Berner KB und Valiant sprechen über Fusion

Staatsbank würde Regionalplayer für 2 Milliarden übernehmen – Blutbad im Stammland – riskanter Deal.

Zürich hat den Paradeplatz, Genf die Privatbanken. Und Bern? Nichts, dort spielt die Politik, nicht die Finanz.

Das könnte sich ändern. Die Berner Regionalbank Valiant und die Berner Kantonalbank sprechen über einen Zusammenschluss.

Dabei würde die Valiant von der Berner KB übernommen. Ein neuer Riese für das Mittelland würde entstehen, mit Ablegern von der Romandie bis in die Zentralschweiz und einer Bilanzsumme von über 50 Milliarden.

Eine Quelle mit Links zur Valiant-Spitze bestätigt, dass solche Überlegungen angestellt würden.

Die Initiative soll von der Valiant-Spitze ausgehen, sagt der Informant. Die Regionalbank würde sich dem Berner Staatsinstitut zum Kauf anbieten. Verlangt würde ein Preis von 124 Franken pro Valiant-Aktie.

Damit käme die Valiant-Übernahme auf knapp 2 Milliarden zu stehen. Es wäre ein stolzer Aufpreis.

Derzeit liegt der Kurs des Valiant-Titels bei gut 94 Franken. Das entspricht einem Börsenwert von 1,5 Milliarden.

Ob der Deal zustande kommt und die Berner Kantonalbank die Übernahme wagt, ist offen. Offenbar haben sich die Verwaltungsräte der beiden Institute noch nicht geeinigt.

Eine zweite Quelle aus dem Valiant-Umfeld bestätigt, dass derzeit verschiedene Gespräche am Laufen sind. Ein Deal stehe nicht unmittelbar bevor.

Statt einer Vollübernahme wäre auch eine strategische Beteiligung der BEKB an der Valiant denkbar. Offenbar steht aber derzeit eine Übernahme im Zentrum der Überlegungen.

Weder die Valiant noch die Berner KB wollten zu den Informationen Stellung nehmen.

Klar ist, dass die Valiant seit ihrer Einkaufstour von verschiedenen kleinen Regionalbanken rund um Bern herum ins Schlingern geraten ist.

Sie hatte Übernahmen mit eigenen Aktien bezahlt. Damit diese genug Wert hatten, sorgte die Valiant durch eigene Käufe dafür, dass der Kurs nicht absackte.

Mit anderen Worten: Die Valiant-Spitze stützte den eigenen Aktienkurs.

Im April wurde Valiant für dieses Gebaren von der Finma abgemahnt. Die Valiant habe die „aufsichtsrechtlichen Bestimmungen schwer“ verletzt und gegen „Gewährs- und Organisationspflichten“ verstossen.

Vom Vorfall hat sich Valiant nie mehr richtig erholt. Seit einem Jahr ist die Valiant-Spitze auf der Suche nach einem Bräutigam.

„Valiant hat bereits im letzten Jahr über ihre Absicht informiert, die Struktur des Aktionariats zu erneuern und einen oder mehrere Ankeraktionäre zu gewinnen“, bestätigt Sprecherin Valérie Bodenmüller von der Regionalbanken-Gruppe.

Die personelle Konstellation würde einen Mega-Deal im Berner-Land erleichtern.

Der starke Mann von Valiant, Kurt Streit, gibt das Zepter nach langen Jahren ab. Kommenden Frühling tritt Streit in den Ruhestand.

Ersetzt wird Streit durch Jürg Bucher. Der langjährige Postfinance-Chef und in den letzten Jahren auch Konzernleiter des Gelben Riesen hat vor wenigen Wochen als Vize im VR von Valiant begonnen.

Bucher könnte die treibende Kraft hinter einem möglichen Selbstverkauf von Valiant an die Berner KB sein.

Entscheidend bei solchen Transaktionen sind immer die obersten Köpfe. Für sie muss der Job stimmen.

