ZKB rasselt in die Swisscanto-Falle

Zürcher überzahlen Tiefpreis-Business – blutigste Übernahme der Geschichte – Staatsbank schickt Hunderte aufs Arbeitsamt.

Die 360 Millionen, welche die ZKB heute als Kaufpreis für die Swisscanto nennt, ist nur die halbe Miete. Hinzu kommen 80 Millionen, welche die ZKB am Gemeinschaftswerk schon besitzt.

Zudem zahlt die ZKB den 23 verkaufenden Kantonalbanken in den nächsten 3 Jahren eine Erfolgsprämie auf die übernommenen 50 Milliarden Kundenvermögen.

Bleiben diese bei den Zürchern, gibt’s von der ZKB weitere rund 300 Millionen für die Verkäufer. Damit summiert sich der Deal auf 750 Millionen. Das macht 1,5 Prozent auf die gekauften Assets.

Ein Irrsinnspreis, sagen Fonds-Spezialisten. Etwa soviel zahlte Pierin Vincenz von der Raiffeisen für die Kundengelder der Bank Wegelin. Das war vor 3 Jahren.

Oder Boris Collardi. Der Bär-Chef kaufte das internationale Private Banking der US-Bank Merrill Lynch. Auch da bewegten sich die Preise für die erworbenen Assets in diesem Rahmen.

Doch bei der Swisscanto sprechen wir von Asset Management, also vom Anlagegeschäft für die sogenannten Institutionellen: Pensionskassen, andere grosse Profi-Investoren.

In Zukunft kommen die viele Kantonalbanken hinzu, die nach dem Deal nicht mehr beim Gemeinschaftswerk Swisscanto ihre Fonds und sonstigen Anlageprodukte für ihre Privatkunden beziehen, sondern bei der ZKB.

Was sie bereit sind, dafür zu zahlen, entscheidet, ob die ZKB ein gutes Geschäft macht. Eine Rendite wird schwierig. Im professionellen Anlagegeschäft werden für die Vermögensverwaltung 10 Basispunkte bezahlt – Tendenz sinkend.

Doch blöd ist die ZKB nicht. Ihr primäres Ziel mit dem Kauf der Swisscanto, dessen Wert eine interne Studie sogar auf gegen 1 Milliarde veranschlagt hatte, ist ein anderes.

Die Auslastung des eigenen Handelsgeschäfts. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die mit Abstand grösste Kantonalbank des Landes ein Trading aufgebaut, das zum dritten Standbein neben dem klassischen Firmen- und Privatkundengeschäft geworden ist.

Nun wird die ZKB definitiv zur Grossbank. Wie die UBS und die CS umfasst ihre Palette nach der Akquisition der Swisscanto alles – das Retailbusiness mit den Kleinkunden, das Private Banking für die Reichen, das Investment Banking für die Trader und das Asset Management für die Institutionellen.

Mit 50 zusätzlichen Milliarden von der Swisscanto auf der eigenen Plattform kann die ZKB dort die Stückkosten senken und im Preiswettbewerb mithalten. So der Businessplan.

Die Frage ist: Schaffen die Zürcher das?

Zunächst vernichten sie Werte. Die Marke Swisscanto, die für aktiv gemanagte Fonds steht und immer wieder Preise für Top-Produkte erhalten hat, wird über kurz oder lange verschwinden.

Von den 400 Mitarbeitern des Fondsanbieters sind vielleicht 50 für die ZKB von Nutzen. Es handelt sich um die Fondsmanager, die ihr „Baby“ leiten und Kunden haben.

Sie will die ZKB behalten. Der Rest, also das ganze Backoffice mit der Abwicklung und der Buchhaltung, die Vertriebs- und Verkaufsmannschaft sowie all die Manager sind überflüssig.

Ein Insider rechnet mit einem Abbau von bis zu 350 der 400 Swisscanto-Leuten. Der Deal könnte eine der „blutigsten“ Übernahmen der jüngeren Zeit auf dem Zürcher Finanzplatz werden.

Und das durch die ZKB, eine zu 100 Prozent dem Zürcher Volk gehörende Institution.

Der Vorgang ist pervers: Die ZKB geht mit Steuergeldern auf Expansionskurs, drückt dort die Preise für die Privatwirtschaft und macht möglicherweise Hunderte von Swisscanto-Bankern zu Arbeitslosen.

Diese landen auf dem Arbeitsamt, wenn sie nicht bei einem anderen Arbeitgeber Unterschlupf finden oder selbstständig eine Lösung finden.

Die Kosten für die Massenarbeitslosigkeit trägt der Steuerzahler; der gleiche, der mit seinem Kapital und seiner Risikobereitschaft dem Management der ZKB erst die Möglichkeit gibt zu wirtschaften.

