CS ist nett zu ihren Managing Directors

Topshot im Superreichen-Wealthmanagement wird abgesetzt, trägt weiter Titel und Spezialfunktion.

Blake Shorthouse wurde 2009 mit Pauken und Trompeten präsentiert. Abgeluchst von der UBS, wurde der Engländer CS-Chef der Ultrareichen-Vermögensverwaltung Europa, Middle East und Afrika.

Shorthouse lebte im steuergünstigen Freienbach (SZ) und bezog ein Büro am Credit-Suisse-Hauptsitz in Zürich. Er galt als grosse Nummer, mit engen Verbindungen zu den Reichsten der Welt.

In der Hackordnung stand Shorthouse weit oben, zuletzt war er Westeuropa-Chef Romeo Lacher unterstellt. Alle Zeichen standen auf Erfolg: Big Shorthouse, big Business.

Im Dezember krachte das Kartenhaus zusammen. „Blake Shorthouse, Head of UHNWI Western Europe, has decided to pursue other opportunities“, teilte Oberchef Lacher CS-intern den Abgang mit.

Lacher, der in Old Europe Schwarzgeldkunden ultimativ auf die Strasse setzt, begründet das Ausscheiden mit einer Vereinfachung der Abläufe. Der neue Setup mache die bisherige Spezialeinheit unter Shorthouse überflüssig.

Neu seien die Länderchefs für die Ultrareichen zuständig. „I will personally take ownership for the overall UHNWI strategy and definition of key priorities“, betonte Lacher seine eigene Bedeutung.

Wer meinte, dass damit die Karriere des Blake Shorthouse bei der CS zu Ende gehen würde, sieht sich getäuscht. Statt vor der Tür landete der Managing Director (MD) im Kästchen „Special Projects“.

Um was für Spezial-Aufgaben es sich dabei handelt, ist unklar. Klar ist hingegen, dass MDs wie Shorthouse im Bereich Westeuropa, einer der Grosszonen der globalen CS-Vermögensverwaltung, Artenschutz geniessen.

Das geht aus dem Organisationsdiagramm hervor. Shorthouse „flog“ von ganz oben mehrere Hierarchiestufen nach unten. Statt wie bisher an Bigshot Lacher zu rapportieren, bildet Shorthouse jetzt zusammen mit anderen CS-Managern ein Spezialgrüppchen mit undefinierten Aufgaben.

Dabei sticht der Rang von Shorthouse heraus. Während er als MD zu den 2’000 Auserwählten der CS gehört, sind seine neuen Kollegen „Vice President“ oder gar nur „Assistant VP“.

Es handelt sich um Ränge, die mehrere Stufen unter jenem eines MDs liegen. Der grosse Shorthouse – das geht aus diesem eigenartigen Organigramm hervor – schwimmt jetzt im Kleinfisch-Teich.

Das Beispiel von Shorthouse, der offensichtlich die hohen Erwartungen nicht erfüllt hat, zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich die Grossbank mit ihren Mitarbeitern im Fall des Scheiterns umgeht.

Während der vermeintliche Super-Vermögensverwalter pfleglich behandelt wird, macht die CS mit den „Würstchen“ auf unteren Kaderstufen und in den Niederungen des Daseins als einfacher Mitarbeiter kurzen Prozess.

Werden diese überflüssig oder fallen sie in Ungnade, dann landen sie in einem internen Pool. Vor dort aus können sie während einer Übergangszeit versuchen, einen neuen Job innerhalb der CS zu finden.

Gelingt ihnen das nicht, dann kommt es zu einer Austrittsvereinbarung. Dabei handelt es sich um CS-speak für Rausschmiss.

Der Vorteil: Die CS muss nicht beim Staat Massenentlassungen melden, sondern kann die Abgänge als gegenseitige Übereinkunft zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer kaschieren.

Im Gegenzug bietet die Bank Abfindungen und Starthilfe für Leute, die sich selbstständig machen wollen. Die CS sieht sich als grosszügige Arbeitgeberin, auch bei den unteren Chargen.

Die Unterschiede zwischen ganz oben und dem Rest der Mannschaft stechen ins Auge.

Was Managing Director Shorthouse derzeit noch verdient, ist nicht bekannt. Aus Gesprächen geht hervor, dass allein eine Funktion im Organisations-Chart nichts aussagt über die Entlöhnung.

Es gebe Konstellationen, da müsse ein Manager eine Zeitlang weiter mit einer Funktion aufgeführt bleiben, um arbeitsrechtliche Verpflichtungen einzuhalten, heisst es.

Die Vermutung liegt nah, dass Shourthouse grosszügige Konditionen geniesst. Er hat einen steilen Karriereweg hinter sich, mit langen Jahren bei der Wallstreet-Ikone Merrill Lynch.

Bei der UBS war Shorthouse ab 1999 Berater für die Megareichen im englischen Onshore-Markt. 2007 kriegte er in Zürich den Job als Nummer 2 des globalen UHNW-Geschäfts.

Ein Insider sagt, dass Shorthouse bei der CS viel versprochen und wenig geliefert habe. Sein Ausscheiden aus der Linie sei folgerichtig.

