Raiffeisen-Chef spannt UBS und CS IT-Cracks aus

Patrik Gisel holt bekannte Informatiker von den Grossbanken – ambitiöses Big-Host-Projekt – viele Häuptlinge in Sankt-Gallen.

Das wichtigste Vorhaben des neuen Raiffeisen-Chefs liegt in Bits und Bytes. Es geht um die Ablösung des Uralt-Systems der Genossenschaftsbank namens Dialba.

Patrik Gisel ist schon mehrmals daran gescheitert. Nachdem er zum neuen CEO der 3. Banking-Kraft im Land gekürt wurde, nimmt er einen nächsten Anlauf.

Gisels Projekt „Rainbow“ muss bis Mitte 2017 Herkulisches vollbringen. Dann endet die Kooperation mit der Zürcher Vontobel und muss die Raiffeisen die Wertschriftenabwicklung selbst bewältigen.

Das soll auf einem neuen Host, sprich zentralen Server, und im Zusammenspiel mit der neuen grossen Applikation „Rainbow“ als Nachfolgerin von Dialba gelingen. Für den Wurf sind 300 Millionen geplant.

Nach dem letzten missglückten Versuch mit IBM vor 2 Jahren, Dialba als Kernsystem der 300 Raiffeisenbanken abzulösen, macht sich Patrik Gisel nun mit einer komplett neuen Crew ans Werk.

Praktisch die ganze Informatik-Spitze der Raiffeisen Schweiz als Gemeinschaftswerk der 300 Raiffeisenbanken ist in den letzten Wochen still und heimlich umbesetzt worden.

Und zwar fast ausschliesslich mit Leuten, die Gisel aus seiner eigenen Informatikzeit bei der UBS, die bereits über 15 Jahre zurückliegt, bestens kennt und ihnen vertraut.

Sie sollen Gisels wichtigstes Vorhaben sichern – und so die noch brüchige Macht des neuen Raiffeisen-Kapitäns sichern, der in die Fussstapfen des grossen Pierin Vincenz tritt.

Es begann mit der Verpflichtung von Rolf Olmesdahl als neuen IT-Gesamtleiter, welche die Raiffeisen im Frühling bekannt gemacht hatte.

Olmesdahl war bis 2009 Top-IT-Mann bei der UBS, danach machte er der Zurich-Versicherung weiter.

Nach Olmesdahl ging es Schlag auf Schlag.

Von der CS ist soeben Hansbeat Loacker dazugestossen, ein Urgestein der Schweizer Bankeninformatik, der seine Sporen ebenfalls bei der UBS abverdient hatte.

Bei der CS war Loacker zuletzt in der Versenkung verschwunden. Sein grosser Wurf einer One-Host-IT, wofür man ihn von der UBS zur CS geholt hatte, vermoderte in der Schublade.

Ein weiterer UBS-Mann, der zur Raiffeisen ins zentrale Projekt „Rainbow“ wechselt, ist Franco Renda.

Renda übernahm zusammen mit dem bekannten Software-Unternehmer Stefan Arn im 2009 die Position von Olmesdahl, als dieser unter Protest die UBS verlassen hatte.

Nun folgt er seinem einstigen Chef Olmesdahl zur Raiffeisen. Dort werden zwei weitere sogenannte Cracks anpacken.

Es sind dies: Robert Schleich, Ex-IT-Chef der Julius Bär, und Urs Halter, IT-Chef der Sankt-Galler Kantonalbank.

Olmesdahl, Loacker, Renda von der UBS, dazu Schleich von Bär und Halter aus der Ostschweiz – Patrik Gisels Informatik-Truppe hat Allstar-Charakter.

Werden die vielen bekannten Kapitäne und Alphatiere „Rainbow“ auch zum Erfolg führen?

Vieles hängt vom Zusammenspiel mit der heutigen Crew ab. Dort ist einer entscheidend: Adrian Töngi.

Der Mann gilt als informeller Chef der Raiffeisen-IT. Er ist direkt, stösst Leute vor den Kopf, beherrscht das Spiel um Macht und Einfluss.

Töngi brachte sich in den letzten Monaten, als nach dem Abgang des bisherigen Informatik-Chefs ein Vakuum in der Raiffeisen-IT entstand, in einflussreiche Stellung.

