Kleine Sallfort holt Entlassenen der BKB

Johannes Barth verspricht New Banking, setzt dabei auf Kantonalbanker mit Vergangenheit bei Anlagebetrug.

Johannes Barth will mit seiner kleinen Sallfort das Swiss Banking revolutionieren. Dafür nimmt der Mann mit der sanften Stimme und den höflichen Umgangsformen beträchtliche Risiken in Kauf.

Barth verpflichtete kürzlich jenen Kadermann, der im umstrittenen Zürich Office der Basler Kantonalbank (BKB) jahrelang eine zentrale Rolle gespielt hatte.

Die Rede ist vom Ex-Chef des Desks für die Externen Vermögensverwalter (EVV). Der Stelleninhaber gehörte zum engsten Führungszirkel des Zürcher Ablegers der Basler KB.

Im EVV-Bereich der BKB Zürich war es im Frühling 2012 zum grossen Knall gekommen.

Damals flog auf, dass eine Vermögensverwalterin namens ASE Investment, die seit Jahren zu den wichtigsten EVV-Kunden der Basler KB zählte, Hunderte von Kunden mit Devisen und Pennystocks betrogen hatte.

Die Aufsichtsbehörden gehen heute von über 100 Millionen Schaden aus. Es handelt sich um einen der grössten Anlagebetruge der letzten Jahrzehnte auf dem Finanzplatz.

ASE Investment ist zu einem Fall Madoff in lokaler Dimension geworden.

Der Geschäftsführer der ASE Investment wurde im Frühling 2012 verhaftet und verschwand sofort in Untersuchungshaft.

Die BKB versprach den betroffenen Kunden rasch Schadenersatz und stellte dafür 50 Millionen zurück.

Der Kadermann der Basler KB, der im Zürcher Ableger die Verantwortung für sauberes Geschäften der EVV trug, hatte Fax-Aufträge der ASE Investment mit gefälschten Kundenunterschriften akzeptiert.

Die Vorschriften für seriöses Banking hätten Anderes verlangt.

Jeder per Fax erteilte Auftrag sah vor der Ausführung eine Rücksprache mit dem Kunden vor. Ausnahmen waren nur erlaubt, wenn der Kunde Fax-Aufträge explizit erlaubt hatte, was in der Regel nicht der Fall war.

Das Durchwinken der Fax-Aufträge hatte Folgen. Der Basler KB-Manager und Verantwortliche für die EVV landete auf der Strasse.

Dort musste er nicht lange bleiben. Die nächste Chance bot sich gleich um die Ecke. Johannes Barth von der kleinen Basler Konkurrenz öffnete dem gefallenen Kantonalbanker die Tür.

Barth weiss um die Verfehlungen, findet diese aber keine Tragödie. Er betont, dass kein Strafverfahren gegen den Mann laufe.

„Früher waren Aufträge per Fax üblich, heute gilt das als verdächtig“, begründet Barth seinen Anstellungsentscheid. „Wegen dieser Praxisänderung ein paar wenige Exponenten zu hängen, wäre nicht fair.“

Für Barth fällt das Vergehen des Betroffenen in die Kategorie von Versehen – nicht gut, aber auch kein Grund für ewige Verbannung.

„Nur wegen verletzten Sorgfaltspflichten muss man jemanden nicht für immer bestrafen“, meint er.

Dass nun seine Sallfort Privatbank ins Kreuzfeuer der Kritik geraten könnte, schreckt Barth offenbar nicht ab. Für diesen Fall habe er Vorkehrungen getroffen.

„Die Anstellung geschah mit voller Transparenz, was die Vergangenheit betrifft. Auch die Finma ist informiert.“

Bei der angesprochenen Vergangenheit als Chef des EVV-Desks in Zürich geht es nicht nur um den ASE-Grossbetrug.

Auch Hunderte von Millionen unversteuerte US-Kundengelder, die zur Unzeit bei der BKB-Repräsentanz in der Limmatstadt landeten, gehen aufs Konto der damaligen Führungscrew, zu welcher der EVV-Chef zählte.

Ab 2008 nahmen die Zürcher BKB-Verantwortlichen unversteuerte US-Gelder im grossen Stil bei sich auf. Diese kamen von der UBS, die alle US-Schwarzgeld-Kunden aus der Bank schmiss.

Die Zürcher Truppe der Basler KB rieb sich die Hände. Intern war die Rede von ausserordentlichen Erfolgen bei der Akquisition von Neugeldern.

