Boni-gepushte Banker machen Fonds-Biz kaputt

Kunden werden mit Courtagen und Fund of Funds gemolken; mehr Performance, fordert Peter Kühnis.

Geschäftsführende Personen einer Fondsleitung in der Schweiz haben von der jeweiligen Depotbank unabhängig zu sein (Bundesgesetz über Kapitalanlagen, Art. 28/5). Der Sinn dieses Artikels ist denkbar einfach: Fondsleitungen haben die Interessen des Anlegers gegenüber der Bank zu vertreten.

Die Realität ist eine andere. Insbesondere die grossen Fondsleitungen werden von ihrer jeweiligen Bank beherrscht und an der kurzen Leine gehalten.

Im VR sitzen Bankvertreter. Die Lohnpolitik (Boni inklusive) hängt völlig von der Partnerbank ab. Und oft ist eine Fondsleitung aus Sicht der sie beherrschenden Bank nichts weiter als ein Backoffice, eine Kostenstelle.

Die Abhängigkeit ist durchaus vergleichbar mit der eines Handwerkers von seinem Arbeitgeber. Wo diese Trennung zwischen Bank und Fondsleitung nur darin besteht, dass die beiden Gesellschaften räumlich abgetrennt sind, greift diese Gesetzesbestimmung nicht.

Dieses „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ zu unterbinden und die Fondsleitungen zu stärken, sind Finma und die Swiss Fund Association gefordert; genauso wie die Revision. Klare Statuten in der Fondsleitung könnten hier einen Bewusstseinswandel bewirken.

In den Fokus gehören die Fonds und damit die Anleger, nicht die finanzielle Situation der Bank. Eine Fondsleitung sollte endlich wieder als Kunde der Bank betrachtet werden, der ausschliesslich für Dienstleistungen der Bank bezahlt.

Es ist zu hoffen, dass die Revision eines Anlagefonds nicht auf die Genauigkeit der verbuchten Geschäfte und der richtigen Kategorisierung im Geschäftsbericht beschränkt bleibt. Nein, die Revision sollte vielmehr ihr Augenmerk darauf legen, ob Transaktionen zu fairen Preisen abgerechnet wurden.

Damit nicht der blossen Courtage-Maximierung wegen gehandelt wird, wäre die Revision auch angehalten, den wirtschaftlichen Hintergrund gewisser Transaktionen zu hinterfragen. Denn schliesslich werden boni-abhängige Banker alles daran setzen, budgetierte Einnahmen aus Courtagen zu übertreffen – was mit Bestimmtheit nicht im Interesse des Anlegers liegt.

Ein Fonds, obwohl Produkt der Bank, sollte als das angesehen werden, was er ist: ein Kunde der Bank. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist die Verwaltungskommission, die in den meisten Fällen zwischen 1 und 2,5 Prozent beträgt, absurd.

Sie ist deshalb so hoch, weil bis zu zwei Drittel als Vertriebsentschädigung (Trailer Fee) von der Fondsleitung an die Partnerbank weitervergütet werden.

Beträgt diese Vertriebsentschädigung im Jahr rund 1 Prozent, sind dies auf eine Haltedauer von 5 Jahren bereits 5 Prozent, ein Zwanzigstel des investierten Geldes also. Dem steht meines Erachtens keine Leistung gegenüber.

Bekanntlich hat das Bundesgericht entschieden, dass Banken Retrozessionen den Kunden zurückzuerstatten haben. Die Banken wehren sich hier mit verschiedensten (unlauteren) Mitteln.

Ein Beispiel ist diejenige Bank, die laut „Kassensturz“ ihre Kunden angeschrieben hat, es sei ihr wegen IT-Umstellung nicht möglich, diese Beträge rückwirkend zu berechnen. Andere Banken sind bereit zur Rückerstattung, jedoch nur an Kunden mit Vermögensverwaltungsmandat.

