ZKB-Zahlungen dauern zur Zeit … eine Woche

Fehlstart mit Swisscom-Outsourcing: Einzahlungsscheine irren tagelang in Schweiz herum – Tausende Kunden betroffen.

Am 1. Oktober legte die Zürcher Kantonalbank den Hebel um. Ab dann verarbeitete sie die roten Einzahlungsscheine nicht mehr selbst, sondern schickte sie zur Swisscom nach Bern-Gümligen.

Doch dort kamen die wohl Tausenden von Zahlungsaufträgen der Zürcher ZKB-Kunden nicht an. Auf dem Weg von Zürich ins Verarbeitungscenter der Swisscom im Berner Vorort ging etwas schief.

Die Post. Die ZKB-Verantwortlichen hatten den Briefmonopolisten mit dem Massentransport beauftragt. Der versagte.

Statt speditiv zu liefern, blieben die ZKB-Zahlungsaufträge nämlich tagelang liegen – respektive sie wurden auf eine Irrfahrt durchs ganze Land geschickt.

Bei der ZKB heisst es, die Probleme seien inzwischen im Griff.

Ein Swisscom-Sprecher hielt gestern fest, dass die „technische Verarbeitung der ZKB-Zahlungsaufträge“ seit dem 1. Oktober „reibungslos“ funktioniere.

Die Technik geht. Die Zustellung nicht.

Für betroffene ZKB-Kunden ist der tagelange Verzug bei den Zahlungsaufträgen ärgerlich. Oder gar schädlich.

Wenn wichtige Zahlungstermine verpasst werden, drohen Mahnungen, Verzugszinsen oder – im Fall von rechtlichen Fristen – gar Happigeres. Gerichtsfälle können dadurch verloren gehen.

Kunden merkten erst nach Tagen, dass ihre Zahlungen nicht ausgeführt wurden. Eine Information der ZKB blieb aus.

Auch was die Umstellung des Zahlungsverkehrs zur Swisscom bedeutet, teilte die ZKB ihren Kunden nie mit. Einzige Kommunikation war ein Communiqué im Frühling 2014.

In einem Fall war eine Euro-Zahlung von einem ZKB-Konto auf eines bei der Sankt-Galler Kantonalbank nach 6 Tagen immer noch nicht ausgeführt.

Bei Nachfragen zeigten sich die ZKB-Berater am Telefon vom Problem überfordert.

„Sie bestätigten, dass der neue Prozess bei den Einzahlungsscheinen nicht klappe, konnten aber nicht weiterhelfen“, sagt ein ZKB-Kunde.

Die Umstellung beim Zahlungsverkehr ist Teil des grössten Outsourcing-Vorhabens der Staatsbank in ihrer Geschichte.

Wie die ZKB letzten Sommer mitteilte, würde „gezielt“ geprüft, welche Aufgaben „künftig über den Zahlungsverkehr hinaus“ zusammen mit der Swisscom erledigt würden.

Die Auslagerung des Zahlungsverkehrs war damals bereits beschlossen. Es sollte somit nur der erste Schritt hin zu einer tiefen und langristigen Kooperation der beiden Unternehmen sein.

Vor 2 Wochen war also der Startschuss einer Partnerschaft, die historisch werden sollte und die ZKB auf Jahre hinaus eng an die Swisscom binden würde.

Mit dem Einfachsten beginnen, sagten sich wohl die Chefs der beiden Unternehmen. Will heissen: die Einzahlungsscheine von der ZKB zur Swisscom karren und dort digitalisieren.

Ein Kinderspiel? Nicht für die ZKB. Die Zahlungsaufträge landeten im Nirwana. Der Schuss war nach hinten losgegangen.

Für die geplante Auslagerung weit reichender Prozesse der Staatsbank an die Swisscom und weitere Kooperationsvorhaben ist das ein schlechtes Omen.

Diese Anbindung ist erst im Verlauf des nächsten Jahres geplant.

Wenn die ZKB aber bereits beim Weiterleiten der Zahlungsaufträge von Zürich nach Gümligen scheitert, dann drohen weitere Abstürze.

Das Outsourcing und die Zusammenarbeit mit der Swisscom hat höchste Priorität für die Staatsbank. Sie muss ihre Kosten in den Griff kriegen.

Ihre Möglichkeiten sind beschränkt. Schliessungen bei Filialen werden rasch zum Politikum bei der Zürcher „Parlamentsbank“.

Auch Entlassungen haben bei der ZKB ein anderes Gewicht als bei privatwirtschaftlichen Unternehmen. Staatsbetriebe sind diesbezüglich vorsichtig.

Es bleiben vor allem die IT- und übrigen Prozesskosten als Hebel. Die Kooperation mit der Swisscom setzt dort an.

Die Risiken und Nebenwirkungen sind gross. Die ZKB begibt sich in Abhängigkeit ihrer Zulieferin, der Swisscom.