Die ZKB-Führung mit CEO Martin Scholl und Präsident Jörg Müller-Ganz zeichnet sich durch Stille aus. Zur Swisscanto-Übernahme verschickte die Bank im Vorfeld, als sich der Kauf abzeichnete, einen Zweizeiler.

Strategisch versteht man die ZKB. Weil keine Retrogebühren mehr fliessen, es also nichts mehr zu verdienen gibt durch den Vertrieb fremder Produkte, will die ZKB ihre eigene Produktion für Finanzprodukte ausbauen.

Die aktiv gemanagten Swisscanto-Fonds sind dabei eine Ergänzung zu den passiven Indexfonds, auf welche sich die ZKB spezialisiert hat.

Die Zürcher haben die Muskeln, um die ganze Wertschöpfung im Asset Management anzubieten. Mit den 50 Milliarden der Swisscanto werden sie zur klaren Nummer 3 hinter den beiden Grossen.

Die Frage ist, wie sie das tut. Sie vernichtet die Swisscanto und schadet dem Steuerzahler.

Das macht sie zum hässlichen Staatsmoloch.

Kommentare

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  1. Einer der besten Artikel auf IP. Er hat das Format der politischen Sprengkraft. Man muss nur alle von LH erwähnten Punkte wie in einem Spinnennetz zusammenfügen und merkt dann: mit der ZKB schufen wir einen Systemfehler. Wir befinden uns mitten in einem sozialistischen Gefüge. Marktkräfte werden mit Staatsgarantie ausgehebelt. Es werden fiktive Gewinne geschaffen, weil ein Staatsinstitut per Definition keine Gewinne erzielen kann. Eine Volkswirtschaft gewinnt, aber nicht der Staat. Gewinnt der Staat, verliert die Volkswirtschaft. Zürich goes DDR.

  2. Nicht günstig, aber bestimmt strategisch ein Meisterschachzug! Das Nachsehen haben leider die unterbelichteten anderen Kantonalbanken, deren Zukunft je länger je mehr in Frage gestellt wird. Die ZKB wird auf alle Fälle im Markt Schritt halten können, well done ZKB guys!

    • Ein Meisterschachzug ? Einige gute Ideen sind sicherlich dabei: Beibehalten des Brands Swisscanto und Umbennenung der ZKB-Fonds in Swisscanto und wie ich inzwischen in der Präsentation von Herrn Scholl gelesen habe auch die offenbar schon geplante Fusion Balfidor – Swisscanto. Doch genau hier beginnen nun auch die Schwierigkeiten: Balfidor und Swisscanto haben unterschiedliche IT-Systeme zur Berechnung der NAV’s, was ein gefundenes Fressen für die Simcorp werden wird … auch ist es bedenklich, dass die ZKB über drei Jahre den anderen KB’s Millionenbeträge zahlen will, um zu verhindern, dass diese „en masse“ aus diesen Fonds aussteigen, was nach Ablauf der drei Jahre dann wohl passieren kann … immerhin hat aber nun die ZKB auch die Kontrolle über die Swisscanto in London – das Fund Desk mit dem Handel in Drittfonnds, welcher den einzigen Bereich der ganzen Swisscanto Gruppe darstellt, der in den letzten Jahren erheblich wuchs.

  3. Aussage im Artikel von Lukas Hässig: „mit den 50 Milliarden der Swisscanto werden sie zur klaren Nummer 3 hinter den beiden Grossen.“

    Und wie soll das bitte schön auf einen Schlag passieren ?

    In einem ersten Schritt wird die Swisscanto doch nur eine zwar vollständig von der ZKB gehaltene Tochtergesellschaft, aber bleibt ja wohl eine Gesellschaft, Fondsleitung mit eigener Rechtspersönlichkeit und den eigenen Swisscanto Produkten … und somit haben wir genau jetzt die ZKB-Fonds (ETF’s, „passive“ Fonds) auf der einen und die Swisscanto-Fonds („aktive“) auf der anderen Seite.

    Bei Fonds darf man übrigens nur mit dem Placet der FINMA die Fondsleitung wechseln. Die ZKB ist zudem eine Bank und keine Fondsleitung. Eine bestehende Tochtergesellschaft der ZKB, die Balfidor Fondsleitung AG in Basel hat den Status einer Fondsleitung und verwaltet u.A. die bestehenden Fonds der ZKB.

    Bank und Fondsleitung müssen nach Gesetz getrennt sein und so wird die Swisscanto zu einer zweiten Tochtergesellschaft neben der Balfidor.

