Kunden misstrauen CS

77 Prozent weniger Neugeld – Zeche zahlen Schweizer Kundenberater, jeder Zehnte landet auf der Strasse.

Der Name wäre perfekt. Welche andere Bank sollte Swiss Private Banking im grossen Stil besser verkörpern als „Credit Suisse“?

Doch die Kunden trauen dem Versprechen im Brand derzeit nicht. Sie bringen immer weniger Gelder zur CS.

11 Milliarden betrug das Neugeld in der CS-Paradedisziplin Vermögensverwaltung im 2012. Im Vorjahr waren es noch 47 Milliarden.

Ein Minus von 77 Prozent lässt aufhorchen. Die 11 Milliarden sind nur unwesentlich mehr, als die kleine Zürcher Vontobel zustande gebracht hat.

CS-Insider betonen die Trendwende im vierten Quartal. Da habe die CS mit 7 Milliarden Neugeldern im Private Banking besser abgeschnitten als die UBS. Darauf lasse sich aufbauen.

Der Vergleich stimmt nur zum Teil. Inklusive Wealth Management USA strömten dem Erzrivalen vom Paradeplatz im 4. Quartal über 10 Milliarden zu.

So oder so: Der Zufluss der CS ist ein Rinnsal im Vergleich zu den Krisenjahren.

Als der UBS die Milliarden im Dutzend und Hundert davon strömten, etablierte sich die CS als Auffangbecken. Sie verbuchte historische Rekordwerte beim Neugeld.

Mit den Wirren um die Strategie und den Schlagzeilen um die horrenden Boni erlitt die CS einen Reputationschaden.

Heute hat sie ihren Nimbus bei den reichen Kunden verloren. Ob das Festhalten der CS an der integrierten Bank mit einem grossen Investment-Banking-Teil ein Grund dafür ist, muss sich in Zukunft weisen.

Die Rechnung für den Einbruch beim Neugeld bezahlen vor allem die Schweizer Kundenberater. Sie landen zu Hunderten auf der Strasse.

Waren es im Heimmarkt Schweiz per Ende Jahr noch 1’730 Kundenberater, sind es jetzt nur noch 1’550. Jeder zehnte CS-Kundenberater mit Sitz in der Schweiz hat in den letzten 12 Monaten seinen Job verloren.

Im Zuge des Abbaus bei den Client Advisors folgen Abgänge im Back-Office. Denn auf jeden Kundenberater fallen Supportfuntktionen. Diese werden ebenfalls reduziert.

In den übrigen Weltregionen ist der Rückgang bei den Kundenberatern marginal, respektive die CS baut aus. In Europa wies die Bank per Ende 2012 nur 3 Prozent weniger Berater aus.

In Amerika hatte die CS 5 Prozent mehr Kundenberater beschäftigt, in Asien waren es sogar 10 Prozent mehr.

Insgesamt blieb die Zahl der CS-Kundenberater mit 4’500 stabil.

Umso stärker sticht der scharfe Einbruch bei den Schweizer Relationship-Managern ins Auge. Sie sind die klaren Verlierer des Umbruchs im CS-Private-Banking.

Zwei Erklärungen für den hohen Blutverlust bei den Schweizer Kundenberatern liegen auf der Hand.

Europäische Schwarzgeldkunden ziehen ihre Gelder ab, und die Integration der Clariden Leu hat zu Milliardenabflüssen geführt.

Reiche Europäer suchten im 4. Quartal das Weite. Fast 3 Milliarden aus alten EU-Ländern flossen der CS allein von Oktober bis Dezember ab.

Im Vorjahr, als der Euro einzubrechen drohte, brachten die Europäer noch Vermögen in zweistelliger Milliardenhöhe zur Grossbank.

Die jüngsten Abflüsse könnten den Beginn eines Trends markieren.

In allen grossen Nachbarstaaten versuchen die Regierungen, an die Vermögen der Reichen heranzukommen. Mit einer Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche dürfte ihnen das gelingen.

Der zweite Grund für die Abgänge bei den Kundenberatern und das schwache Neugeldresultat dürfte Clariden Leu sein.

