Credit Qatar

Vor 5 Jahren finanzierte das Wüsten-Paradies die CS, heute geben die Scheichs den Ton am Paradeplatz an.

„Hopp Schwiiz!“, empfängt die Credit Suisse auf ihrer Homepage. „Wir gratulieren zur erfolgreichen WM-Qualifikation!“

Das klingt nach fester Verankerung in der Heimat. Tatsächlich aber hat sich das „Suisse“ im Namen der Grossbank auf Marketingzwecke reduziert.

Das Sagen haben Ausländer. Vor allem die Öl- und Gasscheichs aus Katar, dem 1,6 Millionen Einwohner kleinen Wüsten-Paradies am Golf, geben den Ton bei der Credit Suisse an.

Effektiv sind es sogar nur 250’000 Araber, die in Katar bestimmen, der Rest sind aus dem Ausland „importierte“ Arbeiter. Angeführt wird das Scheichtum von der Familie Al Thani.

Diese hat die CS im Griff; einerseits als Grossaktionärin, andererseits als Co-Partnerin eines neuen Fonds, der in Katar die Fussball-Weltmeisterschaften 2022 und weitere Megaprojekte finanzieren will.

Die Basis legte der Wüstenstaat vor 5 Jahren. Am 15. Oktober , als die UBS keine privaten Investoren mehr fand und die Rettungsleine von Eidgenossenschaft und Nationalbank ergreifen musste, schnappten sich die Araber wichtige Teile des Schweizer Finanzmultis.

Der Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA), der von der Herrscherfamilie Al Thani kontrolliert wird, investierte über die Untergesellschaft Qatar Holding Milliarden in die CS und wurde auf einen Schlag 10-Prozent-Aktionärin der Bank.

Zusammen mit Kapitalspritzen von 2 weiteren Investoren ermöglichte dies der CS in jenem historischen Moment, als das globale Finanzsystem unterzugehen drohte, sich als stabil finanzierte Grossbank in Szene zu setzen.

CS-CEO Brady Dougan, der den Deal mit Katar ausgehandelt hatte, verzichtete vollmundig „auf eine Teilnahme“ am Schweizer Rettungsprogramm aufgrund des „verhältnismässig geringen Bestands an gefährdeten Aktiva“ der CS sowie „angesichts der für die Credit Suisse weiterhin gut zugänglichen Kapitalmärkte“.

Das Kleingedruckte der Beteiligung des Ölstaats kam erst später zum Vorschein. Die CS streckte den Kataris mit viel „Credit“ die für das Investment in die Bank nötigen Gelder selbst vor.

Wäre die CS untergegangen, dann hätten die Scheichs nicht so viel eigenes Geld verloren, sondern zu einem rechten Teil von der CS geliehenes.

Das Investment war genial – für Katar. Deren Scheichs hatten von da an einen grossen Fuss in der CS drin und konnten abwarten, wie sich die Lage entwickeln würde.

Clever gingen sie Schritt für Schritt vor. Zuerst setzten sie einen Vertreter der Familie in den CS-Verwaltungsrat.

Es handelt sich zwar „nur“ um einen blutjungen Vertreter, der als einzige Ausbildung einen Offizierslehrgang an der offiziellen englischen Militärakademie absolviert hatte.

Aber Qualifikation für das Amt war wohl nicht das entscheidende Kriterium. Sondern Einflussnahme und Machtsicherung.

Letztes Jahr war dann „Pay day“. Die Geldspritze von 2008 wurde zu attraktiven Bedingungen in langfristiges Wandelkapital gewechselt. Dadurch reduzierte sich die formelle Beteiligung der Qatar Holding, über die das Investment läuft, auf gut 6 Prozent.

Seither besitzt Katar fast gleich viel an der CS wie die Saudis, die seit Jahrzehnten Grossaktionärin der Schweizer Grossbank sind.

Doch die Kooperation geht viel weiter. Die Qatar Holding und die CS gründeten letzten Herbst die Aventicum, ein Joint-Venture für Megainvestments im Nahen Osten, der Türkei und weiteren Wachstumsregionen.

Im Juli hat Aventicum den ersten Investment-Fonds gegründet; dies nachdem das Vehikel die nötige Lizenz von den Katar-Behörden erhalten hatte.