    Strategisch wäre dann in einem zweiten Schritt eine vom Alleinaktionär ZKB beschlossene Fusion Swisscanto mit Balfidor denkbar. Allerdings wäre müsste man dann hier die Kultur der viel kleineren Balfidor aus Basel mit derjenigen der Swisscanto aus Zürich verbinden, was kein leichtes Unterfangen wäre …

  4. Noch selten einen derart inkompetenten, schlecht recherchierten Bericht gelesen.
    Der Artikel grenzt schon hart an üble Nachrede.
    Herr Hässig, informieren Sie sich doch bitte, was Swisscanto wirklich ist. Und dann vergleichen Sie nicht Aepfel mit Birnen.
    Seriöser Journalismus sieht anders aus – selbst der Blick würde hier noch rot.

    • @Saumeier
      Bringen Sie bitte Beispiele, wenn Sie schon inhaltlich auf Ihre bellende Weise Kritik üben wollen. Sonst machen Sie sich unglaubwürdig und lächerlich: Sie kommen mir vor wie ein bellender Hund, der davonrennt, wenn es draufankommt.

  5. Und was macht die Politik – nichts wie immer! Schön, dass mit Steuergelder Mitarbeiter gefeuert werden und auf dem Arbeitsamt landen. Danke ZKB, der Fall mit den USA ist ja noch offen!

  6. Für alle nichts und für die wenigen oberen alles. Das ist doch die überlegene Marktwirtschaft. Nebst mafiösen Strukturen und greisen Professoren mit ihren Glaubensgeschichten braucht es noch viel Dumme, die sich jedes mal wieder von neuem darüber erstaunen und hoffen, dass es das nächste Mal anders wird.

  7. Noch vor 2 Wochen stand auf dieser Seite, die ZKB kaufe die Swisscanto für einen Dumping-Preis. Nun wird sie plötzlich überbezahlt. Herr Hässig, welches Schlagwort passt das nächste Mal am besten, um die Leser zu beglücken? Auch ist es wohl fraglich, wie die ZKB 400 MA auf die Strasse stellen möchte, wenn sie anscheinend 50 von 408 MA (gem. swisscanto.ch) behalten möchte. Es könnte evtl. vielleicht… sowas nennen Sie Journalismus? Und ja, die alte Leier mit den Steuergeldern… Seit den 1990er Jahren nutzt die ZKB ein ausbezahltes Dotationskapital von 1.95 Milliarden. Seit den guten Bankenjahren ab 2008 zahlt die ZKB dem Kanton und den Gemeinden pro Jahr einen Gewinn von 330 Mio aus, sprich eine Rendite von knapp 20%… Jaja, die armen Steuerzahler, welche die ZKB finanzieren müssen, mir fliessen die Tränen…

  8. Warum wird immer über den Artikel „gemekert“ ? und wenn es mal nichts zu „mekern“ gibt werden Schreibfehler gesucht! Also ich finde IP sehr gut und bringt auch vieles hervor wo sonst nirgends thematisiert wird. Und wer hier einen Schreibfehler findet darf ihn gleich behalten.

  9. Interessant ist der Vergleich zum Artikel zum gleichen Thema welcher im Tagesanzeiger erschienen ist, geschrieben von einem Lukas Hässig.
    Die Stossrichtung ist ähnlich, aber der Stil um Längen besser. LH weiss eben genau wie er seine IP-Klientel auf 20-Minuten oder eher Blick-Niveau unterhalten muss, obwohl der Artikel im Tagi zeigt, dass er es eigentlich besser kann.

  10. Sehr geehter Herr Hässig

    Ihre Artikel in Ehren, doch Aussagen wie „Der Vorgang ist pervers: Die ZKB geht mit Steuergeldern auf Expansionskurs“ entbehrt jeglicher Objektivität. Warum schiessen Sie sich nur derart gegen gewisse Institute, darunter die ZKB, ein?

    Betreiben Sie doch echten Investigativjournalimus, denn an verlässlichen Quellen sollte es Ihnen nicht mangeln. Bringen Sie Primeurs und nicht alten Wein in neuen Schläuchen. V.a., nehmen Sie endlich Abstand von tendenziösen Aussagen, Überzeichnungen und dem Aufbeschwören von Katastrophenszenarien, denn das ist einfach nur lächerlich.

    Eine Swisscanto hatte eigenständig schlichtwegs keine Zukunft, wie so viele Gemeinschaftswerke im Swiss Banking. Dass am Schluss nur noch eine Kaufinteressentin übrig blieb, spricht Bände. Dass jeder Käufer Synergien, d.h. Kostenpotenziale, ausschöpfen muss, um den Kaufpreis zu rentabilisieren, ist doch ebenso vorauszusehen wie das Amen in der Kirche.

