UBS-Informatik: Showtime mit Stefan Arn

Schweizer Spitzenmann verliert gute Leute – sein „Baby“ AdNovum geriet nach Verkauf in Krise – viel Eigenlob.

Von Stefan Arn hörte man nichts. Fast jahrelang. Nun, kurz nachdem die Raiffeisen-Bank Stefan Arn einen Topmann abgeluchst hat, präsentiert sich der UBS-Spitzen-Informatiker im Rampenlicht.

In einer Finews-Story lobt Arn heute den reibungslosen Start der neuen Too-Big-To-Fail-Tochter UBS Switzerland AG als „eines der anspruchsvollsten Projekte in der Firmengeschichte“.

Die Offensive geht offenbar weiter. Als Nächstes stehe die weltweite Buchungsplattform für die Vermögensverwaltung unter Oberchef Jürg Zeltner an, meint Arn.

Arns „One WM Platform“ soll nicht nur die UBS pushen und effizienter machen, sondern auch Drittbanken anlocken – und damit die hohen IT-Kosten finanzieren.

Stefan Arn, das IT-Genie von Swiss Banking?

Der Abgang von Franco Renda, ein Urgestein der UBS-Informatik, den es von Zürich in die Sankt-Galler Provinz zieht, wirft ein anderes Licht auf den hochgelobten IT-Superstar.

Renda wurde 2009 zusammen mit Stefan Arn Co-Leiter der Schweizer Informatik, die das Rückgrat der Bank bildet.

Schon bald sah sich Renda von Arn an den Rand gedrängt. Arn setzte sich unter der menschlich und führungsmässig umstrittenen Michele Trogni durch.

Es war eine Zeit des Hauens und Stechens, in der die UBS-Schweiz-Informatik, welche für die Bank die zentrale Lebensader baute und betreute, faktisch in Einzelteile zerlegt wurde.

Ganze Bereiche wurden unter den Engländerin Trogni, die nach ihrer Absetzung vor 2 Jahren zu einem angelsächsischen Beratungsunternehmen wechselte, ins Ausland ausgelagert.

Oder gleich spezialisierten Anbietern übergeben.

Gesetze und Vorschriften wurden unter Trogni in den Wind geschlagen. Mindestens einmal landeten „scharfe“ Bankgeheimnis-Daten bei einem indischen Zulieferer auf dem Subkontinent.

Dass sich Arn gegen die blinde Kosten-Zerstörungswut von Michele Trogni zur Wehr gesetzt hätte, davon wurde nie etwas bekannt.

Vielmehr schien es, dass Arn – ganz gelehriger Schüler der oberen UBS-Leute – gute Miene zum unwürdigen Spiel machte, seinen Kopf unten hielt und auf seine Chance wartete.

Doch dann erlebte Arn eine böse Überraschung. Als es darum ging, einen Nachfolger auf Trognis Stuhl zu setzen, machte nicht der Zürcher das Rennen, sondern ein importierter Deutscher.

Oliver Bussmann pflegt seine eigene Homepage, gilt als Social-Media-Guru – ein Überflieger, der im Zuge vieler Deutsch-Transfers einen lukrativen Job in der Teppichetage der Schweizer Grossbank ergattern konnte.

Für langjährige gute Leute war irgendwann genug.

So wie für Renda. Der machte ausserhalb der politischen Stellungskämpfe und Machtspiele seinen Job.

Still und konstant. Bis ihn jetzt sein alter Chef, ein angesehener Banken-Informatiker namens Rolf Olmesdahl, zur Raiffeisen und deren Jahrhundert-Erneuerung holte.

Aus der UBS heisst es, dass Rendas Abgang ein Einzelfall sei. Von Exodus guter Leute in der UBS-Informatik könne keine Rede sein.

Möglicherweise, weil viele schon früher abgesprungen sind. So wie Olmesdahl.

Jedenfalls fällt auf, dass die Spannungen und Auflösungserscheinungen in der einst mit Abstand besten Informatik von Swiss Banking mit der Ära von Stefan Arn zusammenfallen.

