Amis werden zahm: Mini-Busse für UBS

Millionen statt Milliarden in Devisen-Betrug – „Wir wussten von nichts“ – alle Skandale versanden ohne Strafe für Bigbosse.

Mit der heutigen Strafe für die UBS im Devisenfall wird klar: Niemand an der Spitze der Grossbanken wird je persönlich verantwortlich gemacht.

Das zeigen die Amis. Wenn selbst Uncle Sam die Samthandschuhe anzieht, dann haben die Global Banker gewonnen.

545 Millionen Dollar muss die UBS für ihre Sünden in den USA zahlen. Davon für Devisen-Absprachen nur 342 Millionen, weit weniger als hier einst erwartet und zuletzt überall geschrieben wurde.

Die restlichen 203 Millionen sind für den alten Libor-Fall. Dort muss sich die UBS nun doch noch in den USA schuldig bekennen, wie sie dies bereits 2012 in Japan machen musste.

Ein Wermutstropfen, mehr nicht.

Im Unterschied zur CS, die zusätzlich zu ihrer 2,8-Milliarden-Steuerstrafe auch noch einen US-Aufpassener in die Hütte gesetzt erhielt, bleibt die UBS vor solcher Unbill verschont.

Die Nummer 1 der Schweiz kommt damit überraschend günstig aus dem grossen Devisen-Betrugsfall heraus, bei dem selbsternannte „Banditen-Kartelle“ von Händlern Kunden nach Strich und Faden geschädigt hatten.

Zivile Klagen solcher Kunden könnten der UBS und weiteren Grossbanken zwar noch drohen. Doch dieses Risiko ist überschaubar.

Für die obersten Köpfe der einflussreichen Investmentbanken dieser Welt ist heute jedenfalls ein Tag zum Feiern.

Denn was ist die Quintessenz des milden Urteils der vermeintlich scharfen US-Behörden?

Es besagt, dass kriminelle Banken und ihre obersten Chefs nicht hart angepackt werden. Nur das würde Abhilfe schaffen, meint Alt-Bankenprofessor Hans Geiger.

Die Strafe von einer guten halben Milliarde zahlt die UBS aus der Portokasse, ihre obersten Verantwortlichen müssen sich vor keiner Behörde und vor keinem scharfen Gericht verantworten.

Für die Schweiz mit ihrer Finanzmarktaufsicht, ihrer Regierung in Bern und ihren Richtern heisst das: weiter so tun, als ob kein Handlungsbedarf existiert.

Ende gut, alles gut – die UBS und mit ihr die übrigen weltweit operierenden Banken, die seit 7 Jahren einen Skandal nach dem anderen liefern, sind fein raus.

Ablass zahlen, ein paar subalterne Mitarbeiter an den Pranger stellen und weiter Party feiern.

Wie das geht, zeigt die UBS-Führung exemplarisch.

„Das Verhalten einer kleinen Anzahl von Mitarbeitenden war inakzeptabel und wir haben entsprechende Disziplinarmassnahmen ergriffen“, schreibt die Bank heute.

Die Schuld am kriminellen Verhalten wird somit nach unten delegiert. Kein Wort zur jahrelangen Maxime des Wegschauens und Nicht-Kontrollierens ganz oben.

Noch fragwürdiger ist das Verhalten der UBS im Moment, wenn ihre Machenschaften auffliegen. Dann verhält sie sich wie der Schüler, der sich beim Spicken erwischen lässt: Sie verpetzt ihre Kollegen.

Die Verschonung vor Strafverfolgung im Devisenfall „reflektiert die Tatsache, dass UBS als erste Bank das DOJ (US-Justizamt) über potenzielles Fehlverhalten informierte und mit dem DOJ und anderen Behörden weltweit umfassend kooperierte“, hält die UBS in ihrer Mitteilung fest.

UBS-CEO Ermotti und -Präsident Axel Weber werden zitiert mit dem Verweis auf ihre inzwischen berühmte „Zero tolerance“ bei der Bank.

