Coutts-Chef will mit 25 Leuten zur EFG

Ganzes Russland-Team verlässt Königsbank – Auch in Genf Absatzbewegung – Wer soll leere Coutts-Hülle kaufen?

Michael Vlahovic ist ein langjähriger Russland-Banker auf dem Platz Zürich. Als er 2009 von der CS zur Coutts Zürich wechselte, legte die englische Königsbank im Ostgeschäft massiv zu.

Nun will Vlahovic zur EFG International. Aber nicht allein. Mit dem Mann, der einen englischen Pass hat, sollen rund 25 Leute von Coutts zur Konkurrentin wechseln.

Das sagt ein Insider. Von der Coutts-Mutterbank RBS in London gabs zunächst keine Stellungnahme. Ein Sprecher der EFG International meinte nur: „No comment“.

(Nach Publikation dieses Artikels dementierten die Schweizer Coutts-Führung und Vlahovic in einem internen Memo einen bevorstehenden Abgang des Russland-Beraters und seines Teams. Solche Ausführungen könnten einzig auf „Spekulation und Klatsch“ beruhen.)

Laut der Quelle hätten einige Coutts-Berater bereits gekündigt, andere würden Ende Monat folgen.

So die Nummer 2 des Osteuropageschäfts, ein Coutts-Chef namens Basile Samarine, der zuvor auch bei der CS war. Samarine soll mit einem Team von 7 Coutts-Bankern zur EFG gehen.

Der Informant spricht von zahlreichen Russland-Reisen der Coutts-Banker in den letzten Wochen. Dabei hätten sie ihren vermögenden Kunden den Wechsel zur EFG nahegelegt.

Zwischen Coutts und der EFG International besteht seit langem eine enge, allerdings aus Sicht von Coutts ungewollte Beziehung.

John Williamson, der CEO der EFG-Bank, war lange bei der Coutts Bank. Im Sommer dachte er in einem Interview mit der Finanz und Wirtschaft laut über einen Kauf von Coutts nach.

Schon da sagte der EFG-Chef, dass er in einer Auktion „wohl kaum bis zum Schluss mithalten“ würde.

Nun zeigt sich, dass dies gar nicht nötig ist, um an die Coutts-Vermögen heranzukommen. Statt die ganze Bank mit all ihren Risiken und Altlasten zu erwerben, kauft die EFG die grössten und wertvollsten Teams der Bank mit der englischen Königin als bekanntester Kundin ein.

Eine wichtige Rolle bei den grossen Transfers und Berater-Einkäufe soll laut der Quelle ein EFG-Banker namens Gerhard Müller spielen.

Müller wechselte vor dreieinhalb Jahren als Ex-Chef der Coutts Schweiz zur EFG in Zürich, wo er für die Entwicklung des Europa-Geschäfts zuständig wurde.

Wenn nun Vlahovic in Zürich und Samarine in Genf, die 2 grossen Russland-Banker von Coutts, die entscheidend zum Sprung der Privatbank im Osteuropageschäft beitrugen, zusammen mit ihren Teams zur EFG wechseln, dann dürfte dies das Werk von Müller sein.

Bereits im Dezember konnte sich die Zürcher Vontobel Leute von der Coutts schnappen. Und ebenfalls zu Vontobel wechselte letzten Sommer Rolf Frehner, auch er ein Russland-Banker. Bei der Familienbank wurde Frehner Russland-Chef – und wollte weitere Coutts-Leute zu sich holen.

Die Absatzbewegungen sind für Coutts tödlich. Die Bank ist vor aller Augen am Zerfallen.

Die Mutter in England, die Royal Bank of Scotland, die zur Mehrheit dem englischen Staat gehört, unternimmt nichts.

Laut einem Gesprächspartner liegt der Grund in einem fehlenden Verständnis für das Private Banking, wie es in der Schweiz praktiziert würde.

„Die Chefs der RBS kriegten immer mehr Angst, dass sie mit der Coutts Schweiz ein Grossrisiko laufen würden“, meint der Gesprächspartner.

Im August entschied sich die RBS-Chefetage, die Coutts International mit ihrem Zentrum in Zürich und Kundenvermögen von über 30 Milliarden per Ende 2013 zu verkaufen.

