Vincenz scheitert mit Kauf der GE Money Bank

Grossdeal im Kleinkreditgeschäft geplatzt – gekauft hätte Aduno-Kooperative; fehlt Raiffeisen das Kapital?

Die Übung fand monatelang unter grösster Geheimhaltung statt. Vor 2 Wochen hätte der Kauf der GE Money Bank durch die Aduno-Gruppe endlich bekanntwerden sollen.

Dann platzte der grosse Deal. Im Regen steht vor allem die Grossaktionärin der Aduno, die zuschlagen wollte.

Es handelt sich um die Raiffeisen-Gruppe unter deren CEO Pierin Vincenz. Vincenz war laut mehreren Quellen die treibende Kraft hinter dem Vorhaben. Seine Raiffeisen hält 25 Prozent an der Aduno, er selbst ist deren Präsident.

Warum Vincenz mit seinem Plan kurz vor der Ziellinie strauchelte, darüber wird in Kapitalmarktkreisen intensiv spekuliert.

Mehre Stimmen behaupten, es hätte zuletzt an Kapital gefehlt. Vincenz‘ Raiffeisen geriet durch den antizyklischen Kapitalpuffer, den die Nationalbank zur Abkühlung des Hypothekenmarktes verfügte, an den Rand der für die Zukunft nötigen Kapitalkraft.

Zuvor hatte Vincenz viel Pulver verschossen. Er kaufte für knapp 600 Millionen die Bank Wegelin und baute damit den Kern seiner neuen Notenstein Privatbankengruppe.

Später fügte er dieser für rund 80 Millionen einen Minderheitenanteil an der Strukturen-Anbieterin Leonteq hinzu. Schliesslich kaufte Vincenz die Assetmanagement-Gruppe von Beat Wittmann und hängte diese an seine Notenstein.

Grosse Investitionen warten wie bei allen Banken in der Informatik. Die Raiffeisen-IT zählt zu den alten Systemen.

Sollte Vincenz via Aduno zu wenig Kapital für den Kauf der GE Money Bank gehabt haben, würde das auf eine Intervention der Aufsicht Finma hindeuten. Ein Finma-Sprecher wollte sich heute morgen nicht dazu äussern.

Auch Vincenz war gestern Abend für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Präsident der Schweizer Muttergesellschaft der GE Money Bank verwies an den operativen Chef der GE Money Bank. Dieser war gestern Abend nicht erreichbar.

In den letzten Wochen musste Unerwartetes geschehen sein. Darauf deutet hin, was bei der zweiten grossen Partnerin der Aduno-Gruppe, der Zürcher Kantonalbank (ZKB), passierte. Sie hält knapp 15 Prozent am Gemeinschaftswerk.

Laut einer Quelle hatte der ZKB-Bankrat – das entspricht dem Verwaltungsrat bei Aktiengesellschaften – der Geschäftsleitung bereits grünes Licht für den Kauf der GE Money Bank durch die Aduno gegeben.

Es sei höchst ungewohnt, dass ein Deal scheitere, wenn er bereits durch den Bankrat gegangen sei, heisst es aus Marktkreisen.

Mit der GE Money Bank und Aduno wären zwei führende Player im Konsum- und Leasinggeschäft sowie dem Kreditkartenbusiness zusammengekommen.

Die GE Money Bank, die in den 1990ern aus den UBS-Vorgängerbanken Prokredit und Bank Aufina hervorgegangen war und zum US-Multi General Electric gehört, ist die Nummer 1.

Letztes Jahr machte die GE Money Bank 134 Millionen Gewinn, doppelt so viel wie die Bank-now als Konsumkredit-Tochter der Credit Suisse.

Doch bei beiden steckt der Wurm drin. Bei der Bank-now krachte der Gewinn um 20 Prozent ein, und auch die GE Money Bank kam nicht mehr ganz auf Vorjahresniveau, obwohl der Personalbestand auf über 700 stieg.

Das Geschäft mit Kleinkrediten, Autoleasing und Kreditkarten ist offenbar schwierig geworden. Die Zeit für eine Konsolidierung scheint reif.

Das sah offenbar auch Vincenz so. Mit der Aduno-Gruppe stand das perfekte Vehikel bereit, um als grosser Sieger aus der Marktbereinigung hervorzugehen.

Die Aduno-Gruppe ist über das letzte Jahrzehnt als Gemeinschaftswerk von Raiffeisen, Kantonal- und Regionalbanken sowie Migros Bank und Bank Coop entstanden.

