Finma nimmt Bank Frey an die kurze Leine

Bern ist „eng dran“ – Präsident Markus Frey profitiert von US-Bauernopfern, sein CEO hat Fifa-Vergangenheit.

Für die kleine Zürcher Bank Frey wird die Lage ungemütlich. „Da sind wir sehr eng dran“, sagte gestern Abend ein Sprecher der Finanzaufsicht in Bern (Finma).

Auf die Frage, ob die Bank überleben werde, meinte der Sprecher: „Das Vorgehen muss uns überzeugen.“

Die Bank Frey ist mitten in den US-Steuerkrieg geraten. Gestern gab das Institut die Suspendierung ihres Geschäftsleitungsmitglieds und Chefs des Private Bankings bekannt.

Der Manager war vor Wochenfrist von den USA wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung angeklagt worden.

Mit dem Finma-Vorstoss, der nicht mehr weit von einer Übernahme der operativen Kontrolle entfernt scheint, steigt der Druck auf Bankpräsident Markus Frey.

Frey ist der Sohn von Hugo Frey, ein bekannter Anwalt, der früh mit der Vermögensverwaltung für seine Klienten begonnen hatte. Sohn Markus beschloss im 2000, die Bank Frey zu gründen.

Gemäss Wikipedia beschäftigt das kleine Institut 25 Mitarbeiter und hat eine Bilanzsumme von rund 250 Millionen Franken.

Die Familienwerte werden hochgehalten.

„Dr. Markus A. Frey amtet als Verwaltungsratspräsident der Bank Frey und ist Garant dafür, dass das Vermächtnis der Familie weitergetragen und die etablierten Prinzipien aufrecht erhalten bleiben“, steht auf der Homepage der Bank mit Sitz an der Zürcher Bahnhofstrasse.

Frey ist im Hauptamt Chef-Partner der renommierten Zürcher Anwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey (NKF), die von seinem Vater mitbegründet worden war.

Die Kanzlei zählt zu den Top Five auf dem Wirtschaftsplatz und gilt als Anwaltsbüro der Grossbanken. Eine Partnerin wurde kürzlich in den Verwaltungsrat der UBS gewählt, worauf sie NKF verliess.

Markus Freys Spezialität sind Strukturen. Auf der NKF-Homepage finden sich unter seinem Profil zahlreiche Expertisen, die mit Steuern zu tun haben.

Dazu zählen „restructuring existing trust settlements and implementation of new tax-efficient and worldwide compliant holding structures“, „Trust Litigation“, „International estate planning“, „setting up and representing tax-exempt charity organisations“.

Frey habe neben seinem „strong academic background“ auch ein Flair für Unternehmertum, wird weiter ausgeführt. Als Beleg folgt eine Liste von Gründungen und VR-Mitgliedschaften.

Besonders ins Auge sticht die Interhold AG, „a reputable fiduciary and trust administration company“. Diese sei 1946 von Freys Vater gegründet worden, schreibt NKF.

Die Interhold AG kommt unscheinbar daher.

„Zweck der Gesellschaft ist das Erbringen von Rechtsdienstleistungen im In- und Ausland durch in der Schweiz registrierte Anwältinnen und Anwälte und andere qualifizierte Berater sowie damit verbundene Tätigkeiten“, heisst es im Handelsregister.

Tatsächlich ist die Interhold die eigentliche Trust- und Strukturenfirma der Anwaltskanzlei NKF, die mit rund 170 Angestellten zu den grössten Wirtschaftskanzleien des Landes zählt.

In der Interhold sind die obersten Köpfe von NKF vertreten.

Präsidiert wird die Interhold von Thomas Graf, gemäss Handelsregister Vizepräsident von NKF. Graf ist auf der NKF-Homepage als „Certified Tax Expert“ aufgeführt.

Im VR der Interhold sitzt mit Andreas Casutt ein weiterer NKF-Partner. Gemäss HR ist Casutt Präsident der Anwaltskanzlei NKF, die als Aktiengesellschaft in Zürich mit Sitz an der Bahnhofstrasse eingetragen ist.

Der Dritte im Interhold-Bund ist Markus Frey. Er sitzt seit 21 Jahren im VR der Strukturen-Firma.

Zusammen bilden die 3 NKF-Spitzenpartner das Expertenteam für Trusts und Strukturen innerhalb der Top-Kanzlei.

Trotz der engen Verzahnung von Steuerberatung, Trusts und Strukturen sowie eigener Bank ist Markus Frey von den USA bisher persönlich verschont geblieben.

Stattdessen haben die Amerikaner einen Anwaltskollegen von NKF sowie ein Mitglied der Geschäftsleitung seiner Bank Frey ins Visier genommen.