Dass Shorthouse trotz seiner Niederlage weiter in der Organisation erscheint, gibt zu reden. Einmal MD, immer MD – die Losung wird zum eingängigen Rap.

Kommentare

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  1. die Grossbanken und die Superreichen.
    CS, UBS , Deutsche Bank.
    Mal schauen welcher Skandal sich diesmal in China daraus entwickelt.
    Nimmt das kein Ende???

  2. Machen wir uns doch nichts vor: die heutige CS ist nur noch ein peinlicher Abklatsch dessen, was sie in der Vergangenheit mal war. Die Typen auf MD-Level haben das kapiert und nun heisst die Parole „Taschen so voll machen, wie es nur geht, solange es geht und dann tschüss!“. Die CS wird derzeit von den MDs (und zwar nicht nur von den angelsächsischen) ausgenommen wir eine Weihnachtsganz. Wenn der Laden dann schon bald vor die Hunde geht, gehen die MDs in den „wohlverdienten Vorruhestand“.

  3. Also dass die Managing Directors verbleiben, wundert mich nicht.Vielleichr kann man Sie ja noch zu was brauchen. Was ich gehört habe passt genau dazu. Teile (IT, Maintainance, Produktionssupport) der CS sollen ausgelagert werden in Billigfirmen mit niedrigen Gehältern. Der Rest wird zerschlagen. Dabei wird der Verkaufspreis auch von der Lohnsumme abhängen, und ein MD bläht diese schön auf, egal ob er was taugt oder nicht. Eigentlich ja egal was mit diesen überbezahlten, selbstgefälligen und selbstsüchtigen Menschen passiert, aber auf diese Weise wird die Firma vor die Hunde gehen. Das Arbeitsklima ist jetzt schon auf niedrigsten Niveau, bedingt durch die Selbstbedienungsmentalität des Managements.

  4. Das stimmt leider nicht ganz 2011-2012 wurden vorallem im Ausland sukzessive untere und mittlere Kader Mitarbeiter in grossen Gruppen gefeuert, v.a. Im Ausland, auch wenn sie profitabel waren. zb. wurden im ficc Bereich Direktoren nach dem motto ‚last joined – first out abserviert… Da gab es keine ’special boxes‘ oder interne Optionen, dafür aber 25 seitige legale Kündigungs – legal – mambo jambo der nur die CS absicherte, respektive den MD clan und höher. So scheint zumindest der Swiss/privarbanking Bereich etwas humaner als der Rest der Bank.. Schade was aus der einst Guten und angesehenen Schweizer bank geworden ist, dank den Amerikanern und Angelassen ….. Schade, schade, schade

  5. Was sind eigentlich die Kriterien damit eine Story zur Top Story wird?

    btw: mir ist zu Ohren gekommen, Shorthouse arbeite seit Wochen nicht mehr?

    • Es scheint wirklich so.
      Wohl eine ‚golden parachute‘ Version im Zeitalter der Abzocker Initiative > Lohnfortzahlung ohne Arbeit

  6. Seht es doch positiv. Für einmal wurde ein Heissföhn entlarvt und darf nicht mehr weiter wursteln. Ich denke das er parkiert wurde hat seine Gründe d.h. der hat gut bei der Einstellung verhandelt. Jetz muss er schmoren bis er von selber geht…

    • Wohl war. Special Projects heisst etwa gleich viel wie „kein Job“, stand-by für handshake wenn sich innert Kürze nichts findet. Der Vorteil von diesem ,graduellen Abschied‘ ist, dass alles leicht rufschonender abläuft, für alle. Nicht bei allen MD läuft es so, dann muss er auch noch prominent sein.
      Längere Zeit hatten die Angelsachsen allein aufgrund det Sprache klare Vorteile, aber mittlerweile hat es in diesen Höhen ohnehin fast niemand mehr, der nicht sehr gut Englisch spricht. Also fällt dieser Vorteil dahin und geschliffenes Englisch und gescheite Statements reichen nicht mehr. Auch wenn dies noch nicht überall schon so ist, sind das gute Zeichen für CS.

    • ich kannte mal einen, der hatte den auftrag im special projects team alle telefonstangen von zürich bis baden zu zählen. einfach so !

  7. Typisch Angelsachse – grosse Klappe, viel verdient und – nichts gebracht ! Aber die Banken werden es nie lernen und fallen immer wieder auf diese Typen rein. Wahnsinn, dass er noch bleiben darf und diese Kosten, die er der CS noch verursacht. Vielleicht auch deshalb müssen die Kunden bei der CS neuerdings CHF 60.00 für das Halten eines Kontos im Jahr bezahlen.

  8. Es ist wohl weniger ein Problem der Linie als des HRs. Die Personal-Kopfnicker haben wohl zu regide Dokumente geschrieben und können MDs erst nach 18 Monaten hätscheln auf die Strasse verfrachten.

    • HR? Was für ein HR?!? Was da bei der CS rumläuft und sich HR-Specialist, HR-Professional, HR-Manager usw. nennt, ist eine Beleidigung für jeden anderen Angehörigen dieses Berufsstandes.