UBS baut Trading-Mausoleum in London

Prestigebau für 6000 Investmentbanker wird überflüssig; erneuter Umbau der Chefbüros an Bahnhofstrasse.

Die Grossbank UBS feuert einen Sechstel ihrer Mitarbeiter. Gleichzeitig klotzt sie mit neuen Bürobauten.

Ausgerechnet in London, wo der Grossteil der 10’000 abzubauenden Stellen anfällt, hat die UBS Anfang 2012 den definitiven Startschuss für eine neue Zentrale der Superklasse gegeben.

Das Gebäude „5 Broadgate“ nahe des heutigen London-Headquarters der UBS an 100 Liverpool Street sollte zum globalen Showcase der UBS in der Londoner City werden.

Es handelt sich um „a new world class office headquarters for financial services firm UBS“, schrieben die Architekten im Januar.

„The building will house up to 6,000 staff and include four trading floors to accommodate up to 750 traders per floor.“

Mit ihrem neuen Wahrzeichen wollte die UBS ihren Anspruch ausdrücken, eine der grössten und wichtigsten Investmentbanken auf dem Platz zu sein. Big, bold, beautiful.

Die Kosten gehen ins Tuch. Laut Berichten in der englischen Presse zahlt die UBS für die 60’000 Quadratmeter-Fläche jährliche Mieten von umgerechnet 57 Millionen Franken. Das Geld streichen die Broadgate-Besitzer ein, die beiden Grossfirmen British Land, eine Immobiliengesellschaft, und die Finanzgesellschaft Blackstone.

Die UBS kann aufgrund des abgeschlossenen Mietvertrags nicht schnell aussteigen. Die Schweizer haben mit den Vermietern vereinbart, dass sie 20 Jahre im Broadgate-Sitz bleiben.

Laut einem Bloomberg-Artikel vor 2 Jahren hat die UBS lediglich das Recht, die oberen Stöcke nach 10 oder 15 Jahren zu verlassen.

Bleibt die UBS 20 Jahre im Gebäude, dann laufen über die Zeit Mietkosten von insgesamt über eine Milliarde auf.

Wieviel der riesigen Fläche die Bank nach der grossen Strategie-Spitzekehre weg vom Investmentbanking noch benötigt, ist offen.

Ein Sprecher in Zürich konnte zum neuen Londoner Luxusbau keine Angaben machen und verwies an die UBS London.

Die UBS verfügt bereits über grosse Büroflächen in der Gegend. Sie hat einen stolzen Sitz an 100 Liverpool Street. Zudem ist sie an der Finsbury Avenue.

Die 3 Standorte bilden ein Dreieck und machen die Zone zur UBS-Town, mit Tausenden von Angestellten und Tradern.

In der englischen Hauptstadt ist die UBS seit 20 Jahren eine Macht im globalen Investmentbanking. In den USA unterhält sie grosse Investmentbank-Zentren in Manhattan, New Jersey und Stamford in Connecticut.

Der Rückzug aus dem Zinsengeschäft trifft vor allem London. Der neue Broadgate-Luxussitz droht zum teuren Mausoleum zu werden.

UBS-Chef Sergio Ermotti hat gestern die immense Summe von mehr als 3 Milliarden genannt, die für den grossen Strategiewechsel gebraucht würden.

Der Löwenanteil ist für Personlkosten und IT vorgesehen. Doch auch das Hüst-und-Hott bei den Immobilien kommt die Bank und damit ihre Aktionäre teuer zu stehen.

Auch in Zürich werden viele UBS-Angestellte ihren Job verlieren. 2500 Stellen sollen gestrichen werden, das entspricht einem Zehntel des Personalbestands in der Schweiz.

Während die Angestellten die Zeche für den jahrzehntelangen Irrlauf der UBS-Spitze zahlen, leistet sich die Konzernleitung den Luxus, die eigenen Büros zu modernisieren.

Laut einem Insider auf dem Finanzplatz würde derzeit der Stock der Konzernleitung am Hauptsitz an der Bahnhofstrasse 45 umgebaut.

Ein Sprecher konnte das heute früh nicht unmittelbar bestätigen.

Es wäre die x-te Aufmöbelung der Chefetage im Gruppen-Headquarter der Grossbank. Nachdem Oswald Grübel im Frühling 2009 das Steuer übernahm, gab er den Befehl zur Verschönerung des Konzernleitungs-„Stöcklis“.

An die Wände wurden Bilder bekannter Schweizer Maler gehängt, die Böden wurden mit feinen Teppichen verlegt, die weiten Büros erhielten luxuriöse Möbel, ganz nach dem Geschmack des jeweiligen Inhabers.

Grübels Stabschef Ulrich Körner war mit den Umbau-Arbeiten betraut. Ein grosser Teil von Körners Energie soll in das „Schöner-Wohnen“-Projekt der obersten UBS-Köpfe geflossen sein, sagt ein Insider.

Grübels Vorgänger Marcel Rohner hatte zuvor im Parterre der Bahnhofstrasse 45 einen eigenen Kommandostand für die UBS-Konzernleitung eingerichtet.

Das „Aquarium“ genannte Glasrund lag versteckt hinter der historischen Schalterhalle. Dort thronte Rohner im Zentrum und hatte seine Kollegen im Auge, die alle in gläsernen Kabinen hausten.