    Also sind wir nun gespannt, wie der Martin Scholl als Kapitän der ZKB und seine ersten Offiziere, die Mitglieder der ZKB Generaldirektion, diese Integration bewerkstelligen und die gekauften Assets halten werden. Immerhin ist dies – im Gegensatz zu SIKA und St.Gobain – eine Schweizer Lösung.

    Auf Ihre nächsten Artikel, lieber Herr Hässig, bin ich gespannt. Als Weihnachtswünsche hätte ich diese gerne objektiv, kritisch und fundiert. Sie können das doch, oder?

    Beste Grüsse
    Tatiana

    • Liebe Tatiana
      Ich finde den Artikel von Herrn Hässig in dieser Angelegenheit gut recherchiert und ausgewogen. Die Sie störenden Elemente sind im Verhältnis zur Gesamtdarstellung „Nebenschauplätze“. Sie sollten sich in der Vorweihnachtszeit nicht so aufregen!
      Beste Grüsse
      Ihr Zueribanker

    • Wieso? Was ist daran fachlich falsch? Wird die ZKB etwa nicht mit Staatsgeldern alimentiert und durch eine Staatsgarantie subventioniert?
      Gehört es etwa zum Leistungsauftrag einer Kantonalbank, Asset Management und Derivathandel zu betreiben?
      Gut, dass wenigstens noch ein Medium kritisch ist – der Rest lässt sich ja lieber mit Inseraten kaufen…

    • Als ZKB Mitarbeiterin darf man die rosa Sonnenbrille auch abziehen!
      Es ist leider so, dass die ZKB nur Dank dem Steuerzahler so fungieren kann! Der Bürger übernimmt die Kosten für Alles der ZKB, inkl. Boni!!! Und jetzt sogar noch die Arbeitslosengelder……
      Auch wenn Herr Hässig manchmal Pokemik schreibt, heisst es nicht, dass man der „Staatsbank“ nicht auf die Finger klopfen darf….!

    • @Tatiana bin ich fast über alles einverstanden! Man sollte aufhören immer wieder von „Fälle“ zu sprechen und Bewegung ist immer besser als Stillstand. Und ich kann mich gut am Gallileo erinnern „… und doch bewegt sich!“ und was sich bewegt ist Lebendig und hat auch Zukunft. Meiner beschiedene Meinung nach es ist eine gute Sache für ZKB, für den Finanzplatz Schweiz und für die Steuerzahler am ende. We will see, but I am confident.

    • Unsere Steuergelder werden verzockt!!!! Eine absolute Sauerei! Und Tatiana freut sich noch darüber, dass der Kanton (das sind wir) nochmals 2 Milliarden Dotationskapital einschiessen und wir immernoch für ALLE Geschäfte der ZKB haften!

  11. Wieviel bezahlt wird und ob das Investment am Schluss Verlust bringt wie
    damals in Oesterreich, ist doch nicht relevant weil es ja nur Steuergelder sind. Ueberall wo die Politik in Wirtschafts-Angelegenheiten ihre Finger im Spiel hat, funktioniert das Geschäft nicht, wie wir zur Genüge wissen. Viel zu viele Politiker, zwei Drittel davon weg und unser System würde besser, effizienter uns viel billiger funktionieren.

    • ja es ist höchste zeit den chf mindestkurs aufzugeben und die märkte endlich freies spiel mit uns treiben zu lassen:) auf das der stärkere endlich wieder gewinne und alles für sich erhalte.

  12. Alea iacta est!
    Die ZKB wird auf einen Schlag die dritte Kraft im Fondsmarkt Schweiz. Hinter sich wird sie wohl die vielen Mitarbeitenden von Swisscanto lassen, die sich bis anhin als Vertreter aller Kantonalbanken sahen. Damit verlassen die Kantonalbanken den Pfad des seit 1993 eingeschlagenen Weges, im Markt gemeinsam aufzutreten. Es wird sich nun zeigen, wie die einzelnen Institute reagieren und ob sich hier neue Partnerschaften ergeben. Es ist ja nicht auszuschliessen, dass einige Institute auf keine Fall Produkte der grossen ZKB anbieten wollen und lieber auf attraktive Produkte anderer Anbieter zurückgreifen. So wir dann vielleicht die vielgepriesene Open-Architecture bei einigen Kantonalbanken Realität.

    Dass der Steuerzahler für hochqualifizierte, ehemalige Swisscanto Mitarbeitende aufkommen muss, ist nicht zu hoffen. Hier hängt vieles davon ab, wie die Übernahme schlussendlich erfolgt und wie „anständig“ sich die ZKB und die Aktionäre gegenüber Swisscanto zeigen. Wobei man aus der Geschichte zweifeln darf, ob Anstand und Respekt in diesem Geschäft, auch bei der ZKB, je ein Thema waren.