist sehr wichtig, den Unterschied zwischen Banknoten und Geldscheinen zu begreifen, sonst verstrickt man sich heillos in Widersprüche.
    Für eine Banknote kann man vom Notenemittenten eine Geldzahlung verlangen, die Geldscheine sind hingegen das Geld selbst.

    Aus diesem einfachen Grund sind die Bilanzen der Zentralbanken, auch die der SNB, falsch.

    Die SNB führt die Konten „Kasse“ und „Emission“ als Unterkonten vom „Banknotenumlauf“. Richtig wäre es, wenn die SNB diese beiden Konten als Unterkonten der Passivaposition „Verbindlichkeiten bei der Staatsschatzkammer“ führen würde.

    Die Geldscheine sind Staatspapiergeld.

    Prof. Dr. Jordan:
    http://www.snb.ch/de/mmr/speeches/id/ref_20110928_tjn/source/ref_20110928_tjn.de.pdf#page=6&zoom=auto,0,837
    > „Ein Beispiel: Will jemand von Ihnen der SNB eine Banknote (sozusagen Ihr Kredit an die Nationalbank) zurückgeben und den entsprechenden Gegenwert einfordern, händigen wir Ihnen einzig eine neue Banknote mit gleichem Nennwert aus. Sie haben also keinen Anspruch darauf, eine Banknote im Austausch gegen einen anderen Vermögenswert zurückzugeben.“

    Ein logischer Widerspruch erster Güte.
    Der Zettel-Halter gewährt der SNB einen Kredit, kann aber nichts fordern?
    Nein, Herr Prof. Dr. Jordan, der Halter eines CHF-Geldscheines gewährt der SNB keinen Kredit, und deshalb ist es auch völlig in Ordnung, dass er nichts von der SNB fordern kann. Der Halter des CHF-Geldscheines hält Schweizer Franken, Staatspapiergeld.

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Jordan, warum weisen Sie unter „Banknotenumlauf“ Schulden in der Bilanz der SNB aus, wenn Sie gar keine Banknoten emittiert haben?

    Die SNB zahlt Geldscheine aus, Staatspapiergeld. Weil der Staat die SNB nicht mit dem Staatspapiergeld ausgestattet hat, muss sich die SNB das Staatspapiergeld per Kredit vom Staat erst holen, bevor sie es auszahlen kann. Eine Schuldenposition bei der SNB, die durch die Geldauszahlung entsteht, ist also richtig, es sind aber keine Schulden aus Notenemmission.

    Richtig ist es so:
    Erst schuldet die SNB der Geschäftsbank die CHF, weil die Geschäftsbank ein Giroguthaben bei der SNB hat. Nach der Auszahlung hat die SNB Schulden bei der Staatsschatzkammer.
    Die SNB hat ganz einfach nur umgeschuldet, die SNB hat nach der Geldauszahlung einen anderen Gläubiger.

    Die SNB hat einen „reichen Vater“, deshalb kann die SNB nicht illiquide werden. Die SNB kann aber überschuldet sein, sogar außerordentlich stark überschuldet sein.

    Herr Dr. Meyer schreibt:
    https://insideparadeplatz.ch/2013/09/25/die-snb-und-das-maerchen-von-der-geldschoepfung/#comments
    8. Oktober 2013 / 09:54
    > „Bei den Giroguthaben der Banken handelt es sich ja um Kredite der Banken an die SNB. Die Banken können aufgrund dieser Kredite, die sie an die Banken geben nicht andere Kredite an die KMU gewähren. Sie können ein und denselben Kredit nicht der SNB und den KMU gewähren. Sie haben sich entschieden, diesen der SNB zu gewähren. So entstehen die Giroguthaben der Banken bei der SNB.“

    Gemeint ist ein neuer Kredit, den die Geschäftsbank an einen Kunden vergibt. Sollte der Kunde Geld ausgezahlt haben wollen, dann kann die Geschäftsbank von der SNB jederzeit eine Geldauszahlung verlangen, da die Geschäftsbank ja bereits über ein Giroguthaben verfügt. Die SNB ist niemals auf einen Kredit von den Geschäftsbanken angewiesen, die SNB kann jederzeit umschulden.

    Die SNB darf per Kredit auf das vom Staat bereitgestellte Staatspapiergeld zugreifen.

    Mit freundlichen Grüßen!

  2. Sehr geehrter Herr Professor Geiger

    In Ihrem Interview mit Herrn Lukas Hässig argumentieren Sie, die Notenbank gäbe auf zwei Arten Geld heraus.

