CS kündigt allen EVV-Kunden unter 100’000 Fr.

In diesen Tagen gehen Briefe raus – Kündigung per Juli – Bigshot Gottsteins Schlag gegen externe Berater.

Kleinkunden haben bei der Credit Suisse nichts zu lachen. Wobei „klein“ relativ ist.

Nach dem Rückzug aus 83 vermeintlich unrentablen Märkten zieht die Grossbank nun die Schraube bei den Externen Vermögensverwaltern (EVV) an.

Dort schmeisst die CS alle Kunden mit Konten unter 100’000 Franken raus. Entsprechende Kündigungsschreiben werden in diesen Tagen verschickt.

Es ist der nächste Schritt der Grossen gegen die kleinen Externen. Diese werden Schritt für Schritt hinauskomplimentiert.

An Weihnachten wurde bekannt, dass die UBS alle EVV mit weniger als 10 Millionen bei der Grossbank verabschieden würde.

Inzwischen hat offenbar auch die CS bei den EVV eine Minimum-Assetsumme eingeführt.

Der aktuelle Rausschmiss bei Kontobeziehungen unter 100’000 Franken wird rasch umgesetzt. Bereits per 1. Juli dieses Jahres will die CS ausgemistet haben.

Die Massnahme reicht weiter, als es den Anschein hat. Hat ein bestimmter Kunde bei einem externen Berater mehrere Konten, dann fällt jedes einzelne unter die 100’000er Guillotine.

„Klein“ kann somit gross werden. Kunden mit internationalem Anstrich haben neben ihrem Franken-Konto oft auch eines in Euro, Dollar und weiteren Währungen.

Kumuliert kann ein solcher Endkunde auf mehrere Hunderttausend Franken bei der CS kommen. Trotzdem hat er in den Augen der Bank seinen Wert verloren.

Offizieller Hintergrund sind die Kosten, die in der Vermögensverwaltung durch die verschärften Kontrollpflichten hochschnellen würden.

Die CS, die UBS und weitere Depotbanken, die ihre Plattformen Externen Vermögensverwaltern anbieten, sind nicht nur für sauberes Geschäftsgebaren der EVV zuständig.

Sie tragen auch die Verantwortung für den Endkunden. Diesen müssen sie kennen und für zuverlässig befinden.

Für ihre Arbeit erhalten CS&Co. einen Teil der Beratungskommission, welche der Kunde seinem EVV bezahlt.

Mit dem Ende der Schwarzgeld-Ära und nachdem sich viele Kunden in der Finanzkrise eine blutige Nase geholt haben, sinken die Gebühren.

Waren die Kunden früher bereit, ihrem EVV jährlich bis zu 2 Prozent für die Verwaltung des Vermögens zuzugestehen, liegt die Kommission heute bei rund 1 Prozent – Tendenz sinkend.

Rund die Hälfte landet bei der Depotbank. Diese muss damit ihren Aufwand decken und Gewinn machen – für Boni und Dividenden.

Die CS ist zum Schluss gekommen, dass das EVV-Kleinvieh bis 100’000 Franken sich nicht mehr rechnet.

Beziehungen via EAM-Mandat mit „Assets unter 100’000 Franken“ sollen „bis 1. Juli 2014“ aufgestockt werden, ansonsten würden sie „saldiert“, lassen CS-Berater derzeit ihre Kunden wissen.

Ein CS-Manager verteidigt den Entscheid. Kunden mit wenig Vermögen würden nicht zum EVV-Geschäftsmodell passen, sondern sollten als klassische Retail-Kunden eine direkte Bankbeziehung unterhalten.

Verantwortlich für den grossen Rausschmiss der kleinen Kunden ist der neue starke Mann im Private Banking, Thomas Gottstein.

Gottstein übernahm auf Anfang Jahr von Rolf Bögli die Leitung der „Premium Clients Schweiz & Externe Vermögensverwalter global“.

Der Mann, der in den letzten 15 Jahren im Investment Banking der CS grossgeworden war, fackelt nicht lange. Nur 3 Monate nach Amtsantritt sägt Gottstein ein ganzes Kundensegment ab.

