In die Schweiz investieren, statt in Euroland zu verlieren

Im Jahre 1996 trat ich vor die Generalversammlung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in Bern. Ich sagte damals, die SNB soll weniger im Ausland investieren und damit ausländische Volkswirtschaften ankurbeln, als vielmehr in der Schweiz und so die Schweizer Wirtschaft ankurbeln (siehe auch Finanz und Wirtschaft, 31. Januar 1996: „Die SNB-Investitionspolitik ist zu überdenken“).

Im Jahre 1996 trat ich vor die Generalversammlung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in Bern. Ich sagte damals, die SNB soll weniger im Ausland investieren und damit ausländische Volkswirtschaften ankurbeln, als vielmehr in der Schweiz und so die Schweizer Wirtschaft ankurbeln (siehe auch Finanz und Wirtschaft, 31. Januar 1996: „Die SNB-Investitionspolitik ist zu überdenken“).

Was bewirkte dieser Vorstoss? Einerseits, dass ich meine Stelle als langjähriger Aktien-Stratege bei der damaligen UBS verlor und seither weit ausserhalb des Einflussbereichs der Nationalbank arbeite. Andererseits, dass die SNB im Gegenteil ihre sämtlichen Inlandinvestitionen veräusserte und über 400 Milliarden Franken Investitionen im Ausland tätigt.

Die SNB besitzt heute keinerlei Investitionen mehr in der Schweiz, mit denen sie die heimische Wirtschaft ankurbeln könnte.

Deshalb und trotzdem möchte ich hier meinen Vorschlag für mehr Investitionen in der Schweiz von damals wiederholen. Ich begründe dies nach wie vor wie folgt:

Die Ursache für die kontraproduktive Geldpolitik unserer Nationalbank liegt in einem Fehler in der Geldtheorie, der bis auf Keynes zurückgeht. Keynes behauptete in seinem Standardwerk „The General Theory of Employment, Interest and Money“ (1936), eine Zentralbank könne die Zinsen im Inland senken und damit die heimische Wirtschaft ankurbeln, indem sie die Geldmenge erhöhe.

Keynes interpretierte dabei Geld fälschlicherweise als Vermögen (Aktivum) der Zentralbank anstatt als eine Schuld (Passivum). Er argumentierte: Im Falle einer Ausdehnung der Geldmenge durch die Notenbank würde der Preis des Geldes, der Zins, fallen. Die Notenbank würde somit die Wirtschaft mit „günstigem“ Geld versorgen. „Günstig“ in dem Sinne, dass die Notenbank auf dem von ihr emittierten Geld einen tiefen Zinssatz verlange.

Das würde bedeuten, dass die SNB auf dem von ihr emittierten Geld Zinsen – Aktivzinsen – erhielte. Geld müsste demzufolge ein Aktivum der SNB sein.

Das ist es aber nicht: Geld ist ein Passivum der emittierenden Notenbank.

Anders formuliert: In der heutigen Geldtheorie wird aufgrund von Keynes behauptet: Bei einer Vergrösserung der Geldmenge durch die Notenbank falle der Preis des Geldes, der Zins. Geld ist ein Passivum, Fremdkapital beziehungsweise eine Obligation der Notenbank. Der Preis einer Obligation ist aber nicht deren Zins, sondern deren Kurs. Dieser verhält sich invers zur Rendite.

Daraus folgt: Bei einer Expansion der Geldmenge fällt der Wert der Währung (Inflation) und die Zinsen steigen (ceteris paribus).

Eine expansive Geldpolitik hat zwei Zinseffekte: Die Verschuldung auf der Passivseite der Notenbankbilanz führt zu steigenden Zinsen, weil der Wirtschaft Kapital entzogen wird. Die Investitionen auf der Aktivseite führen zu tieferen Zinsen. Das der Wirtschaft auf der Passivseite entzogene Kapital wird dieser auf der Aktivseite wieder zugeführt.

Das ist aber lediglich eine Drehung der Renditekurve – keine Verschiebung.

Zudem trifft der zinssenkende, ankurbelnde Effekt nur dann ein, wenn die Investitionen der Zentralbank auch im Inland erfolgen. Investiert die Notenbank hingegen im Ausland, so erfolgt die Wirtschaftsankurbelung logischerweise im Ausland.