Die Integration der Traditions-Privatbank ins Mutterhaus wurde von den CS-Chefs bisher immer als Erfolg vermeldet.

Tatsächlich flossen der Bank mehrere Milliarden Kundenvermögen ab. Profitiert davon haben Konkurrenten wie Julius Bär. Ein einziges Team brachte mehrere Milliarden zur Privatbank.

Insgesamt könnten gegen 20 Prozent der Clariden-Vermögen verloren gegangen sein. Das wäre ein hoher Preis, den die CS für die Integration zahlen würde.

Von den einstigen 90 Clariden-Milliarden fallen 20 Milliarden wegen Doppelzählung und weitere 20 Milliarden als institutionelle Gelder weg.

Als reine Private-Banking-Vermögen verbleiben 50 Milliarden. Davon könnten der CS am Ende gegen 10 Milliarden verloren gehen.

Mit lukrativen Deals wurden Clariden-Seniors angebunden, die sich unter dem Namen Metropol Partners selbstständig machten. Für die Unterstützung durch die CS bei der Infrastruktur verpflichteten sich die Metropol-Leute, ihre Kunden eine Zeitlang bei der CS verbucht zu lassen. Was nach dieser Garantiezeit passiert, bleibt offen.

Für den Schweizer CS-Chef Hans-Ueli Meister bleibt die Lage schwierig. Die Margen seiner Vermögensverwaltung sind unter Druck, die Kosten bleiben hoch.

Kommentare

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  1. Ja, echt, es herrscht auch intern eine Stimmung des Misstrauens und der Angst. Man traut sich kaum, Missstände anzusprechen, aus Angst bei der nächsten Optimierungsrunde sich „eine neue Herausforderung ausserhalb der Bank“ suchen zu dürfen… Schöne neue Welt!

  2. Es ist ja so, dass weder der CS noch der UBS Vertrauen geschenkt werden sollte. Die Vergangenheit zeigt eindeutig auf, dass die Banken nicht ohne Betrug und Täuschung agieren. Es ist einige Jahre zurück, als ich Konten saldierte bei Erwähnten. Ich bin gerne bereit, für Dienstleistungen etwas mehr zu bezahlen und Überweisungen- weil ev. Korrespondenzbanken o.ä nicht extrem ideal sind aber und das zählt am langen Ende des Tages; Der nachgefragte Service stimmt. Und da ich keine börsennotierte Aktien besitze und auch nicht reinfalle auf „Honig um den Mund schmierende Anlageberaterinnen“ oder wie war das schon wieder mit den „Ihre Spezialisten im Anlagegeschäft“ reinfalle- da ich notabene ausschliesslich nur in Gold, Silber, Germanium und Tantal investiere, bin ich schon zum Vornhinein uninteressant für Banken, die sich wohl auf das Abzocken der Kunden durch drehen von Kunden Asset’s spezialisieren- aber nicht auf die wirklichen Kundenwünsche. So einfach ist es- auf den Punkt gebracht.
    Mal ehrlich, schaut nur mal 2,3 Jahre in die Zukunft, welche Klagen auf die Schweizer Banken zukommen und welche noch zu erwarten sind. In der Tat, dass wird richtig eng, egal auf welchen Ebenen, extrem teuer!
    Das Dilemma ist, die fehlbaren Banken kaufen sich frei- dabei sollten die Bänkler hinter Gitter und ihr durch Betrügerei ergaunertest Vermögen global beschlagnahmt werden, verwerten, und Institutionen wie Hospiz Häusern und vielen Anderen mehr, zugeführt werden. Es könnte schon sein, dass es irgendwann in diese Richtung kommen könnte, doch, dieses wird zwangsläufig einher geht mit Gewalt- die Gewalt ist die Kapitulation des Geistes!

