ZKB sucht Chef für explosiven Derivateberg

Abtretender Philipp Halbherr hinterlässt 450 Mrd., Stellvertreter Isele müsste bei Sprung auf Lohn verzichten.

Das Investment Banking der Staatsbank ZKB heisst neuerdings „Institutionals & Multinationals“. Das klingt nach seriösem Kundenbusiness statt nach riskantem Tradinggeschäft.

Genau das könnte die Absicht sein. Die Volumen im explosiven Derivatehandel der Zürcher Kantonalbank schiessen nämlich durchs Dach.

2012 hatte die ZKB eine totale Derivateposition von 451 Milliarden in den Büchern. Im Jahr zuvor waren es erst 376 Milliarden. Damit betrug der Zuwachs in einem Jahr satte 20 Prozent.

Der Mann hinter dem Derivate-Feuerwerk beim nur scheinbar konservativen Staatsinstitut heisst Stephanino Isele.

Isele, ein 50-jähriger Zürcher mit Doktorabschluss und Lehr- und Wanderjahren bei der Wallstreet-Investmentbank Morgan Stanley, kennt das Business. Bei Morgan Stanley war er bis 2007 zuständig für Aktienderivate.

Nun könnte Isele nach 5 Jahren ZKB zum Sprung an die Spitze ansetzen. Sein Chef, der Leiter des ZKB-Handels- und Kapitalmarkts Philipp Halbherr, geht nächstes Jahr in Pension.

Das teilte die ZKB in einer internen Mitteilung von Ende Februar ihren Mitarbeitern mit.

Darin wird Halbherr, der einen massgeblichen Anteil am Absturz seiner Bank in der Sulzer-Affäre von 2007 hatte, in den höchsten Tönen gelobt.

Mit „Kreativität“ und „seinem profunden Wissen“ habe Halbherr seinen Bereich geprägt.

Isele ist bereits heute Halbherrs wichtigster Mann.

Als Handelschef ist er Halbherrs Stellvertreter. In dieser Funktion geht Isele als interner Favorit ins Rennen um die Leitung des Gesamtbereichs.

Dieser boomt innerhalb der ZKB am stärksten und trägt immer mehr zum Gewinn der Gesamtbank bei.

Die Regelung der Nachfolge würde „in den nächsten Wochen“ angegangen, hielt die ZKB im Intranet fest. Zuständig ist der Bankrat als Obergremium der grössten KB des Landes.

Der massive Derivateaufbau bei der ZKB dürfte nicht auf Halbherrs Konto gehen, sondern auf jenes seines Handelschefs Isele.

Wie gross die Derivate-Maschine, diese laut dem US-Investoren Warren Buffett „Massenvernichtungswaffe der Finanzindustrie“, inzwischen geworden ist, zeigt ein Vergleich mit der führenden Schweizer Grossbank.

Die UBS weist in ihrem Quartalsbericht unter ihren Derivat-Positionen 382 Milliarden „Positive replacement values“ und „Notional values“ über 9’990 Milliarden aus.

Im Vergleich dazu wirken die 450 Milliarden der ZKB als vertretbar.

Die Frage ist grundsätzlich. Soll die mit einer hundertprozentigen Staatsgarantie des Zürcher Steuerzahlers ausgestattate ZKB das riskante Derivategeschäft überhaupt betreiben?

Hinter den 450 Milliarden steckt tägliches Handelsgeschäft. Die ZKB hat unter ihrem Handelschef Isele seit der grossen Finanzkrise mehrere Teams der beiden Multis UBS und CS verpflichtet.

Diese drehen ihr Rad nun bei der Kantonalbank. Weil die ZKB dank ihrem Sonderstatus niemals so stark auf den öffentlichen Radarschirm gerät, geht diese Geschäftsausweitung weitgehend unbemerkt vonstatten.

Für Handelschef Stephanino Isele hat sich die Strategie bezahlt gemacht. Er gilt heute als bestbezahlter Angestellter der ZKB.

Offiziell ist CEO Martin Scholl mit knapp 1,6 Millionen plus einer Anwartschaft von geschätzten 300’000, die ihm in der Zukunft zufallen könnte, der ZKB-Manager mit dem höchsten Lohn.

Das hängt mit der Offenlegung zusammen. Heute werden nur die Saläre und Boni der Bankräte als Aufsichtspersonen sowie der gesamten Geschäftsleitung gezeigt, zudem weist die ZKB wie die meisten anderen Banken das höchste Salär ihres obersten Kadermanns aus.

Handelschef Isele steht nun vor dem Dilemma, den nächsten Karriereschritt ins operative Obergremium der Bank zu machen, was Ehre und Glamour verspricht.

Dann aber müsste Isele wohl auf einiges seines Topsalärs verzichten. Dass Isele als GL-Mitglied mehr erhalten würde als CEO Scholl, ist wenig wahrscheinlich.

Somit könnte Isele lieber im Handel bleiben und weiter viel Geld beziehen.

Dann aber wäre die Frage, was der neue Vorgesetzte Iseles für eine Rolle spielen würde.

Wäre er nur ein Hampelmann?

Kommentare

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  1. Wieso bezahlt man dem Herrn Isele so viel für das Spiel mit dem Geld anderer Leute? Solange es halbwegs gut geht, streichen er und seinesgleichen Millionen ein, wenn das Kartenhaus dann irgendwann mal zusammenfällt, setzt man sich halt zur Ruhe. Win-Win, ausser für den Steuerzahler. Hat man beim Kanton denn gar nichts gelernt aus der ganzen Krise??? Beängstigend…sehr beängstigend!