Gottsteins Tabula rasa passt zum Rückzug unter dem Schlagwort „Small Markets / Small Clients“ von letztem Jahr. Die CS zieht sich dabei aus vielen Ländern in Lateinamerika, Osteuropa und der Ex-Sowjetunion zurück.

Unter den verlassenen Märkten befinden sich auch solche mit starkem Wachstum wie Panama und Bolivien. Profitieren können kleinere Banken und auch die UBS. Diese bleibt oft vor Ort.

Ob sich der brutale Bruch der CS mit ihrer Vergangenheit auszahlen wird, bleibt abzuwarten.

Investmentbanker wie Gottstein müssen beweisen, dass sie begriffen haben, wie erfolgreiches Private Banking geht.

Kommentare

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  1. Es wundert mich schon, warum man nicht die Kunden einfach bezahlen lässt für den teuren Service den sie bekommen. Sie stattdessen einfach rauszuschmeissen ist eine Unart.

    Ich glaube die Banken verwechseln ihre Kunden mit Ihren Angestellten.

    Jaja, es ist auch wirklich ein Leid mit diesen unrentablen Kleinkunden, die armen Banken tun mir so leid. (…kleiner Scherz…)

  2. Ubs, cs etcetera – alle reden vom private banking. Aber der markt ist zu klein als dass die grossen da noch im groben mit ihren strukturen draufsitzen koennen. Zudem geht ein pb kunde eher zu einem kaliber wie jb, von tobel etcetera. Die grossen muessen rentables massengeschaeft machen. Geht nur ueber automation (IT). Aber eben, das hat man ja outgesourct.

  3. Unloyales Verhalten war noch nie gut für die Geschäftsentwicklung. Die Manager wollen von den Kunden immer sofort grosses Geld sehen und haben dabei keine Ahnung, dass gerade grosse Kunden oft klein beginnen, um Bank und Beratung zu testen. Das Bankgeschäft ist ein Langfristgescäft, wenn es erfolgreich sein soll. Genau da versagen die bonusgetriebenen Manager, die alles auf kurzfristige Optimierung anlegen. Aber es ist auch verständlich, dass die kurzfristig denken, wenn sie nicht wissen, ob sie in 3 Jahren überhaupt noch in der Firma sind. Als Kunde ist es wohl doch am besten mit unabhängigen Beratern zu arbeiten, die als Unternehmer langfristig tätig sind und wo jeder Kunde geschätzt wird, nicht wie bei den Grossbanken, wo alles unter 1 Mio Vermögenswerte zum Massengeschäft verkommen ist.

  4. Wir CH Banken werden bald noch weinen. Alles Geld geht raus.
    Was macht eigentlich eine Bank ohne Kundengelder? Genau, man lässt sich von Mc Kinsey beraten, die dann sagen werden, dass man Kundengelder benötige.
    Kommen die Kunden jemals zurück in die CH? Ich glaub die Antwort ist klar.

  5. Die EVV-Desks im Lumpenproletariat des Private Bankings, werden nun eilig hinausrudern und ihre löchrigen Netze auswerfen. Der Mist des CS-Kleinviehs interessiert sonst kaum jemanden.

  6. a) Bericht ist unklar und fehlerhaft (wurde ja bereits erwaehnt, Retro etc.)
    b) Man kann natuerlich immer etwas suchen und dann ueber die CS ablaestern, aber hier habe ich sogar Verstaendis fuer die CS… wenn es mit Augenmass umgesetzt wird (z.B. Potential, link zu anderer Kundenbeziehung).
    c) Ein Kunde der weniger als CHF100k auf dem Konto hat ist sicher nicht effizient fuer Bank und EAM als Gesamtpaket – alles muss ja quasi doppelt gemacht werden (KYC, reviews, Flow of Funds etc.).

  7. Ob Gross- oder Kleinkunde, eine Bank sollte den Spagat hinkriege. ist das neu, das ich betteln muss damit eine Bank mein Geld annimmt?
    Kann nicht funktionieren und ich denke, dass viele Kunden die mehr als 100K haben, sich überlegen, zu einer etwas netteren Bank zu wechseln.

