Run auf Dumping-CEO bei der Aargauischen KB

Massenhaft Bewerber trotz Lohndeckel bei 600 000 – Warum brauchen Zürichs Bonus-Banker so viel mehr?

600’000 Franken im Jahr, da bin ich dabei. Das sagen sich offenbar viele Spitzenbanker. Sie stehen Schlange bei der Aargauischen Kantonalbank (AKB), die per 2015 einen neuen Chef sucht.

„Es gibt eine grössere Anzahl von Kandidaturen“, bestätigt eine AKB-Sprecherin. Sowohl interne Leute als auch viele von aussen hätten sich auf das Stelleninserat gemeldet.

Der Blick sprach kürzlich von „Nagelprobe im Kampf gegen die Abzocker“. Der scheidende AKB-Chef Rudolf Dellenbach hatte gemeint, ein Spitzenmann kriege man für diese Summe „garantiert nicht“.

Jetzt scheint’s doch zu klappen. Auf dem Markt sind gute Leute von UBS und CS, die gefragt sind, wie der neue Lombard-Odier-Spitzenjob für Hugo Bänziger, früher CS und Deutsche Bank, zeigt.

Die Aargauische Kantonalbank darf nicht mehr zahlen, weil die Politik den Lohndeckel beschlossen hatte, und zwar auf Antrag der Volkspartei.

Wird die AKB trotz Dumpingtarif fündig, dann könnten die heutigen Spitzensaläre unter Druck geraten. Warum sollen die Chefs vergleichbarer Institute ein Vielfaches des AKB-CEOs erhalten?

Die Frage könnte in den nächsten Wochen laut werden, wenn die Banken ihre Resultate für 2013 präsentieren. Dann kommen auch die höchsten Löhne zum Vorschein.

Diese geben den Tarif vor. Je höher der CEO-Lohn, desto mehr kriegen die Kollegen in der Geschäftsleitung und danach die Manager auf den unteren Stufen.

Somit wär’s ganz einfach: Der Lohn und der Bonus des obersten Bankers wird so wie im Aargau auf eine vernünftige Summe limitiert, der Rest ergibt sich von allein. Damit wäre auch gleich das Kostenproblem der Finanzhäuser entschärft.

Das schrieb Mike Bär, ein Ex-Private-Banker der gleichnamigen Privatbank, schon vor 2 Jahren.

Nur: Was ist vernünftig?

Zu entscheiden haben dies die Eigentümer. Um es einfach zu machen, kann der Spiess umgedreht werden.

Dann lautet die Frage: Welches sind besonders unverhältnismässigen Banker-Entschädigungen?

Vontobel-Präsident Herbert Scheidt hat ein Teilzeitpensum, seine Arbeit bei der Zürcher Privatbank verlangt maximal 80 Prozent Einsatz. Den Hauptjob erledigt CEO Zeno Staub.

Trotzdem kassierte Scheidt, seit er 2011 vom Konzernchef zum Präsidenten aufgestiegen ist, jedes Jahr mehrere Millionen.

Sein Lohn gibt bei den Verantwortlichen zu reden. Vontobel könnte für die Privatbankenszene ein Exempel statuieren und Scheidts Gesamtentschädigung auf 1 Million begrenzen. Auch das ist viel.

Boris Collardi und sein Präsident bei Julius Bär, Daniel Sauter, haben in der Vergangenheit ebenfalls zugelangt. Collardi war umgerechnet auf die Grösse seiner Bank mit Abstand DER Abzocker.

Letzten Frühling hatten die Bär-Aktionäre genug. Sie schickten den Bär-Vergütungsbericht, das neben den horrenden Boni auch noch eine Sonderausschüttung vorsah, bachab.

CEO Collardi und Präsident Sauter versprachen, über die Bücher zu gehen. In 11 Tagen legt Bär offen, wie stark sie die Spitzensaläre reduziert hat.

Was wäre vernünftig? Was hat Collardi verdient?

Die Bankenchefs argumentieren mit Hochglanz-Vergleichen von Towers Perrin (neu Towers Watson) et al. Die Rede ist dann jeweils von „Peers“ und „in line“ mit den Salären der Konkurrenz.

Der Trick funktioniert heute nicht mehr. Die Krise im Banking und die Planlosigkeit seiner Chefs hat die eindrücklich klingenden Worte längst entmystifiziert.

Finger in die Luft, Schwierigkeit und Bedeutung der Aufgabe abschätzen, dann eine runde Zahl aufwerfen: So sollten die „Compensation“-Verwaltungsräte die Löhne ihrer CEOs bestimmen.

Dass dies funktioniert, zeigt das Beispiel der Aargauer. Es sei denn, der neue Billig-Chef entpuppt sich dereinst als Niete. Dann könnte die Debatte in die andere Richtung gehen.

Wahrscheinlich ist das nicht. Zuerst braucht es eine Zerschlagung der existierenden Lohnsysteme.