Worum es aus Sicht der Araber geht, machte der Chef der Qatar Holding klar. Mit Aventicum soll Doha, die Hauptstadt von Katar, als einflussreiches Finanzzentrum etabliert werden, liess sich dieser in einer Meldung von Bloomberg widergeben.

Die CS sei dafür dank ihrer Erfahrung und ihrem Knowhow im Assetmanagement der „ideale Partner“.

Weniger klar ist, was die Partnerschaft der CS bringt. Aventicum würde zu einer „unique investment platform“, liess sich CS-CEO Brady Dougan zitieren.

Um der CS im Scheichtum einen Platz an der Sonne zu schenken, durfte der CS-Co-Investmentbankchef Eric Varvel in der Börse von Katar Einsitz nehmen.

So bemühen sich die Verantwortlichen, die Kooperation zwischen der CS und Katar respektive dessen Staatsfonds als Zusammenarbeit gleichberechtigter Partner erscheinen zu lassen.

Tatsächlich haben die Scheichs mit ihrem unermesslichen Reichtum die Kontrolle. Sie sitzen direkt im VR der CS, mitten im Machtzentrum der Schweizer.

Zudem besitzen sie einen stolzen Anteil am Aktienkapital der Bank.

Aus Credit Suisse ist Credit Qatar geworden.

Kommentare

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  1. Ja, so ist das halt, wenn über das Aktionariat fremder Einfluss stark wird, so hat man meist Haus und Hof verscherbelt. Dies zur Wahrung des eigenen Images und Steigerung der eigenen Einnahmen der beteiligten Manager. So läuft es heute vielerorten, nicht nur in den Banken, sondern auch in den Konzernen und zukunftsträchtigen Firmen. Das ganze nennt sich Globalisierung und führt zu zunehmend autoritären Strukturen, die unser Demokratieverständnis unterwandern. Das ist eine moderne Art des Landesverrats, die längerfristig soziale Unruhen heraufbeschwören.

  2. Eigentlich passen die Oelscheichs so gar nicht in die Finanzbranche, denn sie sind clever und denken langfristig 🙂

  3. Bin gespannt wann die CS den „Paradeplatz“ verkauft! Oder können sie die Kunden im 2014 mehr als genug Kontogebühren abknöpfen?

    • Der Paradeplatz wird sicher nicht verkauft. Der wird zu einem recht tiefen Bewertungskurs in die Qatar-CS übertragen (IB, UUHNWI), während die Retail-CS die Agglo-Standorte zu überteuerten Preisen erhält. Die von Qatar stehen nie in der zweiten Reihe.

    • @René R. Meier
      Hören bitte mit Ihren nervenden Kommentaren bezüglich nur noch SVP-Mitglieder in VR oder GL auf. Erstens kommt es nicht darauf an, welches Parteibüchlein eine entsprechende Person hat, sondern eher, dass die Personen mit Tugenden wie Bodenständigkeit, Ehrlichkeit, Anständigkeit usw ausgestattet sind.

      Zudem haben Ihre SVP-Exponenten im Bankrat der ZKB (Dobler, Binder, Kaufmann und Ruff) in der Causa „Inside-Kommentarschreiber“ sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, da sie das Gebaren von Scholl und Co. einfach durchgewunken haben. Was soll daran besser sein als bei den anderen VR-/GL-Mitglieder von anderen Banken (das heisst nicht, dass ich deren Verhalten gut finde!)

    • Tja Hr Meierr (Meier?): sie werden sich selber zugestehen dass es gut ist dass es nicht so ist. Die Schweiz wäre total abgeschifft.
      Ich erinnere: Blocher wollte mal (mit Ebner) jeden Schweizer zu Aktienhaltung verpflichten — auch privat und via Pensionskassen; die Pensionskassen sollten zu 100 % nur Aktien halten gemäss Blocher; die AHV mindestens 50 %.
      Die SVP hat im Parlament alle !Vorstösse der SP zur „Bankenzähmung“ in den Jahren 19970 – 2008 abgelehnt usw usw usw
      tausende Beispiele .
      Gerade die SVP war nie bereit zu erkennen wo die Probleme lagen die von SP-Seite von Oekonom Strahm Bankenseitig die Schwachstellen aufgezeigt wurde bis zum grossen Knall ab 2007 schon vorher alles richtig erkannt.
      Jetzt haben wir den Salat.
      Wär doch ein leichtes gewesen wenn die Grossbanken ihr Eigenkapital hätten erhöhen müssen gemäss SP-Strahm (Anträge im Parlament 1997-2006). Der Schweizer Steuerzahler und Katar hätte nicht zahlen müssen da das Eigenkapital den Verlust gedeckt hätte.
      Hätte. Aber die SVP war gegen alles.