    • Eben nicht. Eine Bank kann das Angebot definieren wie sie will solange sie alle Gesetze einhält. Man kann ja Ferrari auch nicht zwingen, Geländefahrzeuge zu produzieren oder die Migros, unter dem eigenen Kosten zu verkaufen. Wenn es sich für die CS unter dem Strich nicht rechnet, dann ist es klar, dass sie dieses Geschäft aufgibt. Falls es anderen Anbietern gelingt, zu tieferen Kosten zu produzieren, können sie in die Bresche springen. Fakt ist, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen den Kundenschutz und die Konformität im Crossborder Business verstärkt haben. Gratis ist das aber nicht, auch nicht für die Kunden.

  8. Im E-Mail sieht man, dass der Autor Lukas Hässig ist. Gepostet wurde der Artikel um 2014-04-08 05:59.
    Vielleicht wäre es besser, LH würde etwas länger schlafen und besser recherchieren.
    Im Artikel steht: EAM-Mandat mit “Assets unter 100’000 Franken”, aber auch alle Kunden mit Konten unter 100’000 Franken. Was denn nun?
    Dass LH offenbar nicht weiss, wie Retrozessionen funktioniert, wurde bereits erwähnt.
    Aber wenn man jeden Tag eine Story schreiben muss, kann man es auch gar nicht so genau nehmen.
    Werde den Newsletter auf alle Fälle abbestellen.

  9. Die CS macht ihren Frühlingsputz im Sommer.Sehe eigentlich nichts schlimmes daran. Es sei denn, das Töchterlein ist Erbin eines Zielvermögens….aber da wird die Front gegenüber den EVV sicherlich etwas flexibler sein….

  10. Die Arroganz der Banker, viele haben nicht einmal 100’000 Franken auf ihrem eigenen Konto, aber eine Menge Schulden und Leasingverträge. Dafür braucht es halt den Bonus, sonst fallen die gnädigen Damen und Herren aus der Bahn. Deshalb werden die Banken die Kunden auch weiter bescheissen und abzocken, die Porschehändler können sich freuen. Wer das Geschäft kennet weiss, dass ein Kunde < 100 k entweder Potential hat oder zu einer anderen Kundenbeziehung dazugehört. Eine derartige Managemententscheidung kann nur jemand treffen der selber noch nie mit einem Kunden gesprochen hat. Aber so läuft es nun mal bei der CS, das Management hat den Kontakt zur Basis und zu den Kunden schon lange verloren. Das einhalten einer Deadline für eine stupide Exeltabelle ist wichtiger als ein Gespräch mit dem Kunden. Good luck !

  11. Ja Credit Suisse, Du ‚Liebling‘ der Kunden….

    Die grossen Vermögensverwalter haben bekanntlich schon zu Hauf rechtzeitig disponiert und eine andere Hausbank gefunden.

    So springt man mit kleinen EVV um. Warum soll diese Politik anders sein, als mit dem eigenen Personal. Dort würden Hunderte abspringen hätten diese Aussicht auf einen Job anderswo.

  12. Also ich frage mich auch wer diesen Artikel geschrieben hat?! Soviele Fehler und falsche Gedankengänge habe ich jetzt wirklich noch nie gelesen- nicht mal auf IP. Da lohnt es sich nicht einmal alle Fehler aufzulisten. Vielleicht sollten solche Beiträge Leute schreiben, die das Geschäft kennen oder wenigstens geistig in der Lage sind vernünftig zu recherchieren…

  13. Bei der UBS ist diese Schwelle bereits jetzt bei CHF 100’000.
    Aber schon erstaunlich wenn die Gebühr für EVV-Kunden nur um 100bps ist. Da ist man wohl auf Skaleneffekte angewiesen. Zum Vergleich: aktiv geführte Anlagestrategiefonds haben eine Gebühr von 150bps-200bps.