Laut einem Insider war Töngi der Mann, der in den letzten Monaten die zentralen Entscheide fällte, der die Fäden zusammenhielt, das Ohr des designierten CEOs Gisel hatte.

An Töngi komme keiner vorbei, heisst es. Auch nicht der neue Chef einer gemeinsamen Tochter mit Avaloq.

Mathias Schütz heisst dieser, und er leitet als CEO formell die Raiffeisen-Avaloq-Technologietochter Arizon.

Doch im Vergleich zu Töngi, dem Mann des neuen Raiffeisen-CEOs, wiegt das Wort von Schütz wenig.

Damit gerät die Raiffeisen-Informatik in eine schwierige Lage. Es gibt unzählige Häuptlinge, die sich in der Zentrale am „Roten Platz“ in Sankt-Gallen auf den Füssen herumstehen.

Die Stimmung sei schlecht, meint die Quelle.

Abgänge sind die Folge. Der Chef der Software-Entwicklung hat vor kurzem den Bettel hingeschmissen.

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37 Kommentare zu “Raiffeisen-Chef spannt UBS und CS IT-Cracks aus

  1. it cracks?! die herren haben alle ihr verfallsdatum auf dem it markt erreicht. hier hat nur der kleine golum (mein schatz, pierin’s platz) seine busenkollegen geholt um zu zeigen das er es geschafft hat… und die sind nur gekommen da sie gemütlich richtung ruhestand tuckern wollen.

  2. Renda wird der UBS nicht fehlen, denn was hat der liebe Mann in all den Jahren gemacht: lediglich administriert und gegen oben gebuckelt, um die Position zu festigen, sprich zu allem ja gesagt, was die Chefs (Trogni, Arn) von ihm verlangt haben. Er hatte weder Visionen noch ein klare Linie, was man aus so einem Laden mit hervorragenden Spezialisten alles machen könnte. Es muss ihm psychisch zunehmend schlecht gegangen sein, dass er die Position nun aufgibt, er ist eigentlich seit Jahren fällig oder es fehlt ihm die Resilienz, die er doch immer von seiner Truppe verlangt hat.

    Techie Loacker wäre eigentlich top – trotz SSP Debakel in Asien – aber wehe man widerspricht ihm, weil er den technologischen Fortschritt verschläft. Dann ist man schnell in Ungnade: das haben unzählige erfahren müssen bevor er gekippt wurde.

    Unruhe wird Schleich hineinbringen, der mit seiner Seneca AG und Outsourcing nach Indien bös auf die Welt gekommen bzw. sagenhaft gescheitert ist. Ich durfte mal an zwei Workshops teilnehmen, die Herr Schleich moderierte. Was da alles versprochen wurde, wie auf dem Bazar. Schon damals war klar, das wird nicht gehen, weil es dem lieben Mann an essentiellen Kompetenzen fehlt. Nicht mal ein Jahr später war das Debakel perfekt.

    Moderator Olmesdahl, Verwalter Renda, has been Loacker und Narzisst Schleich, ein Dream Team. Die Hauptfrage: wer wird aber die effektive Arbeit tun, damit die Raiffeisen in Time, Budget und Quality, das bekommt, was sie sich erhofft ? Es bleibt spannend…

  3. Ich denke die Stimmung bei RCH in der Geschäftsleitung
    ist mies. Es gibt zu viele die meinen sie können es, aber
    schwatzen irgend etwas zusammen.

    • Oups, da hab ich mich ein bisschen verschrieben. Die Stimmung in der Geschäftsleitung ist sehr gut. Alle sind motiviert und freuen sich über die laufenden Erfolge von Raiffeisen in allen Bereichen. Danke, liebe Kunden, für die Treue und das Vertrauen!
      Die Konkurrenz schwitzt weiter…