Freys Kanzlei NKF beeilte sich danach zu sagen, dass der betroffene Partner, ein Schweiz-US-Doppelbürger mit Anwaltspatent in New York, schon vor Monaten die Partnerschaft verlassen habe.

Das stimmt offenbar nicht. In Zürcher Anwaltskreisen heisst es, der betroffene E.P. sei noch in den Tagen vor der Bekanntgabe der Anklage von letzter Woche im Büro an der unteren Bahnhofstrasse angetroffen worden.

NKF verweist bei Anfragen an Markus Frey. Dieser liess mehrere Anrufe mit Nachricht auf seiner Combox unbeantwortet.

Mit dem Ausscheiden des Partner-Kollegen haben NKF und Markus Frey möglicherweise ein Bauernopfer gefunden.

Ebenfalls als Bauernopfer könnte die Suspendierung des Geschäftsleitungsmitglieds bei der Bank Frey betrachtet werden.

Dort hat ein Interimschef die operative Leitung. Er heisst Flavio Battaini, ein Mann, der in der Fussball-Vermarktung gross geworden ist.

Banking nimmt in Battainis Curriculum hingegen einen kleinen Stellenwert ein.

Battaini spielte eine Rolle im Machtkampf in der Weltfussballorganisation Fifa ums Jahr 2002. Er galt damals als enger Vertrauter von Fifa-Präsident Sepp Blatter.

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12 Kommentare zu “Finma nimmt Bank Frey an die kurze Leine

  1. Niederer Kraft & Frei die „Kanzlei der Grossbanken“? Wenn man die Anklageschrift liest, scheint es, dass die Topanwälte wie E.P. auch mal ganz kleine Brötchen backen: schön gestückelte kleine Schecks, Vermögenstransfer mittels Diamanten, verschlüsselte Mails … Ts, Ts, Ts, sowas tut eine feine Kanzlei nicht, auch wenn es sich nur um solche „Peanuts“ handelt! Die Kanzlei hat Glück, dass sie nicht in den Strudel der Anklage gerissen wird. Als der Zürcher Anwalt Hans Bodmer verhaftet wurde, kam auch die feine Kanzlei von Meiss Blum & Partner unter die Räder.

  2. Schon vor Monaten die Partnerschaft verlassen? Auf der NKF-Website war E.P. noch mindestens bis zum 18. April 2013 als Partner aufgeführt, samt CV und Beschreibung seines Spezialgebiets: International private client work, wealth transfer planning, successions, trusts and foundation, on-shore and off-shore
    structures, private banking and individual taxation.

    Nicht ohne Stolz wurde dort noch folgendes zitiert:

    Legal 500 mentions in 2012 the following: “Niederer Kraft & Frey’s ‘outstanding’ private banking team provides ‘sound,
    well-thought-out’ advice, and is co-headed by E.P. and Markus Frey.”

  3. Nach den Bauern-Opfer folgen oft, ganz ungewollt, die Todesanzeigen?
    —————————————
    Es ist zu befürchten, dass bis Ende 2013 die eine oder andere ’schöne Instiution‘ die Steuer-Pressionen nicht überleben wird.

    Da helfen selbst hochtrabende Website – Anpreisungen nicht weiter. Erst recht dann, wenn für die offerierten Dienstleistungen schlichtweg die Nachfrage gerade obsolet wurde.

  4. Frey sen. und jun. sassen auch während Jahrzehnten im VR der Clariden sel.

    U. a. haben sie dem bei Hoffmann/Stalder in Ungnade gefallen Rechtskonsulenten mit einer Anstellung bei der Interhold geholfen.

    • Quatsch. Interhold war damals einfach attraktiver. Der Fall kam später, weil Zouftmeischter N. die GwG-Vorschriften nicht ernst genommen hat.

  5. Na ja, wer MAF (Markus Frey) wirklich kennt, der weiss, dass er ein ganz guter Typ ist. – Vielleicht tanzt er wohl manchmal auf zuvielen (unternehmerischen) Hochzeiten und hat dann den „Einzelcase“ nicht mehr so im Griff.

    • Ja, manchmal führt Frey – mit viel Vertrauen in die Leute – an der zu langen Leine, was ihm schliesslich Verdruss bereitet. Denke, das war bei der Bank hier auch ein bisschen so.

    • Die FINMA wäre gut beraten die Bank Frey zu schliessen um weitere Reputationsrisiken für den Finanzplatz Schweiz zu vermeiden und die Resourcen dafür zu verwenden, um die Muttergesellschaft Interhold etwas genauer auf die Finger zu schauen. Wenn es die schweizerische Aufsichtsbehörde nicht macht, wird es sicherlich das Offshore-Leaks-Projekt zu Tage fördern.