Immer wieder tauchten Meldungen auf, wonach der Deal in einem Auktionsverfahren rasch Fortschritte machen würde. Als Interessenten wurden als Schweizer Institute die Safra, die CS und eine Zeitlang die Julius Bär genannt, aus Frankreich die Société Générale.

Doch je mehr solche „Wasserstandsmeldungen“ publik wurden, desto stärker stieg der Verdacht, dass die Coutts schwer zu verkaufen wäre.

Die Absatzbewegungen der Coutts-Berater blieben den örtlichen Chefs in Zürich und Genf selbstverständlich nicht verborgen.

Doch sie rührten keinen Finger. Das erstaunt nur auf den ersten Blick. Weil die Coutts-Mutter RBS weit weg ist und dort niemand sich mit Swiss Private Banking identifiziert, harrten die Coutts-Manager einfach der Dinge, die da kamen.

Hoffnung auf einen Sonderbonus für einen guten Coutts-Verkaufspreis konnten sie sich nicht machen. Die staatliche RBS ist für solche Anreize nicht die geeignete Arbeitgeberin.

Das lokale Coutts-Management war zudem von der Vergangenheit herausgefordert.

Im Sommer fingen deutsche Zöllner tonnenweise Coutts-Dokumente auf dem Weg von der Karibik in die Schweiz ab. Es handelt sich vermutlich um einen der grössten Fischfänge der Schwarzgeld-Ära.

Im US-Steuerdisput steht der Coutts zudem eine Rekordbusse ins Hause. Die Bank stellte für das Jahr 2013 über 100 Millionen Franken für Rechtsprobleme und anderes zurück.

All das legt nahe, dass die laufenden Verkaufsverhandlungen gefährdet sind. Wer soll unter diesen Umständen noch ein Interesse an der Coutts Schweiz und International haben?

Die Käuferin erhält für ihr Geld eine weitgehend leere Hülle: ohne gute Leute, ohne wertvolle Kunden, ohne klangvollen Namen. Dieser bleibt in den Händen der Mutter RBS.

Was man sich hingegen einhandelt, sind Probleme mit Behörden rund um Schwarzgelder.

Dem Coutts-Management scheint die Entwicklung nichts anhaben zu können. Dieses operiert nach der Devise: Jeder Tag mehr ist ein gewonnener für mich.

Kommentare

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  1. The guy just inheritated the Russian business in 2006 at CS, achieved nothing, just got some key guys leaving and was eventually forced to resign. Surrounded himself with weak managers. Doesn’t speak Russian. Describing him as a long term Russian specialist in the PB market in CH is not really serious…The real speacialists started in early 2000’s or even before that.

    • The real problem are all these imbeciles – or so called top-top-managers – who are hiring these flop-shots. Scorched earth is the final result.

  2. Bravo MRV, Chapeau oder besser gesagt Krone ab!!!!

    Ein brillianter Redner (den man nur 2 mal im Jahr bei Townhall-Meetings sah), ein Mensch mit Angst vor Menschen, ein Bürokrat, der immer schaute, dass seine Unterschrift nicht die letzte sein sollte, ein Mann mit einem fantastischen Riecher für Fehlbesetzungen.

    Er kam zu Coutts (er musste CS verlassen) und schwächte in kleinen Schritten und systematisch eine Bank und ein Teamspirit, die ihresgleichen am Finanzplatz Zürich suchte. Nicht 2, sondern mindestens 15 Leute verließen die Bank unter seiner Regentschaft, als erste gingen hochbezahlte Neuzugänge, die MRV selbst zu Coutts brachte. Das Arbeitsklima kann man einzig mit FRUST beschreiben: frustrierte Kunden wegen ewigen Remediation Prozessen und frustrierte Kundenberater, denen die Arbeit unmöglich gemacht wurde. All das um Crown Standards zu entsprechen….sorry, aber die Umstände bei der Coutts entsprechen eher den Clown Standards….wenn Queen Mum das wüsste…

    Es blieben Leute, die sich vom Verkauf der Coutts die Abdankung des Königs MRV erhofften und bessere Zeiten.

    25 Leute?

    Nun….bei Coutts Zürich sind 3,5 Kundenberater geblieben und eine Schar von Manager, Riskmanager, Businessmanager und Projectmanager. Wenn sich MRV zu den KuBe zählt, dann sind es 4,5 Kundenberater die zu EFG wechseln sollen – der Rest sind Miss-Manager.

