Geheimnisvolle Espirito-Servicefirma taucht auf

In Lausanner Espirito Santo Services sitzen alle Patrons des maroden Clans – Dubai-Assets in Schweiz verbucht.

Francisco Machado da Cruz hat es durch Stories im Wall Street Journal zu Berühmtheit gebracht. Der Vertraute des Espirito-Santo-Clans prüfte fast allein die Bücher des eingestürzten Finanz-Kartenhauses.

Nun taucht Machado da Cruz auch in einer Schweizer Aktiengesellschaft auf, die bisher unter dem Radar geblieben ist. Diese könnte eine zentrale Drehscheibenfunktion im Espirito-Reich erfüllen.

Die Rede ist von der Espirito Santo Services, domiziliert in Lausanne. Offiziell erbringt sie „administrative“ und „treuhänderische“ Dienstleistungen.

„Revisor“ Machado da Cruz sitzt als einer von drei Direktoren im operativen Management der Lausanner Espirito Santo Services. Im Verwaltungsrat finden sich die Patriarchen der portugiesischen Espirito-Besitzerfamilien.

Vor allem mit dabei ist Ricardo Salgado, der Ex-CEO der mit Milliarden geretteten Banco Espirito Santo, gegen den die Behörden in Portugal strafrechtlich ermitteln. Salgado liess sich in der Schweiz von Ex-UBS-Banker Martin Liechti beraten.

Die Espirito Santo Services hat keine Revisionsstelle. Offenbar erfüllte die unscheinbare Service-Tochter im Espirito-Reich die Funktion einer internen Dienstleisterin für das Private Banking und das Asset Management der Portugiesen-Bank.

Herzstück des Private Bankings in der Schweiz war die Banque Privée Espirito Santo, das Standbein in Dubai heisst ES (für Espirito Santo) Bankers Limited.

Über die beiden Einheiten spannten die Portugiesen ein Dach namens Espirito Santo Financial Group, unter dem sie zuletzt Assetzahlen für das Geschäftsjahr 2012 publizierten.

Die Frage stellt sich, wie eng die beiden Finanzfirmen zusammenarbeiteten, wie stark Kundenassets zwischen ihnen hin- und herflossen und welche Rolle die geheimnisvolle interne Dienstleisterin namens Espirito Santo Services in Lausanne spielt.

Die Schweizer Privatbankentochter Banque Privée Espirito Santo (BPES) wurde vor 3 Wochen von der Finma zwangsliquidiert. Ihre Kundenvermögen gingen an eine Drittbank über.

Einer ihrer Verwaltungsräte sass bis vor kurzem im VR der Bankenaufsicht Finma. Diese wollte keine Stellung nehmen für diesen Artikel.

Die ES Bankers (Dubai) Limited ist weiter aktiv. In einem Schreiben vom 4. August versucht der CEO der ES Bankers, die Kunden zu beruhigen.

Man verfüge über genügend Liquidität, habe eine gesunde Bilanz, und die Kapitalgrössen seien „zufriedenstellend“.

Laut einem Insider, der mit den Verhältnissen in Dubai vertraut ist, sei die ES Bankers durch offensives Verhalten gegenüber europäischem Schwarzgeld aufgefallen.

Dieses sei in letzter Zeit im grossen Stil aus der Schweiz zur Espirito Santo in Dubai geströmt. „Ganz Dubai spricht davon, dass die Espirito Santo unversteuerte Vermögen aus der Schweiz aufnehme“, sagt die Quelle.

Ein Sprecher der Espirito Santo in der Schweiz liess eine E-Mail-Anfrage von gestern unbeantwortet.

Laut dem Insider seien die Gelder vieler europäischer Schwarzgeldkunden von der Espirito Santo in Dubai wie durch einen externen Assetmanager verwaltet worden.

Physisch gebucht seien sie hingegen in der Schweiz gewesen, und zwar über ein sogenanntes Omnibus- oder Sammelkonto.

Trifft das zu, dann hätten die beiden Espirito-Santo-Einheiten – jene in der Schweiz und jene in Dubai – Hand in Hand gearbeitet.

Darauf deutet die Personalselektion hin. Kandidaten für Jobs bei der Espirito Santo Bankers in Dubai mussten sich in Lausanne bei der Espirito Santo Services vorstellen. Dort sitzt auch der Personalchef für das Espirito-Private-Banking.