Bucher könnte das Präsidium der neuen und doppelt so grossen Berner KB übernehmen. Der heutige BEKB-Präsident Jürg Rieben ist hauptberuflich Anwalt in einer Kanzlei und wird nächstes Jahr 67. Rieben könnte ohne Gesichtsverlust abtreten.

Wenn die Valiant mit dem Berner Schwergewicht Bucher das Präsidium kriegen würde, dann würde die Geschäftsleitung wohl an den heutigen BEKB-Chef gehen.

Der heisst Hanspeter Rüfenacht und hat erst in diesem Jahr das operative Steuer bei der Staatsbank übernommen. Rüfenacht ist mit 54 im richtigen Alter für den CEO-Job.

Während sich die Spitze auf eine Machtteilung einigen könnte, würde die Mannschaft bluten.

An vielen Standorten im Kanton Bern gäbe es Doppelspurigkeiten. Wo es sowohl Valiant- als auch BEKB-Filialen gibt, würden vermutlich Niederlassungen schliessen.

Es käme zu Hunderten von Entlassungen. Sonst würde die Übung keinen Sinn machen. Nur wenn die neue, vergrösserte BEKB mit mehr oder weniger gleichem Personalbestand doppelt so viele Assets bewirtschaften kann, ginge die Rechnung auf.

Dass die Marke Valiant weiter betrieben würde, ist unwahrscheinlich.

Stattdessen würde die Berner Staatsbank unter dem eigenen Brand eine massive Expansion über die Kantonsgrenzen hinaus wagen.

Valiant ist heute in vielen Kantonen tätig. Das Netz reicht von Lausanne bis Zug.

Der Angriff von Kantonalbanken auf fremdem Territorium war in der Vergangenheit oft ein Politikum. Die Offensive der Basler Kantonalbank auf dem Private-Banking-Platz Zürich sorgte jahrelang für Debatten.

Mit Valiant würde die Berner KB auf einen Schlag zu einer nationalen Playerin. Die Berner Mutzen würden sich unter ihrem neuen Präsidenten Jürg Bucher mit den Big guys anlegen.

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Kommentare

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  1. ja wenn man sieht was sich da tut bei der BERNER da fragt sich der mündige anleger was bei den vaduzer los ist. da wird ein kurs runter geprügelt damit riesige mengen billig aufgekauft werden können. der kleinanleger wird in panik versetzt und die haie schlagen los und die LLB steckt den kopf in den sand oder in den bonus

    • Nein, bitte nur das nicht! Wir brauchen keinen aufgeblähten Regionalbanken-Wirrwarr. Die ZKB soll im Gegenteil schauen, dass sie ihre 3%-Beteiligung an Valiant noch abstossen kann, bevor die Blase platzt.

  2. @Norbert: Genau darum sollte die heute gesunde Berner KB auch nicht nochmals Fehler machen und sich die fast gleich grosse Valiant unter den Nagel reissen.
    Was soll das bringen? Schauen Sie mal die Bilanz der Valiant genau an, zudem gäbe es im Kanton Bern Massen-Entlassungen. Riesige Ueberschneidungen! Oder hat die FINMA eine Braut für die Valiant gesucht?

  3. Dezennium Finanz AG lässt grüssen, die Berner KB hat schon mal eifrig spekuliert und ist auf die Nase gefallen.

    Der Steuerzahler im Kanton Bern sagte Danke!

    Zum Glück ist Schluss mit der Staatsgarantie bei der Berner KB.

    • Zitat:
      „Norbert
      5. Dezember 2012 / 12:46
      Seitdem wurde alles mit Zins und Zinseszis zurückbezahlt… Der Kanton Bern kann sich nicht beklagen, ein schlechtes Geschäft gemacht zu haben.
      Kennen Sie einen andere Bank, die 19x hintereinander ihren Gewinn gesteigert hat, auch in den letzten Jahren, die nicht gerade einfach waren?“

    • das mit dem „Ende mit der Staatsgarantie“ glaube ich einfach nicht. Wenn’s „hart auf hart“ geht, dann…

      Und wenn der Beitrag von Norbert tatsächlich stimmen sollte, dann wäre die finanzielle Lage beim Kanton BE deutlich besser

    • Herbert, was hast denn du gesoffen?! Berner zahlen weiterhin so viele Steuern wegen der BEKB!

