Spielhölle Kantonalbank

Staatsinstitute forcieren Trading, Risiko trägt der Steuerzahler – Strategie verletzt Leistungsauftrag.

Vor 2 Wochen ging der langjährige Handelschef der Basler Kantonalbank (BKB). Knall auf Fall, nach 17 Jahren.

Jetzt will die BKB ihr Trading überprüfen. Der Bereich ist zuletzt in die Höhe geschossen: 2012 machte die Bank 99 Millionen Gewinn im Handel, praktisch eine Verdoppelung.

Die boomende Sparte war entscheidend für den steigenden Reingewinn der Nummer 3 der Schweizer Kantonalbanken. Dieser wäre sonst stagniert.

Die BKB ist nicht allein mit ihrer Expansion im Trading.

Fast alle grossen Staatsbanken forcieren seit der Krise von UBS und CS ihr Handelsgeschäft. Sie jagen den Grossen ganze Teams ab, denen sie danach freien Lauf lassen.

Ein besonderes Beispiel ist die führende Staatsbank der Schweiz, die Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Nachdem sie 2007 mit intransparenten Optionendeals zum Ausverkauf von Oerlikon und Sulzer beigetragen hatte, fuhr die Bank ihren Handel kurzzeitig massiv herunter.

Kaum brach die Krise bei den beiden Grossbanken aus, legte die ZKB wieder den Vorwärtsgang ein.

2012 habe sie „das drittbeste Handelsergebnis in der Geschichte der Bank erzielt“, jubiliert die ZKB-Spitze im Geschäftsbericht.

Fast 400 Millionen verdiente das Staatsinstitut im Trading. Zum Vergleich: Der gesamte Reingewinn belief sich auf 750 Millionen.

Die forsche Expansion der Kantonalbanken ins riskante Kasino-Banking ist die Folge des billigen Geldes. Im Zinsgeschäft, wo die Staatsinstitute traditionell stark sind, ist die Luft draussen.

Nun rennen fast alle in die gleiche Richtung. Selbst in der Ostschweizer Provinz steht der Handel hoch im Kurs.

Die St. Galler Kantonalbank erhöhte ihr entsprechendes Spartenergebnis von 39 Millionen im 2011 auf 45 Millionen im letzten Jahr.

Einpeitscher ist CEO Roland Ledergerber. Der war einst bei der UBS und führt die SGKB seit Jahren mit eiserner Faust.

Mehr Trading machte sich für Ledergerber bezahlt. 2012 erhielt der St. Galler Chef 1,2 Millionen.

Damit setzt Ledergerber neue Massstäbe. Seine Bank ist fünfmal kleiner als die führende ZKB. Dort kriegte der Chef 1,6 Millionen, unwesentlich mehr als der St. Galler CEO.

Mehr Handel heisst mehr Absturzgefahr. Im Fall von Verlusten haften bei den meisten Kantonalbanken nicht private Aktionäre, sondern der Staat. Sprich die Steuerzahler.

Über Risiken mit möglicher Staatshaftung verlieren die Kantonalbanken-Chefs kein Wort. Viel lieber legen sie sich das Mäntelchen der Gut-Banker um.

„Unser Leistungsauftrag umfasst die Versorgung der Bevölkerung mit Finanzdienstleistungen, die Unterstützung des Kantons bei Aufgaben in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit Umwelt und Gesellschaft“, hält die Zürcher KB fest.

Dass das Handelsgeschäft massiv ausgebaut werden soll, darüber steht nichts im Auftrag.

Das ist Kalkül. Würde die ZKB die Expansion offiziell zur Strategie erklären, dann käme es zu einem politischen Aufstand im Kanton. Staatsgarantie und Tradinghaus – das geht nicht zusammen.

Auch bei der zweitgrössten KB, jener im Waadtland, wird das Wort „Trading“ tunlichst verschwiegen.

Nach Gesetz sei die BCV „eine kundennahe Universalbank mit der Aufgabe, kantonsweit alle Bereiche der Privatwirtschaft zu fördern und die öffentlichen Körperschaften bei der Finanzierung ihrer Aufgaben zu unterstützen“, heisst es dort.

Betont werden Nachhaltigkeit und Nutzen für alle. „Als Kantonalbank setzt sie sich insbesondere für die kantonale Wirtschaftsentwicklung im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung unter Berücksichtigung wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Kriterien ein“, hält die BCV fest.

