John F. Bradley, Torpedo des UBS-Personals

Ex-JP-Morgan-Topmann verwandelt Human Resources in Callcenter; Bradley-Jünger verdrängen Schweizer.

Seit 4 Wochen ist der UBS-Personaldienst US-Gelände. Am 6. August drückte die Bank auf den Knopf und stellte in ihrem weltweiten Human Resources von persönlichem Beratungsdienst auf Callcenter in Zürich-Altstetten um.

Seither heisst es für alle ausser die obersten Chefs: im Intranet nach Lösungen googeln, bei weiteren Fragen Ticket lösen, beim Callcenter am Telefon Schlange stehen.

Mastermind der „HR Transformation“ ist John F. Bradley, ein 52-jähriger Amerikaner, der 26 Jahre lang bei der US-Grossbank JP Morgan die Karriereleiter hochgeklettert war, bevor er vor 3 Jahren bei der UBS anheuerte.

Geholt wurde Bradley vom damals neuen Notfall-Team Oswald Grübel und Ulrich Körner mit dem Auftrag, das weltweite HR der UBS auf Amerika-Standard umzustellen.

Jetzt hat Bradley geliefert. Zuerst hat er seine Geschäftsleitung ausgemistet und die meisten Schweizer mit Angelsachsen ersetzt.

Dann hat Torpedo Bradley die alte, über Jahrzehnte gewachsene UBS-Personalverwaltung zerlegt und aus den Trümmern ein vermeintlich modernes, schlagkräftiges und effizientes Human Ressources gezimmert.

Derzeit gehen die Wogen hoch. Vor allem langjährige Schweizer Personalleute kritisieren die unpersönliche, in ihren Augen fast schon zerstörerische Zerschlagung einer Organisation, die massgeblich zur einstigen Qualitäts-Kultur der Bank beigetragen haben soll.

„Dies ist der Anfang vom Ende der UBS, wie wir sie kannten“, sagt ein UBS-Manager, der mit HR Transformation vertraut ist. „Die Frustration bei den Mitarbeitern ist massiv und dürfte weiter zunehmen.“

Die UBS bestätigt die Umstellung auf ein HR mit Callcenter und Ticketing-System. „Grundsätzlich soll mit der HR Transformation erreicht werden, dass die Bank auch im Bereich HR effizienter wird“, sagt Sprecherin Eveline Müller-Eichenberger.

Von Aufregung will die Bank-Managerin nichts spüren. „Im grossen und ganzen wurde die HR Transformation in der Schweiz gut aufgenommen.“

Das neue Modell sei für das „Gros der Mitarbeiter nicht spürbar“, sagt die Sprecherin. Neben den neuen Online-Services würden „wie bisher“ Beraterteams bereitstehen.

Die grossen Verlierer der Übung dürften die Schweizer sein. Aus der UBS ist zu vernehmen, dass rund ein Dutzend HR-Mitarbeiter in der Schweiz auf Jobsuche sind.

Wie bei Konkurrentin Credit Suisse führt die Besetzung des Schlüsselbereichs Personal zu einer nachhaltigen Gewichtsverschiebung. Schweizer verlieren an Einfluss, Angelsachsen übernehmen das Steuer.

Es handelt sich um einen generellen Trend bei vielen Multis. Doch so gründlich wie UBS-HR-Chef John Bradley ist kaum einer ans Werk gegangen.

Bradleys zwölf Direktunterstellte sind: 1 Deutscher, 1 Österreicher, 1 Schweizer. Der Rest: Angelsachsen.

Das führt zu bizarren Szenen. Während Angelsachsen in Townhall-Meetings oben auf der Bühne stehen und Schweizer Mitarbeitern das neue HR-System anpreisen, lauscht Stefan Seiler als letzter Schweizer Mohikaner in Bradleys Spitzentruppe still den Worten der ausländischen Wortführer.

Seiler war bis vor wenigen Monaten noch Militär-Ausbildner an der ETH und verfügt über entsprechend wenig UBS spezifisches Knowhow, von Hausmacht ganz zu schweigen.

Es ist denn auch nicht der Schweizer Vertreter, der im HR der UBS heute den Ton angibt, sondern zwei Frauen aus England: Caroline Johnston und Michelle Bereaux.