Dieser hier kurz aufgezeigte Fehler in der heutigen Geldtheorie, der auf Keynes zurückgeht, hat verheerende Auswirkungen auf die Geldpolitik unserer Nationalbank.

Die SNB meint, dass sie bei einer Geldemission die Schweizer Wirtschaft mit Kapital versorge und somit ankurble. Das Gegenteil trifft zu.

Da die SNB in der Schweiz Kapital im Betrag von gegen 400 Milliarden Franken aufgenommen hat und für über 400 Milliarden Franken Investitionen im Ausland tätigt, verursacht sie einen immensen Kapitalabfluss zugunsten des Auslands auf Kosten der Schweiz.

Die Einführung der Kursuntergrenze Euro/Schweizerfranken bei 1,20  hat diesen Kapitalabfluss durch die SNB zu einer Einbahnstrasse werden lassen – ohne absehbares Ende.

Zudem birgt dieser Kapitalabfluss ein enormes Wechselkursrisiko in sich: Die Schulden unserer Nationalbank lauten auf Schweizerfranken, ihr Vermögen aber auf Euro. Gerade die jüngsten Vorkommnisse auf Zypern zeigen, wie gefährlich die Euro-Investitionen unserer Nationalbank sind.

Fällt das Vermögen der SNB (in Euro und Dollar) unter den Wert ihrer Schulden (in Schweizerfranken), so ist die SNB zahlungsunfähig. Sie kann ihre Franken-Schulden nicht mehr „bedienen“ beziehungsweise abbauen. Denn durch zusätzliche Geldemission würde die SNB ihre Schulden bei den Geschäftsbanken zusätzlich vergrössern.

Die SNB und die Befürworter dieser höchst gefährlichen Untergrenze behaupten immer wieder, es gäbe keine Alternativen zur Untergrenze. Mitnichten.

Der Kapitalzufluss aus dem Ausland hat die Zinsen auf historische Tiefs fallen lassen. Es kann sogar mit Negativzinsen gerechnet werden.

„Unser Haus steht in Flammen“, rief Swissmem-Chef Hans Hess panikartig aus.

Dem widerspreche ich. Es herrschen für uns Schweizer paradiesische Verhältnisse.

Jetzt ist die Zeit, um anstehende Investitionen auszuführen und schubladisierte Infrastrukturprojekte an die Hand zu nehmen.

Nachfolgend sollen einige Beispiele gezeigt werden für sinnvolle Investitionen in der Schweiz.

Swissmetro: Das Projekt sieht vor, die Städte der Schweiz durch eine U-Bahn zu verbinden. Diese wird in einer Röhre geführt, in der ein Teilvakuum herrscht, um den Luftwiderstand zu minimieren. Als Magnetschwebebahn könnten Spitzengeschwindigkeiten von über 500 Stundenkilometern erreicht werden.

DasProjekt würde grosse Energieeinsparungen ermöglichen (Reduktion der altmodischen und schweren SBB-Waggons; weniger Atomkraftwerke). Die Zeitgewinne würden die gesamtwirtschaftliche Produktivität verbessern. Die Umweltbelastung würde massiv reduziert.

Wir hätten ein futuristisches Verkehrssystem, was viele Interessenten aus aller Welt anlocken würde. Es würden sehr viele Arbeitsplätze geschaffen. Zudem bestünde die Chance, dass wir mit dem gewonnenen Wissen in alle Welt exportieren könnten (langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen).

Erweiterte Neat: Mit einem Tunnel von Basel nach Chiasso könnte der Schwerverkehr umweltfreundlich durch die Schweiz geführt werden. Es könnten Terminals gebaut werden, um die Container schnell auf die Bahn zu verfrachten. Auch hier würden viele Arbeitsplätze geschaffen.

Alfred Escher gründete die Schweizerische Kreditanstalt zur Finanzierung der Nordostbahn und der Gotthardstrecke. Das war gleichzeitig die Grundlage für die Entstehung des Schweizer Bankenplatzes. Wüsste Escher, dass wir heute unsere Chance vertun, indem wir das günstige Kapital einfach wieder ins Ausland exportieren – verbunden mit einem enormen Wechselkursrisiko -, er würde sich wohl „im Grab umdrehen“.