  4. Olmesdahl hab ich als ziemlich visionslosen Menschen erlebt. Das einzig Gute war glaub an ihm, dass er erkannte, dass IT-Outsourcing nicht zielführend ist. Renda war ganz ok. Hat glaub immerhin mal etwas mit C++ gemacht. Genial hingegen war der Loacker. War an sich der einzige, der die UBS IT-technisch bewegen konnte. Man mochte ihn oder nicht, aber er hat zusammen mit dem Majdik die Migration gestemmt. Der Kerl wusste bis in den Programmcode Bescheid. Hat dann vermutlich die neunen rund um Stefan Arn gestört, also hat man ihn – so hab ich’s gehört – unter Begleitschutz rauskatapultierte. Seit dorther geht das UBS-IT-Schiff nur noch nach unten. Der Arn gab gerne an und hat kaum etwas bewegt bis heute – ausser natürlich Ad Novum (wo er ehemaliger Inhaber war) mit güldenen UBS-IT-Aufträgen bestückt. Der Arn und all die Leute da sollten eventuell mal zu Loacker schauen – besser raufschauen – und genau abgucken was so einen Mann ausmacht, der Dinge bewegt. Aber ich denke diese Lachnummern erreichen dieses geistige Niveau nicht mehr in diesem Leben.

    • Vision oder nicht, kann man darüber streiten. Nach OLM ging’s unter dem Hasardeur U.K. mit der unsäglichen Trogni und dem grossspurigen Arn auf jeden Fall rasant den Bach runter – was haben die alles versenkt (Millionen, Menschen, Loyalitäten, Wertesystem, Glaubwürdigkeit, Berufsehre, Achtung und und und…) unter den Schlagwörtern Globalisierung, Outsourcing, Offshoring, Industriealisierung etc… Hauptsache den eigenen Sack gut gefüllt!

  5. Zum Artikel allgemein:
    Dem Titel „Raiffaisen-Chef spannt UBS und CS IT-Cracks aus“ kann ich nur bedingt zustimmen.

    Zu @Andreas Knöpfli: Alles Top Leute? Menschlich wie fachlich? Zumindest beim Menschlichen möchte ich bei HBL nicht unbedingt meine Hand ins Feuer legen müssen – aufgrund persönlicher Erfahrung, und zwar weder als Untergebener noch als Peer. Aber viel Erfolg wünsche ich trotzdem.

  6. Dass eine Bank für die IT und nicht fürs Banking die Stars holt ist eine erfrischende Ausnahme. Gut auch, dass keine Kostenoptimierer und Downsizer am Werk sind.
    Dass die alle bereits nahe der Pensionsgrenze sind, passt gut in die aktuelle IT-Situation der Banken (Brain drain).

  7. Wir werden es im Jahr 2017 sehen… Sollte es klappen, wird Raiffeisen wohl die benutzerfreundlichste Plattform im CH-Banking erhalten!
    –> Insider wissen, dass Dialba sehr benutzerfreundlich ist

  8. Wenn man sieht, wie in der UBS IT wieder das Amerikanische Management einzieht und ihre (un)Sitten durchsetzt, ist eine Flucht zu einer Firma, welche noch mehrheitlich Schweizer Werte vertritt nicht ganz unlogisch.

    • bei rch sind die genau so doof.
      kaum war gisel ausgerufen waren die boston berater da….

  9. Während meiner Zeit bei Raiffeisen hatte ich ab und zu mit A. Töngi zu tun. Zwar kann ich seine fachliche Kompetenz nicht beurteilen, ich war auf einem anderen Gebiet tätig.
    Aber ich mochte seine Offenheit:
    – Er hat sich auch mit Grösseren angelegt und nicht gekuscht.
    – Bei ihm wusste man, woran man war.
    – Er war auch kontroversen Debatten nicht abgeneigt.
    Und dass er über Ausdauer verfügt, hat sich auch bei gemeinsamen Jogging-Runden gezeigt.
    Insgesamt alles Eigenschaften, die ich mir von Bankmanagern öfter wünschen würde!

    • Als einer von vielen ehemals Untergebenen von Töngi kann ich leider nur sagen, dass diser graumellierte „beau Typ“ ein eher schleimiger Vorgesetzter ist, welcher seine Mitarbeitenden sehr oft ins Leere laufen lässt und sie dann auf vornehmlich perfide Art und Weise „ausmoppen“ lässt. RCH sollte dringenst einmal eine Mitarbeiterumfrage in seiner Abteilung durchführen. Das Resultat, da bin ich mir sicher, würde für Töngi verherend ausfallen.