Schlechter kann’s eigentlich nicht werden. Der Chef der Luzerner Kantonalbank kassierte jeweils rund eine Million im Jahr. Mit seinen Sex-Eskapaden hat er Schaden angerichtet.

Die Veränderung wird nicht von den börsenkotierten Grossinstituten ausgehen. In der UBS und der CS hält sich die „Lehmschicht“ der Managing Directors (MD) mit ihren Topsalären.

350’000 im Jahr liegen für diese immer noch drin – fix. Hinzu kommt oft ein Bonus in gleicher Höhe.

Die MDs bilden in den beiden Banken eine Kaste für sich. Bevor sie Federn lassen, kommen die Mitarbeiter an der Basis und im mittleren Kader an die Kasse.

Somit bleibt es an der Politik, die Weichen zu stellen. Im Mittelland hat sie das mit der verfügten Obergrenze für den AKB-Chef getan.

Noch bleibt viel zu tun. Der Präsident der Waadtländer Kantonalbank, Olivier Steimer, erhält Jahr für Jahr ein stolzes Honorar.

Was Steimer, ein Ex-CS-Manager, dafür Besonderes leistet, ist nicht ersichtlich. Seine Bank hat quasi ein Monopol.

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18 Kommentare zu “Run auf Dumping-CEO bei der Aargauischen KB

  1. Ein Fakt geht hier vergessen. Es gibt für die AKB keinen Lohndeckel. Merke: Man sollte nicht nur „Blick am Abend“ lesen.

    Fakt ist: Der Aargauer Grosse Rat (Parlament) überwies 2012 eine Motion, in dem eine CEO-Lohnsumme von max. 600.000 Franken pro Jahr gefordert wird. – Es gibt also eine Absichtserklärung des Parlamentes. Das AKB-Gesetz muss entsprechend geändert werden, vom Parlament beraten, und es muss letztlich durch die Volksabstimmung.

    Die Regierung hat noch keinen Revisionsentwurf vorgelegt: Sie will weitere Revisionen mit ins Gesetz nehmen, etwa eine politisch hochumstrittene Teilprivatisierung…. es dauert also noch eine Ewigkeit, bis der Lohndeckel kommt – wenn es ihn denn überhaupt mal geben wird.

  2. Hier zeigt sich, dass wenn Stellen öffentlich ausgeschrieben werden, sich auch viele bewerben. Ich denke, unter den Bewerbern hat es bestimmt bessere Leute, als wenn diese Stellen nur im Boy’s Club vergeben werden.

  3. Wie hiess es doch früher – Wer nichts wird wird Wirt. Heute wird er Banker (natürlich nur wenn ein finanzkräftiger Papi im Hintergrund die Fäden zieht).

  4. Banker-Entschädigungen? Wäre es nicht allerhöchste Zeit diese schwachsinnige Bezeichnung für einen ANGESTELLTEN-Lohn/-Salär endlich zu beerdigen? Entschädigung; das tönt geradezu grotesk! Nicht jeder Banker verursacht einen Schaden, sodass auch keine Entschädigungen notwendig sind…

  5. Die Kosten bei den Banken müssen runter und das geht am besten bei den höchsten Löhnen. Der Kanton Aargau hat Masstäbe gesetzt, die zumindest bei den KB’s richtungsweisend sein werden.

  6. Die CEOs von mittelgrossen KBs wie AKB, LUKB, TKB etc. sind die Profiteure der Finanzkrise und der Zuwanderung. Ohne deren Zutun sind die Banken gewachsen; einfach verdientes Geld ohne Strategien.

    Doch die Zeiten sind engültig vorbei. Ob die ihren Job gut gemacht haben und somit ihr Geld wert sind, zeigt sich in zwei, drei Jahren: während der Finanzkrise in den Jahren 2008 bis 2010 sind Mrd. von Franken zu den KB geflossen. Da wird wohl das eine oder andere schwarze Schaf dabei sein.

    Der/die Nachfolger werden wahrlich einen anspruchsvolleren Job haben als die heutigen CEOs: Bewältigung von Steuerangelegenheiten, Kostensenkungen, Bekanntgabe von rückgängigen Abgeltungen an die Staatskassen etc, etc.

  7. Warum versteigert man diese Posten nicht einfach!? Man erstellt ein Pflichtenheft und schreibt die Stelle öffentlich aus. So werden Milliardenaufträge vergeben (der Bund hält sich nicht immer daran, ist aber klar kriminell). Die WTO hat’s vorgemacht, es bringt grossen wirtschaftlichen Nutzen für alle.
    Also alle Top-Jobs bei den Banken etc. sofort an den günstigsten Anbieter vergeben (natürlich nur wenn er/sie die Anforderungen erfüllt).
    Wir würden staunen, was der frei Markt alles kann.
    Aber klar, die Inhaber dieser Jobs fürchten den freien Markt wie der Teufel das Weihwasser. Das sieht man ja an den Manipulationen, mit denen sie sich „Gewinne“ ungesetzlich sichern (Libor etc.).
    Es ist bequemer innerhalb einer geschützten Werkstatt (Netzwerk) garantiertes Einkommen zu beziehen (von verdienen kann keine Rede sein).
    Hans Bär hatte Recht: „Die Bande ist impotent geworden“!