Es gibt aber nicht nur verkehrstechnische Investitionen, die anstehen.

Jede Investition, welche unsere Abhängigkeit von Erdgas und Erdöl reduzieren, ist langfristig sinnvoll, hat eine langfristige Dividende. Denn die Kaufkraft bleibt in der Schweiz.

Isolationen aller Immobilien, Nutzung der Erdwärme, wo immer möglich, verbessertes Recycling, verbunden mit Energiegewinnung, neuartige Kompetenzen bei der Gewinnung von Umweltenergien im Gebirge, verbesserte Holznutzung undsoweiter undsofort.

Ferner gibt es riesigen Investitionsbedarf bei der Ausbildung. Nur schon ein Beamer in einem Schulzimmer wäre eine sinnvolle Investition.

Oder eine weltweite Marketing-Offensive für unsere hervorragenden Produkte; vor allem in Asien.

Die Ausrede, es gäbe nicht genügend Investitionsmöglichkeiten in der Schweiz und somit keine Alternativen zum Euro-Mindestkurs, lasse ich nicht gelten.

Das Faszinierende an all diesen Investitionen wäre, dass wir heute die Möglichkeit haben, diese sogar mit Negativzinsen zu finanzieren. Wenn wir also beispielsweise eine Swissmetro bauen, so erhalten wir dafür Zinsen. Nicht einmal Alfred Escher konnte das.

Noch ist der Euro bei 1,20 nicht durchgebrochen. Noch haben wir die Möglichkeit, aus dieser Risikowette auszusteigen – mit einem blauen Auge.

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Kommentare

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  1. Kann man in Euro investieren ohne zu wechseln ?wenn ja wie sind die Konditionen kann man Sie telephonisch kontaktieren ?mit freundlichen Grüssen R.Brion

  2. Anhang I: Was sagt die Wissenschaft?

    Der geneigte Leser mag sich fragen, wie sich denn die Wissenschaft zur Geldpolitik unserer Nationalbank stellt.

    Das Direktorium der SNB besteht ja zu zwei Dritteln aus Universitäts-Professoren der Nationalökonomie. Unsere Notenbank wird somit dominiert von der wissenschaftlichen Lehrmeinung.

    Unsere Nationalbank und die heutige Volkswirtschaftlehre beharren auf dem Standpunkt, dass das Vertrauen in die Notenbank das Wichtigste sei. Solange dieses Vertrauen da sei, dürfe das Eigenkapital negativ werden. Die Gläubiger der Notenbank hätten auch in diesem Fall keine Abschreibungen vorzunehmen.

    Angenommen, die SNB kaufe für nochmals 500 Milliarden Franken Euros und Dollars und der Franken steige um 20 Prozent. In diesem Fall würde das Eigenkapital der SNB auf minus 150 Milliarden Franken fallen!

    Und nun soll das Vertrauen in die SNB diesen Verlust wettmachen? Welche einfältige Theorie! Unsere Notenbank argumentiert wie ein Medizinmann, welcher behauptet, der Patient müsse lediglich Vertrauen in ihn haben. Dann könne er tun und lassen, was er will. Der Patient würde gesund.

    Die Behauptung eines solch primitiven Medizinmannes ist ein Schlag ins Gesicht der modernen Medizin. Die Behauptung der Volkswirtschaftlehre, Vertrauen in die Notenbank sei allein entscheidend ist genauso ein Schlag ins Gesicht eines Ökonomen, der versucht, die Geldtheorie zu analysieren und zu erkunden.

    Welchen Einfluss hat es auf die inländische Konjunktur, ob die Zentralbank im In- oder Ausland investiert?

    Welchen Einfluss auf die Zinsen geht von der Aktivseite bzw. von der Passivseite der Notenbankbilanz aus?

    Welchen Einfluss auf die Volkswirtschaft haben Investitionen in Gold?

    Welchen Einfluss auf die Gläubiger der Notenbank hat es, wenn das Eigenkapital der Notenbank negativ wird. Welchen Einfluss hat das auf die Inflation?

    Was ist die optimale Grösse einer Notenbank-Bilanz im Vergleich zum BIP?