Die Zentrale in Basel machte die Partystimmung öffentlich.

„Sehr erfreulich entwickelte sich auch das Netto-Neugeld mit 1,3 Mrd. CHF, welches die starke Akquisitionsleistung und das ungebrochene Vertrauen in die Basler Kantonalbank zum Ausdruck bringt“, schrieb die Bank für die Zeit von Januar bis Juni 2009.

Damals war längst klar, dass sich die UBS an unversteuerten US-Geldern die Finger verbrannt hatte. Im Februar 2009 musste die Grossbank ein Schuldeingeständnis ablegen und eine Rekordbusse bezahlen.

Weil die BKB die Schwarzgelder trotz dem Fall UBS noch bei sich aufnahm, muss sie nun ihrerseits mit einer hohen Busse und im schlimmsten Fall mit einer Anklage rechnen.

Auch hier spielte das EVV-Desk vermutlich die entscheidende Rolle.

Das meiste Geld war über Ex-Kundenberater der UBS, die sich als Externe Vermögensverwalter im Markt etablierten, zum Zürcher Ableger der BKB gekommen.

Einige von ihnen gingen dort ein und aus. Eine Zeitlang hatten EVV ein Büro in den Zürcher Räumen der BKB.

Hinweis an Redaktion

Anonymous Box

  • Senden Sie Ihren Hinweis hier oder an +41 79 605 39 52. Lieber per Post?

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Ich kann Sie beruhigen, Herr Neumann, es handelt sich um die gleiche Person.

    Insgesamt entsteht der Eindruck, dass es ähnlich abgelaufen ist, wie beim ehemaligen Leiter der Zürcher BKB Filiale. Erst als Inside Paradeplatz aufdeckte, dass die mutmasslichen BKB-Komplizen bei einer anderen Bank wieder von vorne beginnen wollten, wurden FINMA und Staatsanwaltschaft aktiv.

    Es ist auch erstellt, dass der langjährige BKB-Compliance Chef seit Jahren über die Geschäftspraktiken im Zürcher Stockerhof bestens dokumentiert ist.

  2. Zusätzlich zeigt dieser ganze Fall, dass weder bei der FINMA, bei Anwaltskanzleien, Staatsanwaltschaften noch in andern untersuchenden Ämter jemand eine Ahnung vom Devisenhandel hat. Basiswissen und Theorie reicht nicht.

  3. @Alfred E. Neumann
    „… dann haette die FINMA wohl ganz anders ausgemistet.“
    Es könnte aber auch sein, dass die FINMA selbst viel mehr im Skandal steckt, als breit publiziert ist. Die Behörde hätte nämlich von der potentiell betrügerischen Geschäftsweise der ASE wissen müssen, war doch ASE-Chef M.S. bei der von der FINMA früher aufgebrachten „Max Entertainement“ engagiert. Zur Letzteren bestätigte die FINMA im Rahmen einer Untersuchung „illegalen Aktienhandel“ (siehe auch Handelszeitung 9.5.2012, Millionenschwindel …) Die ganze Angelegenheit ist sicher komplexer als öffentlich bis heute dargestellt wird!

    • Herr Kutscher, da haben sie absolut recht. in der ganzen sache haben saemtliche gremien und personen vollstaendig versagt. verwunderlich ist daher, dass der aktionaer, sprich der regierungsrat, nur zuschaut….

  4. @ arlesheimreloaded

    Hat Advokat Albrecht, Büroleiter bei Vischer und spezialisiert auf Immodeals, überhaupt das know-how und die Zeit um die BKB-Bonichefs zu überwachen? Zukünftig möchte er auch noch als Teilzeit-Hausmann tätig sein.

    In der „Schweiz am Sonntag“ vom 23.6.13 (Seite 33) wurde der BKB-CEO bereits öffentlich dazu aufgefordert, auf seinen Jahresbonus 2013 freiwillig zu verzichten.

    • Kürzlich schrieb jemand, es sollten nur Personen, wie alfred e. neumann, Kommentare abgeben, welche zum Thema auch wirklich etwas beitragen können.

      Recht hatte er….

  5. Mit Bezug auf den langjährigen BKB-Compliance Chef muss man sich schon fragen, wieso es die FINMA dabei bewenden liess, ihm einen Prüfbeamten zur Seite zu stellen? Der „Daig“ scheint auch in Bern zu funktionieren.

