Neuer CS-Handelschef muss für Schweiz fighten

Yves-Alain Sommerhalder löst Nick Adamus ab – hält der 37-jährige Druck von US-Viechern Stand?

Die Schweizer Handelsplattform der Credit Suisse im Zürcher Üetlihof ist von strategischer Bedeutung. Schon Ex-CEO Oswald Grübel wusste: Wer sie kontrolliert, hat Macht und Einfluss.

Entsprechend wichtig ist, wer dem Trading vorsteht und an wen rapportiert wird. Hier kam es jüngst zu einem Wechsel, der bisher nicht nach aussen gedrungen ist.

Nick Adamus, der frühere Mister One-Bank der CS, ging nach 2 Jahren aus persönlichen Gründen von Bord, zum Nachfolger gekürt wurde Yves-Alain Sommerhalder.

Adamus war kein Trader, Sommerhalder ist es auch nicht. Der Schweizer war zuletzt hoher Manager im Asset Management und für Ultra-Reiche in Asien zuständig.

Sommerhalders Job kommt aus Schweizer Sicht in der jetzigen Umbruchphase grosse Bedeutung zu. Es geht darum, die Schweizer Interessen gegenüber den Amerikanern zu verteidigen.

Sommerhalder ist von aussen betrachtet ein unbeschriebenes Blatt. Klar ist, dass er es sehr rasch sehr weit in der CS-Hierarchie gebracht hat. Der Schweizer ist erst 37 Jahre alt und hält heute bereits eine der Toppositionen der Bank inne.

Zentral wird eine Frage: Kann der junge Shootingstar dem Druck der angelsächsischen Investmentbanker, die bei der CS den Ton angeben und sich überall ausbreiten, Stand halten?

Die Problematik ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Leute um den neuen starken Mann, den New Yorker Robert Shafir, auch im Private Banking die Zügel an sich reissen wollen.

Die Weichen in diese Richtung wurden am 20. November des letzten Jahres gestellt. Damals löste die CS ihr Asset Management als eigene Division auf und verschob deren Geschäfte weitgehend ins Private Banking.

Was als Streamlining angepriesen wurde, sahen Kritiker als Versuch der US-Fraktion um Shafir und CEO Brady Dougan, ihren Einfluss auf die Vermögensverwaltung auszuweiten. Diese galt traditionellerweise als Schweizer Domäne.

Shafir kriegte im November die eine Hälfte der neuen Division Private Banking & Wealth Management zugeteilt, der Schweizer Hans-Ulrich Meister die andere.

Zum Üetlihof hiess es damals: „Die Schweizer Wertschriftenhandelsplattform wird neu der Division Private Banking & Wealth Management zugeordnet und sowohl an Robert Shafir wie an Hans-Ulrich Meister rapportieren.“

Für Meister, der zuvor der gesamten Vermögensverwaltung vorgestanden hatte, war die Reorganisation prima vista ein Machtverlust. Er musste einen gewichtigen Teil seines bisherigen Gewinns an Shafir abtreten.

Andererseits schien mit dem Üetlihof ein bedeutendes Element, das bisher gefehlt hatte, neu zu seinem Einflussbereich hinzuzukommen.

Es schien, als ob der oberste Private-Banking-Chef direkten Zugriff auf die Schweizer Handelsplattform erhalten würde. Diese war zuvor der Investmentbank zugeteilt.

Seit Ende November sind zwei Monate ins Land gestrichen. Nun zeigt sich, dass sich die Hoffnung auf mehr Schweizer Einfluss im Üetlihof möglicherweise nicht erfüllt.

Der neue Chef Sommerhalder rapportiert offenbar an Robert Shafir, ist also dem amerikanischen Superstar direkt unterstellt. Zu Meister soll es lediglich eine sogenannte „Dotted line“ geben, was einer Art Konsultationspflicht entspricht.

Für ein besseres Gleichgewicht zwischen Schweizer und angelsächsischer Kultur wäre ein Üetlihof in helvetischer Hand wichtig. Die Handelsplattform gilt als eines der letzten Bollwerke innerhalb des globalen Tradings der Grossbank.

Die Karten werden in diesen Wochen gemischt. Wie immer hängt alles von internen Seilschaften und dem nötigen Powerplay zur richtigen Zeit ab.

Darin sind die Amerikaner besonders gut. Sie wissen, wie sie sich im Konzern positionieren und mit wem sie sich verbünden müssen, um an die Kontrollhebel zu gelangen.

Wer die Geschäfte kontrolliert, bestimmt über die Verwendung des Gewinns. Davon hängt am Ende der Bonus für sich selbst und die Kollegen ab.

Vom jungen Sommerhalder hängt es ab, ob weitere Schweizer Interessen in den nächsten Wochen und Monaten innerhalb der CS unter amerikanische Räder geraten.

Kommentare

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  1. Definitiv keine schweizer Bank! David, Robert und Brady (Freunde) holen den letzten Tropfen Cashflow aus der Schweiz. Setz mal einen im Kreis 4 aus, die Jungs finden ohne Driver weder den Paradeplatz noch den UH. Aber wo noch Geld verdient wird, das Wissen sie ganz genau. Nämlich dort wo am wenigsten US Einfluss vorhanden war.

  2. Der Herr Hässig träumt weiter unablässig das romatische Märchen vom Swiss Banking. Und der Bankenexperte Herr Geiger liest AGS quer. Das Duo Infernal vom Paradeplatz.

  3. Wenn man hier so die Kommentare liest, beschleicht einem das Gefühl, dass das Schweizer Volk nicht nur aus eigenbrötlerischen Stammtischproleten besteht. Ich lebe somit mit der Fiktion, dass bei den Abstimmung am 3. März 2013 etwas brauchbares herauskommen könnte.