  4. Wenn 2014 das Bürgenstock Resort mit 400 Zimmern und 68 Suiten, das von der Quatari Diar Real Estate mit 300 Mio finanziert wird, fertig ist, dann haben die Quataris ihren eigenen Brückenkopf in der Schweiz. CS-VR Scheich Jassim Hamad J.J. Al-Thani und Scheich Ghanim bin Saad Al-Saad von Diar R.E. wurden gerade letzte Woche im Dolder Grand gesehen.

    • …Die schauten wohl vom Dolder zum Atlantis rüber. Man kann sich durchaus fragen, was die Qataris mit dem Atlantis wollen. Einfach ein bisschen Hotel zum Spass oder wird es eine Residenz des Clans? Die geben sich schliesslich nicht mit einer 300m2 Suite zufrieden. Die brauchen schon eher 3000m2. Immerhin ist der Fall bereits vor dem Bezirksrat wegen möglicher Eigennutzung… (resp. eben nicht möglicher Eigennutzung)

  5. Die Credit Suisse heute am 15.10.2013
    A)Enormer Einfluss der Araber als Besitzer
    B Geführt (gemanagt) von einem Amerikaner
    C)Sehr viele Nicht-Schweizer als Arbeitnehmer
    Zum Glück liegt der Paradeplatz noch in der Schweiz, deshalb wohl Credit SUISSE ! CS hatte den Quataris Kredit gegeben um sich an der CS zu beteiligen, das ist A) Monopoly in Reinkultur und B) wären im damals schlimmsten Fall mit diesem Kredit die Kunden der CS zu massivem Schaden gekommen, denn das Geld für den Quatar Kredit kam ja wohl von den Kundengeldern oder hat Herr Dougan sein privates Vermögen zur Verfügung gestellt ! Alles Monopoly im grossen Stil und die FINMA sie schaut zu und schweigt !

    • .
      Die Selbst-Demontage der schweizer Banken
      kann nicht der FINMA angelastet werden, sondern vornehmlich der labilen Führungsschicht

  6. Credit Qatar bei nur 6% Beteiligung?

    Vielleicht ist INSIDE PARADEPATZ eine Kommastelle verrutscht.
    60% Beteiligung würde eher die Umfirmierung in Credit Qatar rechtfertigen.
    Dennoch, SWISSNESS wird langsam ausgehöhlt

  7. Mal sehen. Sicher ist, dass mit dem Einfluss der Qataris die CS auch sicher vermehrt mit irgendwelchen arabischen und sonstigen Schranzen und Speichelleckern der Familie zu tun hat, die mit verrückten Deals jenseits jeglichen Compliance-Verständnisses an sie herantreten und dabei auf ihre angeblichen guten Kontakte zur Familie verweisen.

  8. Den Qataris ging es nie um ein Finanzinvestment. Die sind schon reich, aber Qatar braucht vor allem Geld für deren Wachstumspläne. Sie brauchen den Zugang zu Finanzierungen und IB Know-how. Dafür vereinnhamen sie die CS. Die „Qatar-CS“ soll so sein wie Goldman Sachs et al – oberste Liga. Deshalb blieb der Fokus auf gloabl IB und immer mehr auf U-UHNWI (man will unter sich bleiben).
    Resultat: Die CS wird in (wohl schon naher) Zukunft nicht mehr in dieser Form bestehen. Es könnte zu einer Aufspaltung der Bank kommen – Retail PB und Institutional. Blöd einfach, dass die Prämien für Retail PB-Assets eingebrochen sind. Mit dieser Prämie hätten die Qataris wohl den Kauf des institutionellen Bereichs gerade selber finanzieren wollen (quasi gratis).
    Die Al-Thanis haben sich die Macht an Qatar nicht durch Dummheit gesichert, soviel ist klar…

    • Die Al-Thanis sicherten ihre Macht bei der CS auf Dummheit, nicht der eigenen, sondern der Schweizer