„Unser Vorgehen unterstreicht unsere Nulltoleranz gegenüber Fehlverhalten und unser Bestreben, die richtige Kultur in unserer Branche zu fördern“, geben die beiden Spitzenleute zum Besten.

Vom Saulus zum Paulus. Wie glaubwürdig ist das Versprechen?

Die UBS hat mit Colin Bell einen Compliance-Aufpasser aus England eingesetzt, der lange Jahre im Militär diente.

In einem Artikel letztes Jahr in der NZZ am Sonntag, als man noch von riesigen US-Bussen im Devisenfall ausging, wurde Bell als besonders scharfer „Hund“ skizziert.

„In den USA, aber auch anderswo, deutet sich ein Trend an, statt immer höherer Bussen für Banken einzelne Mitarbeiter zu bestrafen“, meinte der UBS-Direktor damals. „Im Extremfall drohen Gefängnisstrafen.“

Davon kann keine Rede sein. Zumindest nicht für die obersten Verantwortlichen. Höchstens ein paar Händler müssen vor dem Richtern zittern.

Kommentare

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  1. Aus dem Spruch „Wir werden nicht nachgeben“ wurde inzwischen „UBSala, es ist uns schon wieder passiert“

  2. Eine kleine Anzahl von Mitarbeitern

    1. Das ist als ob ein Verbrecher sich mit dem Hinweis „an den meisten Tagen bin ich ein gesetzestreuer Bürger“ freireden könnte.

    2. O Grübel ist zurückgetreten, weil EIN einziger Mitarbeiter sich nicht an die Regeln gehalten hat, die OG in seinem Namen allen auferlegt hatte, nämlich sich in jedem Fall an die Gesetze zu halten und ehrenvoll, im Interesse der Kunden, zu handeln. Der Mann hatte wenigstens den Anstand, die eigene Verantwortung auch selbat zu tragen.

  3. die UBS war bisher an jedem Bankenskandal der letzten 10 Jahre beteiligt, dicht gefolgt von der CS, die an fast jedem beteiligt war, dafür aber uneinsichtiger war.. Die UBS hat iht Geschäftsmodell umgestellt, und geht (im Moment) weniger Risiken ein. Die CS muss noch etwas dazulernen. Als gut kann man aber die Situation beider Banken nicht bezeichnen. Mit Bewährungsauflagen und einem Aufseher lebt es sicht nicht wirklich komfortabel.

  4. Es ist nunmal so: wer mit den Strafverfolgern zusammenarbeitet und cooperiert, erhält im Gegenzug mildere Strafen. Das gilt auch für den kleinen Einbrecher nebenan. Was bitte schön ist daran schlimm, so funktioniert der Rechtsstaat nunmal. Will man wirkich etwas anderes? Ein Rechtstaat, in welchem es keine Motivation gibt, mit den Behörden zu kooperieren? Ich glaube nicht.

  5. Es ist ja so, die US Inc., welche chronischen Geldmangel zu beklagen hat, weis ganz genau dass die obersten Verantwortlichen Bänkler im Bunker kein Geld einbringen!
    Daraus ergeben sich natürlich auch weitere, neue, sehr spannende, lukrative Möglichkeiten für die US Inc. denn, es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein bis die Bänkler wieder irgendeinen grossen Bock bauen und dann kann die US Inc. sie wieder schön tüchtig von hinten aufrollen und abgreifen!
    Im Grunde genommen, ein interessantes Geschäftsmodell, welches sich auch mit wenig Aufwand in der realen Wirtschaft umsetzen lässt. Ein Schelm, wer dabei etwas Böses denkt….!

  6. War da nicht ein gewisser Mark Branson zur Zeit der Libor-Manipulationen in Japan an nicht ganz unzuständiger Stelle mitverantwortlich? Und jetzt spielt er den grossen Regulator. Es gab eine Zeit da nannte man sowas Wendehals.