  14. Wer hat diesen Bericht geschrieben?

    1. wenn es Retrozessionen überhaupt noch gibt, belastet die Bank den normalen Kundentarif und vergütet dem EVV bis zur Hälfte zurück, nicht umgekehrt!Da der EVV einen Teil von der Bank erhält, belastet er dafür höchstens 0.5% p.a.. Ist er darüber, ist es für normale Verwaltungstätigkeit aber nicht sehr professionel.
    2. wird sicherlich der Gesamtwert der Beziehung angeschaut und nicht, was auf irgendwelchen Kontokorrenten cash rumliegt. Kann mir nicht vorstellen, dass ein Kunde rausspediert wird, der 5 Mio. in Aktien hat und daneben 90’000 CHF und 10’000 EUR!

  15. Ein Kunde mit z.B. CHF 80000 Vermögen und EVV-Beziehung bezahlt dem EVV rund CHF 120 pro Monat. Das reicht nicht für eine heute übliche Beratung. Ich verstehe die CS – die Risiken sind zu hoch.

  16. Die Kundenberater die nun die kleinen Kunden der EVVs den blauen Brief aushändigen dürfen, bekommen diesen dann wahrscheinlich im Herbst auf Ende Jahr. Das verbessert die P&L im 2015. Gut für Gottstein und seinen Bonus in 2016…

  17. Naja, so viele EVV-Kunden dürften es in der Anzahl nicht sein. Denn CHF 100’000 ist ja wirklich ein sehr, sehr kleines Volumen, wenn es solche überhaupt geben sollte.

    • Absolut einverstanden. Wieso sollte ein Privatkunde mit einem Betrag von Fr. 100’000.-einen EVV mit der Verwaltung seines Kontos beauftragen?
      Das sind doch, wenn überhaupt, höchstens Beratungskunden.

    • @Peter
      Warum auch nicht, was spricht dagegen? Es gibt viele Kunden mit dieser Grössenordnung von Vermögen, welche gerne eine externe Beratung in Anspruch nehmen. Dank Indexfonds und ETFs ist es auch für diese Kunden möglich, ein gut diversifiziertes und vor allem kostengünstiges Portfolio zusammenzustellen. Es gibt natürlich noch weitere Gründe, die für einen externen Berater sprechen können.

      Aber es ist natürlich schon so, dass die Banken diese Kunden lieber als „Beratungskunden“ hätten, bei denen dann meistens die teuren Anlagestrategiefonds im Depot landen. Dies zum Thema „Beratung“.

    • @ Andri Peer: Ich habe schon soviele Depots von sogenannten „neutralen“ oder „unabhängigen“ Beratern gsehen, es wird mir heute noch fast schlecht. Ich weiss, man kann nicht alle in einen Topf werfen, aber habe leider noch keine professionelle und gewissenhafte Vermögensverwaltung eines unabhängigen Verwalters gesehen. Egal ob mit ETF’s/Indexfonds, Einzeltitel oder was auch immer –> schlussendlich wollen alle etwas verdienen und der Druck ist bei solchen wir Ihnen noch viel grösser als bei manchen Bankberatern.

    • @Clude
      Klar gibt es auch in unserer Branche schwarze Schafe, dies habe ich selbst erlebt. Das Depot eines EVV-Kunden im höheren einstelligen Millionenbetrag war zu 90 % im eigenen Fonds des EVV investiert. Dazu bräuchte ich auch keinen „externen Berater“. Und das der EVV von etwas leben muss, ist auch richtig. Und über die Retros brauchen wir nicht zu reden.

      Als „junger EVV“ habe ich ein fixes Honorarmodell ohne Retros, setze vor allem kostengünstigte ETFs und bin auch sonst transparent (siehe meine Webseite). Für Ihre Tipps, um es „besser“ zu machen, bin ich jedoch dankbar….

  18. die fixkosten pro beziehung steigen und steigen, das rechnet sich nur noch für fokussierte, kostenbewusste anbieter und ist für diese auch eine chance. so nebenbei werden hunderte von sog. evv aus dem markt gespült und deren kunden werden sich wohl eine direkte bankbeziehung oder einen professionellen evv suchen. die zeit der evv freelancer ist vorbei.

  19. Auch kleine können mal gross werden! Die werden solche Aktionen nicht vergessen…

    Aber das ist den Heuschrecken- und nach mir die Sintflut-Bankern ja eh egal