  8. Könnte man nicht fast von einem Interessenskonflikt sprechen, wenn ein CSler/UBSler neu die AKB führt?

    – Geschäftsbereiche
    – Gewünschte Lohnunterschiede
    – Hau-Ruck-Mentalität von Grossbanken
    – Politische Spiele
    – …

    • Dass viele Kantonalbanken und Privatbanken heute auch von Gier verseucht sind hat ja gerade oft auch den Ursprung darin, dass CSler und UBSler in diese Banken geholt wurden. Letztes Beispiel ist, dass Hugo Bänziger als ehemaliger Risikochef von der Skandalbank Deutsche Bank (welche Risiken hat er denn da genau im Griff gehabt bei all den nun aufgedeckten gravierenden Skandalen ?) jetzt zur altehrwürdigen Privatbank Lombard Odier wechselt. Aus einer absoluten Gierbank ohne Moral in eine Privatbank und genau da liegt das Problem auch bei den KB’s.

  9. Ja, ja die lieben Aargauer. Gem. Blick ist ja neuerdings auch Roger Federer einer! Dank seiner weissen Tennissocken…

    Immerhin haben sie mit Urs Bosisio einen Handels- und Anlagechef, welcher rechtzeitig aus der BKB-Volksbank-Truppe ausgestiegen ist. Und der das kriminelle ASE-Anlagekonstrukt locker durchschaut hat.

    Aber übertreiben sollten wir auch wieder nicht. Obwohl sie es nicht gerne hören und ich selber hier wohne: Der Aargau ist und bleibt einfach Provinz. Hat keine Uni usw. Und die AKB-Tochterbank, welche hin und wieder ein Reisli an den Paradeplatz ermöglichen würde (fragt mal Herrn Kobler!), haben sie jetzt auch noch verscherbelt…

    P.S. Bin auch gespannt, wer von den angeblich vielen Top-Kandidaten das Rennen machen wird. Es wird viel davon geredet, es könnten AG-Regionalchefs von UBS oder CS sein, was mich sehr überraschen würde!

  10. Meint Herr Rudolf Dellenbach, dass er ein Spitzenmann ist? Jemand, der uns solchen Müll erzählt? Natürlich findet man auch für ein jährliches Salär von CHF 600.000 sehr gute Leute, vielleicht noch bessere und motiviertere. Untersuchungen zeigen schon lange, dass die Höhe des Lohns nicht der einzige Faktor ist. Seien wir ehrlich, schlussendlich geht es nur darum, möglichst viel zu garnieren, und bei den KB’s auf Kosten der Bürger des jeweiligen Kantons. Ich sehe wirklich nicht ein, wieso ein CEO einer KB ein Millionensalär erhalten soll. Die ex CEO’s der BKB und der BEKB waren ja auch „Spitzenleute“. Bravo Kanton Aargau!!! Man lacht über euch wegen den weissen Socken aber ihr könnt über die dummen Nachbarn mit den überbezahlten KB CEO’s lachen.

  11. Es ist nicht das 1. Mal, dass der Kanton Aargau wieder als Trendsetter dasteht.

    Der Industrie-u. Kultur-Kanton Aargau setzt immer wieder eidgenössische Fixpunkte welche später von den übrigen Institutionen des Landes übernommen werden.

    Warten wir ab, wer der nächste Lohn-Dumping-Job anzubieten hat. Der Nachbar Luzern mit seiner LUKB verfolgt diesen Trend genau. Wetten dass der Nachfolger von Kobler für zirka die Hälfte dessen Salärs zu finden ist.

    Es ist weiland höchste Zeit, dass das Lohn-Karussell im Banken-Sektor zu Ende geht. Wir alle haben längstens genug von diesen unappetitlichen Selbstbedienungs-Orgien!

    Bravo Aargau.

    • Keine Angst, das ist nicht nur im Bankensektor so!

      Jeder halbwegs mittelgrosse Unternehmung, egal in welchem Bereich, bezahlt Saläre im ähnlichen Rahmen.

    • @Dany: Genau Patrick Rotbart-Vogt 🙂 Ein Paradebeispiel dafür, wenn man Geld nicht selbst erarbeitet hat, man nicht gut damit umgehen kann und dann noch das Gefühl hat, man sei der Grösste. Lustig, dass sich immer noch so viele Menschen finden, die sich im Umfeld von solchen Spasstis zeigen wollen.

    • Klar der „Rotbart“ schmeisst das Geld nur so zu Fenster hinaus. Sein Beruf ist (was ich mal gelesen habe) Investor. Aber dem fehlen die Erfahrungen, und schlussendlich ist er nur von Ja-sagern umgeben. Die wollen auch alle gut von Ihm leben. Daher die Verrückten Ideen. Aber für eine Normale Familie reichen 600T ganz sicher und sehr gut.