    Mal sehen…

    • Das Resultat am 3. März wird hier gar nichts ändern. Die Bonitricksereien von Dougan und Konsorten sind zwar ärgerlich, aber in erster Linie privatrechtlicher Natur und ohne Schaden für das Gemeinwesen. Aber hat uns jemand mal erklärt, in wessen Interessen wir eigentlich damals die UBS gerettet haben? Wer weiss denn schon, wer hinter CS und UBS steckt, nebst den paar verbliebenen schweizerischen Minderheitsaktionären? Qatar, Singapore GIC, Capital Group, Blackrock, Fidelity, Wellington, diverse angelsächsische „Nominees“, etc. pp.! Auch oder vor allem für sie werden wir Steuerzahler gerade stehen, wenn der TBTF-case wieder eintritt. Angesichts der realen Monster-Risiken „unserer“ Grossbanken ist die Initiative des übereifrigen Zahnpasta-Erben reine Zeit- und Ressourcenverschwendung.

  4. Credit Suisse ist keine Schweizer Bank mehr. Das Wort volkswirtschaftliche Verantwortung in der Schweiz hat das Top-Management noch nie gehört.

  5. 37 Jahre, war zuständig für UHNWI in Asien und übernimmt jetzt den Wertschriftenhandel in der Schweiz. Das kommt sicher gut – für ihn und die Kollegen. Also alles politisch. Es geht wie immer bei der CS nicht ums Geschäft.

    Solange kann der ja noch gar nicht UHNWI Asian Chef gewesen sein. Eigentlich eine tolle Position, die man doch nicht so leicht aufgibt… Vor allem nicht, wenn man erfolgreich wäre.

    Wie bei Shafir. Der war Head Asset Management, eine super Position. Liess sich feiern und bezahlen und war – höchst erfolglos. Innert Kürze wurde das AM eingestampft (Spuren verwischen). Shafir wurde rechtzeitig neu platziert und zieht wieder die Fäden.

    Der CS Abstieg in die Bedeutungslosigkeit wird kaum aufzuhalten sein. Dougan und seine Topshots erreichen nichts und sind auch gar nicht daran interessiert. Das riecht man 10km gegen den Wind. Am Schluss wird der Bank schlicht und einfach das Geld fehlen sich zu positionieren.

    • Je grösser die Bank, desto kleiner das Hirn:
      Mit derart riesigen Strukturen und den dazugehörigen Aufstiegs-Seilschaften werden niemals Unternehmer an der Spitze einer Grossbank stehen – Es werden stets die Zahnrädchen sein, dennen die Möglichkeit winkt, endlich selber abzukassieren.
      Leider sind diese grossen internationalen Institute aufgrund des staatlichen Compliance-Dschungels noch in ihrer Entwicklung begünstigt. Mal wieder super Anreize von der Politik…

  6. Kielholz und die McKinsey-Figuren waren die grössten Schlümpfe, die den Anfang vom Ende der Swiss-CS eingeleutet haben. – Kann mich als dabeistehender Zeuge noch gut an eine Szene am Londoner-City-Aiport mit CS-Mühlemann erinnern. Mühlemann machte auf grossen Chef, und die braven Frischlinge (ex McKinsey?), die er dabei hatte, applaudierten brav und machten Männchen.

  7. Einigen hats noch immer nicht gedämmert. CS ist schon lange nicht mehr in Schweizer Besitz und hat ihre Swissness vor noch längerer Zeit aufgegeben – aus Kalkül oder Dummheit. Die Totengräber heissen Gut, Kielholz und Grübel; Mühlemann und andere McKinsey-Leuchten haben brav mitgeschaufelt.
    Statt Wunden zu lecken, sehe man endlich der Realität ins Auge. Es ist zu spät für „Back to Swissness“.

    • Ich glaube nicht, dass es zu spät ist. Man sieht ja was alles schief läuft im Private Banking. Die Spartenchefs (es hat zum Glück immernoch viele Schweizer) müssen in Zukunft gute Schweizer nachziehen. Die Kunden, die in der Schweiz buchen (und das werden Sie auch in Zukunft tun) wollen Schweizer und das über alle Hierarchie Stufen hinweg. Ein Mexikaner, ein Russe, ein Deutscher, ein Araber der in der Schweiz sein geld anlegt, will doch nicht von einem Landsmann betreut werden und er will auch nicht, dass der Spartenchef ein Landsmann ist. Deshalb Swissness.

    • Credit Americain?
      Imho wäre es sogar besser, wenn die sich formell von der Schweiz verabschieden, in den US kotieren. Ab mit den kafkaesken Monsterrisiken:

      US Fed Lifeline
      August 2008 peak amount 60,8 billion (anglo), number of days in debt to the Fed: 386, average daily balance 13,3 billion (anglo) August 2007 – April 2010

      http://www.bloomberg.com/data-visualization/federal-reserve-emergency-lending/#/Credit_Suisse_Group_AG/?total=true&mcp=true&mc=true&taf=false&cpff=false&pdcf=false&tslf=false&stomo=false&amlf=false&dw=false/

      SEC 20 F Report 2011 (notes 30 und 33)
      Total derivative instruments, trading 49’908 billion (anglo, etwa drei mal das US BIP)
      …the Group holds financial instruments for which no prices are available and which have little or no observable inputs…

      http://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1053092/000137036812000017/a120323ar20f.htm

    • @max
      Credit Americain oder Credit Zero das ist hier die Frage ??
      Es hat niemanden innerhalb der CS dazu gezwungen anglo-saxon`s einzustellen.
      Tatsache ist aber „they do it and still know it better„ …. viel glück mit „back to swissness„ speziell in einem Land ohne talentpool und Einigkeit !