    Einmal geben sie Banknoten heraus.

    Aber was wichtiger sei, sagen Sie:

    „..die SNB gibt den Banken unendlich viel Geld zur Verfügung…“

    Sie beziehen sich also auf die sogenannte „Notenbankgeldmenge“, welche aus den emittierten „Banknoten“ plus den „Giroguthaben der Banken“ besteht.

    „Hand aufs Herz“:

    Wenn Sie sagen: „…die SNB gibt den Banken unendlich viel Geld zur Verfügung…“ so heisst das doch, dass die SNB zur Gläubigerin wird für die Banken – nicht zur Schuldnerin.

    Wäre diese Aussage von Ihnen korrekt, so müssten diese Gelder an die Banken bzw. diese Kredite oder Darlehen an die Banken bei der SNB auf der Aktivseite der Bilanz verbucht werden.

    Ich nehme also die SNB-Bilanz zur Hand und suche auf der Aktivseite nach Geldern, die die SNB den Schweizer Banken „gibt“.

    …und ich suche – und ich suche – und ich suche…

    http://www.snb.ch/ext/stats/statmon/pdf/defr/A1_Ausweise_der_SNB.pdf

    Sehen Sie, was ich meine?

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

  3. Die Frage von Hardy, der Student ist interessant.

    Herr Jordan ist nun „anegstande“ für den Fehler.

    „Anegstande“ ist Jordan auch an diversen Vorträgen und hat behauptet, die SNB würde im Falle von negativem Eigenkapital der SBN einfach Banknoten drucken, um das Eigenkapital der SNB so wieder aufzustocken.

    Das würde also bedeuten, dass die Notenbank verbucht:

    „Banknoten an Eigenkapital“.

    Die Diebe der Banknoten verbuchen ihren Diebstahl in ihrer eigenen Bilanz auch mit

    „Banknoten an Eigenkapital“.

    Die SNB stellt damit in Aussicht, dass sie sich buchhalterisch verhalten wird wie die Diebe.

    Wenn die SNB hingegen den Druck zusätzlicher Banknoten korrekt verbuchen würde mit z.B.

    „Euro / Notenumlauf“ oder „Dollar / Notenumlauf“,

    so würde die Bilanz der SNB beidseitig verlängert, wie das gemäss Nationalbankgesetz vorgesehen ist (doppelte Buchhaltung).

    Damit wäre das „Loch im Eigenkapital“ jedoch nicht beseitigt und die kreditgebenden Banken (u.a. auch die PostFinance) müssten ihre Kredite an die SNB entsprechend tiefer bewerten. Das kann zu deren Konkurs führen bei diesen gewaltigen Beträgen.

    Es ist also lächerlich, wenn Jordan „anestat“ für 1.8 Millionen, an anderer Stelle jedoch „anestat“ und in Aussicht stellt, dass er dasselbe tun werde wie die Diebe, nur im 10‘000-fachen Ausmass oder noch mehr.

    SNB-Chef Jordan soll einmal „anesta“ und das Schweizer Volk über folgendes aufklären:

    Wie gedenkt die SNB, den Druck von zusätzlich gedruckten Banknoten zum Ausgleich von negativem Eigenkapital der SNB, zu verbuchen.

    MfG

    Marc Meyer

    • Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

      wir beide könnten ein gutes Team werden. 🙂

      Ich habe großen Respekt vor Ihnen, Sie haben ein Kämpferherz, und ich habe den Eindruck, Sie haben ihr Herz auf dem rechten Fleck.

      Aber wir müssen aufpassen, wir brauchen ein Fundament aus Granit und Stahlbeton. Sonst wird das nichts.

      > „Wenn die SNB hingegen den Druck zusätzlicher Banknoten korrekt verbuchen würde mit z.B.
      „Euro / Notenumlauf“ oder „Dollar / Notenumlauf“,
      so würde die Bilanz der SNB beidseitig verlängert, wie das gemäss Nationalbankgesetz vorgesehen ist (doppelte Buchhaltung).

      Ja, so wird die SNB es auch machen, Herr Prof. Jordan wird schon wissen, dass er nicht einfach negatives Eigenkapital durch Geldscheinauszahlung eliminieren kann.

      Sollte er sich mal anders geäußert haben, dann kann das eigentlich nur ein Formulierungslapsus sein, sonst wäre es der Oberhammer.

      Dass die SNB mit negativen Eigenkapital weitermacht, kann ich mir allerdings schon vorstellen, da müssen die Geschäftsbanken nicht gleich Giroguthaben abschreiben.