    • Etwas gewagte Ansicht, doch es kann unvermittelt kommen. Wurde nicht schon Ospel aus einem Restaurant in Hurden SZ durch Tischklopfen solange belästigt, bis er verschwand! Als Frau würde ich den Herren der Bank noch so gerne schallende Ohrfeigen austeilen, egal ob ich nur 162cm gross bin. Was für ein Fest…

    • Lieber Herr Flakenschweif

      Es ist ja schon erstaunlich, dass einem Banker oder einer Bank vorgeworfen wird, dass sie versuchen denjenigen Geschäften nachzugehen, in denen man Geld verdienen kann. Wir Banken betreiben ein Gewerbe in erster Linie darum, um Geld zu verdienen. So wie auch Ihr Sanitär, Ihr Garagist und die Apotheke im Dorf. Denken Sie denn, dass Sie bei einer Bank alles um sonst kriegen sollten? Sie nutzen eine Infrastruktur, die Milliarden kostet. Die Bank ist mehr als nur eine schöne Schalterhalle. Das kostet, muss kosten und darf kosten. Und die Leute chrampfen unter teils sehr schwierigen Umständen und unter hohem Druck. Sie sollen überdurchschnittlich verdienen und Mehrleistung soll mit guten Boni belohnt werden. Alles andere ist Ignoranz.

  3. Nicht nur Kunden misstrauen der CS, sondern auch die Mitarbeiter.

    Inkompetenz und Orientierungslosigkeit beim Management sowie kurzsichtiger Produktverkaufs-Push und Neugeld-Akquisitions-Druck um jeden Preis vergraulen manchen fähigen Kundenberater.

    Es ist fraglich, wieviele Kundenberater auf die Strasse gestellt werden und wieviele freiwillig gehen.

    Wie verhält es sich eigentlich mit den (lächerlichen) 11 Milliarden Neugeld genau? Betrachtet man die insgesamt verwalteten Gelder und nimmt eine Rendite von sagen wir mal 1% darauf an, wieviel bleibt dann tatsächlich noch Neugeld, wenn überhaupt?

  4. CS müsste seit einiger Zeit „Credit-UKUS“ heissen, seit dort nur noch die Angelsachsen den Ton angeben. Man sollte der Bank das „Suisse“ verbieten, weil Mogelpackung.

  5. Die Credit Suisse hat das Vertrauen im Schweizer Volk verspielt. Dies ist das schlimmste was Credit Suisse passieren kann.

  6. Hat jemand Angaben wieviel von diesem Gewinn auf den Verkaufserlös des Tafelsilber (Bhf. Str. 53 und Uetlihof) fällt? Wäre sehr interessant zu wissen…

    • Der Verkaufserlös ist der Gewinn. Ich gehe davon aus, dass diese Immobilien in der Bilanz mit CHF 1.– geführt wurden…

    • UH wurde mal von 86 Mio. gesprochen verbucht über 10 oder 20 Jahre, was so 4 bis 8 Mio pro Jahr ausmachen dürfte. Bahnhofstr.53 ein ex SVB Gebäude würde hier etwa von der hälfte ausgehen. Also rund 10Mios pro Jahr. Viel und doch eigentlich doch nicht viel. Das reicht nicht mal für ein Bonüschen für BD. Die Banken tun mir leid aber eben der ganz normale Wahnsinn.

    • Seite 5 vom Financial Report 4Q12, „Overview of significant items“: Q4 CHF 151m; FY12 CHF 533m (pre-tax) ausserordentlicher Gewinn für „Gain on Sale of Real Estate“

  7. Finews hat ausgerechnet, dass das Mitarbeitersalär im Durchschnitt kaum gesunken ist. 2012: Salär pro Kopf CHF 264’346, 2011: CHF 265’855

    In der Schweiz zumindest höre ich seit Jahren nur von sinkenden Boni und kaum steigenden Fixlöhnen. Zudem werden in Polen laufend Stellen aufgebaut. Also eigentlich müsste doch das Durchschnittsgehalt sinken…Ich habe den Eindruck, man spart auf dem Buckel der „normalen“ Mitarbeitern. Was läuft hier schief?