Dieser war einst Unternehmer. Er machte seine Zürcher Softwarefirma AdNovum gross.

Allerdings vor allem dank einem einzigen Kunden: der UBS.

2007 verkaufte Arn sein Baby AdNovum, um seine neue Spitzenfunktion bei der Grossbank antreten zu können. Seither wartet Arn vergeblich auf den Sprung an die absolute Spitze.

Derweil es mit seiner AdNovum nach unten geht.

Innert kurzer Zeit wurde die Führung der Softwarefirma weitgehend erneuert. Und zwar mehrmals.

Die Geschäftsleitung der AdNovum hat sich in den letzten Jahren zwei Mal fast komplett erneuert.

Was die Gründe sind, ist nicht bekannt. „Möglicherweise haben sie keinen zweiten Goldesel wie die UBS gefunden“, meint ein Insider.

Kommentare

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  1. UBS möchte keine teuren IT-Leute behalten, es sollen bei deren Abgang nur keine neuen Problem entstehen, Man will IT-Dienstleistungen in Zukunft einkaufen wie neue Firmenautos. Die „Top“-Manager machen dabei nur einen paar Denkfehler. Ohne IT-Inovationen wird ihre Firma früher oder später verlieren. Firmenspezifisches Know how kann man nur schwer einkaufen. Motivation, Effektivät, Qualität und Kontinuität bleiben auf der Strecke.

    Still und heimlich wurden schon Jahre vor Trogni über 5000 Inder angestellt und später outgesourced. Das die überdimmensioniert IT effektiver wird, wäre schon lange nötig gewesen – jedoch nicht durch Outsourcing und Offshoring. Wenn ich mich recht erinnere, waren es 8 odr 9 Führungsstufen – auch in der IT. Es gab die Amerikaner, die Engländer und die Schweizer, sowie ein haufen regionaler IT-Fürsten. Und niemand hatte die Kompetenz oder den Willen etwas zu verbessern. Outsourcing war angesagt – aber lange nicht offiziell.

    Während Renda den IT-Leuten noch das Gefühl gab dazu zu gehören, versuchte Arn wie schon erwähnt eher Trognis Nachfolger zu werden – mit dem bekannten Ausgang. Trogni zeichnete sich durch eine cholerischen Führungsstil aus gepaart mit totaler Rücksichtslosigkeit.

  2. schon bemerkenswert, ein Artikel über CS erregt die Gemüter, die UBS lässt die meisten kalt.
    Was darauf schliessen lässt, dass die CS viele MAs und Ex-MAS nachhaltig und heftig verägert hat. Sonst würden sie hier nicht schreiben. Was machen diese Firma wohl falsch? Ein Menschenbild, das die Angestellten abwertend und die menschenwürde verachtet? Oder die Geldgeilheit des Managements?

    • Die nächste Stufe nach wirkungslos verhallten Unmutskundgebungen ist die Resignation. Soviel also zum Zustand der UBS (und deren Ops und IT Umfeld im Besonderen)… – die CS scheint noch einen Tick Rückstand zu haben.

  3. Stefan wer? Wusste gar nicht das dieser noch da ist? Gute Info, danke! Bei dem komplizierten Umbau der IT (Stichwort: Delivery Management) und Pool Organisation war das nur eine Frage der Zeit… Viele externe Berater und Firmen liefern der UBS das was sie nicht benötigt. Strukturen und Prozesse sind eher da um einem zu bremsen. Innovationen sind eher ein Fremdwort und viele Leute haben Rollen welche sie gar nicht haben sollten. Die IT ist auch unter Oliver sehr stark angelsächsisch dominiert mit vielen Blendern und sonstigen Leuten die nur sparen wollen. Denke nur dank den Leuten in der Schweiz hat die UBS bisher Glück gehabt, dass noch nichts gröberes geschehen ist und die Bank nicht stillstand. However mit dem Ganzen Sourcing nach Polen, Manila, etc. ist es nur noch eine Frage der Zeit.