Ein Zurück zu autonomen Prozessen ist nicht nur teuer, sondern braucht Ressourcen, die man abgebaut hat.

Ob die Rechnung des Outsourcings, das gross im Trend liegt, zuletzt aufgeht, muss sich noch weisen.

Kommentare

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  1. Könnte es sein, dass dieser Vorfall von ZKB bewusst provoziert wurde, damit die Kunden künftig die Zahlungsaufträge im ZKB eBanking erfassen? Kosteneinsparung!

    • @Frey Juerg
      Dann kann ja die Fussballerbank Bär gleich auch noch die seinerzeitigen Devisen-Night-Trading-Spielchen des wurstfabrizierenden Münchner Freigängers aufarbeiten. Die FIFA- und FCB-Bank Bär sollte nicht mit Steinen um sich schmeissen …..
      Zur Erinnerung noch die weiteren damaligen Spieler: Vontobel, Zürcher Kantonalbank u.a.
      Auf den Münchner Schlussbericht von Mark „Libor“ Branson in jener Angelegenheit wartet man noch immer ….

  2. Liebe Kommentatoren,
    nun die Geschichte mag stimmen, aber hat schon jemand die Hintergründe beleuchtet? Ganz einfach, keiner der beiden in den Head-Lines genannten Firmen hat dies verursacht – spannend nicht wahr – die Frage bleibt – wieso Hr. Hässig Halbwahrheiten verbreitet…
    Also empfehle ich, mal den Briefspediteur zu hinterleuchten….

  3. Och klar. Ein so kleines Finanzinstitut wie die ZKB hat so wenig Zahlungsaufträge von Kunden, dass es sich nicht lohnt, diese Arbeit selbst rationell zu organisieren und zu erledigen. Da muss man das ja outsourcen.

    Wann wird die Direktion der ZKB geoutsourct?

  4. Welchen ZKB-GD interessiert das schon? Viel wichtiger bzw. bonusrelevanter ist doch beispielsweise, dass (US-Schwarzkunden- bzw. Austria-Spezialist) GD Weber seine Göttipflichten gegenüber dem Sohn von Buddy GD Scholl wahrnimmt.
    Kunden sind grundsätzlich ein Störfaktor in der Wohlfühl-Teppichetage der ZKB.

  5. Ist wieder mal Märlistunde? Ganz im Gegenteil lehrt die Geschichte, dass Privatisierungen noch immer Quelle von Qualitätseinbussen, erhöhten Risiken und, richtig gerechnet, ergo massiven Kostensteigerungen waren. Buchhalterisch kreativ herbeigezauberte „Gewinne“ werden privatisiert und endlich kann richtig abgesahnt werden; Kosten, Verluste und eh nicht erwähnenswerte humane Collateralschäden werden sozialisiert. Ja Frau Gerster, so sieht’s aus für den zitierten Steuerzahler!

  6. @MICHAEL: Sie haben wohl die Vergangenheit vergessen welche noch heute Gültigkeit hat: Dort wo der Staat seine Finger drin hat, funktioniert es nicht und der Steuerzahler machen den Schaden gut!

    • Exakt werter Fulano: Privatwirtschaft funktioniert wunderbar! 60’000’000’000 (60 Mrd) hat der Staat für eine privates Unternehmen ausgegeben (ohne gesetzliche Grundlage und im Notrecht), dank privaten Unternehmen haben wir kein Bankkundengeheimnis mehr, dafür die Abzockerinitiative. Demgegenüber stehen das Totalversagen bei INSIEME (EFD) , Onyx (Abhöreinrichtung in Zusammenarbeit mit Echelon) (VBS/EJPD) und AHV-Ausgleichskasse ZAS des EFD. Kurz, es sind immer diese dämlichen „Spezialfälle“ generiert von Menschen mit zuwenig Kompetenz und zu grossem Selbstbewustsein die Schaden anrichten. Hält sich beidseitig in etwa die Waage….

  7. Als nächstes werden dann die CH Zahlungsaufträge in Bangladesh abgefertigt, da es ist dann noch billiger. Da kann man ja gleich wieder selber bei der Post cash einbezahlen (dann fallen wenigstens bei den allenfalls durch die ZKB verspäteten Kreditkartenbegleichungen keine happigen Verzugszinsen an).

  8. Scholl und Co. interessiert das wohl kaum. Die meisten ZKB-Kunden lassen sich das ja eh gefallen. Warum sich also anstrengen, wenn der Kunde sich nicht beschwert.

  9. ….wirklich tragisch…. da dauert die Ausführung einiger Zahlungsaufträge mal einige Tage länger und bei LH geht die Welt unter…

  10. Again and again, als Ex-ZKB-Angestellter mit Stolz muss ich leider mit ansehen, wie der ganze Laden bachab geht. Hundslausige Führung, Abzocke auf der Teppichetage à la UBS und CS. Eigene Swisscanto-Fonds (BVG-Fonds Sparen 3) werden neu gebührenpflichtig. Es ist für mich Zeit, auch als Kunde dieser Bank den Rücken zu kehren. Nerven bringt nicht, Handeln ist angesagt.

