Lombard Odier gerät in Argentinien-Skandal

Ist Genfer Konto verlinkt mit Geldwäscherei für Kirchner-Präsidentenpaar? Patrick Odiers Lack blättert ab.

Die Genfer Traditionsbank Lombard Odier gerät in einen Geldwäschereistrudel mit politischem Zündstoff.

Im Zentrum steht die argentinische Präsidentenfamilie Kirchner.

Diese soll durch Cash-Transfers in Millionenhöhe durch einen bekannten Unternehmer und Ex-Banker begünstigt sein.

Die Bombe platzte am Sonntag Abend.

Ein bekannter Journalist aus dem südamerikanischen Staat brachte einen Insider vor versteckter Kamera zum Reden.

Davon berichten seit gestern mehrere argentinische Zeitungen und Online-Medien. Dabei ist auch die Rede von 1,5 Millionen Dollar auf einem Konto bei der Genfer Privatbank Lombard Odier.

Damit gerät erstmals die bisher weitgehend von Skandalen um Offshore-Gelder verschont gebliebene Genfer Privatbank auf den öffentlichen Radar.

Der kürzliche Beschluss, die traditionsreiche Partnerschaft mit Vollhaftung der Teilhaber in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln, könnte in einem neuen Licht erscheinen.

Die Aussagen des Insiders zusammen mit Dokumenten fördern das Bild einer korrupten Polit-Elite zutage.

Néstor Kirchner, der verstorbene Ex-Präsident Argentiniens, soll eine „unglaubliche Struktur“ mit Korruptionsgeldern unterhalten haben, behauptet die Quelle.

Heute wird das Land, das vor einem Jahrzehnt Pleite gegangen war, von Kirchners Frau Cristina mit eiserner Hand regiert.

Das System von Korruption und Geldwäscherei der ersten Familie im Staat soll wie eine perfekt geölte Maschine funktioniert haben, meinte der Insider.

Dabei handelt es sich um den operativen Chef des „Systems“, der sich nach eigenen Aussagen um ein Vermögen in der unvorstellbaren Höhe von 5 Milliarden Dollar gekümmert haben will.

In nächtlichen Flügen in Privatjets sollen kistenweise 500-Euro-Noten aus der Region, wo die Kirchners herkommen, in die Hauptstadt Buenos Aires transportiert worden sein. Danach sei das Geld weiter verteilt worden.

Drahtzieher sei der bekannte Bau- und Öl-Unternehmer Lázaro Báez gewesen, heisst es in argentinischen Medien.

Báez gilt als einer der „besten Freunde“ von Cristina und früher Néstor Kirchner. In der Berichten wird der Unternehmer als „Strohmann“ von Ex-Präsident Kirchner bezeichnet.

Unternehmer Báez habe „dem Land 55 Millionen Euro“ entzogen, schrieb gestern Clarín, die grösste Tageszeitung Argentiniens; mit Methoden, die „typischerweise zum Waschen illegal erworbener Gelder verwendet“ würden.

Waren die vielen Banknoten einmal in der Hauptstadt angelangt, soll eine Finanzboutique namens SGI ins Spiel gekommen sein. Diese habe das viele Geld teilweise ins Ausland verschoben.

Sitz von SGI sei eine Immobilie im Hafenquartier Puerto Madero in der Hauptstadt Buenos Aires.

Im gleichen Gebäude besitzen die Kirchners laut den Medienberichten zwei Wohnungen und acht Parkplätze; ebenfalls hat dort Cristina Kirchners Vize Amado Boudou seinen Wohnsitz.

Einer der Söhne des Unternehmers Báez, Martín, ist offenbar der Hauptaktionär einer Gesellschaft namens Teegan Inc. mit Sitz in Belize, ein klassisches Offshore-Paradies. Dort seien die Gelder zum Teil gelandet.