Die Basler KB gibt zwar zu, einen „aktiven Handel mit Wertschriften, Devisen, Sorten und Edelmetallen sowie mit Finanzderivaten im Auftrag der Kunden und auf eigene Rechnung“ zu betreiben, betont dann aber umgehend die Beschränkung des Risikos durch „vorgegebene Limiten, aber auch durch eine vorsichtig definierte Risikotragfähigkeit der Bank“.

In ihrem Leistungsauftrag hält die BKB fest: „Während sich das Stammhaus Basler Kantonalbank im Retailgeschäft aufgrund seines Leistungsauftrages auf die Nordwestschweiz konzentriert, werden Private Banking-Kunden durch die vier Einheiten in Basel, Riehen, Zürich und Bern flächendeckend betreut.“

Auch da: Von einem Ausbau des Handels keine Rede.

Kommentare

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  1. Finde es immer spannend, welch Tricks die Verfasser solcher Artikel verwernden.

    Zitat: Fast 400 Millionen verdiente das Staatsinstitut im Trading. Zum Vergleich: Der gesamte Reingewinn belief sich auf 750 Millionen.

    Das sieht nach enormen Risiko aus – 53% des Reingewinnes, denkt der Leser – nur trickst der Verfasser hier mustergültig. Bei den 379 Mio. handelt es sich um den „Nettoerlös“ aus dem Handel. 750 Mio sind effektiver „Reingewinn“. Das operating income der ZKB beträgt 2’122Mio, womit die 379Mio mit mit 17,8% auf einmal nicht mehr so ins Gewicht fallen.

    Soviel zu Kasino-Recherchen.

  2. Gibt es denn so etwas?! Die Kantonalbanken spielen sogar bei Offshore-Leak eine Rolle, das Fass beginnt langsam aber sicher überzulaufen!!!! Jetzt isch Schluss mit Staatsgarantie und Leistungsauftrag, wir müssen die Kantonalbanken ihrem Schicksal überlassen, bevor wir Milliarden in diese Pumpen müssen.

  3. Immer spannend, lesenswert, leider kann Ihr Text auf Mac mit Safari
    nicht Größer/lesbarer gestellt werden, wie meist üblich. Schade.

  4. trading Erfolg: Frage? Wo (bei wem) verbuchen die Banken die Margen der Kundentrades… Im Trading oder beim Kundenbetreuer?? In welchem Töpflein. Speziell im Devisenhandel.

    • Das kommt an, um welche Bank es sich handelt… kann somit leider nicht pauschal gesagt werden!

  5. Und wieder wird politisch am Thema vorbei diskutiert.
    Die Frage lautet: brauchen die KB’s eine Handelsabteilung, und in welchem Umfang?
    Die Antwort ist ganz klar ja, mit strikten Limiten, sonst steht die Vermögensverwaltung bei Kursanfragen von nicht börsenkotierten
    Titeln, Edelmetallen und Devisen u.a.im offside.

    • Nö, brauchts doch überhaupt nicht. Es braucht höchstens Kompetenz in Best Execution im Sinne des Kunden.

    • Nein, die Frage ist: brauchen die KB eine Staatsgarantie. Sie reduzieren die Frage auf Limiten in der Handelsabteilung. Diese Eingrenzung ist zu eng. Es sind ja gerade die Rahmenbedingungen (=Staatsgarantie), die zu mehr Risiko animieren. Die „Risikofreudigkeit“ nimmt bei Vorliegen einer Staatsgarantie zu und nicht umgekehrt!

  6. Das angeblich gute BKB-Handelsergebnis im 2012 kam v.a. deshalb zustande, weil die Basler, im Zuge von ASE und USA, ihr Tafelsilber verhökern mussten.

    Alleine für den unter Verschluss gehaltenen Bär & Karrer-Bericht hat die BKB fast 2 Mio in den Sand gesetzt. Dass in der BKB Filiale in Zürich grosse Compliance Missstände herrschten, hätte man gratis hier in IP am 21.1.2012 bereits nachlesen können.

    Immerhin werden GL und Bankrat ermuntert an ihren BKB-PS festzuhalten…

    • @Reto Hunziker: Solche Vergleichsportale sind für die Katz! Was wird verglichen? Unrealistische Beispiele…

      Kunde kauft 5 Titel a 25000′ bla bla…
      –> bei 25’001.– pro Titel sieht die Rangliste wieder völlig anders aus, da es Banken gibt, die Staffeltarife anwenden, andere mit prozenutalen und andere mit gemischten Tarifen. Aber Details – Ihr Kommentar ist überflüssig.