Die UBS beweist mit ihren Umbauten und Gebäuden oft schlechtes Timing. Vor London war schon der UBS-Tower in Frankfurt zur Unzeit beschlossen worden.

Dort wollte die UBS mit einem eindrücklichen Hochhaus ihre Ambitionen in Marmor und Stein ausdrücken. Als sie in der Subprime-Krise unter die Räder kam, verkaufte sie das Gebäude und bezog nur noch die Hälfte der Etagen als Mieterin.

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  1. Broadgate is a 30 acre fully managed estate in the heart of London’s Square Mile, owned in a 50:50 joint venture with the Blackstone Group. Since opening in 1991, the estate has been progressively developed and now includes 16 separate buildings covering 4.0 million sq ft with a further 840,000 sq ft under development. The office buildings are set around four landscaped squares each providing an attractive working environment enhanced by restaurants, pubs, shops and health clubs.

  2. Die sehr unerfreulichen Tatsachen muss man nicht so engstirnig beurteilen.
    Vergessen wir nicht, dass die alte Bankgesellschaft 1990 die appetitlichste
    Gans im internationalen Banken-Teich war. Allen Entscheidungsträgern der UBS
    nach 1997 war dies bewusst. Nur haben sie vergessen, dass auch die feinste
    Gänseleber-Pastete, nach der Schlachtung aufhört zu wachsen. Die CS
    (Chiasso) und die SBV (GD Frey mit Silber) haben ihre schweren Blessuren vor
    1990 bekommen. Sie waren die armen Konkurrenten der fetten Gans. Auch Hr.
    Grübel ist noch von dieser Zeit beeinflusst. Die UK Behörden werden mit Hilfe
    der EU und auch der USA dafür sorgen, dass möglichst alle internationalen
    Finanz-Dienstleistungen der beiden Grossbanken nach London verlagert werden.
    In der Schweiz bleibt der Kundenberater, aber nicht das Back-Office, selbst
    der Rechtsanwalt für das Family-Office residiert in London. Dafür erhalten
    die beiden Grossbanken das Recht ausserhalb der EU und der USA praktisch
    freie Fahrt für Vermögens-Erwerb in aller Welt.

  3. Haben Sie mal vom Uetlihof 2 gehört? Der von der CS für hunderte von Millionen kürzlich neu erbaute Mega-Büro-Komplex für 2’500 Mitarbeiter (IB und IT)?

    • Ja vom UH 2 das ist eine schande. Vorallem das Vorgängergebäude war ein fünfjähriger Neubau, kaum eingerichtet wurde der abgerissen um den UH 2 zu bauen. Was für eine Geldverschwendung. Aber mann kann ja Personal entlassen und die Dividende kürzen.Und im Personalrestaurant gibt es zwei preise, einer für die Festangestelten und einer für die Temporärmitarbeiter, klas.via Badge, diese müssen mehr bezahlen.

  4. Mr Sergio COOL ‚SANDY‘ MAN: Paar Indianer im IB entlassen/entsorgen. Die Häuptlinge ins WM transferieren! (ähm, gibts eigentlich eine Transfergebühr?) Media – Applaus einfahren! Den Kurs Hochschnaller feiern! Und wie Summa Summarum (unten) andeutet, wenn der Umbau „5 Broadgate“ durch ist, kommt das IB wieder zurück und neu auf Touren. Warum? Der Markt will das so, die anderen machen das auch (noch / …wieder / …immer wieder).
    Wenn es diesen Fin-Blog in 3 Jahren noch gibt, wird ein „post-matching“ interessant.

    • …wie man hören kann, ging der Transfer der IB-ler bereits vor der Ankündigung los: Dort war die Information also noch bevor der Bankpersonal- und der Kaufmännische Verband davon wussten – tragisch. Auf einmal ist jede(r) ein Privatbänkler! Und alle kennen das Rezept vom Appenzellerkäse (auswendig, versteht sich). After-Eight-Minzeplättchen sind im Moment out. Aber wehe, wenn sie festgebissen: Die Aalglatten hier wieder rauszuspülen ist etwa so, als wollte man den Zwischenraum zwischen zwei Zähnen mit einem 12er-Schraubenschlüssel reinigen…

  5. Das ist in der Tat so. Aus meiner Sicht ein klares Indiz dafür, dass man sich bis zuletzt dagegen gewehrt hat, diesen Umbau vorzunehmen. Und man darf davon ausgehen, dass, sobald der Umbau fertig ist, an allen Ecken und Enden die alten Strukturen wieder heranwuchern. Eine alternative Realität müsste sich zuerst durch deren Existenz beweisen! Eine Nachhaltige Lösung wäre nur basierend auf einer offen kommunizierten und allen Beteiligten einleuchtenden Strategie möglich. Und eine solche Strategie gibt es nicht – das gilt für den ganzen Finanzplatz: Eine „geheime“ Strategie wäre nämlich unwirksam, da sie ja nicht eingehalten werden kann, wenn man sie nicht kennt…

  6. …Kurzfristigkeit (Geschäfts-„Strategie…“ und Management)ist eben schwierig mit dem Langfristigen (Immobiliengeschäft bzw. -verträge) zur Deckung zu bringen… 🙂