    Ferner müsste die Frage beantwortet werden: Strebt die SNB nun ein hohes Vertrauen oder ein tiefes an? Natürlich ein hohes! Warum aber will sie dann den Franken schwächen. Dazu wäre doch ein tiefes Vertrauen notwendig! Widersprüche!

    Und so weiter undsofort. Es gibt sehr viele Aspekte der Geldtheorie, welche zu analysieren wären. Aber unsere Notenbank würgt jede Fragestellung ab. Nur das Vertrauen in unsere Nationalbank sei wichtig. Wer hinterfräägt und sich deshalb ketzerisch verhält wird ausgeschlossen.

    Die heutige Wirtschaftswissenschaft und unsere Nationalbank befinden sich immer noch auf dem Niveau eines primitiven Medzinmannes.

    • Sehr geehrter Herr Meyer,

      Sie beklagen sich, dass die Kommentatoren Ihres Artikel nicht auf Ihre Argumente eingehen, machen es selbst aber nicht besser. Bei meinem Argument geht es nicht um einen kurzfristigen oder langfristigen Anlagehorizont (Sie unterstellen mir übrigens zu Unrecht, einen kurzfristigen Anlagehorizont zu haben), sonder um das Timing von Investitionen. Mein Punkt ist: Für eine Untertunnelung der Schweiz ist es zu spät, da die Sicherheits- und Umweltvorschriften solche Vorhaben heute prohibitiv teuer machen. So etwas hätte man vor 50 oder 30 Jahren durchaus machen können.
      Für die von Ihnen beliebt gemachten Ökoenergieinvestitionen und Isolationsmassnahmen ist es hingegen zu früh! Diese werden sich in Zukunft einmal rechnen, aber zu früh investiert in die falsche Technologie vernichtet Kapital, dass sollte jedem klar sein.
      Um es ganz klar zu sagen, auch im Hinblick auf Ihre rhetorische Frage gegen Ende Ihrer Replik: Ja, lieber irgendwo in Euroland investieren als in solche Untertunnelungsprojekte. Investitionen in Euroland können sich sehr wohl auszahlen, verrückte Ökoinvestitionsprojekte aber mit Sicherheit nicht. Die Politik der Nationalbank schützt die Schweizer Industrie, die so Zeit gewonnen hat, den schwierigen Anpassungsprozess an den massiv verteuerten SchweizerFranken zu vollziehen. So etwas braucht Zeit, und die haben wir durch die Politik der Nationalbank erhalten. Danke dafür, SNB!

    • Ohne passenden zukünftigen Exit aus dieser Politik ist das „danke SNB“ sicherlich vermessen. Mag ja sein, dass die Intervention am Devisenmarkt gewisse Umstellungsprozesse in der Industrie „erleichtert“ – dem ist aber nur beizupflichten, wenn Herr Jordan in absehbarer Zeit seine Euros wieder losbringt und hier würde ich das grösste Fragezeichen in der ganzen Debatte setzen. Ob Öko-, Sozio- oder einfach nur Infrastrukturprojekt ist doch schlussendlich hinfällig. Ich stimme Herr Meyer aber sehr wohl zu, wenns um Sinn und Unsinn von riesigen Währungsreserven und intransparenten Investments geht – dies ist ja auch der Kern der ganzen Geschichte. Die Schulden unserer Nationalbank sollen gefälligst in funktionierende Organisationen investiert werden, die einen vernünftigen ROI abwerfen – Im Inland wie im Ausland. Vielleicht sollte man anstelle von „Schwächung des starken Frankens“ besser von „Stärkung des schwachen Euros“ sprechen..