    Quelle:

    (http://www.finews.ch/news/banken/10883-so-bezahlen-die-schweizer-banken-lohnvergleich-credit-suisse-ubs)

    • Finnews schreibt oft unfundierte und unsauber recherchierte Artikel. Ich denke, dieser gehört dazu: Das Auslagern von BackOffice-Stellen könnte auch mittel Subcontractor geschehen und somit die Stellenanzahl der CS nicht betreffen.
      Weiter ist dem einen oder anderen Bürger bekannt, dass der Durchschnitt stark auf Ausreisser reagiert: Es könnte sein, dass für jeden überteuerten Manager eine gute und unterbezahlte Arbeitskraft eingesetzt wird…

    • bei diesem Finews-Artikel scheint mir schon erwähnenswert dass sie den Dreisatz perfekt beherrschen. Der Eindruck, @PAT, täuscht natürlich nicht. Man braucht nicht Mathematiker sein um solche Durchschnittszahlen nur zu belächeln. Und Finews frustriert natürlich damit über 80% verantwortungsbewusste Angestellte.

  8. Das Verhalten der CS Oberen trägt überhaupt nichts zur Vertrauensbildung bei. Sicher nicht in der Schweiz, wo die Abzocker-Bonus-Diskussion im vollen Gange ist. Das mangelnde Vertrauen im Inland strahlt über die Landesgrenze hinaus. Krass, dass das Top-Management das nicht sieht, sehen will oder was auch immer. Leidtragend sind wieder einmal die normalen Mitarbeiter, welche, wenn an der Front tätig, das ganze Bashing abbekommen und obendrein dann noch die Kündigung erhalten. Tolle Truppe!

  9. Kleiner Nachtrag: Gelder wie die Milliarden aus den CatBond Funds die an LGT verkauft wurden bringen der CS noch über kurze Zeit einen bescheidenen Ertrag für Admin und Depotgebühren, zählen nicht als „abgeflossen“ obwohl der Hauptertrag für die LGT anfällt. Ebenso sind wohl vertraglich noch einige Gelder abgesprungener ClaridenLeu-Leute kurzfristig an die CS gebunden.

    Zwei Schlüsse lassen sich da ziehen:

    Die Schliessung der ClaridenLeu war der vielleicht grösste in einer ganzen Reihe von Fehlern des CS Topmanagements, sie hat eher 1500 als die damals angekündigten 550 Arbeitsplätze gekostet.
    Die ClaridenLeu hätte bei dem Börsengang für 2012 wohl das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielt. (vgl Bär/Vontobel u.a.)
    Und zweitens: Sparen ist keine Strategie.

    Dass jemand für die ganze CS-Misere der vergangenen 5 Jahre Verantwortung hätte übernehmen müssen ? Fehlanzeige.

    • Wäre wohl auch den CS Mitarbeitern lieber gewesen, wäre CL an die Börse gekommen..

  10. Das ist nur der Anfang. Es werden noch weitere 2 Mrd Vorsteuerergebnisverbesserung kommen in den nächsten 3 Jahren. Davon sind circa 80% Personal und 20% andere Einsparungen. CS plant keine Verbesserungen auf der Einkommensseite – woher denn auch?. Das macht auch viel Sinn. Es gibt viel zu viele unproduktive MDs, nochmals doppelt so viele unproduktive Directors, nochmals doppelt so viele Vice President ohne echten Kunden, etc. etc., und Kundenberater, die kaum über ihren eigenen macro- und microökonomischen Tellerrand sehen. Und die grosse Ausbeute im Top-Management geht weiter: big money for nothing. Wie lange noch?

    Tutti quanti a casa !

    • Also die CS wird wider florieren, in nächster Zeit werden die riesige NA reinholen und wieder Jahresgewinn von 6-7 Mrd. machen. Die Aktionäre werden wieder 2.-Dividende erhalten, und alles wird gut. In der Zwischenzeit begnügen wir uns mit 75Rappen und träumen vom diesen Traumaussichten.

    • @Trudi
      Klar, und dann werden die RMs im Private Banking nicht mehr anzahlmässig 200 sondern 400+ Kunden betreuen und in den anderen Bereichen 1000+. Und als Kunde werde ich dann noch mehr Konserven in Form von hauseigenen Fonds und Strukis ins Depot gepresst bekommen, damit die Rechnung aufgeht. Von proaktiver Betreuung gar nicht mehr zu reden.

      Mit tun die Kundenberater heute schon leid, da sie es sein werden, die alles ausbaden müssen.