Gemischte Anlagefonds – ausser Spesen nichts gewesen

Seit über 2 Jahrzehnten pushen die Banken (nicht nur in der Schweiz) das Geschäft mit den gemischten Anlagefonds, auch „Strategiefonds“ oder „Portfoliofonds“ genannt. Diese Fonds investieren je nach Risikoaufteilung vor allem in zwei Anlagethemen: Obligationen und Aktien.

Ausser, dass die Banken sehr, sehr viel Geld mit diesen Produkten verdienen wollen, ist es mir schleierhaft, warum zwei komplett verschiedene Anlagestrategien miteinander vermischt werden sollen.

„Sie müssen sich um die Anlageentscheide nicht kümmern“, „Anlageprofis verwalten Ihr Geld“, „Diversifikation“ oder „Risikostreuung“ wird oftmals als Verkaufsargument gebraucht, aber wie wir gleich sehen werden, nutzt das dem Kunden herzlich wenig.

Kosten

Das eine Problem für den Kunden, der in solche Fonds investiert, sind die Gebühren. Bei der Vorbereitung einer meiner öffentlichen Vorträge über „Die Gefahren beim Geld anlegen“ habe ich 8 zufällig ausgewählte gemischte Fonds analysiert: Die durchschnittlichen Gebühren, das sogenannte TER (Total Expense Ratio), betrugen 1,41 Prozent pro Jahr – bei 13 Milliarden Franken, welche die Fonds als Vermögen ausweisen, kommt da eine stolze Summe für die Anbieter zusammen.

Diese Kosten belasten den vermeintlich sicheren Anteil erheblich. Bedenkt man, dass in der Schweiz gute Obligationen zirka 2 Prozent rentieren, bleiben in einem Fonds für den Kunden nicht einmal 0,6 Prozent (Kauf- und Depotgebühren nicht einmal eingerechnet).

Anlagestrategien

Kapitalschutz bei diesen Fonds ist kein Thema; es gibt ihn nicht. Bei richtigen Obligationen hat der Kunde wenigstens die Gewissheit – sofern die Firma nicht in den Konkurs geht –, dass er sein Geld in ein paar Jahren wieder zu 100 Prozent zurückerhält. Steigen irgendwann die Zinsen bei den Obligationen, werden die bestehenden Obligationen im Wert fallen, und damit auch der Wert des Fonds, der Obligationen beinhaltet. Dieser Gefahr sind sich die meisten Anleger überhaupt nicht bewusst und fühlen sich in Sicherheit, weil das Wort „Obligation“ in ihrem Anlagefonds vorkommt.

Macht-Faktor

Die Macht dieser 8 Anlagefonds beziehungsweise deren Manager ist ebenfalls ein Thema. So besitzen diese zum Beispiel das Stimmrecht über rund 241 Millionen Franken Nestlé-Aktien an der Generalversammlung. Wenn man weiss, dass es Tausende Anlagefonds gibt, macht diese Machtkonzentration ziemlich Angst.

Abhängigkeit

Will ein Kunde den guten oder schlechten Teil in einem gemischten Fonds veräussern, geht das nicht. Er muss immer das ganze Paket verkaufen – und das macht er in der Regel nicht, weil die Kundenberater angehalten werden, diese Pakete in den Depots stehen zu lassen. Mit fadenscheinigen Aussagen muss der Bankberater die Kunden überzeugen, den Fonds stehen zu lassen, damit die Bank weiterhin am TER verdient. Von sich aus würde die Bank dem Kunden nie empfehlen, einen gemischten Fonds zu verkaufen – ausser sie hat einen neuen Fonds entwickelt, der teurer ist und verkauft werden muss.

Spesen

Gemischte Fonds werden ab 50 Franken Grosseltern, Paten und Eltern als Fondssparpläne angeboten, den „normalen“ Kunden als „optimale Ergänzung“ zu den bestehenden Wertschriften, als Fondssparkonto für flexibles Sparen und Vermögensverzehr und – ganz perfid – als „Vorsorgefonds“ für das Alter, mit Geldern der 3. Säule.

Vermögensverwaltung

Banken und Vermögensverwalter bieten auch die Fondsvermögensverwaltungen an, quasi als Allerheilmittel für die Geldanlage des Kunden. Dass auch dort extrem teure Fonds eingesetzt werden, versteht sich von selbst, und jeder kann ausrechnen, wieviel dem Kunden für sein sicheres Geld noch übrig bleibt.

Lebensversicherungen

Versicherungen verkaufen Fondspolicen, welche äusserst intransparent sind und – einmal abgeschlossen – bis zum Verfall keine aktive Kundenbetreuung kennen.

Kurzum: Es ist beinahe unmöglich für den Anleger diese Fonds nicht aufgeschwatzt zu bekommen.

Die Vereinigung „Pro Senectute“, welche sicher sehr viel Gutes für Senioren tut, arbeitet in der Region Basel ausschliesslich mit den beiden Kantonalbanken zusammen. Im Prospekt steht dem Sinne nach: Die gut ausgebildeten, pensionierten Kundenberater der Kantonalbanken zeigen Ihnen unabhängig, ob Sie in Kassenobligationen, Obligationen oder Anlagefonds investieren sollen.

Als ich Pro Senectute meine Bedenken gegenüber gewissen Anlagefonds äussern und ein Angebot, die Anlagevorschläge an die Senioren einmal spesenfrei und neutral zu beurteilen, machen wollte, interessierte dies die Verantwortlichen auf keine Art und Weise. In der Absage steht wie im Prospekt, dass Pro Senectute ausschliesslich mit den Kantonalbanken zusammen arbeitet.