  4. Rendas Abgang ein Einzelfall… – selten so gelacht. Der Exodus an guten IT Leuten (ob Renda nun ein guter ist, darüber scheiden sich die Geister), welche auch aus fachlicher Sicht noch Zusammenhänge erkennen konnten und dem Business wertvolle Sparring Partner waren, ist schon seit Jahren im Gang! Das verlorene gegangene Know-how (MA Abgänge vielfach von unfähigen subalternen Mänätscherlis herbeiprovoziert, um „Kosten zu sparen“, gut da zu stehen und ego-optimiert vom kranken Bonussystem zu profitieren) wird dann über Beratungs- und Consultingbuden wieder teuer eingekauft. Dieselben Leute arbeiten weiter an denselben Projekten, einfach neu als Externe und somit nicht mehr auf der Payroll des tollen Mänätscherschlis und auf anderer Kostenstelle verbucht. Merksch öppis? Gesamtkosten für die Bank gestiegen, aber das interessiert in den klassischen Gärtlistrukturen eh niemanden. Der Arn schaut auch nur für sich selbst und wienert als Helfershelfer noch Oben was das Zeugs hält, inszeniert sich bei seinen Leuten gerne als Non-Konformist und ‚rebellischer Rockstar‘. Die Diskrepanz zwischen Schein und Sein ist in seinem Fall besonders frappant. Menschlich, fachlich und strukturgegeben überfordert, aber wer wäre das wohl nicht in diesem Umfeld…?

  5. Arn gibt sich gesellig – als guter Typ und hat ein sehr gutes Auftreten. Er liebt die grosse Bühne und ist quasi eine „Rampensau“, macht er richtig gut.

    Aber inhaltlich….er kennt sich zwar runter bis zum Handwerk immer noch ein klein wenig aus, aber Ideen, Innovationskraft ? Jüngst hat der an einer Grossveranstaltung von sich gegeben, dass die IT lernen müsste sich zu verkaufen, sonst alles nach Polen ausgelagert werde.

    Tja, wessen Aufgabe in der IT Hierarchie ist es nun die IT und ihre Leistung zu verkaufen?. Diese Aufgabe beginnt bei ihm.

    Die besten Leute der IT hat die UBS schon vor längerer Zeit verloren, und damit sind nicht Loacker & Co. gemeint, sondern jene von der Basis bis ins mittlere Management die wirklich noch was machen/bewegen wollten. Heute ist die UBS IT ein risikoaverser Organisationsbrocken der sich allen Reorganisationen zum Trotz nicht mehr bewegen kann. Geistige Flexibilität und Umsetzungsstärke hat eben mehr mit Kultur als reiner Organisation zu tun.

    Die UBS hat zwar das beste eBanking System (meine persönliche Meinung) aber der Rest ist überteuert, überholt.

    Die Leute in der obersten Führungsgarde können aber auch nichts anderes als Kostenmanagement. Innovationen überlässt man den FinTech Startups. Selbst eine SIX Telekurs – auch nicht gerade ein Flexibilitätswunder in der Vergangenheit – gibt sich hochdynamisch im Vergleich zur UBS.

    Wenn Auslagerung, dann richtig: UBS hat nun ja Erfahrung mit der Abspaltung von Firmen – eine UBS Technology Operations aufbauen. Warum soll der Betrieb von (Gross-) Rechensystemen nicht mit Skalierungsvorteilen für UBS, CS & anderen angeboten werden können? Rechenzentren die geografisch verteilt sein müssen können bessere Auslastungsziffern erreichen, Systemadministratoren ebenso.

    Die eigentliche SW Entwicklung von der Cognizant zu beziehen und in Polen machen zu lassen ist ein Schuss in’s eigene Knie. Von wo sollen denn die Innovationen kommen ? von Cognizant ?, aus Polen?
    Denke die digitale Transformation wird den Druck auf die UBS Kollegen erhöhen

    Wie sagte Bill Gates:
    „everyone needs banking services, no one needs bankers“

    – MBank in Polen: erste digitale Bank der Welt
    – Umpqua Bank USA, ganz innovatives Konzept für einen neuen Bankauftritt. Der UBS kommt höchstens in den Sinn für massiv viel Geld alle 2-3 Jahre mal die Geschäftsstelle umzubauen.

