Feudalismus bei der CS Deutschland

Investmentbanker laden zur Fuchs-„Drückjagd“ bei Fürst Hohenlohe – 900 000 für Bayern-Loge – Spesenreiter.

In Zürich spart die Credit Suisse bei Pflanzen und Kaffee. In Deutschland können die Ausgaben nicht hoch genug sein.

Investmentbanker der deutschen Credit Suisse luden Kunden letzten November auf Schloss Langenburg im südlichen Bundesland Baden-Württemberg.

Die CS freue sich, die Gäste „im Namen des Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg“ zur „Drückjagd auf Schwarz- und Rehwild sowie Füchse“ einzuladen.

Gastherr war Lorne Campbell, Managing Director der Grossbank und Chef Aktien der CS Investmentbank in Deutschland.

Der Anlass erstreckte sich über drei Tage. Angereist wurde am Freitag, 29. November, dann gabs ein „gemeinsames Abendessen in der „Orangerie“ von Schloss Langenburg“.

Am Samstag hiess es früh aufstehen. Nach dem Frühstück war um 7.45 Uhr „Treffpunkt vor dem Schloss“ und anschliessend „Transfer ins Revier“. Das „1. Treiben“ konnte beginnen.

Gedacht wurde an alles. „Mittagessen in der Jagdhütte“ um 12 Uhr, danach „2. Treiben“ und schliesslich zurück ins Schloss zum gemütlichen Teil – mit dem Höhepunkt „Festliches Jagddinner im „Vierjahreszeitensaal“ von Schloss Langenburg“.

Am Sonntag reisten die Gäste ab. Wie viele es waren, ist nicht bekannt. Es handle sich um einen jährlich stattfindenden Kundenanlass, sagt eine Quelle.

Die Kosten dürften hoch sein. Für CS-Chef Campbell und seine Kollegen vom Investmentbanking wird wohl das Ziel sein, den Kunden für vergangene Geschäfte zu danken und zukünftige schmackhaft zu machen.

Ob die Rechnung für die Bank aufgeht, ist eine andere Frage. Bemerkenswert ist nicht nur die teure Inszenierung mit Schloss, sondern auch das offene Zelebrieren von Feudalismus.

Hervorgehoben wird in der CS-Einladung der Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, ein 44-jähriger Blaublüter, der seit 10 Jahren das adlige Haus anführt und gemäss Wikipedia auf „Platz 189 in der britischen Thronfolge“ stehe.

Im Zentrum des Kundenanlasses stand nicht Geschäftliches, sondern die Drückjagd, eine offenbar nachhaltigere Form der Treibjagd.

Schloss und Wildjagd passen zu Aristokratie und Reichtum. Das Bild eines elitären Kreises, für den nur das Beste gut genug ist, macht sich breit.

Der Kontrast zum einfachen Retail- und Private-Banking im CS-Heimmarkt Schweiz könnte kaum grösser sein.

Streichung subventionierter Firmen-Parkplätze, Schliessung von Personalrestaurants, verteuerte Kantinen-Menüs und weiteres schlagen den CS-Mitarbeitern auf den Magen. Sogar das Seniorenturnen bleibt nicht vom Rotstift verschont.

Es offenbaren sich zwei Welten. Hier die neuen Masters of the Universe, die mit ihren ultra-reichen Kunden unter sich den Feudalismus aufleben lassen, da die einfachen Arbeitsbienen, die vor jeder Quali-Runde Angst um ihr Ranking haben.

Gediegene Anlässe für eine vermögende Klientel sind Teil des Schweizer Private Bankings. Im Unterschied zu reinen Privatbanken führen sie in einer Universalbank wie der CS aber eher zu internen Zerreissproben.

Warum müssen wir sparen, während die da weiter schwelgen dürfen, ist ein Eindruck, der schon länger bei vielen langjährigen CS-Angestellten sich breit macht.

Die CS-Investmentbanker in Deutschland betrachten die Lage wohl anders. Für sie dürften Schloss und Fuchsjagd zum „Package“ für Topkunden gehören. Ohne die Ultra Highs stünde die Bank schlecht da, könnten sie argumentieren.

Dazu passt der „Logen-Mietvertrag“, den die CS Deutschland am 28. Januar dieses Jahres mit der Allianz Arena, München Stadion GmbH, abgeschlossen hat.

