Frau des CEO sitzt bei Raiffeisen mit am Steuer

Rechtschefin mit Drang zu Business statt Zurückhaltung bestärkt Big-Boss Vincenz auf dessen Wachstums-Trip.

Als Nadja Ceregato im Jahr 2000 zur Raiffeisen-Zentrale in St.Gallen stiess, waren die Juristen in der Genossenschaftsbank Spezialisten mit Zulieferfunktion. 12 Jahre später, nach einer Vervielfachung der Aktiven und Passiven, ist die gleiche Rechtsabteilung zu einer Macht im Raiffeisen-Machtzentrum geworden.

Der Grund liegt in der Leiterin des Rechtsdienstes der drittgrössten Schweizer Bank. Nadja Ceregato wird von mehreren Ex-Raiffeisen-Managern als überaus fähige, zupackende Managerin geschildert. Gleichzeitig gilt sie als machtbewusste Kaderfrau, die weit über ihren Bereich hinaus Einfluss ausübe.

Normalerweise würde das kaum zu Reden geben. Im Fall Ceregato liegt die Sache anders. Kurz nach ihrer Anstellung bei Raiffeisen lernte sie Pierin Vincenz kennen, den obersten Chef der Bank. 3 Jahre später heiratete das Paar.

Mit einer Liaison wie aus Schillers „Kabale und Liebe“ begannen die Dinge im Juristen-Team schwierig zu werden. Der damalige Chef von Legal&Compliance hiess Bernhard Reeb, sein Stellvertreter war Roland Schaub. Insider der damaligen Zeit berichten, wie ein bis dahin verschworenes Team in Einzelfraktionen zerfallen sei und bald schon die Köpfe gerollt seien.

Der Rechtsdienst-Stellvertreter und die Frau des Big Bosses hätten ein enges Gespann gebildet und eigene Initiativen hinter dem Rücken ihres direkten Vorgesetzten verfolgt, sagen mehrere Gesprächspartner übereinstimmend.

Ende 2004 kam es zum Eklat. Legal&Compliance-Chef Bernhard Reeb schied aus der Raiffeisen aus, Nachfolger wurde Stellvertreter Roland Schaub, und Nadja Ceregato wurde in der Folge unter ihrem neuen Vorgesetzten zuständig für alle Rechtfragen.

Bezüglich „Checks and Balances“ eine heikle Konstellation. Die oberste Juristin einer Bank, die von der Grösse her „Too Big To Fail“ ist, musste von da an scharf über alle wesentlichen Risiken und Gefahren wachen. Gleichzeitig war sie Ehepartnerin des CEOs, der seine Bank auf einen forschen Wachstumskurs trieb.

Im Team Legal&Compliance mit rund einem Dutzend Leuten kam es nach der Machtübernahme durch Schaub und Ceregato zu zahlreichen Abgängen. Die Hälfte der Juristen und übrigen Fachleute verliessen die Raiffeisen und zogen zum Platzhirsch St.Galler Kantonalbank oder zu anderen Firmen.

„Sie spielte die Hausherrin“, sagt ein Ex-Raiffeisen-Manager. Eine andere Quelle meint, dass Ceregato die wahre Chefin des Bereichs Legal&Compliance sei. „Sie ist die starke Figur, nicht ihr Vorgesetzter.“

Die Raiffeisen-Spitze unter Vincenz betonte immer, dass genügend Distanz zwischen Rechtschefin Ceregato und deren Ehemann Pierin Vincenz als CEO der grossen Retailbank bestanden habe.

Die damalige Organisation der St.Galler Zentrale des nationalen Genossenschaftsverbunds mit über 1’000 kleinen und kleinsten Filialen fördert jedoch ein differenzierteres Bild zutage.

In der Phase des Aufstiegs von Ceregato zur Rechtschefin ab 2004 war Legal&Compliance dem Zuständigkeitsbereich von CEO Pierin Vincenz angehängt. Erst ab Ende 2007 landeten Legal&Compliance und damit auch Nadja Ceregato bei einem anderen Konzernleitungsmitglied.

Ein Raiffeisen-Sprecher betont, dass es trotzdem zu keinem Zeitpunkt eine „Direktunterstellung“ der Rechtsabteilung im CEO-Bereich gegeben habe, weil Legal&Compliance im 2003 „dem damaligen Stabsleiter unterstellt“ gewesen sei und danach dem damaligen Finanzchef.

Die Bankenaufsicht schluckt die spezielle Konstellation an der Spitze einer der wichtigsten und am stärksten zu überwachenden Banken.

Angesprochen auf die einflussreiche Rolle von CEO-Gattin Ceregato innerhalb der Raiffeisenbank sagt eine Sprecherin der Aufsicht Finma: „Zu der von Ihnen geschilderten persönlichen Konstellation können wir uns nicht äussern.“

Laut Ex-Raiffeisen-Managern entwickelte sich Ceregato nach ihrer Berufung zur Rechtschefin zu einem eigentlichen Machtfaktor innerhalb der Bank, deren Einfluss weit über den engen Bereich von Rechts- und Risikofragen hinausreichen würde.

