Die Ospels und der Dreihundert-Mio-Mann

Österreicher zieht Ex-UBS-Paar an Land – Rennweg-Ladner dabei – Zweifel an „Bilanz“-Superreichsten.

In der aktuellen „Bilanz“ mit den 300 Superreichen des Landes rangiert Martin Saidler unter 300-350 Millionen Vermögen, gleichviel wie beispielsweise Avaloq-Besitzer Francisco Fernandez hat.

Wie Fernandez ist auch Saidler im Technologiebusiness unterwegs. Nur kennt seine Herkunft kaum jemand. Sein Reichtum stamme aus dem Verkauf von Internet-Startups in Osteuropa, sagt er selbst.

Was Saidler wirklich besitzt, ist umstritten. Laut einem Insider stammt das Geld für den Aufbau einer gross angekündigten Internet-Gruppe in der Schweiz vor allem von Dritten.

Möglicherweise auch von den Ospels.

Ex-UBS-Kapitän Marcel Ospel und seine Frau Adriana zeigten sich jedenfalls interessiert, als ihnen Saidler im Frühling 2012 an einer eigens für das vermögende Paar durchgeführten Präsentation von Revolutionen in der Bankenwelt vorschwärmte.

Adriana Ospel nahm darauf Einsitz im Verwaltungsrat von Saidlers Vehikel namens Centralway. Das Unternehmen ging aus einer früheren Schweizer Internetfirma hervor.

Adriana Ospel, geborene Bodmer, ist neben Unternehmer Saidler das Aushängeschild von Centralway. Frau Ospel liess Anfragen unbeantwortet.

Mit seiner Schweizer Centralway will der „superreiche“ Österreicher unter anderem die Bankenwelt erobern. Dafür sucht Saidler offiziell Top-Informatiker und viel Büroplatz.

Die Geschichte klingt gut. Saidler schaffte es damit bereits 2011 in die „Superreichen-Bilanz“, damals mit 300-400 Millionen, die aus dem Verkauf seines Osteuropa-Reichs stammten.

„Nachprüfen lässt sich das alles freilich nicht“, meinte die „Bilanz“. 2013 fehlt der Disclaimer. Sein Vermögen verdanke er „osteuropäischen Internet-Start-ups“, heisst es im Indikativ.

Lange war Saidler gänzlich unbekannt; dies, obwohl er nach eigenen Worten seit 15 Jahren mit seiner Familie in der Schweiz lebt. Wohnsitz hat er offiziell in Zug.

2011 überzeugte Saidler einen gestandenen Internet-Kleinunternehmer, mit ihm zusammenzuspannen. Dessen Firma Netvision wurde zum Kern von Saidlers Centralway.

Saidler versprach das Blaue vom Himmel – mit neuen Kunden, vielen Aufträgen und starkem Wachstum. Zum Beleg verwies er auf die lukrativen Verkäufe seiner Ex-Firmen.

Diese trugen Namen wie Autovia und Anima. Gemäss Wikipedia verkaufte Saidler seit 1999 „über 200 Firmen in 20 Ländern und generierte ein Exit-Volumen von über 500 Millionen Franken“.

Das Geld stecke in seiner Privatstiftung, sagt Saidler im Gespräch. Über die Höhe gebe er keine Auskunft, sein wahres Vermögen habe er noch keinem verraten.

Dass er in der „300-Reichsten-Bilanz“ gelandet sei, bereite ihm keine Freude. Er habe der Zeitschrift lediglich ein Interview gegeben und aufgezeigt, was er mache.

Das war im April 2010, als das Wirtschaftsmagazin unter dem Titel „Centralway: Der Online-Zar in Osteuropa“ Saidler erstmals zum reichen Mann machte. Für den Aufbau seines Reichs habe er „kein Fremdgeld“ benötigt, hiess es im Artikel.

Im Sommer 2011 schmiedete Saidler grosse Pläne, wiederum in der „Bilanz“. „Ich versuche, aus der Schweiz heraus eine paneuropäische Internetgruppe aufzubauen“, meinte er.

Die Winterthurer Netvision, die damals in Saidlers Centralway aufging, entsprach einem KMU mit rund 20 Mitarbeitern. Daraus also wollte Saidler ein Schweizer Internet-Imperium zimmern.

Die Kapitalerhöhungen hielten sich in Grenzen. In der Holding in Zug stieg das Aktienkapital in den letzten 2 Jahren von 710’000 Franken in mehreren Schüben auf heute knapp 2 Millionen.

In der operativen Gesellschaft Centralway Headquarters, die ihren Sitz von Winterthur nach Zürich verlegt hat, erhöhte Saidler das Kapital schrittweise von 200’000 auf 320’000 Franken.

Auch in der Centralway-Tochter Numbrs, die Mobil-Applikationen für eine bankenübergreifende Kontoverwaltung plant, ist das Kapital übersichtlich geblieben. Es stieg von 138’000 auf 161’000 Franken.

Offiziell ist von anderen Dimensionen die Rede.

Im Mai dieses Jahres sprach ein Geschäftspartner von Saidler von einer Finanzierung über 7,5 Millionen für die Centralway-Tochter Numbrs. Wo dieses Geld sein soll, geht aus den Handelsregister-Einträgen nicht hervor.

Ein Sprecher der Centralway-Gruppe sagt, die Differenz zwischen Kapitalerhöhung und den 7,5 Millionen liege im Agio. Gemeint ist der Aufpreis, den die neuen Investoren bezahlt hätten, weil Numbrs im Wert bereits gestiegen sei.