  3. Der Bau der Pyramiden hat auch eine Menge Arbeitsplätze geschaffen und zieht bis heute Besucher aus aller Welt an. Wenn man sich Kosten des Baus einer 5 km Metrostrecke in einer beliebigen Metropole mit den heutigen Sicherheits- und Zertifizierungsanforderungen anschaut, dann wird schnell klar, dass solche Megaprojekte heute in der Schweiz weltfremd und nicht mehr finanzierbar sind. Die vorgeschlagenen Investitionen in nachhaltige Energieversorgung und Gebäudeisolation rentieren ebenfalls heute noch nicht. Ich bin auch der Meinung, dass sie sich irgendwann rentieren werden, aber das Timing ist bei solchen Investitionsgrossoffensiven eben von entscheidender Bedeutung. In den nächsten 20 Jahren rechnet sich so etwas nicht, und wenn man heute investiert, ist das Geld weg und die technische Entwicklung und Abnutzung macht solche Investitionen obsolet, ganz zu schweigen von den enormen Instandhaltungsaufwendungen für solche Infrastrukturinvestitionen.
    Fazit: Höre nicht auf Volkswirte, auch wenn es sich um ehemalige Aktienstrategen handelt. Langfristig recht behalten nützt nichts, wenn man kurzfristig pleite geht.

    • Sehr geehrter Benedikt

      Eine Notenbank muss nicht kurzfristig investieren, wie das unsere SNB tut, sondern langfristig. Die Stützungskäufe des Euros waren sehr kurzfristig und spekulativ motiviert – in Panik hat die SNB Euros für 200 Milliarden bereits bei 1.45 gekauft (wahrscheinlich wurde sie über geschriebene Optionen dazu gezwungen).

      Nein, eine Notenbank sollte langfristig investieren – auf Generationen hinaus. Da muss sich eine Notenbank von Ihrem persönlichen Anlagehorizont deutlich unterscheiden. Hätten die Schweizer vor dem Bau der Gotthardstrecke so gedacht wie Sie, so würden wir heute noch mit Pferd und Wagen über die Alpen. Das ist das Eine.

      Und das Andere: Finden Sie die Investitionen unserer Nationalbank in die europäischen Staaten besser? Wissen Sie überhaupt, wohin unsere SNB das mit unseren Schulden finanzierte Vermögen investiert? Niemand weiss es genau, ausser die SNB. Es dürften Staatsanleihen in Europa sein. U.a. auch griechische, portugiesische usw. Teils auch in Aktien von Nokia. Sind das bessere Investitionen?

      Es geht aber nicht nur um den Kurswert dieser Investitionen, wie das bei Ihrem Portefeuille der Fall sein dürfte. Nein! Bei einer Notenbank sollten die Investitionen so erfolgen, dass die Volkswirtschaft am meisten profitiert. Das sind vor allem Investitionen im Inland, welche Arbeitsplätze schaffen. Es wäre konstruktiv, wenn Sie hier weitere Vorschläge aufzeigen würden, die der Schweizer Wirtschaft zugutekommen.

      Mit freundlichen Grüssen
      Marc Meyer

    • Sehr geehrter Benedikt

      Besten Dank für Ihre Antwort. Sie schreiben:

      „Ja, lieber irgendwo in Euroland investieren als in solche Untertunnelungsprojekte. Investitionen in Euroland können sich sehr wohl auszahlen, verrückte Ökoinvestitionsprojekte aber mit Sicherheit nicht“

      Ob es sich um „verrückte“ Ökoinvestitionen handelt, möchte ich hier bezweifeln. Über solche Investitionen sollte letztlich das Volk befragt werden. Es geht immerhin um hunderte von Milliarden Franken zulasten des Steuerzahlers.

      Und zudem: Mit den Euroinvestitionen hat die SNB bis anhin per Saldo nur verloren.

      In Ihrer Argumentation vermisse ich folgende Punkte:

      1. Investitionen in der Schweiz schaffen Arbeitsplätze hierzulande. Das gilt nicht für die Investitionen im Ausland. Arbeitsplätze im Inland schaffen Wohlstand, welche über die Rendite eines privaten Anlegers hinausgehen. Das übersehen Sie und die Nationalbank.

      2. Sie erwähnen mit keinem Wort das untragbar hohe Währungsrisiko, das unsere SNB eingegangen ist. Die SNB hat Euros im Betrag von rund 200 Milliarden Franken bereits bei 1.45 gekauft. Insgesamt hat sie nun in kurzer Zeit Währungsverluste von rund 40 Milliarden Franken oder noch mehr erlitten (Steuergelder!). Mit diesem Geld hätte man viele langfristige Arbeitsplätze in der Schweiz schaffen können. Der Aufwand und das Risiko der SNB Investitionen stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen.