Dabei wäre die Sache denkbar einfach: Banken sollten auf diese Vertriebsentschädigungen verzichten; was hiesse, die Verwaltungskommissionen würden auf ein erträgliches Mass von 0,5 bis 1 Prozent sinken.

Natürlich würde kurzzeitig der Ertrag für die Banken geschmälert. Stellt man sich aber vor, dass einem Fonds daraus eine Mehrperformance von gegen 1 Prozent jährlich entsteht, kann man sich unschwer ausrechnen, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Fondsindustrie dadurch enorm gestärkt würde. Simpel ausgedrückt:  Gehts dem Anleger gut, gehts der Bank gut.

Kleine Ironie der ganzen Fund-of-Funds-Problematik: Gemischte Fonds haben ihre Dienstleistung oft dahingehend reduziert, dass sie in andere (meist bankeigene) Fonds investieren. Für diese Leistung verlangen sie dennoch normale Verwaltungskommissionen.

Die in den Zielfonds berechneten Kommissionen werden den investierenden Fonds zurückvergütet (Retrozession), weil keine Doppelbelastung entstehen darf. Das wiederum stellt für die investierenden Fonds einen Ertrag dar.

Die Folge: Diese „unechten“ Erträge werden genauso wie vereinahmte Dividenden oder Zinsen ausgeschüttet und besteuert. Dabei fliesst hier lediglich „Substanz“ von einem Fonds zum andern.

Wenn eine Bank bereits diese gemischten Fonds dafür nötigt, ihre restliche Fondspalette zu „füttern“, sollte sie die Kommissionen nicht zwischen ihren Produkten hin- und herschieben, um ihre Kunden – zusätzlich zur hinkenden Performance – auch noch Ertragssteuern bezahlen zu lassen.

Am Ende lautet die Botschaft für den Anleger kurz und bündig: zuwarten, bis sich die Schweizer Fondsindustrie wieder auf Leistung besinnt.

Kommentare

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  1. Es gibt nicht viele Branchen die transparenter sind als die Fondsbranche in Bezug auf Gebühren. Nicht in vielen Branchen sehe ich die Kosten eines Produktes klar ausgewiesen!

    Ob Reisebüro, Autokauf, Lebensmittel oder Versicherung –> es ist einfach unglaublich dieses bashing!!!

  2. Grundsätzlich sind artreine Produkte, z.B. Aktien und Bonds auch von der Kostensteite her transparenter.

    Eine Mischung zwischen ETF’s =passiv) und Direktanlagen (= aktiv) ist von der Kosten-Transparenz her zumindest zielführender als ein Fonds.
    Anerseits liegt ein Vorteil, z.B. bei Strategiefonds, in der „Delegation“ der Bewirtschaftung, z.B. für kleinere Vermögenswerte. Für Direktanlagen ist ein bestimmtes Volumen unumgänglich, damit die Skaleneffekte (=Gebührendegression; flat fee etc.)zum Tragen kommen.
    Daher würde ich die Fonds nicht einfach pauschal verwerfen. Eine Anlage in Fonds ist durchaus vertretbar für kleinere Vermögen und risikoaverse Anleger.
    Gänzlich intransparent wird es dagegen bei strukturierten Produkten und sog. „absolut-return“- Konstrukten. Zudem sollten die absolut-return Konstrukte umbenannt werden, da sonst dem Laien suggeriert wird, die returns seien immer positiv. Es handelt sich dabei um ein „Anscheinsversprechen“, das Elemente des Etikettenschwindels aufweist. Das Wort „absolut“ müsste zumindest klarer definiert werden; dann hätte wohl einige Anleger davon abgesehen, darin zu investieren (z.B. UBS absolute return, der in CDO’s investiert war!!)

  3. … Kapitel 25 und 26 der langen Liste der Interessenskonflikte auf dem Finanzplatz Schweiz.