Es entsteht der Eindruck einer Privatbank, die in der Schweiz das Backoffice hatte und von dort aus Fronteinheiten steuerte, darunter insbesondere eine in der Schweiz und eine in Dubai.

Das enge Zusammenspiel könnte für die Schweizer Behörden zum Thema werden.

Mit dem Auftauchen der Espirito Santo Services, in der alle Verantwortlichen Einsitz haben, rückt der helvetische Finanzplatz noch stärker in den Fokus rund um die Espirito-Wirren.

Bereits zuvor gab eine Firma namens Eurofin in Lausanne zu reden. Es war ebenfalls das Wall Street Journal, das die Finanzunternehmung ans Tageslicht zerrte.

Auch dort war der erwähnte „Oneman“-Revisor Machado da Cruz tätig. Die Eurofin soll laut Berichten Finanzprodukte kreiert haben, mit denen Schuldscheine einer Espirito-Santo-Muttergesellschaft den Kunden der Bank Espirito Santo ins Depot gelegt werden konnten.

Die Bank Espirito Santo erlitt im ersten Halbjahr einen Verlust von knapp 1,3 Milliarden Euro durch Ausstände bei der Gruppe.

Vor anderthalb Wochen musste die Grossbank mit fast 5 Milliarden Euro öffentlichen Geldern gerettet werden.

Kommentare

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  1. Wie war es möglich, dass langjährige und erfahrene VR Mitglieder die (Schief) Lage und die (Un)Tätigkeiten der Bank nicht früher erkannt haben?

    • Gute Frage. Aber so gehts, wenn sich ein VR in erster Linie als Gallionsfigur bzw. stillen Beisitzer kaufen lässt. Aber bestimmt nicht im Falle unserer welschen Regulierungs-Koryphäe. Monsieur hat bestimmt jeden Revisionsbericht dreimal studiert und auch zwischen den Zeilen gelesen.

  2. Die Dreh-Scheibe Santo Espirito d’Angola (SEA) war ein ganz und gar Schweiz-inländisches Karussell?

    ‚Angeblich‘ haben die Portugiesen in Angola 4 – 5 Milliarden Euro in den Sand gesetzt. Vermutlich wird man an der Bahnhofstrasse in Zürich fündig, falls NACHFORSCHUNGEN angestellt würden!

    Seit weit über einem Jahr geistert das Angola-Gespenst durch die Gazetten. Muss womöglich der Steuerzahler in Portugal doch noch bemüht werden. Oder beschäftigt sich demnächst das DoJ in Washington mit diesem neuerlichen Sonderfall Schweiz?

  3. Interessanterweise wird im HR-Auszug (mit Löschungen) der Lausanner Espirito Santo Services einmal die Nationalität von Machado da Cruz mit „d’Angola“ angegeben. Der volle Name des geheimnisvollen „Alleinrevisors“ der Espirito Santo International (ESI) wird übrigens im HR-Auszug der Eurofin Holding SA (ebenfalls in Lausanne) genannt: Dos Santos Fontes Machado da Cruz. Dos Santos? So heisst u.a. die angolanische Präsidentenfamilie. Zufall oder verwandtschaftliche Verbindungen?

    • Da müsste man ja direkt auch bei der Firma Quantum Global Investment Management AG und deren Nebenfirmen etwas bohren. Die illustren (Ex-)Verwaltungsräte Marcel Rohner/Ernst Welteke (ex-UBS/ex-Bundesbank) vernebeln allfällige Dos Santos-Herkunft der Gelder. Und heutige VRs haben teilweise mittlerweile sogar in Dubai Domizil. Honi soit….

    • Machado (Müller), Dos Santos (Meier), da Cruz und Fontes (Meierhans und Rüdisühli).
      So heissen irgendwie 80 % aller Portugiesen, Brasilianer, Angolaner oder Einwohner der Kapverden…

    • @Pollo: Also doch bloss Zufall? Da bin ich erleichtert. Und mit mir bestimmt auch ein langjäriger FINMA-Verwaltungsrat, seines Zeichens „intellektueller Geburtshelfer der integrierten Finanzmarktaufsicht“. Denn siehe, der „Heilige Geist“ ist über ihn gekommen.