      Herr Dr. Meyer, wir haben es mit dem Team Staat/Zentralbank zu tun, die haben Tricks auf Lager, da schlackert man mit den Ohren.

      Mit freundlichen Grüßen!

    • @Hardy, der Student

      Leider ist es nicht so, dass SNB-Chef Jordan sich nur einmal in dieser Weise versprochen hätte. Nein – lesen Sie seinen Vortrag „Braucht die Schweizerische Nationalbank Eigenkapital?“ (Volkswirtschaftlich Statistische Gesellschaft Basel).

      Sein ganzer Vortrag kommt zu diesem Resultat. In der Zusammenfassung sagte er (S. 13):

      „Denn mit „Geld drucken“ kann Eigenkapital, wie gesagt, nicht nachhaltig aufgestockt werden.“

      Also kann, gemäss Jordan, Eigenkapital mit „Geld drucken“ aufgestockt werden, wenn auch nicht „nachhaltig“, wie immer er das auch abgrenzen mag.

      Wenn die SNB im Fall von negativem Eigenkapital Geld druckt und emittiert, indem sie Euros kauft und korrekt verbucht (was ich auch erwarte), dann lautet der Buchungssatz:
      „Euro / Notenumlauf“
      In diesem Fall bleibt aber das „Loch im Eigenkapital der SNB“ bestehen. Es ist nicht weg.
      Daraus folgt: Die SNB kann mit Geld drucken das Eigenkapital überhaupt nicht – keinen Rappen – aufstocken.
      Mit dem zusätzlichen Druck von hohen Milliardenbeträgen in Franken-Banknoten würde sie nur noch zusätzlich ein Chaos im Zahlungsverkehr der Schweiz verursachen. Das grundlegende Problem – das negative Eigenkapital der SNB – wäre aber trotzdem noch da.

      Daraus folgt wiederum, dass die Gläubiger der SNB (Geschäftsbanken, PostFinance) ihre Kredite an die SNB bei negativem Eigenkapital der SNB entsprechend abschreiben müssen, weil diese nicht mehr voll gedeckt sind.

      Es geht hier um Beträge in dreistelliger Milliardenhöhe. Die SNB hat diese hoch riskant finanziert mit lediglich knapp 10 Prozent Eigenkapital.

      Sollte der Euro beispielsweise wieder auf 1 : 1 fallen und die SNB besitzt bis dann ca. 1 Billion Euro (nicht unrealistisch), so wäre das ein Abschreiber von ca. 200 Milliarden Franken.

      Die SNB ist dann aber noch nicht aus dem Euro-Geschäft ausgestiegen. Wenn sie im Verlaufe der Jahre immer mehr Euros kauft und dieser fällt immer mehr (SNB hat vielmals gesagt, sie würde „unbeschränkt“ Euros kaufen), dann wird es für die Kreditgeber (Banken, PostFinance) eng.

      Natürlich werden die Zinsen massiv steigen, weil die Banken der SNB mit ihren hochriskanten Investitionen in Euro nur noch zu hohem Zins Kredite (Schuldverschreibungen) gewähren werden.

      Früher oder später wird irgendein Analyst (nicht in Zürich) herausfinden, dass die Schweizerbanken indirekt über die SNB in hunderte Milliarden Euros investieren, und dass diese Investitionen teilweise abzuschreiben sind. Aktien in Geschäftsbanken werden dann zu einem „Europlay“.

      Erinnerung an Fall Swissair: Es wird lang gehen, bis ein Analyst das merkt; und dann auch noch den Mut hat, darauf hinzuweisen. Arbeitet er in Zürich, so wird er seine Stelle umgehend los sein (wie Christopher Chandiramani bei der CS). Aber die Schweizerbanken Banken werden aufgrund ihrer massiven Investitionen in SNB und damit indirekt in Euro früher oder später stark bluten.

      Ihr Aktienkurs wird dann abstürzen – da kann auch unsere Regierung dann nichts mehr dagegen tun – ausser natürlich die Steuern erheben und versuchen, die SNB zu rekapitalisieren. Aber mit dutzenden oder gar hunderten von Milliarden Franken?

      Die SNB hat es so angekündigt – nehmen wir die SNB ernst und schauen wir der Realität ins Auge.

      Es gibt offenbar nur wenige, welche die SNB ernst nehmen und ihr zutrauen, dass sie auch das tut, was sie sagt.

      Was die SNB tut und weiter zu tun gedenkt ist wirklich „der Oberhammer“ (wie Sie es formulieren).

      mfG

      so bleibt bei negativemEigenkapital