Das 7-seitige Werk mit 2 Seiten Anhang regelt die exklusive Nutzung einer Loge „mit 13 Sitzplätzen und mit 3 Parkplätzen“ durch die Credit Suisse und ihre Gäste für Spiele des FC Bayern München und weiterer Münchner Fussballvereine.

Es handelt sich um ein Rundumpaket. „Die gastronomische Bewirtung der Logengäste (…) erfolgt in Form eines hochwertigen Menüs/Buffets nebst üblichen Getränken“, allerdings „ohne Spirituosen und Champagner“. Dafür muss die CS selbst aufkommen.

Die „jährliche Vergütung beträgt EUR 145’200.–, zzgl. gesetzlich geschuldeter Mehrwertsteuer“, wie im Vertrag ausgeführt wird. Dieser beginnt Mitte 2015 und läuft 5 Jahre lang bis Mitte 2020.

Er erlaubt jährliche Kündigungen. Am Ende muss die CS die Loge „geräumt und besenreich“ zurückgeben.

Auf 5 Jahre hochgerechnet lässt sich die CS Deutschland das Vergnügen über 700’000 Euro oder rund 900’000 Franken kosten.

Im Vergleich dazu Peanuts war ein Nachtessen der CS-Investmentbanker von Anfang Jahr. Im Januar liessen sich der eingangs erwähnte Lorne Campbell, zwei CS-Kollegen und ein Externer im Frankfurter Restaurant Opéra verköstigen.

Der Betrag über 225 Euro scheint nicht weiter der Rede wert. Doch statt das Essen selbst zu zahlen, deklarierten die CS-Banker es als „Trading Review“ und liessen die Rechnung an ihre Arbeitgeberin schicken, die CS Securities in Frankfurt.

Eigene Kleinspesen gehen bei der CS Deutschland aufs Haus.

Kommentare

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  1. ….. hat man den Eindruck, dass dieVerantwortlichen bei der“Most Admired Bank“ nicht wissen was sie als nächstes vor lauter Dummheit anstellen sollen.
    Kein Gefühl für Anstand und Comment.

  2. Hier in der Schweiz die Arbeitsbienen, die Gewinne für die Bank erarbeiten. Dort in Deutschland die Blender (oft haben die gar nicht die Superreichen Kunden, denn diese Berater tun nur so als ob), welche unter dem Strich Verluste machen. So kommt es gerade in der Finanzindustrie immer wieder raus, wenn eine Bank auf Teufel komm raus Geschäfte machen muss. Es gibt im Finanzbereich sehr viele Blender und genau so viele Manager, die auf die Blender reinfallen. Spielt eh keine Rolle, da sich Hr. Campell in den nächsten 2 – 4 Jahren bei der CS absetzen wird. Gut gibt es noch die bescheidenen Arbeitsbienen bei den Banken, sonst sähe es wirklich schlecht aus.

  3. Am Ende geht es nur darum, Kunden zu gewinnen. Das kostet halt, weil mit einem Frankfurter wird die CS in Dtld kaum HNWIs locken.

    Cool ist übrigens, was Pwc über den dt. Bankensektor herausgefunden hat: „So lange Kunden nicht bereit seien, für Fairness, Transparenz und Beratungsqualität zu zahlen, könne ein solches Leistungsversprechen nicht gegeben werden. “ heisst es in einer Studie.

    http://www.bankingundfinance.ch/geschaeftsmodelle-und-management/kein-kulturwandel-im-deutschen-bankensektor/

  4. @H. Riss

    Danke Herr Riss, dass Sie das so gut klarstellen. Das hat es gebraucht.
    Mit vorzüglicher Hochachtung
    Ihr M.J.

  5. Es gibt Leute, die dieses Geschäftsgebahren der CS in der heutigen Zeit aus moralischen, ethischen, sozialen, Reputations- etc. Gründen für unangemessen halten. Und es gibt die, die es offensichtlich ganz ok finden, wie die CS sich verhält. Und diejenigen, die es ok finden, kommen dann immer gleich mit dem Neid-Argument. Aber das Neid-Argument entkräftet doch in keiner Weise die moralischen, ethischen, sozialen, Reputations- etc. Argumente. Was ist das denn für eine hirnrissige Argumentation?!?

  6. Der Neid SPROTZT NUR SO in diesem Blog. Ach kleiner Lukas, sich immer ungerecht behandelt gefühlt und jetzt die Rache auslassen an denen, die etwas erreicht haben. Tatsächlich, was für ein Kontrast, täglich diesen Prostitutionsblog schreiben, nie ein fettes Buffet-Gelage aufm Schloss, immer nur diese Bürogemeinschaft bei der Europaabrücke, an Zürichs Schmutz- und Urinierecke.