    So konnte er weiterhin in seiner abgehobenen Art an der PS-Versammlung erklären, die Lex USA sei v. a. für die Banken in der 2. und 3. Kat. wichtig. Weniger für die 1. Kat. welche schon seit Monaten mit dem DoJ verhandelt und bereits Unsummen für Homburger, US-Staranwälte und PR-Berater usw. ausgegeben hat.

    Weniger geübt im Pokerface scheint die Basler Finanzdirektorin zu sein. Ihre aufgerissenen Augen erinnerten frappant an die sprichwörtliche Maus vor der Schlange!

    Trotz diesen Beschwichtigungen ist der BKB-PS von CHF 104.- am 22.5.13 in der Zwischenzeit auf CHF 74.- „gecrasht“…

    • die verantwortlichen der BKB haben eigentlich ja nur „dussel“ dass die amis vor der tuer stehen. waere dies nicht der fall, dann haette die FINMA wohl ganz anders ausgemistet. So ist das ganze doch ein eiertanz fuer die FINMA um am schluss nicht noch der „buhmann“ zu sein. Sehr schnell wuerden sich die gewandten advokaten der BKB(GL und bankrat ist ja voll damit)von jeglicher schuld befreien.
      Sobald aber der USA-fall durch ist, ist ein durchgreifendes handeln des regierungsrates wohl angezeigt. dies duerfte fuer den kanton auch billiger sein.

  6. ist nun hier wirklich die frage, ob herr barth mut hat, extrem dumm ist, oder nur unsäglich naiv. wahrscheinlich ist es ein gefaehrlicher mix von allem, der dazu gefuehrt hat den bkb banker einzustellen.

    • weshalb hat denn nicht einer der zahlreichen external asset manager-freunde dem entlassenen unterschlupf gewährt?

      wahrscheinlich ist diese branche, wie „charledan“ erwähnt, bald besser reguliert als die banken selber. und sie hatten bezüglich geschäftspraktiken lange genug anschauungsunterricht genossen!

  7. Dieser Artikel zeigt treffend wie sich die Finanzbranche die Probleme, denen wir heute auch in der CH gegenüberstehen, weitgehend selbst eingebrockt hat: Päckli-Mentalität, (bewusstes) Unterlassen von Compliance-Vorschriften;Durchwinken von wissentlich zweifelhaften Transaktionen (Fax-Aufträge mussten seit jeher verfiziert werden); schiefes Belohnungssystem (Beförderung und Bonus) nur auf quantitativen Zuwachs an Kundenvolumen ausgerichtet, unabhängige VV, die sich ausserhalb der Sorgfaltsauflagen der Banken in z.T. undurchsichtigen Geschäftskonstrukten suhlten und ihre Verbindungsmänner in den Banken jeweils im weissen Couvert bei entsprechenden Mittagessen pekuniär abgalten… Ich sage damit nicht, alle seien so, aber: Diese Päckli-Banklagernd-Mentalität hat uns grösstenteils die Probleme beschert, mit denen der Finanzplatz heute konfrontiert ist. Um es im Klartext zu sagen: „schuld“ ist weder eine ausführende graue Eminenz in Bern oder der sog. globale Markt oder sonst irgend eine herbeigeredete, nicht personifizierte Instanz oder gar ein“ Land“, sondern massgebend „schuld“ und in diesem Sinne (vorsätzlich?) verursachend sind die oben skizzierten und im Artikel beispielhaft aufgezeigten Machenschaften. Zudem ist es höchste Zeit, dass die bisher geschonten externen Vermögensverwalter (EVV), die sich jeweils in der Komfort-Zone bedeckt hielten, mit den gleichen Compliance-Auflagen und Sanktionen wie die Banken versehen werden, damit diese „Päckli-Wirtschaft“ endlich eine Ende hat und uns nicht noch mehr Probleme beschert. Dabei unterscheide ich sehr wohl zwischen sog. „Fehlern“ und dem passiven Fördern (=Unterlassen).

    • @ Beobachter: Das Ausnützen von Beziehungen, oder wie Sie es nennen die „Päckli-Wirtschaft“, kommt wahrscheinlich in jeder Branche vor.

      Hier kommt jedoch noch hinzu, dass das Geschäftsgebahren frappant an andere gescheiterte Anlageberater erinnert.