  2. Habe Halbherr im Militär erlebt. – Etwas Lahmarschigeres bzw. Phlegmatischeres gab es zu der Zeit nicht. Na ja, vielleicht war er ja ein geheimer Protestler. – Ein Rätsel, wie er sich bei der ZKB in diese Position bringen konnte.

    • Darf man hoffen seine Derikontrakte sind genau so lahm und phlegmatisch, schlurfen apathisch daher, fallen nicht um? Lol

  3. „Die Frage ist grundsätzlich. Soll die mit einer hundertprozentigen Staatsgarantie des Zürcher Steuerzahlers ausgestattate ZKB das riskante Derivategeschäft überhaupt betreiben?“

    N E I N und nochmals N E I N

    Wenn es überhaupt noch interessiert, hier meine alte Leier unter altem Nick:
    https://insideparadeplatz.ch/2013/01/10/zkb-will-fuenfer-weggli-und-baeckerstochter/#comment-5385

    Die Frage ist nicht ob es da tschätteren wird nur wann, der Zeitpunkt. Dieses realwirtschaftlich absolut nutzlose gambling mit Virtualkontraktwerten, ohne underlying, geht nur solange Gratisgeld der Zentralbanken fliesst, die Gegenparteien nicht umfallen. Kurz: die beteiligten Finanzjongleure die Bälle in der Luft behalten können.

    Good luck Zürich, good luck Switzerland.

    • Charles Munger, Vice Chairman von Berkshire Hattaway, und langjähriger compagnon von Warren Buffett:

      „I do not see why massive derivative books should be mixed up with government-insured deposits…The more bankers want to be like investment bankers, instead of like bankers, the worse I like it.“

      (Bloomberg, May 5 2013 „Munger Decries Wall Street Approach at Deposit-Taking Banks“)

  4. Mr. Isele geniesst zweifelsohne einen ausgezeichneten Ruf in der Branche und innerhalb der ZKB. Er gilt als hochkompetenter Manager des Handels…und genau dies ist der springende Punkt. Isele befindet sich weit weg vom Vertrieb – insbesondere dem privaten. Er verfügt über (fast) keine Kompetenzen und know-how im asset Management und anderen immer wichtiger werdenden Geschäftszweigen innerhalb des Investmentbanking…äähhh Sorry im Institutionals und multinationals. Der neue Name sollte die Nähe zum Vertrieb symbolisieren und das unbeliebte Investmentbanking verschwinden lassen. Auch wenn dies nicht der Realität entspricht wie LH richtig schreibt. Spannend auch zu beobachten wie der Derivate Chef Prof. V. ihm auf der Nase herumtanzt, ohne dass isele irgendetwas unternimmt…man darf gespannt sein. Aber vielleicht kommt ja ganz jemand anders zum Handkuss, warten doch noch Ammann und siegrist auf einen Posten ganz oben in der Chefetage. Obwohl der zweitere selbst auf der jetzigen Stufe eigentlich nichts verloren hat. Sein einziger wirklicher leistungsausweis: oberstift von Scholl!!! Damit sind die Chancen auf einen chefposten um mind. 100 Prozent gestiegen.

    • Das ist jetzt aber ungerecht gegenüber R. S.:

      Am Sechseläuten Montag überragt er beim Umzug durch die Bahnhofstrasse (im Beduinenlook und mit Sousaphon!) doch alle…. Ist das etwa kein Leistungsausweis?

  5. „1“ kommentar? scheint ja niemanden vom hocker zu reissen, diese story. ich nehme mal an, dass die position nicht abschliessend, sprich genettet, erwähnt wurde. was spricht dagegen, derivatpositionen eines institutes erwerben zu dürfen, das staatsgarantie hat? wieviele PK’s „weichen“ auf diesen anbieter aus, gerade wegen der bonität? die antwort überlasse ich den politikern, wobei die das eh nicht interessiert. herr isele pflegt hoffentlich noch weiterhin kontakte ins wallis, da gibts in einer autofreien gemeinde eine schöne schenke, die den vornamen eines wizzkids trägt, das ihm sicher beim einen oder anderen deal zur seite stehen kann……begleitend, wobei sich die zeiten geändert haben.

  6. Die ZKB ist – im Gegensatz zu den beiden „Grossen“ – keinen Aktionären gegenüber Rechenschaft schuldig. Die „Rechenschaftsfunktion“ gegenüber dem Kantonsrat ist aufgrund der Besetzung des Bankrats mit Politikern ohnehin eine Veranstaltung in „eigener Sache“ und zielt am steuerzahlenden Kantonsbürger vorbei. Zumal sich darunter auch ein Bankratsmitglied befindet, das im Zusammenhang mit Swissfirst-Transaktionen bei Pensionskassen medial in Szene geriet. Das ist unschön, selbst bei sog. „eingestellten Verfahren“…
    Im übrigen wäre es hilfreich, wenn die ZKB ihre jeweils neu gesprochenen und das Volumen an Betriebskrediten an KMU im Kanton Zürich veröffentlichen würde. Dies in Gegenüberstellung zu neu eingegangenen und offenen Derivatkontrakten. Dann kann sich auch ein Aussenstehender ein Bild der Verhältnismässigkeit machen. Alles andere wäre tatsächlich nur Spekulation!