  7. …. die haben halt mal ne Dummheit gemacht.
    wer heutzutage noch auf die Jagd geht, ins besondere Fuchstreibjagd, bekommt ein Imageproblem.

    DIE CS HAT KEIN HÄNDCHEN FÜR ÖFFENTLICHE REPUTATION

  8. Nur zur Erinnerung: (Nicht zum Vergleich) Der alte Erb (+) lud die Bankster und Kreditheinis seiner verschlungenen Firmen jährlich auf einen extensiven Segelturn in die Karibik ein. Alles bezahlt und gesponsert durch den klammen Gastgeber.

    Die Credit Suisse existiert immer noch 🙂

  9. Eine Loge in der Allianz-Arena, was ist daran anrüchig? Die CS hatte auch im Hallenstadion eine Loge für ca. 1 Mio über 5 Jahre und hat sie sicherlich auch in einigen Schweizer Fussballstadien. Zudem haben auch andere Banken Logenplätze für ihre Kunden. Und dass die CS nicht bei einem viertklassigen Club Geschäftsgäste einlädt sondern an einem etwas exklusiveren Ort ist ja auch logisch. Scheint eher ein Neidartikel zu sein…

  10. Mit Blick auf das enge Compliance-Korsett in D, UK und der EU kann man sich mit diesem Geschäftsgebahren schon auf die nächsten Bussen und Erhöhungen des Geschäftsaufwandes durch Ausbau der Compliance-Abteilungen freuen. Als Aktionär definitiv der Moment, das Risiko neu einzuschätzen.

  11. „Knalltüte jagt Dax“ passt ja grandios zur CS.
    Was in der Schweiz verdient wird, wird im Ausland wieder rausgehauen, sei es so ein Anlass oder Boni, und Bussen. Das Jahr neigt sich dem ende zu und da kann die Bank ja die Bonviva gebühren erhöhen “ Marktbedingt auf dass doppelte“ aber wie lange noch?

  12. In England hat sogar die Nummer 2 in der Britischen Thronfolge grosse Mühe überhaupt da rann zu kommen. Dann ist Nummer 189 wohl sehr bescheiden. Also was ist die Botschaft hier ? In Graubünden ist die Jagd auf Wild auch unterwegs.

  13. Für Essen und Ähnliches gibt es doch die jährliche, steuerbefreite Spesenpauschale (ca. 7000-20’000) je nach Rank (und Bank), ab Stufe VP. Meistens wird die halt schon als „Lohnbestandteil“ (fringe benefits) gesehen.

  14. Der Artikel ließt sich wie ein einziges Neidgebrabbel. Mimimi hier und Mimimi dort. Die anderen dürfen spielen gehen und ich muss zu Hause bleiben und Hausaufgaben machen.

    Gleich kommt sicherlich auch wieder:“Brady muss endlich Verantwortung übernehmen und zusammen mit seinem Freund Urs das Feld räumen“…. langweilig!

    • Ne, Brady und Ursli sollten sich das Osterhasenkostüm anziehen und so an der Drückjagd teilnehmen. – „Gut Schuss!“ kann man da nur wünschen.

  15. Die Jagdgeschichte bedarf aber mal einer Erklärung: in Deutschland wird das Thema „Jagd“ weniger „Elitär“ gesehen als in der Schweiz (mal abgesehen von den Patent-Kantonen ). Jagdeinladungen von Firmen und Privatpersonen sind durchaus an der Tagesordnung und als Jäger kriegt man im Herbst kaum alle Termine unter einen Hut. Auch einige DAX/MDAX-Konzerne laden regelmässig zur Drückjagd ein. Allerdings sind die Zeiten vorbei, als diese noch eigene Jagdreviere besassen, legendär waren hier die Thyssen/Krupp-Jagden. Eines kann ich Ihnen auch noch mitgeben: dank den Compliance-Officers sind Überlebenchancen des Wilds eher gestiegen – die Zusagen der Eingeladenen sind nicht mehr so häufig wie früher. Aber das ist ja bei Einladungen zu Konzerten etc. auch nicht anders….

  16. Da müsste man doch gerade zur Drückjagd auf die ansetzen, die an solchen Knalltüten-Anlässen teilnehmen und diese mit überhöhten Gebühren noch selbst bezahlen. – Halali!