      3. Das Eigenkapital der SNB kann sehr rasch in den negativen Bereich fallen. Besitzt die SNB beispielsweise für 1 Billion Devisen und der Franken steigt um 20 Prozent (kann bald eintreffen), so stürzt das Eigenkapital der SNB auf minus 150 Milliarden Franken ab. Dadurch entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden von 150 Milliarden Franken!

      4. Banken, die der SNB Kredit gegeben haben, um Euros zu kaufen, müssen in diesem Fall 150 Milliarden Franken abschreiben (an erster Stelle vermutlich die CS). Dadurch gehen die CS und andere Banken anstelle der Notenbank Konkurs. Der volkswirtschaftliche Schaden wird dadurch viel grösser sein als die SNB mit den Eurokäufen vermeintlich zu retten meint.

      5. Sie erwähnen mit keinem Wort die Vorteile des starken Frankens: Tiefe Importpreise; tiefe Zinsen usw. Davon profitiert unsere ganze Volkswirtschaft. Auch die Exportunternehmen. Das sagt niemand. Dieser Nutzen ist höher als der Nachteil wegen den höheren Exportkosten.

      6. Der Dollar ist seit Freigabe der Wechselkurse um 80 Prozent gefallen. Teilweise sogar deutlich schneller als der Euro in den vergangenen Jahren. Trotzdem hat der Export in die USA zugenommen.
      7. Die Schweizer Industrie sollte Produkte herstellen, die unelastisch sind. D.h. sie sollte qualitativ hochstehende Produkte herstellen, welche auf Preisanstiege nicht stark reagieren.

      8. Die Nationalbank rettet mit einem immensen Aufwand und mit einem noch grösseren Risiko elastische Produkte. D.h. Produkte, welche leicht ersetzbar und qualitativ minderwertig sind – die beim kleinsten Preisrückgang nicht mehr gekauft werden. Die SNB sichert damit minderwertige Arbeitsplätze von Exportunternehmen, die international langfristig ohnehin nicht konkurrenzfähig sind.

      9. Insbesondere Hayek hat sich stark gemacht für die Schwächung des Frankens. Resultat: Der Wert seines Unternehmens hat sich seit Beginn der Eurokäufe im Jahre 2009 mehr als verfünffacht. Das nenne ich „jammern auf hohem Niveau“!

      10. Für die Rettung minderwertiger Arbeitsplätze riskiert die SNB den Verlust der qualitativ hochwertigen Bankenplätze. Damit riskiert die SNB zugleich die ganze Schweizerische Volkswirtschaft, die auf dem Finanzwesen basiert.

      Ich bin der Ansicht, dass über solch gewaltige Projekte das Volk mitreden sollte. Der Nationalbank sind von der Politik Leitplanken zu geben, die von einem demokratischen Prozess getragen sind – nicht von einer „unfehlbaren“ SNB.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  4. Sehr geehrter, anonymer „chraledan“

    Da ferienbedingt abwesend kann ich Ihnen erst jetzt antworten.

    Zuerst: Wieder einmal ein anonymer Fürsprecher unserer Nationalbank. Es scheint niemand mehr mit seinem persönlichen Namen für die SNB einstehen zu wollen – nur noch anonym tut man das und immer sehr polemisch. Welch ein Armutszeugnis für unsere Nationalbank! Die SNB hat offensichtlich ein Image-Problem.

    Nun zu Ihrem Kommentar: Sie haben sich nicht einmal die Mühe genommen, meine Argumente durchzulesen. Aufgrund ihrer oberflächlichen, liederlichen Analyse folgern Sie, dass es korrekt gewesen sei, dass ich meine Stelle bei der SBG verloren habe.

    Aus wissenschaftlicher Sicht ist Ihr Kommentar liederlich und aus menschlicher Sicht empfinde ich diesen als arrogant.

    Sie haben sich ganz auf das Niveau unserer Nationalbank heruntergelassen.

    Auch unsere Nationalbank hat sich innerhalb der vergangenen 17 Jahre nicht ein einziges Mal mit meiner Kritik an der Geldtheorie auseinandergesetzt. Die drei Herren im Direktorium verdienen jeder pro Jahr ca. 1 Million Franken. In 17 Jahren entspricht das über 50 Millionen Franken Lohnsumme.