    EFG, besinn Dich und kaufe nicht die Katze im Sack!!!!

  3. Ich kenne wenig Kundenberater, die nur wegen des Geldes die Bank wechseln. Meistens ist es so, dass die Bank selber in der Führung dieser Berater mit grösster Zynik, Illoyalität und unersättlichem Druck gegen diese vorgeht und sich dann wundert warum ganze Teams diese Bank verlassen. Was seit langem in vielen Banken abgeht ist unter jeder S… und dann zählt halt plötzlich nur noch das Geld, wer will es diesen Leuten verübeln, dass sie dann wechseln ?

  4. Die Loyalität lässt sich mit barer Münze erkaufen- da bildet Michael Vlahovic keine Ausnahme. Den Anfang hatte diese Machenschaft schon zu Zeiten bei der Nomura Bank, als dieser Knabe wenig Ahnung von Banking hatte- was auch immer das sein möge. Was man wissen muss- und im Artikel keine Erwähnung findet ist, dass Vlahovic happige Geldzückerli für die mitziehenden in Aussicht stellt.

    • Habe noch keinen getroffen der kurz nach der Geburt schon Banker war, alle haben mal angefangen. MV eben bei Nomura.
      Kenne ihn von CS und er stach als Banker und Manager weit heraus, im Vergleich mit seinen Peers und Übergeordneten.

    • Kann ich bestätigen: MV hat einen hervorragenden Ruf, auch seitens Compliance, was bei Russen-RMs nicht unbedingt der Regelfall ist…

    • Seine Peers und Übergeordnete, die sind überhaupt nicht zu erwähnen, die schwammen ja Alle im Kielwasser! Dazu könnte ich einiges schreiben mit dem Risiko, dass „insideparadenplatz“ dies nicht durchgehen lassen würde- sonst hätten sie wie schon früher geschehen wie es Dr. Hummler tat, andere Protagonisten an der „Backe“.
      Wie dem auch immer, ich bleibe dabei- ungeachtet was da CS Russen Desk und die „Dame Niggli“ zum Besten geben.
      Dem trauen nur ganz wenige über den Weg- ich ganz sicher nicht, Punkt!

    • @Viktor:
      Eine Präzisierung: Der „hervorragende Ruf“ bezieht sich ausschliesslich auf seine erfolgreiche (sprich einträgliche) Tätigkeit als „Russen-RM“ bzw. Desk Head. Über den Weg trauen kann man ihm gerade deswegen noch lange nicht. Im Gegenteil: Würde ich in diesem Kundenumfeld von Kleptokraten und Gaunern je erfolgreich sein wollen, müsste ich mich verbiegen bis zur Selbstverleugnung. Es ist völlig unverständlich, warum es immer noch Banken gibt, die strategisch auf diesen Markt setzen. Denen steht wohl alle das Wasser am Hals – oder bereits an der Unterlippe.

  5. …und die gut genährte Halunken-Karawane zieht weiter. – Ich denke, dass die Leute ohne ihre vorherigen Arbeitgeber ihre Kunden gar nie kennengelernt hätten und dass diese Arbeitgeber auch sämtliche Akquisitions-Spesen getragen haben. – Seltsam, dass in der Bankbranche solchem Treiben immer wieder zugesehen werden muss. Unverständlich, dass es sich die Bankmitarbeiter, welche nicht im Kundenkontakt stehen, aber ihren Beitrag zu einem funktionierenden Kundenservice leisten, gefallen lassen, dass einzelne Egoisten ihre Bank gegen gutes Geld bewusst und absichtlich in der Substanz schädigen.

    • Die Bankbranche fördert das selbst. Das Treiben wird man so lange sehen bis die Banken aufhören neue Kundenberater nur zu nehmen wenn sie vesprechen die Kunden des derzeitigen Arbeitgeber mitzunehmen.

    • Der feine Unterschied ist dass jeder Kunde schon eine Bank hat. Bankbusiness ist ein kompletter Verdrängungsmarkt, völlig übersättigt und mit sinkenden Margen. Es kommt schlussendlich billiger Assets mit Teams einzukaufen anstatt das Risiko zu fahren irgendwelche grossmauligen Klinkenputzer durchzufüttern. Viele haben sich einen Stamm auch erarbeitet und Vertrauen geschaffen. Wohl klar dass solche Leute mit Speck gelockt werden.