Sie besteht aus drei Teilen. In der Viseca ist das Kreditkartengeschäft, in der Aduno sind die Karten-Zahlstationen für Läden und Restaurants, in der Cashgate ist das Kleinkredit- und Leasinggeschäft.

2012 machte die Aduno-Gruppe einen Sprung beim Gewinn. Dieser schoss von 43 auf 70 Millionen hoch. Auch relativ zum Umsatz verbesserte sich die Gruppe massiv. Sie beschäftigt knapp 700 Leute.

Den Schwung wollte Vincenz ausnutzen. Mit seinen 25 Prozent am Aduno-Gebilde sitzt er im Driving seat.

Und Vincenz hat offenbar einen ungestillten Durst nach Übernahmen. Er sieht, so macht es jedenfalls von aussen den Anschein, die Zeit für die grosse Konsolidierung auf dem Finanzplatz für gekommen.

Seine Aduno-Partner spielen demgegenüber eine untergeordnete Rolle. Vincenz dürfte sie für seine eigenen Absichten gewinnen können.

Die ZKB als zweitwichtigste Aduno-Partnerin hat ein vergleichsweises Leichtgewicht aus der Geschäftsleitung in den Aduno-VR delegiert.

Die übrigen grossen Teilhaber sind die Regionalbanken mit der Berner Valiant an der Spitze sowie die Migros Bank. Beide können Vincenz das Wasser nicht reichen.

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10 Kommentare zu “Vincenz scheitert mit Kauf der GE Money Bank

  1. Ich denke, dass der Schreiber hier den „Drive“ von PV meinte, gegenüber den anderen VR-Mitgliedern. Weniger das effektive beherrschen des VR.
    Und überhaupt: In wie vielen VR’s kommt vor, dass der VRP den Takt vorgibt und die anderen ledliglich zum abnicken da sind? Und wer hat gesagt, dass das bei der Aduno nicht auch so ist?

    • Vielleicht war auch Herr Nedwed von der Migrosbank dagegen, da er sich ansonsten indirekt selbst bekämpfen muss, da er mit der Migrosbank ja selbst stark im Geschäft mit Kleinkrediten mitmischt – ohne Aduno!

  2. Immer wenn im Zusammenhang mit solchen Geschichten der Name Vincenz fällt, läuten bei mir die Alarmglocken. Bekanntermassen positioniert sich der Raiffeisenchef gerne als visionärer Vordenker. Dabei blitzen immer mal wieder unsympathische Grössenphantasien auf. So langsam geht mir das auf den Wecker. Zeit, dass der Bündner in Rente geht. Die Zeit der Hauruck-Banker ist definitiv vorbei und die Raiffeisen-Bänkli haben inzwischen alle ein neues Logo. Dieses Vermächtnis kann dem Pierin niemand streitig machen.

    • Solche bescheidenen Kommentare gehen mir ebenfalls auf den Keks wenn es um Pierin Vincenz geht.

      Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.

    • @Kassier: was genau ist denn Ihre Botschaft zum Thema? Oder sind Sie hier nur der alte Weisheiten zum besten gebende Kommentator von Kommentaren? Inhaltsleerer geht’s nimmer…

      Was das Psychogramm des P.V. anbelangt, teile ich die Einschätzung des Kassenwarts. Der Raiffeisen-CEO nimmt sich viel zu wichtig. Inzwischen hat er sich in eine schwierige Lage manövriert. Zu viele Baustellen. Zu grosse Klappe. Weniger wäre mehr.

    • Als Chef einer Tochtergesellschaft von 321 Müttern ist es für Herr Vincenz sicherlich in vielen Situationen schwierig 😉

  3. Was für ein Quatsch!

    Die Aduno SA ist eine Geschäftseinheit der Aduno Gruppe. Diese Holding gehört zu 100% renommierten Schweizer Banken wie Kantonalbanken, Raiffeisen Gruppe, RBA-Banken, Migros Bank und Bank Bank Coop.

    Glaube kaum dass ein Einzelner die Übernahme plant und danach merkt, es fehlt Kapital dafür. Eine solchen Blödsinn zu schreiben sollte schon fast bestraft werden.

    • Absolut richtig! Aus sicherer Quelle weiss ich, dass die ZKB unbedingt dieses Standbein ausbauen wollte, Raiffeisen jedoch aus ethischen Gründen eher gegen die Vergrösserung dieses Geschäftfeldes war und darum der Deal geplatzt ist. Leider wurde hier einiges verdreht!