Wie sehr gemeinnützige Vereinigungen von Banken finanziell abhängig sind, kann ich nicht beurteilen – nur mir meine Gedanken darüber machen.

Ich empfehle meinen Zuhörern und Lesern, Obligationen- und gemischte Anlagefonds umgehend zu verkaufen. Egal, welchen Wertverlust sie allenfalls haben werden.

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9 Kommentare zu “Gemischte Anlagefonds – ausser Spesen nichts gewesen

  1. Lieber Alain, kritisiert ist schnell, aber die Anleger brauchen im aktuellen Marktumfeld Lösungsvorschläge, damit sie auf vermeintlich sicheren Anlagen wie Staatsobligationen
    oder Sparkonten keine Verluste erleiden. Alternativen im festverzinslichen Bereich gibt es durchaus. Bin gespannt auf deinen nächsten Kommentar.

  2. Interessant zu wissen wäre nun, wie Herr Lauber CHF 50’000.00 mit einer ausgewogenen Risikostrategie anlegen würde. Könnten Sie im nächsten Kommentar einen entsprechenden Vorschlag einbauen? Wie in einem anderen Kommentar bereits erwähnt wurde, handelt es sich vielfach um eine geeignete Basisanlage für einen grossen Teil dieser Kunden.

    Erschreckender finde ich, dass eine öffentliche Institution nur mit quasi 1 Bankpartner arbeitet und diesen all ihren Kunden vorschlägt!

  3. Andri Peer – anfangs der 90er Jahre waren diese Fonds nicht teuer. TER – hätte man sie damals schon berechnet, wäre weit unter 1% gelesen, denn die damalige Verwaltungskommission betrug zwischen 0.5 und 0.75%, Anlagen in andere Fonds gab es nicht. Für die Banken war dies eine Möglichkeit die Verwaltung vieler Kleinvermögen zusammenzulegen und kostensparender zu betreiben. Schön zu sehen jedoch dann der Zusammenhang zwischen stetig steigenden Boni und dem rasanten Anstieg der Fonds-Kommissionen in der letzten Dekade

  4. In einigen Punkten gebe ich Herr Lauber recht, in den anderen dem Kommentar von „Banker“. Als viele der Portfolio-Fonds anfangs der 90er Jahre auf den Markt kamen, hatte ein Kunde mit kleinem/kleinerem Vermögen praktisch keine Möglichkeit, eine diversifizierte Anlagestrategie zu fahren. Es blieben nur KOs, Obli-/Aktien-Fonds und Direktanlagen in Einzeltitel. Mit den neuen Portfolio-Fonds hatte dieser Kunde nun die Möglichkeit, die Anlagestrategie mit kleinen Einsätzen abzudecken. Das die Kosten eher hoch waren (und noch sind) war so. Wie sagt so schön das Sprichwort: There’s no free lunch! Zudem gebe ich Banker recht, dass die Performance über die Jahre nicht schlecht war, aber auch nicht überragend.

    Da die Zinsen in den letzten Jahren massiv gesunken sind und es heute viele andere, günstigere Anlagemöglichkeiten wie ETFs gibt, frage ich mich schon, ob ein Anlagestrategiefonds noch Sinn macht. Dass die Banken nicht von sich aus auf die lukrativen Einnahmen verzichten wollen, wie von Herr Lauber erwähnt, ist auch klar. Jeder Kunde sollte sich deshalb mindestens anfangs Jahr Gedanken machen, ob seine Strategie noch richtig ist und diese auch über die richtigen Produkte abgedeckt ist.

  5. Hier gäbe es soviel zu berichtigen und klarzustellen dass es sich lohnte eine genauere Analyse zu machen statt auf diese Weise zu pauschalisieren. – Ein Punkt der wenigstens richtig ist: Die Kosten (TER) haben sich in den letzten 15 Jahren verdreifacht während die „Dienstleistung“ sprich aktives Management von Portfolio-Fonds
    sukkessive verringert wurde. – Wenn der Autor jedoch meint Geldanlage sei nicht mit einem gewissen Schwankungsrisiko verbunden und Kapitalschutz wäre hier nötig sollte er sich mal eingehender mit der Geschichte der „Total-Return-Strategien“ auseinandersetzen die den Kunden für teures Geld anstelle von Portfolio-Fonds aufgeschwatzt wurden und die allesamt krachend gescheitert sind.

  6. Als Kundenberater einer Bank will ich nicht verneinen, dass mit Strategiefonds viel Geld verdient wird und hohe Kosten für die Kunden anfallen. Aber es ist festzuhalten, dass solche Instrumente heute nicht mehr als alleinige Anlagen für ein Kundendepot empfohlen werden: Es sind Kernanlagen, die ergänzt werden müssen durch weitere Sateliten.

    Es bleibt grundsätzlich jedem Kunden überlassen, wie er investieren will. Der Autor macht keine Vorschläge, wie denn das Geld alternativ anzulegen sei. Immerhin, seit Erstauflage der Portfoliofonds in den 90er resultieren immer noch Gewinne. Zudem sind vorallem Kleinanleger gut beraten in breit diversifizierte Anlageprodukte investieren zu können ohne zu hohe Opportunitätskosten einzugehen. Alles hat seinen Preis. Was zählt ist am Ende des Tages die Netto-Rendite!