    – Wealthfront, Nutmeg, Betterment, eToro, futureadvisor, brightscope aber auch in der Schweiz mit TrueWealth und Investomat (Additiv) zeigt wie stark das Bankgeschäft fragmentiert bereits ist und sich noch viel stärker in die digitale Welt verschiebt.

    Also, UBS: ihr wart mal eine richtig coole Bude!
    Kultur verändern – hört mit dieser pervertierten Bonuskultur auf, das wäre mal ein mutiger Schritt – , weniger Management, mehr „Macher“. Weniger angelsächsisch mehr zurück zu den Wurzeln: Swiss Made Quality, die dafür auch einfordern, Führung leben, Ideen & Innovation fördern,fordern & belohnen.

    Kurz: mehr Entrepreneurship, weniger zu eindimensional betrachtetes (Kosten-)management.

    • na ja, wenn du 5 mio auf der bank hast, willst du dies nicht einigen nerds & brothers anvertrauen… macht mal ein konto auf beim truewealth, dann wisst ihr was ich meine. ist etwa so wie nestle mit einem hippen glace produzenten aus dem zürioberland zu vergleichen. ich sehe diese als innovations und technologie labs. interessant wird es erst wenn diese technologie bzw. business modelle von einem vertrauten und etablierten unternehmen angeboten wird. das ist dann vielleicht die ubs oder swisscom oder google oder samsung oder …

    • @Jacob

      Da hast Du schon recht – im Geschäft mit den HNWI aufwärts Kunden ist es – heute! – noch so, dass diese in der Mehrheit immer noch ihren private banking Berater haben (wollen).

      Aber die Generation der net worths ändert sich auch. Auch die Leute erwarten schon heute Ihre Lösungen & Reports auf das iPad zu kriegen. Reportparameter selbst anpassen zu können. Daher sollte man sich auch für das segment sehr gut überlegen welchen Impact die digitale Transformation aufs private banking haben wird. Ich gebe Dir recht, für (U)HNWI kommt das disruptive Element weniger stark und zeitlich verzörgert. Aber es kommt garantiert. Wer nicht parat ist, wird Marktanteile verlieren.
      Was erwartet die Clientel morgen?

      Abwarten & reagieren (müssen, wenn man denn kann) oder agieren.

  6. Für die UBS ist die IT im Moment nichts anderes als eine gewaltige Kostenstelle. Von den 60’000 Mitarbeitern sitzt rund die Hälfte in der Group Technology, und dieser Anteil soll massiv runtergehen, zumindest lokal in der Schweiz. Wenn man mal auf die Beförderungslisten schaut wird eines ganz klar: relativ zum Mitarbeiteranteil waren die Beförderungen (vor allem in der Schweiz) äusserst marginal ausgefallen. Es ist für jeden ziemlich klar, dass die Führung die Organisation in der Zukunft massiv schrumpfen möchte. Da dies auf allen Stufen einen Einfluss haben wird, ist es meiner Meinung nur natürlich und gesund, wenn gewisse Topkader eine Alternative suchen und sich in anderen Unternehmen neu positionieren.

    Was Stefan Arn anbelangt: er ist zwar von den Mitarbeitern geschätzt und wird als „guter Typ“ wahrgenommen, aber wenn er sich nicht dafür einsetzt, dass seine Organisation mehr als nur eine Kostenstelle ohne jeglichen Mehrwert in der Produktionkette gesehen wird, dann wird es bald einen Massenexodus der gute UBS IT Leute geben. Diese werden mit ihrem Know-how die Konkurrenz erheblich stärken, während die UBS IT sich mit dem übrigen Gemisch aus Mittelmass und Trittbrettfahrern begnügen muss.

    • „…wird es bald einen Massenexodus der gute UBS IT Leute geben“ Äähmmm….sind die guten UBS IT Leute nicht bereits schon gegangen oder „gegangen worden“?

    • @Adi: UBS IT ist nicht mal annähernd die hälfte der gesamten belegschaft. keine ahnung wo du die info her hast….