Gemäss den Recherchen des Journalistennetzwerks „Periodismo Para Todos“ zeigen Dokumente, dass Teegan Inc. auch ein Konto bei der Genfer Lombard Odier über 1,5 Millionen Dollar hatte.

Das Geld auf dem Teegan-Konto bei Lombard Odier stamme aus den nächtlichen Bargeld-Flügen aus der Kirchner-Heimatprovinz in die Hauptstadt Buenos Aires, schreiben die Medien.

Für das Aushängeschild der renommierten Genfer Bank könnten die Enthüllungen in der argentinischen Presse zum Problem werden.

Patrick Odier ist nicht nur Senior Partner von Lombard Odier, sondern auch Mister Banking der Schweiz. Odier präsidiert die Bankiervereinigung und ist damit der oberste Lobbyist der Branche.

Als die USA ihren Druck auf über 10 Schweizer Banken erhöhten und vor Jahresfrist gar die Bank Wegelin zur Aufgabe gezwungen hatten, hielt sich Odier nicht mit Kritik zurück.

Falls die Amerikaner mit ihren Vorwürfen recht hätten, dann habe Wegelin „ganz klar im Widerspruch zur Strategie des Finanzplatzes gehandelt“, meinte Odier in der NZZ.

„Institutionen, die sich falsch verhalten haben, müssen dafür auch die Verantwortung übernehmen.“

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

13 Kommentare zu “Lombard Odier gerät in Argentinien-Skandal

  1. Wie bitte? Lombard Odier von Skandalen verschont? Was war mit Usbekistan oder PP-Skandal (Spanien) etc.? Einfach mal googeln „Lombard Odier Skandal“. Interessant zu lesen: Stichworte: Alexander Kotchoubey, Michael Zrihen, Madoff…

  2. Der Präsident der Bankier-Vereinigung, Herr Odier, hat sich kürzlich als Verfechter des automatischen Informations-Austausches geoutet. Es gehe um Ehrlichkeit und (opportunistischem) Anpassen an die sog. internationalen Regeln. Die Schweiz müsse mitmachen wegen der Bedeutung des Schweizer Finanzplatzes. Nun zeigt sich, dass das für Herrn Odier nur für die andern gelten soll. Der Fall Wegelin kommt einem in den Sinn. Hummler musste verkaufen und abtreten. Geschieht nun ähnliches mit Odier? Soll man wetten, dass er bleibt?

  3. Was soll denn dieser Report? Kann ja nicht sein das CS,UBS,Wegelin erwischt worden sind aber alle anderen „Schweizer Banken“ sich im gleichen Marktumfeld „sauber“ verhalten haben. Von wegen Kuh. Der (n+1) Schuh des Lippenstift verschoenerten Schweins wird bald zu Reden geben.

  4. Berichte wie dieser erinnern mich frappant an Berichte über Profi-Radsportler die gedopt haben. Die Frage ist doch nur ob und wann sie erwischt werden, nicht aber ob sie gedopt haben. Beim Schweizer Finanzplatz ist es ähnlich…

  5. Private Banking à la genèvoise und Weissgeldstrategie haben etwa soviel gemeinsam wie Rocker und Heilsarmee.

    • Ja? Und Private Banking à la St-Galloise mit Wegelin oder à la Zurichoise mit ZKB? Die Eine existiert nicht mehr, die Andere wird untersucht, inwieweit sie auch viel Dreck in ihren Konten hat!

  6. Wieso AUF Belize? Belize ist doch keine Insel, sondern liegt auf der Halbinsel Yucatan, süd-westlich von Mexico. Item.
    Bargeldflüge aus Südamerika ist eher das Geschäft der Miami Banken. Sonderbar, dass soviel Bargeld den Weg bis nach Genf fand. Könnte das eine Uraltgeschichte sein?

  7. Dem Genfer Finanzplatz steht noch einiges bevor. Die Westschweizer Finanzinstitute vor Ort haben dermassen viel Dreck am Stecken, das geht auf keine Kuhhaut. Muh.