Auch anderweitige Finanzierungen sollen sich laut einem Insider anfänglich als schwierig erwiesen haben. In Gesprächen habe die ZKB zuerst nur einen Teil des beantragten Kontokorrent-Kredits sprechen wollen.

Schliesslich hat die Kantonalbank die ganze Kreditsumme wie gewünscht bewilligt. Die Rede ist von rund 400’000 Franken.

Im VR von Saidlers Centralway sitzt neben Saidler und der Frau von Marcel Ospel auch der Zürcher Promi-Anwalt Thomas Ladner. Ladner und Saidler kennen sich vom Rennweg-Club, wo echte und Möchtegern-Unternehmer verkehren.

Ladner sagt, er habe den früheren Erfolg von Saidler mit dessen Osteuropa-Firmen nicht direkt überprüft. Schweizer Finanzierungsfirmen hätten ihm aber versichert, dass Saidlers Auskünfte zutreffen würden.

Seit Jahren spricht Saidler öffentlich von massivem Wachstum. Passiert ist wenig.

Gemäss „Reichsten-Bilanz“ von 2011 war von nichts weniger als „der grösste Internetinkubator des Landes“ das Ziel, mit einem „Plansoll“ von 100 bis 120 Mitarbeitern.

Zwei Jahre später kann der Österreicher mit 1’300 Quadratmetern zwar eine deutlich vergrösserte Bürolandschaft im aufstrebenden Zürcher Kreis 3 präsentieren.

Nur verlieren sich dort noch immer nicht mehr als 65 Leute. Bis Februar sollen es 102 Mitarbeiter sein, sagt Saidler.

Selbst diese Grösse wäre angesichts der eigenen Ambitionen bescheiden – ganz zu schweigen in Relation zu den 300 bis 350 Millionen, auf die ihn die „Bilanz“ schätzt.

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18 Kommentare zu “Die Ospels und der Dreihundert-Mio-Mann

  1. Frag mich echt wie man mit solchen Seifenblasen-Geschichten sich so durchmogeln kann, und wie man es fertig bringt immer wieder aufs neue diese Geschichten aufzutischen.

  2. ich höre schon fast täglich von den aggressiven Strategien von Herrn Saidler und seinen Kumpanen…

    Ist schon jemandem aufgefallen wie oft sein Management wechselt?

    Hat jemand jemals seine Background Story sorgfältig abgeklärt?

  3. Mittlerweile weiss so ziemlich jeder in der Startup Szene in der Schweiz dass Martin Saidler viel heisse Luft ist, nur anscheinend die Bilanz nicht…

    Am besten Mal bei seinen „erfolgreichen Startups“ anrufen und Gründer fragen was die meinen zum Martin…

  4. Mir kommt die Geschichte eines anderen Martin’s in den Sinn:
    http://www.20min.ch/schweiz/news/story/24788390

    Wie es dort steht: „Damit täuschte er die Anleger, da er vorgaukelte, dass er zu gleichen Konditionen eigenes Geld in die Zielgesellschaften investieren würde. Was nicht der Wahrheit entsprach. In Wirklichkeit bereicherte er sich unrechtmässig, indem er Margen zwischen 16 und 50 Prozent für sich abzweigte“.

    Nur so kann man sich scheinbar willkürliche Abweichungen erklären. Persönliche Bereicherung mit Geld von Dritten…

  5. Also Ladner verkommt langsam zum Anwalt spezieller Klientel. – „Autschi“ für das Renommée des „Roundtables“ und des CzR.

    • Wer Benetton mit einem „t“ schreibt, obwohl das Logo direkt daneben steht gehört bestraft!

    • Wenn Sie sich etwas näher mit der App beschäftigen, würden Sie sehen, dass es sich beim Screenshot nicht um die Aldi Aktie, sondern um einen bezahlten Betrag im Aldi handelt…

    • Kununu ist keine echte Referenz, dort schreiben zu 95 % nur frustrierte und feige MA einen Kommentar. Die Zufriedenen findet man in solchen Foren nicht, daher überhaupt nicht repräsentativ, obwohl es in diesem Fall schon stimmen könnte.

    • Doch, doch: Swisscom IT in Bern zwingt dutzende ihrer MA dort Bewertungen von 5.0 abzugeben.

      Nur mal schauen 🙂

    • Ich denke nicht, dass ihre Einschätzung in der Internet Branche stimmt. Die Bewertungen von Internet Unternehmen ist durch die Affinität der Mitarbeitenden zu sozialen Medien doch deutlich repräsentativer. Es gibt diverse Firmen mit sehr guten Bewertungen durch Mitarbeitende und Bewerber in dieser Branche.

  6. heisse Luft !
    und prima Klima bei den Goldgräbern 🙂
    leider entziehen solche illusteren Figuren der Start-Up Szene Glaubwürdigkeit und nötiges Kapital…

  7. Mann sollte sich Mal die Fluktuation des Centralway Managements etwas genauer anschauen.

    Die hochfliegenden Visionen scheinen sich jeweils schnell in Luft aufzulösen…

  8. Es reicht bereits aus, mit ehemaligen Geschäftspartnern des oben erwähnten Herrn zu sprechen, um zu verifizieren, dass es sich dabei um einen nicht Ernst zu nehmenden Gesellen handelt.

    So viel zur Glaubwürdigkeit der Bilanz 300…

  9. …ein Schmankerl für zwischendurch – tia draussen isch es kalt und der Nüsse-Niki bald vor der Tür.
    Auch SRF TV präsentiert zwischendurch start-ups die auch keine Kreditlinie mehr ausreizen können – mit ebenso prominenten Gründerväter und Anteil-Göttis. Der Ohrwärmer.