    • Lieber Beobachter, Sie machen es sich da zu einfach mit dem Verurteilen der EVV. Immerhin hat der Verband der Schweizerischen Vermögensveralter die Mitgliedschaft der ASE abgelehnt und ASE war direkt von der FINMA beaufsichtigt! Heisst: Der VSV ist seinen Compliance-Auflagen voll gerecht geworden. Zudem werden die EVV von einer Revisionsstelle, welche immer stärekere Auflagen von der FINMA aufgebrummt erhält, jährlich auch auf GwG-Einhaltung geprüft, sind sie nicht direkt der FINMA unterstellt. Natürlich gibt es wie überall schwarze Schafe, auch in Ihrer Branche.

    • die BKB wurde ja nicht müde zu betonen, sie hätte umgehend Strafanzeige erstattet und eine untersuchung (Bär & Karrer) eingeleitet, nachdem sie das ponzi-system bei der ASE entdeckt habe.

      Fakt ist jedoch, dass die BKB während jahren nichts gemerkt hat. interne kritiker wurden mundtot gemacht oder sogar entlassen. auch nach einem domizilbesuch des heutigen BKB-CEO bei der ASE Investment AG in Frick wurde fröhlich weitergemacht.

      es war ein BKB/ASE-kunde, welcher merkte, dass seine BKB-kontoauszüge gefälscht waren!

  8. Ja, liebe Kommentarschreiber, welche so gerne die IP-Recherchequalität in Zweifel ziehen:

    Immer wieder interessant zu sehen, wie problemlos auf die „Ur-BKB-Story“ vom 21.2.12 (lange vor dem ASE/BKB-Skandal!) verwiesen werden kann.

    Leider hat der NR trotz den vielen BKB-Lobbyisten (Lehmann, Frehner, Fetz, Zanetti usw.) die Lex USA bachab geschickt. Trotzdem erlaubt sich BKB-Bankrat Markus Lehmann in der heutigen BaZ ein geradezu unerträgliches Lamento:

    Er möchte nicht mehr darüber diskutieren, was bei manchen Banken falsch gelaufen ist. Sondern lieber alles unter den Teppich kehren. Sorry, Herr Lehmann: Was macht den „Ihre“ BKB seit Jahren. Konsequent sämtliche, möglichen Fehler abstreiten! Nur gegenüber den USA möchten Sie auf die Knie gehen und plötzlich alles zugeben?

  9. Da es für die Akteure auf dem Finanzplatz Schweiz keine Lizenzierungen gibt, kann man eine solche auch niemandem für Verfehlungen endgültig entziehen.

    Auch erschwert es überhaupt einer Verfehlung nachzugehen. Kein Panel oder Schiedsgericht und wie so oft ist es fraglich, wieso die FINMA beinahe untätig bleibt, wenn in ihrem Turf Kunden im grossen Stile über den Tisch gezogen wurden.

    Die FINMA (resp. Vorgänger) ist klar einer der Totengräber des CH-Finanzplatzes. Lizenzierungen wären einer der ersten Schritte dieser neuen Finanzsuperbehörde um das Vertrauen wieder herzustellen. Und die Auflösung der FINMA natürlich.

  10. Vom Aargauer „Starbanker“ und Rive Gauche-Spezialisten hätte sich die BKB schon vor 10 Jahren trennen müssen.

    Damals verantwortlich für unautorisierte Anlagen in umstrittene Investments, musste die BKB den geschädigten Israelischen Kunden mehrere Millionen CHF zurückerstatten.

    Zum ASE/BKB-Betrug hätte es gar nie kommen dürfen!

    • @ManiLongo: Ihre Kommentare und Ihr Wissen sind immer wieder hoch interessant zu den Publikationen. Haben Sie hilfreiche Informationen, Kenntnisse, welche in das ganze Verfahren eingebracht werden können?

    • @ InsideBKB

      Ich habe einen Grossteil meiner BKB-Insiderkenntnisse bereits der FINMA gemeldet, wo ich u. a. vom Chef FINMA-Enforcement, Herrn Patric Eymann, in Bern persönlich angehört wurde.

      CEO Lachappelle fährt ein grosses Reputationsrisiko, indem er weiterhin am abgehobenen, langjährigen BKB-Compliance Chef uneingeschränkt festhält. Dies werde ich Herrn Lachappelle auch persönlich mitteilen.

      Freundliche Grüsse, wbumbacher@sunrise.ch