Problematisch sei Ceregatos bevorzugte Position nicht, weil die Managerin zu wenig kompetent sei, sagt eine Quelle. Ganz im Gegenteil, gerade weil sie gut sei, berge die heutige Konstellation grosse Risiken für die Bank.

Ceregato würde die Welt längst nicht mehr nur durch eine juristische Brille betrachten, sondern agiere als eine Art zweiter CEO, sagt der Insider.

Sollte dies zutreffen, müsste die jüngste strategische Weichenstellung der Raiffeisen aus einem neuen Blickwinkel betrachtet werden. Beim Kauf der Wegelin-Aktivitäten und Neulancierung der nicht vom US-Steuerproblem betroffenen Vermögensverwaltungs-Aktivitäten der Vorgängerin als Notenstein Privatbank spielte Raiffeisen-Rechtschefin Ceregato eine entscheidende Rolle.

Ceregato war Teil des kleinen Teams, das die Wegelin-Übernahme Mitte Januar innert weniger Tage geprüft und für gut befunden hatte.

Die Rechtschefin kam nach der Prüfung der rechtlichen Risiken offenbar zum Schluss, dass sich der Deal für Raiffeisen lohnen würde. Die Bank soll laut einer Quelle knapp 400 Millionen Franken bezahlt haben, was angesichts der Notlage der Wegelin-Partner als stolzer Preis gilt.

Erstens gehören von den rund 23 Milliarden erworbenen Assets etwa 3 Milliarden ins Asset Management und vermutlich weitere rund 5 Milliarden institutionellen Anlegern. Beide Assetklassen rentieren nicht gleich gut wie jene im Private Banking.

Gegen 5 Milliarden Privatkundenvermögen stammen zudem aus dem Ausland, vor allem aus Europa. Ein Teil davon droht abzufliessen.

Es verbleiben gut 10 Milliarden reine Schweizer Private-Banking-Vermögen. Ein Kaufpreis von knapp 400 Millionen auf 10 Milliarden solcher Assets entspräche 4 Prozent. Soviel hat zuletzt kaum eine Bank hingeblättert.

Auch die US-Gefahr ist nicht vom Tisch. Der neue Notenstein-Chef ist ein Ex-Partner von Wegelin und leitete dort das Westschweiz-Geschäft. Dort könnten ebenfalls US-Kunden der UBS ab 2008 mit unversteuerten Kunden angelockt worden sein. Es ist somit nicht ausgeschlossen, dass die Raiffeisen über die Notenstein-Hintertür in den US-Strudel gerät.

Mögliche Gefahren konnten das Raiffeisen-Gespann nicht von der Wegelin-Express-Akquisition abhalten. „Vincenz will sich nicht aus Furcht vor allfälligen Risiken vom forschen Wachstumskurs abbringen lassen“, bringt eine Quelle das Thema auf den Punkt. Rechtschefin und Vincenz-Ehefrau Ceregato stehe ihm dabei zur Seite.

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7 Kommentare zu “Frau des CEO sitzt bei Raiffeisen mit am Steuer

  1. Mirco Ceregato ist der Bruder von Nadja und Anwalt bei Bratschi Wiederkehr & Buob. Hat sich eigentlich noch niemand gefragt, weshalb diese Kanzlei so viele lukrative Mandate von der Raiffeisen betreut? Komisch auch, dass Mirco Ceregato ausgerechnet in den beiden Praxisteams „Banken“ und „Media, Entertainment und Sports“ mitwirkt. Diese beiden Industriegruppen haben nichts miteinander zu tun – ausser beim Sportsponsoring. Raiffeisen ist ein äusserst engagierter Sponsor in der Sportwelt. Honi soit qui mal y pense…

  2. das habe ich nie erlebt. Bin nicht hingegangen, das ist mir zu blöd.

    Habe meinen Anteilschein in der Höhe von Fr. 200.– zurück gegeben. Trotzdem hafte ich (gemäss OR) noch für 1 Jahr … mit Fr. 8000.–

  3. Wer schon einmal an einer regionalen Jahresversammlung dieser Genossenschaftsbank war, weiss, dass der joviale Pierin Vinzenz haargenau der richtige CEO für Raiffeisen ist.

    Die Genossenschafter – von denen es ca. 2,4 Mio gibt – kommen jeweils 1 Stunde vor Versammlungsbeginn, um sich die besten Plätze zu reservieren. Leider wird der Wein erst nach dem (kurz gehaltenen) offiziellen Teil – dafür aber à discretion – serviert. Das Ganze hat so etwas von Realsatire an sich, dass es bereits wieder „geil“ ist! Im Showprogramm treten dann Francine Jordi, Divertimento usw. auf…