Johnston wurde vor Jahresfrist von Bradley zur UBS geholt. Die Britin wurde Bradleys rechte Hand und nahm das Global-Projekt HR Transformation an die Hand.

Laut einem UBS-Insider kennen sich Bradley und Johnston aus gemeinsamer Zeit beim US-Finanzmulti JP Morgan.

Unterschiedliches ist von der zweiten Powerfrau im UBS HR zu hören. Die Rede ist von Michelle Bereaux, ebenfalls Engländerin und oberste Personalchefin der einflussreichen UBS Investmentbank.

Bereaux hat Macht und Kraft. Sie stiess vor 20 Jahren zur UBS und arbeitete sich in dieser Zeit, in der sie nur einmal kurz abgesprungen war, die Karriereleiter hoch.

Heute zählt Bereaux zu einem kleinen, bestimmenden Team in den immer wichtiger werdenden zentralen Dienste unter der faktischen Nummer Zwei der Bank, Chief Operations Officer Ulrich Körner. Zum verschworenen Zirkel zählt unter anderem auch IT-Chefin Michele Trogni.

Der Weg zum angelsächsisch dominierten HR war durch die Absetzung von Gery Brüderlin frei geworden. Der langjährige UBS-Personalchef landete mit der Wahl von John Bradley auf dem Abstellgleis.

Brüderlin machte anfänglich gute Miene zu seinem Abstieg und bleib eine Zeitlang als Projektmanager bei der Bank. Kürzlich wurde er nun aber als UBS-Unterschriftsberechtigter im Handelsregister gelöscht.

Bemerkenswert ist, dass hohe Schweizer Manager anderer Abteilungen die Anglifizierung des UBS-Personals tatkräftig unterstützten.

Entscheidend war insbesondere Peter Oberholzer in der Rechtsabteilung. Oberholzer entpuppte sich als zuverlässiger, fleissiger Umsetzer von Oberkommandierendem John F. Bradleys fundamentalem Shift.

Das hatte sich schon beim neuen Qualifikationssystem gezeigt. Jurist Oberholzer gilt nämlich als Vater der umstrittenen Zwangseinteilung des Personals in 5 Kategorien, wovon zwei – „Underperformer“ und „needs improvement“ – das faktische Karriere-Aus bedeuteten.

UBS intern heisst es, HR-Chef Bradley schweige seit Monaten zur Frage, wie es mit dem Quali-System weitergehen soll.

Die UBS sieht das Schweizer Element nach wie vor prominent im HR vertreten. „Die HR-Crew ist international aufgestellt“, sagt Sprecherin Müller-Eichenberger.

„Die Schlüsselfunktionen des Arbeitsmarktes Schweiz sind mit Schweizern besetzt, die auch im obersten HR Führungsgremium Einsitz nehmen.“

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Die UBS leistete sich über Jahre im Vergleich mit anderen internationalen Firmen ein deutlich überdimensioniertes HR. Bei schrumpfenden Margen und Geschäftsfelder war diese Restrukturierung ein unausweichlicher Schritt. So bekommen die verantwortlichen Linienvorgesetzten die Verantwortung zurück, die sie wieder verdienen. Die HR Service-Line hat sich in den ersten Wochen mit nur wenigen Ausnahmen bestens etabliert. Die Wartezeiten sind sehr gering, der Service prompt. Ob Amerikaner oder Schweizer am Ruder ist dabei absolut irrelevant, solange die Lösungen passen. Und Sie passen, denn die UBS Schweiz ist wie selten zuvor ohne Ausnahme in Schweizer Hand! Das dürfte auch die Heimatschützer besänftigen, die noch nicht gemerkt haben, dass die Mehrheit der Aktionäre im Ausland sitzen, die deutlich loyaler zur UBS stehen, als die Schweizer.

  2. Die früheren Schweizer UBS HR-Bosse sind Opfer ihrer damaligen Dave Ulrich-Hörigkeit geworden, die sie im 2004 dazu veranlasste, das neue HR Business Modell einzuführen. Dies war der Anfang vom eigentlichen Ende. Dass sie sich damit ein paar Jahre später selbst überflüssig gemacht haben, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Damit wurde für die Angelsachsen letztlich der Weg freigemacht. Die interessieren sich weder für Tradition und Werte noch für einen respektvollen oder wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeitenden, die seit Jahren die Zeche für diese Entwicklung bezahlen und mirnichtsdirnichts verkauft wurden.