  7. Da Banken gerne Alpha-Male-Psychopathen einstellen, muss man sich nicht wundern, dass sich die Angestellten auch dem entsprechend verhalten. Der Fisch stinkt immer vom Kopf her…

  8. Richtig, Uncle Sam wechselt, bezw. verstärkt seine Taktik:
    moderate Bussen, jedoch umfassende Informationen (vor allem auch von Zudienern), siehe Non Prosecution Agreement/Seite 9/BSI, Finter, usw..
    und das Puzzle vervollständigt sich….!
    Ganz nach dem Motto:
    „Wissen ist Macht“

  9. “Das Verhalten einer kleinen Anzahl von Mitarbeitenden war inakzeptabel und wir haben entsprechende Disziplinarmassnahmen ergriffen” – bedeutet im Klartext: „Managing by fear“ und oben bleibt alles beim „alten“!
    Lustig finde ich die unterschwellige Erwartungshaltung von LH, dass einzelne Top-Manager wirklich selbst in die Verantwortung genommen werden. Das ist wie bei Monopoly – die haben immer das richtige „Chance- oder Kanzlei-Kärtli“ zur Hand …

    • Nur eine kleine Anzahl Mitarbeiter war verantwortlich für den LIBOR-Skandal, nur eine kleine Anzahl Leute war verantwortlich für den Devisenskandal, nur ein kleine Anzahl Leute war verantwortlich für den Verkauf von faulen Hypothekarprodukten in den USA usw usw. Es ist doch schon erstaunlich dass so viele Controller und Revisoren sowie hochbezahlte Manager im haus und ausserhalb nie auf diese wenigen unsauberen Mitarbeiter ausmerksam wurden. Könnte es vielleicht sein, dass man gar nicht aufmerksam werden wollte, weil genau diese Leute als Stars galten und enorm viel Geld „machten“ für die Bank und ihre Manager ?? Diese Managerausreden vom CEO gehen einem nämlich langsam auf die Nerven. Dummverkaufen der Menschen sollte kein Geschäftsmodell einer seriösen Bank sein.

    • an dem kriminellen Treiben der Banken wird sich nichts ändern, solange die Gerichte und Finanzbehörden „nur“ auf Geldstrafen setzen und nicht die wahren Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

  10. Die Busse ist einiges tiefer als erwartet, aber die UBS musste sich schuldig bekennen. Ein weiterer Fall wird die UBS nicht so glimpflich überstehen. Im schlimmsten Fall wird ihr in den USA die Lizenz entzogen. Das Schuldbekenntnis dürfte allerdings andere Begehrlichkeiten wecken und zu weiteren Zivilklagen führen. Schlimmer als die ganzen Bussen ist der Umstand, dass die UBS nichts, aber rein gar nicht gelernt hat. Die Geschichte der UBS Skandale wird weitergeschrieben werden, das nächste Kapitel wartet auf die Veröffentlichung. Vielleicht dauert es dieses Mal ein bisschen länger. Hoffen wir das Beste und schliessen das Buch für den Moment.

    • Das ist nicht nur bei der UBS so, da kann man sich auch bei allen anderen Banken umschauen. Das diejenigen, die jahrelang weggeschaut haben, heute hinschauen – dieser Illusionen braucht sich keiner in der Bankenwelt und auch keiner deren Kunden hingeben!
      Eine Wahl, eine saubere Bank zu wählen, haben wir leider auch nicht. Somit sitzen wir alle in einem Boot, und werden uns die nächsten Jahrzehnte immer wieder über die gleichen Thematiken aufregen.

  11. Was soll das Ganze? Sagt doch Danke. Sonst jammern alle, wie die Amis „unseren“ Finanzplatz fertig machen…
    Seltsam auch, wie „Alt-Bankprofessor“ (und Altbeirat) der CS Geiger schärfere Strafen fordert für genau die Stufe Leute, mit denen er früher auf Augenhöhe verkehren durfte.
    Und dann wieder lh: zahlen, Leute an den Pranger und „weiter Party feiern“ … ja, unser Lukas weiss eben wie es da oben zugeht!

  12. was, bloss 10000 CHF pro Nase? Der durchschnittliche Bonus dürfte dieses Jahr 15 bis 20 mall höher liegen. Kein Wunder, dass das denen vollkommen egal ist.