    • Adrian Töngi ist spitze! Er sortiert faule Eier konsequent aus. Logische Konsequenz: Fauler Eier sind anti Töngi.

    • Töngi räumt alle und alles aus dem Weg, wenn es nicht sein Weg ist. Mag ja schön sein mit ihm zu Joggen … aber mit ihm zusammen zu arbeiten ist ein ewiges „Hauen und Stechen“ und gepflastert von seinen Opfern. Auch in Arizon bleibt er seinem Konzept treu, wer nicht mit mir ist muss weg.

  10. So viele Häuptlinge? Und wo/wer sind die Indianer, die letztendlich die Arbeit machen? Nur 18 Monate Zeit um ein solches IT Grossprojekt durch zu ziehen? Die meisten IT Projekte scheitern an zu ambitiösen, unrealistischen Zielsetzungen. Wäre ein Wunder wenn dies gelingen würde . . .

  11. „Rainbow“ mit Urs Halter da würd ich sagen, da gibt es weit nach 2017 noch Sommergewitter und Schneegestöber.

  12. Endlich mal ein Artikel zu dem Trauerspiel!
    „Die Stimmung sei schlecht“ ist noch viel zu optimistisch. „Rette sich, wer kann“, das ist das Motto. Und die neuen Chefs sind noch weniger kompetent als die Crew, die nun gegangen ist.
    Ende Monat reiche ich auch die Kündigung ein. Besser nach 3 Monaten gehen als weiter Lebenszeit verschwenden…

    • @Peterson: Wie ein altes Sprichwort schon zu sagen pflegte: Vom Regen in die Traufe! Viel Spass beim Wechsel, Mitarbeiter wie dich wünsche ich keiner Firma. Es herrscht nicht immer Sonnenschein, manchmal muss man auch durchbeissen. Das ist wie wenn man verheiratet ist.

    • @Zampano: Nicht immer Sonnenschein? In dem Projekt hagelt es knüppeldick, das merkt man schon nach wenigen Wochen. Peterson hat da (leider) schon recht. Und wenn es hagelt, dann geht der Kluge Mann in Deckung.

    • Die eine oder Andere Ratte wird das Schiff sicher verlassen, dies ist bei jeder Veränderung so. Es werden zurzeit jedoch mehr Leute Angestellt, als weg gehen – was schauen die sich denn an? Alles Dummköpfe oder wie meinen Sie?
      –> die Fluktuation bewegt sich in einem normalen Rahmen.

    • Herr Zampano vom Roten Platz: Als „Ratte“ müssen Sie hier niemanden beschimpfen. Das ist nicht Teil der Stellenbeschreibung eines Pressesprechers!

    • @Zampano: Werden die Externen Mitarbeiter auch bei der Fluktuation berücksichtigt? Denke eher nicht, ansonsten gebe es ein verheerendes Bild. A.T. wütet da mit seiner Crew wie ein Elefant im Porzellanladen – übrigens bei ARIZON – worüber hier noch gar nicht diskutiert wurde / wird.

    • ARIZON ? ist das so ein lauwarmer Avaloq Aufguss ? Wenn das alles ist, was die Schweizer IT Szene noch zu bieten hat – bleibt wohl nur Auswandern ins Silicon Valley.

  13. Grosse & bekannte Namen aus der Zeit der Ospellschen Verblendung. Ja, die IT leistete in der UBS dazumals unglaubliches. Kein Wunder, Geld spielte dazumals auch keine Rolle und man konnte mit Geld die besten Leute anheuern und die tollsten Projekte starten.

    Ob es den Allstars aus vergangenen Zeiten gelingt die angeschlagene Raiffeisen IT auf Vordermann zu bringen und das noch in-Time bleibt abzuwarten.

    • Sehe ich auch so. Gute Leute, die mit den dicksten Budgets und ohne wirksame Kostenkontrolle fachlich gutes erreicht haben.
      Für die Raiffeisen ist vermutlich ein etwas „sparsamerer“ Projektstil sinnvoll… Spässe wie in den „Guten Alten Zeiten“ der SBG/UBS, wo man auch eine doppelte IT-Budgetüberschreitung noch als „Erfolg“ abbuchen konnte können da fatal sein.