    Für diesen Betrag könnte man erwarten, dass das Direktorium nur 1 Stunde lang seine Hausaufgaben erledigen würde. Tut es aber nicht! Liederlich!
    Sie haben das wahre Problem nicht erkannt. Ich will es Ihnen hier kurz aufzeigen:

    Wirtschaftswissenschaft ist von zentraler Bedeutung für das friedliche Zusammenleben der Völkergemeinschaft. Wir sind auf eine fehlerfreie Volkswirtschaftslehre angewiesen – je enger der Planet wird.

    Nachdem die klassische Lehre gescheitert war, wurde der Keynesianismus begründet. Leider nur oberflächlich geprüft. Die Zeit drängte. Hyperinflation und Massenarbeitslosigkeit bildeten einen guten Nährboden für Hitler und den 2. Weltkrieg.

    Ich kann Ihnen versichern: Es ist es wert, die Nationalökonomie genau zu überprüfen. Wollen wir wieder ein Desaster wegen einer irreführenden Volkswirtschaftslehre?

    Die Geldtheorie ist nur ein kleiner Teil der Volkswirtschaftslehre und voller Fehler! (siehe auch Dissertation: „Geld – eine Obligation der Notenbank“, Wenkenverlag, Riehen).

    Unsere Nationalbank meint naiv: Vertrauen in die Notenbank sei alles. Sie ist nicht bereit, diese irrige Meinung auch nur annähernd in Frage zu stellen. Wer es dennoch wagt, der verliert seine Stelle, sofern er sich im Einflussbereich der SNB befindet. Welche Arroganz! Einer Demokratie unwürdig!

    Mit ihren masslosen Devisenanlagen verrät die Nationalbank die Schweiz! Sie verkauft uns! Sie sitzt bereits in der Falle! Weshalb hat die SNB bei 1.25 keine Euros verkauft?

    Es geht nicht darum, ob ich über meinen ungerechtfertigten Verlust meiner Stelle hinweggekommen bin oder nicht. Da machen Sie es sich sehr einfach! Zu einfach! Es geht darum, dass die Fehler in der Geldtheorie endlich korrigiert werden.

    Beispielsweise behauptet SNB-Chef Jordan, Banknoten seien Eigenkapital der SNB, obwohl es sich um Fremdkapital der SNB handelt (siehe Vortrag vor der Statistisch Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel). Soll ich das jetzt einfach hinnehmen, nur weil ich meine Stelle verloren habe?

    Wo denken Sie hin. Was haben Sie für eine Vorstellung von wissenschaftlicher Diskussion? Hat die SNB von jetzt an immer Recht, nur weil es ihr gelungen ist, dass ich meine Stelle verloren habe? Recht des Stärkeren?

    Eigentlich sollte eine solche wissenschaftliche Diskussion in einer wissenschaftlichen Zeitschrift stattfinden, wie in der Schweizerischen Zeitschrift für Volkswirtschaft und Statistik. Aber diese wird von der SNB vollkommen dominiert. Kritik an der SNB ist dort unmöglich.

    Deshalb bin ich lh, sprich Herrn Lukas Hässig, sehr dankbar, dass er auf seiner Platform eine Diskussion ermöglicht. Besten Dank!

    Hören Sie doch auf, der alten SBG nachzutrauern – das war kein Fels in der Brandung, wie Sie behauten, sonst wäre sie es auch heute noch. Sie haben ein Problem und kommen nicht darüber hinweg! Nicht ich!

    Auch bei der Nationalbank werden Sie sehen, dass diese kein Fels in der Brandung ist. Wer seine Macht dermassen missbraucht, wie das die SNB tut, wird diese verlieren – früher oder später.

    Mit freundlichen Grüssen

    Marc Meyer

  5. Wenn man diese Theorien liest, muss man sich nicht mehr fragen, warum er 1996 bei der altehrwürdigen SBG (ja damals hiess sie noch schweizerisch SBG, und war ein Fels in der Brandung) entlassen wurde…und heute 17 Jahre später immer noch nicht darüber hinweggekommen ist und mit LH zusammenspannt!