  11. Wurde das im Vorfeld nicht getestet? Belastungstest wann? Da gab’s wohl einmal mehr eine Deadline zum Go-Live und das muss ja eingehalten werden. Dem Testings für System- und Processeswechsel wird heutzutage viel zu wenig Aufmerksamkeit gegeben. Aber: wer will/soll das erledigen, und wann?

  12. Aber hallo!! Ich schicke jedes Monatsende ein paar Rechnungen an das Verarbeitungszentrum der ZKB zur Ausführung. Die Swisscom hat keinen Zugriff auf mein Geld bei der Bank oder etwa doch?! Falls ja, muss ich sofort die Bank wechseln!

    • Lieber Pensionär,
      das ist tatsächlich eine interessante Frage: wer hat in diesem Falle Zugriff auf mein Konto, auf meine Daten und wurde der Kunde informiert?

    • Genau ins Schwarze getroffen! Kann doch nicht sein, oder?!! Wie bescheuert müssen die Banken-Chefs und ihre Outsourcing-Berater denn heute schon sein?! (Ist das ein Einstellungskriterium?) – Hier müsste dringend untersucht werden, wie solches Treiben mit dem Bankgeheimnis, das – nota bene – in der Schweiz zur Zeit noch Gültigkeit hat, und mit dem Datenschutzgesetz vereinbar ist.

    • Wenn sie annehmen, die Swisscom Mitwirkenden können ihre Daten nicht sehen, dann denken sie wohl auch, dass ihre ganze BVG Geschichte bzw. Daten in der Schweiz gespeichert und verarbeitet werden. Grosse Versicherer und Banken haben das alles schon vor vielen Jahren an US / Indien Gesellschaften übertragen. Auch die Programmierung bzw. Erstellung der Software für die 2. Säule ist längst nicht mehr in der Schweiz. US / indische Gesellschaften haben das so im Griff, dass die Schweizer Versicherer / Banken nur noch zahlen können. Nur noch unser Parlament glaubt, dass mit der legal Quote der 2. Säule Schweizer Gesellschaften bezahlt werden. Gegen die massiven Preiserhöhungen der US – indischen Gesellschaften können die Schweizer gar nichts tun. Die Software der 2. Säule wurde längst in einen proprietäre Goldesel umgebaut die nie mehr verschoben werden kann. So benutzen heute Schweizer Versicherer die Systeme anderer Schweizer Versicherer ohne dies zu wissen, da dies alles von US indischen Gesellschaften im Ausland geleitet ist.
      Es gibt nur noch ganz wenige Schweizer ausserhalb des Parlamentes, die glauben die US Behörden hätten keinen Zugriff auf unsere Daten der 2. Säule.

    • Lieber Pensionär

      Willkommen in der Realität. Mit der aufgezwungenen Abkehr vom Schwarzgeld sind bei den Banken die Margen zusammengebrochen und nicht nur die Teppichetage, sondern auch die Horden von Vizedirektoren und andere Kader, die sich gewohnt sind, die ersten 50’000 Bonus bereits fürs tägliche Erscheinen zu kassieren, müssen Kosten drücken. Die Sicherheitssoftware wird in Indien von US Firmen geschrieben, dasselbe gilt für die gesamte Hardware Infrastruktur. Hier ist der US Staat bei jeder Transaktion dabei. Da nutzt es wenig, wenn die Kernapplikation (egal ob selber gestrickt wie bei ZKB oder von einem Hersteller wie Avaloq oder Finnova) in der Schweiz programmiert wird. Da unsere Bankdaten ohnehin nicht mehr geheim sind, dürfen wir als Kunden ganz opportunistisch sein: dort hin gehen, wo es am Günstigsten ist. Ich selber kaufe gerne beim Schweizer Detaillisten zu teureren Preisen als in Deutschland ein und sichere damit Arbeitsplätze hart arbeitender Mittelständler und Angestellter. Bei den Banklis habe ich diese Skrupel längst abgeschüttelt.

  13. ZKB, Swisscom und Post. Da haben sich ja genau die Richtigen gefunden… Kultur, Arbeitsorganisation, Markt- und Kundenorientierung – alles fügt sich nahtlos zusammen.

    Im Ergebnis wird der Kunde die Gelegenheit haben, völlig neue Erfahrungen zu machen. Wie diese Geschichte hier auch schön zeigt.

    • …es würde alles reibungslos klappen. Nur sollten eben Staatsangestellte mit Staatsangestellten zusammenarbeiten. Dann klappt immer, überall und reibungslos auch bei Prozessen die sogar eine UBS überfordern würde, ich spreche da aus Erfahrung. Aber irgend ein flotter HSG-Absolvent von der ZKB musste wohl mit famosen US-Sprech dazwischenfunken und alles besser wissen. Dort liegt das Problem.