    Wer früher bei UBS HR gearbeitet hat, dem kommt heute nur noch das Kotzen. Über HR UBS und die Entwicklung der Bank. Ich zumindest bin froh, schon länger über alle Berge zu sein.

  3. wann merkt der letzte was die ubs für eine bank ist???
    sie interessiert sich nicht für die kunden, sie interessiert sich nicht für die kleinen mitarbeiter, sie interessiert sich nur für die boni des managements (und hier schon ab dem mittleren kader..).
    jeder der die „freude“ hatte in seinem betrieb mit einem ex-ubs-bänkler zu arbeiten weiss wie die ticken…

  4. Wer das HR anruft, hat nur selten unverfängliche Fragen. Manchmal geht es um Geburten, Hochzeiten, Todesfälle. Manchmal geht es um Geld, Absenzen oder einen anderen Job. Und manchmal geht es um schwierige medizinische Diagnosen oder die Angst, die Büez nicht mehr zu schaffen. Alles Gesprächsthemen, die jetzt mit einem Ticket und einem «Hi, my name is Jooohn» beantwortet werden? Eigentlich können die UBS-Chefs sich geradesogut auf die Bühne stellen und ihren Mitarbeitern den nackten Hintern zeigen: So viel seid ihr uns wert!

  5. Peinlich der Kommentar von Sprecherin Eveline Müller-Eichenberger. Ein weiterer Beweis dafür, wie weit weg Unternehmenssprecher vom eigentlichen Geschehen sind und vollkommen vom Management zwecksinstrumentalisiert worden sind. Was die gute Frau wohl am Abend vor dem Einschlafen für sich denkt.

    • Die Welt besteht auch hier nicht aus schwarz und weiss. Wenn Sie wollen, können wir uns gerne telefonisch unterhalten. Mit freundlichem Gruss Eveline Müller-Eichenberger, Tel. Medienstelle 044 234 85 00

  6. Wer bringt diese Site zum Erliegen? Das sieht mir nach gezielten Angriffen aus. Ich wusste nicht, dass bei uns (CH) solche Maffiamethoden angewendet werden!

  7. Tolle Idee um kosten zu sparen. Die Personalrestaurants könnten auch abgeschaft werden, die Mitarbeiter könnten am Pult via Infussion ihre Kalorien bekommen. Ausser fürs Top Management, die bekommen ein Lunchabo im Grand Hotel Dolder.

    • Mit einem „Culinarium“ haben die heutigen Essensausgaben NICHTS mehr zu tun. Das Essen ist von einer ziemlich öden Qualität. Mir wäre auch lieber, dass dieser Bereich komplett wegfällt und dafür der steuerliche Abzug voll genutzt werden könnte. Das Wäre fairer und marktgerechter.

    • …wenn es doch bloss Schaum wäre… – fürchte nämlich, es ist meist eher Schei***.

  8. Sachte, sachte! Die UBS (wie die CS) sind keine Schweizer Banken im alten Stile. Es sind offiziell (Aktienregister) ausländisch beherrschte Banken, mit Schweizer Domizil! Es ist daher nur legitim, dass die neuen Besitzer frische Luft in die Bude bringen. Wenn schon Aufregung angesagt ist, dann müsste uns der umfangreiche Grundbesitz der beiden Grossbanken Sorge machen, den sie trotz ausländischer Beherrschung im Eigentum haben (Lex Koller etc. läst grüssen). Dass die HR-Abteilung etwas geschüttelt wird, ist sicher keine Katastrophe.

    • …da könnte man fast zustimmen. Jedoch gilt es betr. HR zweierlei zu sehen: 1. war das HR nie für die Mitarbeitenden unterwegs sondern hat immer eine Zwitterrolle gespielt. Auf der anderen Seite ist die Verdrängung der Schweizer in allen Bereichen bedenklich. Und hier spreche ich nicht von einer „Schweizer Firma“ sondern von einer Firma die Swissness als Verkaufsargument im globalen Markt nach wie vor verwendet. Das kommt mir vor wie das Schweizer-Klebeheftli am Kiosk, welches von einer Deutschen Firma produziert und in der Schweiz verkauft wird (siehe Radio DRS der letzten Tage).