Noble Hottinger ging Pleite wegen 100-Mio-Betrugs

Privatbank-Ende hat null und nichts mit USA zu tun, sondern mit Riesenkrimi – berühmter Italo-Sänger involviert – E-Mails gefälscht.

Das Ende der renommierten Hottinger-Bank hat nichts mit Branchenproblemen und US-Steuerdisput zu tun, sondern mit einem Krimi, bei dem Kunden um 100 Millionen betrogen wurden.

Der Fall wurde 2013 durch die SonntagsZeitung bekannt, das Ausmass kommt erst jetzt zum Vorschein.

Ein Genfer Partner und Verwaltungsrat des dortigen Hottinger-Ablegers, Fabien Gaglio, hatte rund 20 Millionärs-Kunden mit gefälschten E-Mails betrogen.

Gaglio stellte sich, nachdem ihn seine Hottinger-Bank vor 3 Jahren angezeigt hatte.

Der Fall schien damit erledigt. Tatsächlich ist er aber verantwortlich für einen spektakulären Konkurs; den ersten in diesem Ausmass seit dem Ende der Spar + Leihkasse Thun vor einem Vierteljahrhundert.

Hinter dem scheinbar geordneten Niedergang, wie ein anderer Finanzblog heute den Eindruck erweckt, steckt effektiv eine gigantische Waschanstalt, wie es niemand für möglich gehalten hätte.

Das gaben die Hottinger-Verantwortlichen diesen Sommer erstmals selber zu. Sie hatten keine andere Wahl.

Kunden und deren Anwälte und Ermittler konnten belegen, dass die E-Mails, mit denen der Genfer Hottinger-Partner sein Betrugsschema ab 2007 aufgezogen hatte, aus dem Innern der Bank verschickt worden waren.

Mit diesen E-Mails von einem Hottinger-Server täuschte der Genfer Banker und damalige Hottinger-Partner Kundenaufträge vor.

Diese existierten nicht. Die Überweisungen, mit denen er das viele Kundengeld transferiert hatte, waren schlicht gefälscht.

Eine Überweisung ging an eine Hongkonger Firma namens Asia Universal. Diese taucht in einem riesigen Betrugsfall rund um australische PK-Gelder auf.

Die Hottinger-Kunden dachten, ihr Geld würde in teure Kunstobjekte investiert.

Sie wussten nichts von einem Konstrukt des Genfer Hottinger-Manns in der Karibik.

In einem Vehikel einer karibischen Insel hatte sich der beschuldigte Vermögensverwalter offenbar eine geheime Schatztruhe angelegt.

Die geschädigten Kunden vermuten heute, dass ein Teil der geraubten Gelder immer noch dort vorhanden sein könnte, wie eine Quelle sagt.

Rund um den Fall taucht die Fondation Zao Wou-Ki auf. Hinter der Genfer Stiftung stecken Ex-Hottinger-Chefs.

Es geht um Jean-François Clermont-Tonnerre und um Adam Shamim, die beide als Verantwortliche in der Genfer Hottinger & Partners S.A. arbeiteten, über die der Betrug gelaufen war.

Die Hottinger & Partners sei schon lange nicht mehr Teil der Hottinger-Bankengruppe, liessen die Verantwortlichen damals, Anfang 2013, als der Betrug publik wurde, öffentlich verlauten.

Laut einer Quelle stimmt das nicht. Die Genfer Hottinger sei erst nach dem Betrugsfall vom Rest der Hottinger-Gruppe mit ihrer Privatbank in Zürich als Herzstück abgespalten worden.

Aus diesem Grund sahen die geschädigten Kunden die grösste Chance, um ihr veruntreutes Geld zurückzuerhalten, wenn sie auf die Zürcher Hottinger Bank losgehen würden.

Das taten sie dann auch. Und wie.

Im Sommer erhöhten sie den Druck auf die Zürcher Hottinger-Chefs. Diese hatte über die Zeit bereits einen Teil der Schuld zurückerstattet.

Zur selben Zeit war den Verantwortlichen glasklar, dass ihr eigenes Kapital niemals ausreichen würde, um alle Kläger zu befriedigen.

100 Millionen Schaden, die gegenüber Hottinger geltend gemacht wurden und welche Hottinger im Prinzip akzeptiert hatte – das überstieg die Möglichkeiten der Privatbanquiers bei weitem.

An einen Verkauf der Bank war nicht mehr zu denken. Mit einem 100-Millionen-Betrugsfall war Hottinger schlicht unverkäuflich.

Im Hottinger-Krimi taucht auch der Name eines bekannten italienischen Singer-Songwriters auf. Dieser hatte laut der Quelle ein Faible fürs Spielen im Casino von Monte Carlo.

Diverse Links des Betrugsfalls zeigen in Richtung des berühmten Spielorts. Der Name des Italo-Popstars ist derart bekannt, dass er für weitere Eruptionen sorgen könnte.

Ein Finma-Sprecher verwies auf das Communiqué seiner Behörde vor 2 Wochen, als die Schliessung von Hottinger beschlossen worden war.

Aufgrund „stetiger Verluste sowie ungelöster Rechtsfälle“ habe man den Konkurs verhängt, schrieb die Behörde am 26. Oktober – worauf alle an die USA als Grund für das Aus dachten.