  7. Dass der seit 2008 erfolgte substanielle Zufluss an Kundengeldern auf die Kantonalbanken weitgehendst auf die Staatsgarantie zurückzuführen ist, muss hier nicht diskutiert werden. Erstaunlich ist allerdings, dass sich jene bürgerlichen Politiker, die sich sonst vehement gegen Staatseingriffe wehren, hier eine Ausnahme machen, sobald sie im Bankrat sitzen. Andere Exponenten bürgerlicher Politik, die ebenfalls markant gegen Staatseingriffe auftreten, möchten gar, dass sich der Bund (d.h. der Steuerzahler) am Steuerstreit mit den USA finanziell beteilige. Wo bleibt da die Gaubwürdigkeit?

    http://www.parlament.ch/ab/frameset/d/n/4907/403748/d_n_4907_403748_404208.htm

  8. Einen solchen Bericht möchte ich gerne mal in einer etablierten Zeitung sehen oder zu mindest unseren Kantonspolitikern zuspielen. Ich glaube kaum, dass dies dem Grossteil der Bevölkerung bewusst ist – Aufklärung ist gefordert.

    • Ich kann’s nicht lassen und muss mich immer wieder wiederholen https://insideparadeplatz.ch/2013/01/10/zkb-will-fuenfer-weggli-und-baeckerstochter/#comment-5385

      Es ist ein Mysterium warum die Politiker die hier vorbei lesen, und ganz genau verstehen, das ‚Volch‘ anscheinend immer noch für unmündig halten, oder nicht erschrecken wollen, und die wahren Risiken für die Schweiz weiterhin ignorieren, verdrängen.

      Es nimmt mich schon wunder, ob diese Risiken an den VR Sitzungen diskutiert werden, zum Beispiel ZKB, und in den Minutes dokumentiert werden. Ich hoffe wir müssen nicht auf forensische Untersuchungen warten um das zu erfahren – nach dem Ableben der Bank?

      NB: Um Verwechslungen zu vermeiden ist mein Nick jetzt maxmax

  9. Wenn ein Immobilienexperte und Ex-UBS Credit Officer dem Risk Commitee des ZKB Bankrates vorsitzt, dann wird er die Risiken des Handels mit Aktien, Bonds und Derivaten bestimmt nach objektiven Kriterien und in ihrer ganzen Tiefe beurteilen können. Good Luck ZKB.

  10. Das ist alles nur Psydo-Hande der KB’s. Sie verdienen Geld auf dem Buckel des Kunden. Börsenaufträge gehen über eigene Handelsbücher oder Risikowetten und Arbitragegeschäfte im Kapitalmarkt werden mit billigem Spargeld finanziert.
    Schlussendlich ist es immer die gleiche Leier, dass in der Schweiz Interessenskonflikte noch und noch bestehen und es niemanden wirklich interssiert. Vor allem die KB’s scheinen das Perpetuum mobile gefunden zu haben, weil die Politiker eben von links bis rechts die Dividende einkassieren wollen.

  11. Die Staatsgarantie unter dem Deckmantel eines Leistungsauftrages ist lächerlich… Lächerlich ist ebenfalls, dass alle Kantonalbanken beteuern, dass sie keine Staatsgarantie benötigen, diese jedoch nicht abschaffen möchten. Klar – wenn einem dadurch Vorteile auf dem Markt verschafft werden zum Schnäppchenpreis! Die Befürworter legen immer wieder die „Dividenden“ für den Kanton in die Waagschale, aber man bedenke, der Kanton könnte auch Anteile an anderen Firmen kaufen, mit weniger Risiken und würde mindestens gleich viel Dividenden erhalten. Oder warum verkauft der Kanton nicht einfach die Staatsgarantie gegen Entschädigung auch an andere Banken?

  12. Diesen Eindruck habe ich bereits seit einigen Jahren, mit diesem Artikel wird dies somit bestätigt. Grundsätzlich würde mich dies nicht stören, da ich jedoch Steuerzahler in einem betroffenen Kanton bin, finde ich es eine absolute Schweinerei! Und unsere unfähigen Politiker machen nichts dagegen, da Sie im Bankausschuss sitzen und mitverdienen… Interessant auch, dass sich gerade Parteien wie SVP und auch SP für die Staatsgarantie jeweils stark machen!!! Die SP, welche Banken per se als Feindbild sieht…

    Ganz einfach: Abschaffung der Staatsgarantie oder Rückbesinnung auf den „Leistungsauftrag“, welchen es sowieso nicht braucht!