    @ Clude. Ein Kunde soll für Bankdienstleistungen bezahlen. Der ZV ist bereits weitgehend industrialisiert und Gebühren sind transparent dargestellt. Bei der Geldanlage und Beratung fehlt a) Kundensegmentierung und b) Gebühren-Transparenz (das können wir als Bankkunde ja sogar selber feststellen).

    Schade für das hiessige Fondsgeschäft, es hat einen schlechten Ruf. Im angelsächsischen Raum hat es einen ganz anderen Stellenwert. Aber dort sind Geldinstitut und Fondsmanagement nicht verquickt wie hier. Resp. der Regulator hat dem schon lange einen Riegel geschoben. Daraus entstand eine professionelle Industrie. Hoch automatisierte Abläufe, klare Regelungen (zBsp. Handhabung des Proxy Votings), spezialsierte Anbieter und Zulieferer für die Fondsindustrie (Daten, Abwicklung, Outsourcing). Netto ergibt sich eine Win-win Situation: Der Kunde hat ein etwas günstigeres Anlageprodukt als hier, und trotzdem ist die Fondsindustrie profitabel (siehe Kursentwicklung kotierter Asset Management Companies).

    Die integrierte Bank wie hier zu Lande betrieben ist ein Auslaufmodell. Mit Mifid 2 und dergleichen merken es die Banken besser früher als später…

  4. Welche Bank hat heute noch eigene Funds? Viele Banken haben ihr Geschäft verkauft und führen nun eine offene Architektur. Sie empfehlen Fonds, welche ein talentiertes Team hat (inkl. Due Dilligence) und einen soliden Track-Record ausweisen kann. Ich kenne Multi Asset Funds, die mehrheitlich in ETFs und Investor’s Class Drittfunds investieren. Sämtliche Retro werden dem Fondsvermögen zugerechnet. Nur eine Ausnahme?

    • @stardust: Stimmt leider nur beschränkt!
      ETF’s funktionieren nur Dank aktiv verwalteten Fonds respektive allgemein aktiver Vermögensverwaltung.

      Je mehr Anleger auf passives Anlegen vertrauen, desto einfacher wird es für aktive Anleger eine Überrendite zu erwirtschaften. Da das Volumen bis dato noch zu klein ist, spüren wir den Einfluss noch nicht, aber vielleicht kommt der Zeitpunkt ja noch, wenn es noch mehr Anlegern wie Sie gibt.

      Und wie überall gilt: Die Mischung machts!

  5. Die Idee von Herr Hässig hört sich ja wunderbar an, ABER… wer bezahlt die Beratungen, welche der Kunde in Anspruch nimmt?

    Irgend etwas an Ihrem System geht noch nicht auf. Stellen Sie sich Herr Meyer vor, welcher 50′ bei seiner Bank angelegt hat, 4mal im Jahr möchte er sein Depot anschauen, bestellt regelmässig Research-Material, ruft zwischendurch einmal an –> alles ohne Beratungsgebühr, jedoch nur Dank Vertriebsentschädigungen.

    Sind Kunden wirklich bereit für eine Beratung zu bezahlen? Ich glaube heute noch nicht.

    Werden Provisionszahlungen auf einmal in allen Branchen verschwinden?

    • Wissen Sie die Kunden wollen für eine Beratung nichts bezahlen, weil die Beratung mehr ein Verkaufsgespräch ist. Und das Fonds nicht bringen das ist ja auch klar, selbst sollte der Fondmanager ein Genie sein, das ist so wie wenn Sie ein top Rennpferd haben und das mit einem 50kg Zementsack beladen, das kann Pferd und Joke noch so gut sein, die lauf Zeit wird immer mies bleiben, Was beim Pferd der Zementsack ist, ist beim Fonds die Gebühren. Der Berater selber wähl je den Fonds wo gerade promote werden muss, und nicht das wo dem Kunden noch einigermassen nützen könnte. Ein Bankberater wollte mir mal einen Dachfonds empfehlen, das sei das beste und sicherste Geschäft. Als ich Ihm sagte es solle für mich das beste sein und nicht für die Bank, die Gebühren seien ja extrem hoch. Da wurde der Berater nicht mal rot, ich dacht wer so ist der macht das des Öfteren. Seither gibt es nur noch direktanlagen für mich.