Nun bestätigt der Finma-Sprecher, dass es beim Hottinger-Ende „keinen US-Link“ gebe, sondern es sich um andere Rechtsfälle handeln würde. Welche, wollte er nicht sagen.

Der von der Aufsicht eingesetzte Liquidator Karl Wüthrich, bekannt aus dem Swissair-Konkurs vor 14 Jahren, wollte sich gestern nicht zum Hottinger-Betrugsfall äussern.

Kommentare

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  1. Im Artikel beruht nicht auf Fakten. Das ist boulevardjournalismus und hat nichts mit seriöser Berichsterstattung zu tun.

    • Der Artikel beruht auf Fakten.
      Das ist seriöse Berichterstattung und hat mit Boulevardjournalismus nichts zu tun.
      N.G. vertritt Partikularinteressen und ist Lobbyist für…

    • Der raeuber ueberfielt die banken die schlauen gruenden eine bank um sie selber auszurauben……

  2. Es ist schon traurig wie abgestumpft die Leute gegenüber solch kriminellen Energie sind.

    Diskutiert man den Fall im Umfeld heisst es, ach Hottinger…Rechtsfälle halt…

    Diese Betrügereien passieren auch weil über das von den Geschäftsbanken geschöpfte Giralgeld keine Kontrolle besteht.

    Es ist Zeit die Geldschöpfung an den Staat zu geben.
    Dann müssen die Banken sich das Geld zuerst vom Staat leihen oder erarbeiten. Dann gibt es auch intern bessere Kontrolle.

    • Aha. An den Staat, der intern so streng kontrolliert…!
      Deshalb wurden ja bei der Übung „Insieme“ auch keine Steuergelder verschleudert – weil die interne Kontrolle so gut funktioniert.
      Was essen Sie z’Nacht? Ich will das auch mal probieren…!

    • Lieber Herr Fischer,

      Z’Nacht gibt’s für mich jeweils gut Bürgerliches:)

      Wenn Sie gut gestärkt sind, dürfen Sie meinen Beitrag gerne nochmals durchlesen.

      Der Nominativ des vorletzten Satzes war „die Banken“.
      Also der letzte Satz mit der internen Kontrolle bezieht sich auf die Geschäftsbanken. Auf Deutsch, die Kontrolle der Geschäftsbanken über ihre eigenen Aktivitäten.

  3. Unglaublich das diese Geschichte sich so hat abspielen können im Jahre 2013. Noch unglaublicher halte ich es das Schuldigen immer noch nicht festgenommen worden sind.

  4. aaah so ist das. Erinnert an eine andere kleine Privatbank – für Reiche – in der Ostschweiz die auch mal per sofort von der damaligen Finanzaufsicht geschlossen wurde. Das war etwa vor 10 Jahren. Die Bank hatte die Risiken eines reichen Kunden der ein Finanzinstrument mit riesigem Hebel hatte übernommen. Das ging baden. Die Bank war Konkurs.
    Wer weiss noch wie die Bank hiess ????

    • In Amriswil gab es einst das Bankhaus August Roth AG, die wurde dann von der swissfirst Bank AG übernommen. Aber die swissfirst gibt es ja auch nicht mehr. Details kenne ich aber nicht……

    • Wurde von SVP-Nationalrat Thomas Matter (resp. seiner Swissfirst Bank) übernommen. Diese hatte mit der konkursiten Erb-Gruppe in W’thur ein Klumpenrisiko und war deshalb auf der FINMA-Watchlist. Sie ging jedoch nicht Konkurs.

      Das interessante an der Bank August Roth war eine schlossähnliche Immobilie in Zürich-Wollishofen, oberhalb der Klinik Im Park (Hirslanden). Welche später der Sitz der Swissfirst Bank war.

    • Mit der Uebernahme der Bank August Roth konnte Thomas Matter quasi im Schnellverfahren eine Banklizenz einkaufen.

    • Kommentar Peter Meier unten anschauen, mit sehr interessanter Reportage ! : https://www.youtube.com/watch?v=AbmNmZi0ulM

      Swissfirst Bank wurde 2007 von der Banque Pasche, Genf, übernommen, einer Tochter der grossen französischen CM-CIC, die auch den Ableger CIC Schweiz hat.

      Heute steht die Pasche vor dem aus bzw. sollte noch in diese Monat auf die Bank Havilland übergehen. In Monaco und Frankreich laufen Verfahren.

  5. Erinnert irgendwie auch an den Betrugsfall rund um FDP-Rechtsanwalt und Kämbel-Ehrenzünfter Dr. Jörg Rappold sel. Auch dort versickerten die Kundenguthaben via Singapur.

    Herrlich die gegenseitigen Sticheleien der beiden Zürcher Finanzportale.

  6. Typisch kleine Bank. Das Compliance besteht nur auf dem Papier. Die Complianceleute dieser Banken sind bewusst unfähige aber hörige Papiertigerlis.

    Bin gespannt wen der FIFA-Sumpf in den Konkurs zieht.

  7. Michelle Hunziker – Trussardi kennt den Sänger bestimmt.
    Ich frag sie mal.
    NB: schön gemacht Maestro Hässig. Gibt es noch weitere
    Stories aus dem Berater-Bereich „Gier, Hier & Mehr“ ?