  4. Nach dubiosen Optionsprogrammen mit ebensolchen begleitenden Massnahmen (sprich Kursmanipulation) tritt der langfristige Selbstbereicherungsplan nun in seine Endphase.

    Aber sollen das die Berner-Giele unter sich ausmachen. Möge die ZKB wenigstens ohne Verlust aus ihrer Valiant-Beteiligung aussteigen; die erst 2011 eingegangene Vertriebskooperation wird ja wohl hinfällig.

  5. Das mit den „sicheren“ Regional- und Kantonalbanken ist immer ein Beweis dafür, wie schnell der Dumme vergisst. Denkt mal 20 Jahre zurück – Auch solche „Bänkli“ können sich massiv verspekulieren und sie machens auch, Steuerzahler hin oder her..

  6. die Heiligen stehen mir bei: nicht schon wieder! Das gibt ein BEKB-Blutbad. Andere Kantone haben mit ihrem Anteil aus den Goldreserven die Staatsschulden abgebaut. Der Kanton Bern hat damit die Schulden der BEKB (pardon: Dezennium Finanz) bezahlt.

    • Seitdem wurde alles mit Zins und Zinseszis zurückbezahlt… Der Kanton Bern kann sich nicht beklagen, ein schlechtes Geschäft gemacht zu haben.
      Kennen Sie einen andere Bank, die 19x hintereinander ihren Gewinn gesteigert hat, auch in den letzten Jahren, die nicht gerade einfach waren?

    • Norbert, gib mal Fakten an… Was hat die BEKB zurückbezahlt?! Emm, der Steuerzahler zahlt noch heute.

    • Den Kanton hat es damals 1.5 Mrd gekostet. Das ist inzwischen zurückbezahlt. Der Kanton Bern konnte seit der Rechtsformumwandlung der BEKB | BCBE in eine Aktiengesellschaft im Jahre 1998 insgesamt über 1,6 Milliarden Franken als finanziellen Beitrag der Bank in Form von Rückzahlung von Dotations- und Aktienkapital, Platzierung von Aktien, Bezugsrechtsentschädigungen, Abgeltung der Staatsgarantie, Dividenden und Steuern verbuchen.

  7. die Berner KB gehört die Zukunft, die UBS, CS und co sollen sich warm anziehen.
    Ich habe mein Konto bei der BeKB, und seitdem schlafe ich viel ruhiger.

    • Mit etwas Einbildung und Fantasie kann man schon gut schlafen. Und wenn man nur ein Konto und dies bei der BeKB hat, kann’s sowieso nicht die grosse Menge sein!

  8. Die Berner Kantonalbank hat wenigstens keine Staatsgarantie, für welche die Berner Steuerzahler gerade stehen müssen, aus dieser Sicht ist die Expansion in andere Kantone weniger bedenklich. Die Frage, welche Aufgaben eine Kantonalbank eigentlich erfüllen muss/sollte, steht sowieso bereits länger im Raum.

    Eine Fusion von Valiant und der BKB wäre für die Bankenvielfalt im Raum Bern sicherlich nicht positiv. Gewinner wären in diesen Gebieten Regional-/und Raiffeisenbanken, welche eigenständig agieren!

    Warum halten einige Kantone, wie auch St. Gallen mit Herr Gehrer dermassen an der Staatsgarantie fest? Funktioniert das Modell Kantonalbank ohne Garantie der Steuerzahler nicht?

  9. …der Preis (Goodwill) ist noch viel zu hoch, berücksichtigt man, dass der Aktienkurs von Valiant massiv gepflegt wurde und viele Doppelspurigkeiten eingekauft werden (müssen), die so eben keinen Wert haben. BEKB kann warten und pokern.

    • Der wahre Wert der Valiant liegt wohl eher bei 1 Mia. – BEKB soll warten und nicht wieder wie die Deppen ins Messer laufen.