    • Liebe Trudi, dann würde ich doch gerne einmal einen Depotauszug oder noch besser, einen Performanceauszug über die letzten 10 Jahre anschauen!

      Wer liebt es nicht, mit Einzeltiteln zu „spielen“ – doch was bleibt unter dem Strich? Hast du vielleicht UBS gekauft für die hälfte deines Vermögens? Oder gar Petroplus?

      Diversifikation ist leider sehr schwierig zu erreichen mit Beträgen, welche nicht mehrere Millionen betragen.

    • Lieber Herr Clude, Sie müssen Sich keine sorge machen, habe von 2003 bis ende 2012 das ganze um 2,2 vermehrt, davon gehen noch etwas Depot gebühren weg ( für alle Jahre ca 3%) und auf der anderen Seite kommen noch die Dividenden dazu, schnitt ca 4% = 36% (plus/minus) sagen wir mal abgerundet 33% minus Depot = netto 30% und das zu den 2,2 ergibt ca 2.5fach erhöht. Nein UBS ( wie auch CS ) habe ich nicht gekauft. Und obwohl ich 76 Jahre alt bin, muss mir niemand was unterstellen, habe viele Erfahrungen und Crash Erlebt, wo manch Bänkler noch gar nicht auf der Welt war. Und all das „geschwafel“ wie ein Depot gestaltet werden sollt ist doch von den Banken erfunden das sie die Kunden mit einer „Pseudowissenschaft“ vom selber investieren abhalten können. Denn die Bänkler interessieren sich nur für Ihre Boni und jeder will tolle Klamotten tragen. Für diese Eitelkeit tun sie ja alles. Uebrigens ich habe über 30 Jahre in der Handelsbank gearbeitet, und wir mussten die Kunden immer Top beraten. Gut zu unserer Zeit war Pünktlichkeit eben noch wichtiger als das Zeugs von Heute.

    • Es sollte mehr Trudi’s geben, dann gäbe es deutlich weniger überteuerte Fonds, natürlich ist das Einzelanlegen risikoreicher, wo aber stehen heute scheinbar risikolose Fonds im Rückblick? Frankly speaking, Fonds sind nach wie vor eine Cash Cow für die Banken, Kundenbetreuer bekommen aggressive Zielsetzungen für sogenannte Kollektivierungsaktivitäten, aber eben, auch das wird noch wegreguliert, schon bald. Dann werden die Banken Geld verlangen wollen für Beratung! Notabene Beratung von Neulingen im Geschäft, jungen Menschen, welche leider nich zu wenig Erfahrung haben vom Geschäft. Und dann? Dann kommt noch mehr die Zeit der „Senior-Quality-Consulting-Banks,“, ohne gross Gebühren, aber mit viel guter, zu bezahlender Beratung, you will see. Und dann ade Banken/Grossbanken mit Industrialisierungswahn und Rausschmissstrategien von ü50 Menschen.

    • @Trudi: das scheint mehr etwas sehr schön geredet zu sein, mit 76 Jahren wird dein Depot schon vor 2003 bestanden sein.

      Aber wir wissen ja alle, wer redet schon gerne über Verluste 😉

      Ich sehe tagtäglich die selbsternannten Gurus, die alles besser können als „Banken“, „Fondsmanager“ oder weiss nicht wer. Aber meistens auch nur mit dem Mund… Liebe Trudi: Warum lässt du uns denn nicht an deinem Wissen teilhaben? Warum machst du nicht eine Plattform wo wir deine Anlageentscheide nachvollziehen können?

      Dann könnten wir alle per E-Banking deine Strategie nachahmen. Oder noch besser: Mach doch einen Anlagefonds mit deiner Strategie!